Schulreform Schluss mit dem Streit!

Wie Deutschlands Schulsystem reformiert werden muss – ein Aufruf

Das Bildungssystem in Deutschland ist in Gefahr, den Anschluss an die internationale Entwicklung zu verlieren. Der Anteil von Abiturienten ist zu klein, der von Jugendlichen ohne einen Schulabschluss zu groß. Ein entscheidender Grund hierfür ist die seit Jahrzehnten schwelende Auseinandersetzung für und wider die Gesamtschule. Sie hat zu einer Lähmung vieler bildungspolitischer Aktivitäten geführt.

Wir appellieren an die Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker in Bund, Ländern und Kommunen, alles zu tun, um diese Blockade zu überwinden und eine parteiübergreifende Einigung über die Reform des Schulsystems in der Sekundarstufe zu erzielen. Wir bitten vor allem die Schulministerinnen und -minister von CDU/CSU und SPD, den Grundsatzstreit um die Gestaltung der Sekundarschule zu beenden.

In vielen Bundesländern gibt es zusammen mit Förder- und Sonderschulen vier oder sogar fünf unterschiedliche Schulformen nach Abschluss der Grundschule. Nach allen vorliegenden Studien verletzt ein solches System die Grundprinzipien der Bildungsgerechtigkeit, da es zu sozialer und ethnischer Abgrenzung führt, problematische Lernmilieus schafft und schwierige Ausbildungs- und Berufschancen zur Folge hat. Diese Entwicklung ist vor allem an vielen Hauptschulen zu beobachten, wo es trotz größter Bemühungen der Lehrkräfte zu strukturellen Benachteiligungen vieler Jugendlicher aus bildungsfernen Elternhäusern kommen kann. Hierunter sind in den letzten Jahren besonders viele junge Männer und viele mit einem Migrationshintergrund.

Auch volkswirtschaftlich kann es sich Deutschland nicht länger leisten, leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern jenseits des Gymnasiums keinen direkten Weg zur Hochschulreife zu eröffnen. International vergleichende Studien verweisen auf einen sich abzeichnenden gravierenden Akademikermangel in Deutschland.

Wir plädieren dafür, Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen zu einer einheitlichen Schulform neben dem Gymnasium zusammenzufassen. Ziel der neuen Schulform sollte es sein, möglichst alle Schülerinnen und Schüler zu einem ersten Bildungsabschluss und möglichst viele zu einem mittleren Abschluss oder zur Hochschulreife zu führen. Dazu braucht die neue Schulform eine eigene Oberstufe, die sich aus der engen Kooperation mit Fachoberschulen, Fachgymnasien, Berufskollegs und weiteren Einrichtungen neben der gymnasialen Oberstufe bilden lässt.

Wir halten eine solche Umstrukturierung in zwei gleichberechtigte weiterführende Schulformen nach Abschluss der Grundschule für dringend notwendig, weil sich hierdurch die sich immer weiter verschärfende Benachteiligung vor allem der Schülerinnen und Schüler an vielen Hauptschulen abfangen lässt. In der neuen Schulform können Schülerinnen und Schüler besser als bisher in ihrer Entwicklung gezielt gefördert und für Ausbildung, Studium und Beruf kompetent vorbereitet werden.

Die pragmatische »Zwei-Wege-Lösung« bietet alternative Zugänge zu allen Schulabschlüssen. Sie wird nach unserem Urteil für Aufbruchstimmung im Schulsystem und für die dringend notwendigen neuen Förderimpulse für Schülerinnen und Schüler aus allen sozialen Bevölkerungsgruppen sorgen.

In einigen Bundesländern finden sich bereits Ansätze in diese Richtung. Wissenschaftliche Studien zeigen: Durch ein zweigliedriges weiterführendes Schulsystem lassen sich die problematischen Lernmilieus deutlich verringern, die in einem vielgliedrigen System unvermeidlich auftreten. Auch für die Lehrkräfte entstehen durch die neuen Gruppenzusammensetzungen und weiter gesteckte Abschlussziele erheblich bessere Arbeitsbedingungen.

Die neue Schulform kann nur dann erfolgreich arbeiten, wenn sie ein innovatives pädagogisches Profil erhält. Eine nur mechanische Zusammenlegung von Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen ist wenig effektiv. Die neue Schulform soll die Chance haben, ein wissenschaftsorientiertes, an der Lebenswirklichkeit und der Berufswelt orientiertes Bildungskonzept zu entwickeln. Sie soll so lange wie möglich einen gemeinsamen Unterricht je Fach vorsehen und Spielräume der fachübergreifenden und interdisziplinären Projektarbeit ausschöpfen. Eine gute Ausstattung mit Lehrkräften verschiedener Ausbildungsgänge, sozialpädagogischen und psychologischen Fachkräften, ein Nachmittagsangebot unter Mitwirkung vieler Träger, Kontakte zur lokalen Wirtschaft und die Etablierung von Schülerfirmen in der Schule gehören mit zu diesem Konzept. Auch die Zusammenarbeit mit Jugendhilfe, Kultur- und Sporteinrichtungen und der Erziehungs- und Sozialberatung ist anzustreben.

Wichtig ist ein gemeinsamer Name für die neue Schulform neben dem Gymnasium. Hierfür sollte ein bundesweiter Wettbewerb ausgeschrieben werden. Nur mit einem in allen 16 Bundesländern identischen Namen kann die neue Schulform bei Eltern und Schülern als feste pädagogische Größe erkennbar werden.

Ein herausragendes Merkmal der neuen Schule soll es sein, jeden einzelnen Schüler und jede einzelne Schülerin durch individuelle Förderprogramme und gezielte Anregungen auf einen optimalen Leistungsstand zu bringen. Dafür braucht die neue Schulform ein hoch motiviertes Lehrerkollegium und ausreichende Mittel für schulinterne Fortbildung und externe Beratung. Mittelzuweisung, Ausstattung, Ausbildung und Bezahlung der Lehrkräfte sollten an der neuen Schulform und dem Gymnasium gleich gestaltet werden.

Die hier skizzierte Reform des Schulsystems greift eine bereits erkennbare Entwicklung auf, die damit steuerbar und gestaltbar wird. Sie überwindet einen wissenschaftlich überholten Begabungsbegriff und setzt auf individuelle Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen. Sie vermeidet Überforderungen des Reformprozesses, indem sie am bestehenden System ansetzt. Deshalb plädieren wir für diese maßvolle Schulreform. Ihre Umsetzung würde einen wichtigen Nebeneffekt haben und die politische Glaubwürdigkeit der Volksparteien stärken. Keine Partei wird durch diesen Kompromiss ihren profilierenden Einfluss auf die Bildungspolitik verlieren. Die wirklichen Gewinner aber sind die heute benachteiligten Schülerinnen und Schüler.

Ist das der richtige Weg? Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit.

Unterzeichner: Prof. Jutta Allmendinger, PhD, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung; Gabriele Behler, SPD, ehemalige Bildungsministerin des Landes NRW; Prof. Dr. Hans Bertram, Familienforscher, Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Diether Breitenbach, SPD, ehemaliger Kultusminister des Saarlandes; Dr. Bernhard Bueb, ehemaliger Direktor der Internatsschule Schloss Salem; Prof. Dr. Michael Burda, Volkswirt, Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Dr. h. c. Ludwig von Friedeburg, ehemaliger Kultusminister des Landes Hessen; Dr. Hildegard Hamm-Brücher, Staatsministerin a. D.; Robert Heinemann, schulpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Hamburg; Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe, Universitäten Göttingen und Mannheim/ Heidelberg; Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler, Universität Bielefeld; Prof. Dr. Jürgen Kocka, Historiker, Freie Universität und Wissenschaftszentrum Berlin; Prof. Dr. Rainer Lehberger, Vorsitzender des Landesschulbeirates Hamburg; Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion; Elisabeth Lingner, ehemalige Synodalpräsidentin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche; Dr. Joachim Lohmann, ehemaliger Vorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule; Ulrich Matthes, Schauspieler; Dr. Michael Merschmeier, Verleger, Friedrich Berlin Verlag; Prof. Dr. Jürgen Oelkers, Pädagoge, Universität Zürich; Eva Rühmkorf, SPD, ehemalige Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein; Renate Schmidt, SPD-MdB, Bundesfamilienministerin a. D.; Dr. Burkhard Schwenker, CEO, Roland Berger Strategy Consultants; Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung; Wilfried Steinert, ehemaliger Vorsitzender des Bundeselternrates; Marianne Tidick, SPD, ehemalige Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein; Prof. Dr. Dieter Timmermann, Rektor der Universität Bielefeld; Prof. Dr. Gert Wagner, Vorsitzender der Sozialkammer der EKD; Prof. Gerd Wameling, Universität der Künste, Berlin; Prof. Dr. Ulrich Wehler, Historiker, Universität Bielefeld; Ulrich Wickert, Journalist; Prof. Dr. Ludger Wößmann, Volkswirt, Ludwig-Maximilians-Universität und ifo Institut; Dr. Dieter Wunder, ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

 
Leser-Kommentare
  1. Ich würde gerne eine Schulform sehen, bei der zwar alle Schüler unter dem selben Dach unterrichtet werden, aber alle Fächer auf zwei Niveaus angeboten werden, da fast niemand auf allen Gebieten gleich begabt bzw. interessiert ist. Dabei sollte sicher gestellt sein, dass in regelmäßigen Intervallen (z.B. jedes halbe Jahr) frei zwischen diesen beiden Niveaus gewechselt werden kann. Die Zulassung zur Oberstufe könnte dann beispielsweise realisiert werden indem nach der Mittelstufe genügend Fächer auf dem höheren Niveau besucht wurden, und/oder durch eine beliebig wiederholbare Zulassungsklausur.

    • ttob
    • 22.11.2007 um 11:16 Uhr

    ...den Aufruf. Es wäre zumindest ein richtiger Schritt, ein perfektes System wird es nie geben. Vor- und Nachteile haben sie fast alle.Trotzdem utopisch anzunehmen, die Parteien würden plötzlich die tiefen Gräben zuschütten und die Eltern protestfrei ihre Elite-Sprösslinge in Gesamtschulen oä schicken. So alte festgefahrene Streitfragen würden sich wunderbar für einen Volksentscheid eignen. Eine Entscheidsheftchen mit allen Pro- und Kontra und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, ein halbes Jahr öffentliche Diskussion, Abwägung und Anpassung der Entwürfe und dann eine Abstimmung. Aber ach ja, geht ja in D ja nicht :-( Na dann warten wir halt noch einige Jahrzehnte.

  2. Der Reformvorschlag in dem Aufruf geht mir nicht weit genug. Wieso alle Schulformen zusammen fassen und dabei die alte Form des Gymnasiums unangetastet lassen? So wird aus einem Drei-Klassen- eben ein Zwei-Klassen-Bildungssystem. Zugespitzt: was ist an der Qualität der Bahn besser geworden seit es nur noch Wagenklasse 1 und 2, nicht mehr aber Wagenklasse 3 mit den Holzbänken gibt?
    Die Diskussion um verschiedene Schulformen finde ich ja durchaus wichtig, aber diese deutsche Vorliebe für Strukturen und Formen kann ablenken. Wie sieht es aus mit den Inhalten? Wie und was wird an den Schulen unterrichtet? Wie ist die Qualität der Lehrerbildung? Welche Freiräume gibt es für Lehrer/innen und Schüler/innen für individuelle Entwicklung und das Beschreiten eigener Wege? Wie kann es gelingen,  in- und außerhalb der Schule, Kinder zu selbstbewussten und mitfühlenden Menschen zu erziehen? Traurig ist, dass etliche Pädagog/innen schon seit Jahrhunderten Antworten auf diese Fragen entwickelt haben, die in Fachkreisen als Binsenweisheiten kursieren und doch in der Realität meist nicht umgesetzt werden.

  3. gibt es begründete Zweifel, ob ohne die Überwindung der Kleinstaaterei, Föderalismusdiskussion, bundeseinheitlich gehandelt werden kann.
    Vorschlag zur Güte: Wenn es schon ein zweistufiges Schulsystem geben sollte, warum dann nicht auch einen bundeseinheitlichen "zweistufigen" Lehrplan. Jedes Bundesland sollte dann, wegen der "heiligen" Kulturhoheit, eine bestimmte Anzahl von Unterrichtsstunden mit eigenen Lehrinhalten, Lehrfächern, etc. füllen können. Jedoch um Chancengleichheit herzustellen sollte der übrige Lehrplan für alle Schüler das gleiche Wissensangebot bereithalten.
    Der Gipfel des Glücks wäre, nach Schaffung oben genannter Voraussetzung, dass den Heranwachsenden nicht nur Wissen mitgegeben wird, sondern das auch wieder Bildung vermittelt wird

  4. Die Initiatoren dieses Aufrufs benennen in wünschenswerter Deutlichkeit den Dreh- und Angelpunkt einer durchgreifenden Schulreform in Deutschland: Ohne einen breiten gesellschaftlichen Konsens sind hier keine Fortschritte zu erzielen. Sie haben weiterhin vollkommen recht darin, dass der seit den späten 1960er Jahren geführte und nie entschiedene (!) Streit zwischen Gesamtschulen einerseits, einem drei- bis n-gliedrigen Schulsystem andererseits schon seit langem eine zum Selbstläufer gewordene Blockade darstellt. <br>
    Umso begrüßenswerter, dass sich unter den Unterzeichnern auch mehrere alte Gesamtschulkämpen (Hildegard Hamm-Brücher, mit Dieter Wunder sogar ein ehemaliger GEW-Vorsitzender!) befinden, die im Sinne einer solchen Konsensfindung erkannt haben, dass in Deutschland die Auflösung des - ja durchaus leidlich funktionierenden - Gymnasiums zugunsten einer Einheitsschule schlechterdings nicht durchzusetzen ist. Das zeugt von Größe. Erfreulich auf der anderen Seite, dass zumindest einige renommierte wirtschaftsnahe Vertreter hier die empirisch gescheiterte Multigliedrigkeit zurückweisen und bereit sind, auch einer neben dem Gymnasium bestehenden Schulform das Recht auf Abiturerteilung zuzuerkennen. Grundsätzlich hätte man sich noch mehr Unterzeichner aus den Reihen der CDU gewünscht, aber wahrscheinlich haben die Initiatoren durchaus versucht, in diesen Kreisen breitere Unterstützung zu gewinnen und sind - noch - nicht erfolgreich gewesen. Die nordrhein-westfälische FDP hat jüngst einen ähnlichen Vorstoß lanciert, so dass vielleicht ihr Vorsitzender, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, gewonnen werden könnte. <br>
    Lobenswert am Aufruf ist weiterhin, dass er behutsam die föderalen Realitäten anspricht und vor allem einen Lösungsweg aus der, mit Verlaub, vermaledeiten Namensfrage weist. Alle bekannten Bezeichnungen wie "Gesamtschule", "Einheitsschule", "Gemeinschaftsschule" sind politisch unrettbar "verbrannt", so dass jeder, auch unkonventionelle Weg zu begrüßen ist, um hier auch auf der so wichtigen semantischen Ebene einen neuen gesamtgesellschaftlichen Bildungskonsens zu erarbeiten.
    Dem Aufruf ist eine breite gesellschaftliche Strahlkraft zu wünschen!
     
     

    • Isaidy
    • 22.11.2007 um 12:25 Uhr

    Diesen Vorschlag würde ich sofort mittragen, auch wenn ich der Meinung bin, dass das gute alte Gymnasium dann auch zur Gesamtschule mutiert, weil viele bildungsideologisch Konservative ihre Kinder - koste es was es wolle -dorthin schicken würden, wo die vermeintliche "Elite" ausgebildet wird. Und viele Kinder würden dort eben gar nicht hingehören. Aber um die CDU zufriedenzustellen, muss man sich wohl auf den Kompromiss der Zweigliedrigkeit einlassen. Feststeht, dass auf Dauer nur eine Schule anerkannt wird, die alle drei Abschlüsse unter einem Dach anbietet und in der ein Schüler auch als "Spätzünder" die Möglichkeit hat, noch die Kurve zu kriegen oder ihm anderenfalls ein demütigender Schulwechsel erspart bleibt. Ausdrücklich muss hier allerdings angemerkt werden, dass ein hoher Bildungsstandard bei allen Abschlüssen eingehalten werden muss. Die Abschlüsse an der Gesamtschule müssen qualitativ hochwertig sein und Abitur gleich Abitur. Allerdings gebe ich @DasUnheimlicheHolg Recht: bei der Profilierungssucht der Landespolitiker wird es zu keiner Einigung kommen. Das klein-klein in der Bildungspolitik wird an persönlichen Nickeligkeiten scheitern, die absolut zu Lasten der Schüler und der Bildung gehen. Gut zu beobachten ist das in Schleswig-Holstein, wo auf Druck der CDU und nur aus parteipolitischen Gründen und ohne jegliches Konzept die Regionalschule eingeführt wird, die künftig Haupt- und Realschulen zusammenfasst und das Gymnasium unangetastet lässt. Die bereits etablierten Gesamtschulen hingegen werden weiterhin von der CDU geschmäht und zu "Gemeinschaftsschulen" umbenannt, die um ihre Oberstufe fürchten müssen. Dies geht am Willen der Elternschaft komplett vorbei. Egal, Hauptsache, man bleibt konservativ. Die Folgen sind völlige Anmeldungsüberlastung auf den wenigen Gesamtschulen und bereits jetzt fünfzügige Gymnasien in den fünften Klassen. Keiner will die Regionalschule - nur die CDU. Was soll man dazu noch sagen?

  5. "vier oder sogar fünf unterschiedliche Schulformen [führen] zu sozialer und ethnischer Abgrenzung und [hat] schwierige Ausbildungs- und Berufschancen zur Folge.""...vor allem an vielen Hauptschulen...""...trotz größter Bemühungen der Lehrkräfte...""...strukturelle Benachteiligungen vieler Jugendlicher aus bildungsfernen Elternhäusern..."
    Ja und? Eine einheitliche Schule würde die Probleme nicht beseitigen! Ok, es gäbe keine Unterschiede der Erfolge aus den verschiedenen Milieus mehr...
    ...weil es GAR KEINE Erfolge mehr gäbe!
    Hat schonmal jemand auf einer Gesamtschule, die Leistungsklassen hat, erlebt, wie die späteren gymnasialen Oberstufler fertig gemacht werden? Es gibt wirksamere Methoden als Schläge (was es sicherlich auch gibt...)
    Das Ergebnis wäre also, dass kaum jemand sich die Schule antäte bzw. dort Leistung zeigen würde. Es sei denn auf Privatschulen: und dadurch fände dann echt eine Auslese statt, zur Zeit ist diese nur in den Köpfen der "benachteiligten": auch Gymnasien sind kostenlos, man muss halt nur Leistung zeigen WOLLEN...
    Dadurch gäbe es weniger Abiturienten, aber auch weniger Realschulabsolventen. Doch halt, der Artikel fordert ja (indirekt) auch dafür etwas:
    "Volkswirtschaftlich kann es sich Deutschland nicht länger leisten, leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern jenseits des Gymnasiums keinen direkten Weg zur Hochschulreife zu eröffnen."
    Aha. Soll das heißen: egal ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium (vom Niveau meine ich, es wäre ja alles ein Brei): Das Abi ist euch sicher!?
    Auch heute schon kommt wer gut ist und es WILL von der Hauptschule auf die Realschule oder Gymnasium. Aber das erfordert eben manchmal auch eigenen Einsatz...
     
    => Wir brauchen für eine leistungsfähigere Gesellschaft keine Einheitsschule! Wir müssen nur mal überlegen, ob der Staat auch jene weiterhin unterstützen soll, die ihr Leben lang "null Bock" sagen. Die Eltern sind verpflichtet, ihren Kindern auch Lernbereitschaft beizubringen! Die die das Versäumen sorgen für das "Kastensystem", nicht Staat und Schulen!
    Nachdenklich stimmende Zahlen vom Bundesamt für Statistik: 2006 gab es in Deutschland fast 2,5 Millionen Menschen OHNE Schulabschluss (Schüler und jüngere Kinder zählen nicht mit rein).Pro Jahr verlassen über 60-70000 Schüler die Schulen OHNE Abschluss.
    Warum?? Das sollte man erstmal klären, bevor man Einheitsschulen fordert! Wenn ich noch in der Schule wäre, und plötzlich in einer Klasse unterrichtet würde, wo die Hälfte vllt nicht mal richtig lesen kann, dann würde ich wohl auch aufgeben. Da würde ich sicherlich auch nicht denken: "Die sind ja unschuldig, die Eltern (oder sonstwer) tragen die Schuld an der Lernunwilligkeit." Ich würde einfach nur aufhören. Oder eben auf eine andere Schule gehen. Letzte Alternative: Ausland. Aber ob ich danach wieder zurückkäme, quasi zurück zu meinen alten Klassen"kameraden"...??

    • ttob
    • 22.11.2007 um 12:47 Uhr

    "Jedes Bundesland sollte dann, wegen der "heiligen" Kulturhoheit, eine bestimmte Anzahl von Unterrichtsstunden mit eigenen Lehrinhalten, Lehrfächern, etc. füllen können. Jedoch um Chancengleichheit herzustellen sollte der übrige Lehrplan für alle Schüler das gleiche Wissensangebot bereithalten."Die Idee klingt erstmal nicht schlecht, jedoch gibt es nach wie vor keine Chancengleicheit, wenn z.B. ein Land wie Bayern den eigenen Lehrplan dick auffüllt und Geld reinpumpt und ein anderes Land dies nicht tut (z.B. weil Geld fehlt).Das gleiche Wissensangebot ist gut und schön, aber absichern müsste man es dann auch, über gemeinsame Prüfungen.

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  • Quelle DIE ZEIT, 22.11.2007 Nr. 48
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