Bologna-Prozess Gute Noten
Der Bachelor hat einen schlechten Ruf und gilt als unbeliebt. Doch neueste Umfragen belegen jetzt: Der neue Abschluss kommt an.
Der Bachelor mag bei manchen Professoren und Studenten immer noch unpopulär sein, doch die repräsentative Absolventenstudie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) belegt jetzt: In den neuen Studiengängen sind die Absolventen zufriedener.
Die ehemaligen Bachelorstudenten sollten 26 Studienmerkmale beurteilen, von den Kontakten zu den Lehrenden bis hin zum Praxisbezug. Häufig gaben dabei zwei Drittel und mehr ihre Bewertung mit »gut« oder »sehr gut« ab – extrem gute Werte.
Die große Überraschung findet sich indes in der Umfrage unter den Absolventen der traditionellen Studiengänge. Auch wenn die Werte beim Diplom und Magister insgesamt deutlich niedriger als beim Bachelor liegen, hat sich zwischen 1997 und 2005 eine kleine Revolution ereignet: Während etwa in den Neunzigern nur 43 Prozent mit der Betreuung zufrieden waren, sind es jetzt 59 Prozent.
Die Revolution in den Studiengängen, die vor der Abschaffung stehen, hat einen Namen: Bologna. Die Einführung der neuen, europaweit vergleichbaren Abschlüsse hat auch in den traditionellen Programmen den Druck auf die Professoren erhöht, eine bessere Lehre zu bieten.
Bologna-Skeptiker sollten sich die HIS-Zahlen daher lieber nicht so genau anschauen. Sie müssten sonst anfangen, den Bachelor zu mögen.
- Datum 22.11.2007 - 01:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.11.2007 Nr. 48
- Kommentare 4
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Der Bachelor hat einen schlechten Ruf und gilt als unbeliebt. Doch neueste Umfragen belegen jetzt: Der neue Abschluss kommt an.
Hm. Bei so einem Teaser erwarte ich entweder einen Artikel über die steigende Zahl von Studienanfängern, die einen Bachelor-Studiengang aufnehmen (was eine Selbstverständlichkeit ist, da Diplom-Studiengänge kaum mehr angeboten werden) oder eine Aussage über die Berufschancen von fertig ausgebildeten Bachelors (die wegen der kleinen Stichprobe wohl noch gewagt sein dürfte).
Stattdessen kommen nicht weiter erläuterte Umfragen (unter welchen Fächern wurde gefragt? an welchen und wie vielen Hochschulen? Welche Stichprobengröße? Gibt es Korrelationen zwischen einem Bachelor- und einem an derselben Hochschule angebotenen Diplom-Studiengang? usw.) über die Studienbedingungen, nein: über die empfundenen Studienbedingungen (wer Bachelor studiert, ist jung und hat i.d.R. keine Vergleichsmöglichkeiten...)
Was lernen wir also aus dem Artikel? Nichts. Thema verfehlt. Schade.
Wer jemals mit dem politisch gesteuerten HIS zu tun hatte, weiß, was er von dessen Erhebungen, Statistiken und Normen zu halten hat.
Daß sich die ZEIT unkritisch zum Sprachrohr des HIS macht, ist nicht zufällig, aber dennoch ein Disaster für diese Wochenzeitung.
Sammy Senkbley
Der Bachelor kommt in solchen Umfragen noch relativ gut an, da den aktuellen Absolventen viele interessante Masterstudiengänge bei geringer Konkurrenz um die Plätze offenstehen. Diese zur Zeit überwiegenden Absolventen oft spezialisierter Studiengänge an kleinen Unis sind aber nicht repräsentativ. Und nicht zu vergessen: Noch brummt die Konjunktur !Vielmehr führt die verordnete 2.5 Schranke für den Masterzugang zu Magenkrämpfe bei den jungen Bachelor Studenten, vor allem den intrinsisch motivierten in vielen Naturwissenschaften (Chemie an unserer Hochschule, an den Unis Bremen, Berlin (FU), Frankfurt) Lest hierzu den FAZ Beitrag : Der Bachelor im Test:http://www.faz.net/s/RubC...Es werden in der FAZ-Serie Studenten und Dozenten vor Ort befragt und von den Redakteuren Veranstaltungen besucht anstatt HIS Pressemitteilungen reduzierend für billige Propaganda aufzublasen. Das ist kritischer Journalismus und hebt sich wohltuend von der Zeit Berichterstattung im Hochschulbereich ab.Dass der Autor die Verbesserung der studentischen Beurteilung der Diplom- und Magister-Studiengänge zum Zwecke seiner ideologischen Selbstvergewisserung pauschal Bologna zuzuschreibt, will ich hier nicht weiter kommentieren.Wie wäre es aber mit folgender Erklärung: Seit 1990 sind vielleicht 50% der Lehrstühle mit einer neuen Generation weltgewandter Hochschullehrer besetzt worden, die einfach einen guten Job in der Lehre machen ??Oder etwas frech: Vielleicht sehen sie die Diplomer an den Massenunis die armen Bachleors und wissen, wie gut sie es haben ? Das grösste Problem von Bolgona sind die bürokratischen Exzesse in Deutschland und die von den Ländern diktierte 2.5 Schranke für den Master. Ich war von 2000-2003 ein großer Befürworter der Reform bis ich merkte, was man sich konkret für unser Bundesland ausgedacht hatte...Erst ab 2009, wenn die ersten großen Jahrgänge an den Massenunis abschließen, kann es eine aussagekräftige Bestandsaufnahme geben, eine Bilanz wohl erst 2011.Der hochschulpolitische Schlagabtausch wird spannend, vor allem wenn es mit der Konjunktur bergab gehen sollte und die Bachelerabsolventen mit schlechten Noten und schlechten Jobaussichten nicht einfach weiterstudieren können. Dann wird es einen heilsamen Druck auf die Wirtschaft geben, die dann mit 21 Jährigen Junggesellen anstatt lebenserfahrenen 26 jährigen Diplomern vorlieb nehmen muss.
Spiegelauszug zu Hochschultahmengesetz, KMK und Bologna, der sich mit Praxiserfahrungen an Massenunis deckt. Langsam aber sicher wird dies auch zur Zeit durchsickern ......Die Kultusminister der Länder hätten, wenn man sie
gelassen hätte, die Universitäten schon 1968 zugrunde gerichtet. Jetzt sind sie
wieder dabei.Niemand ist mehr verantwortlich Ohne Not hat die KMK verfügt, dass die Umstellung der
Studiengänge auf Bachelor und Master "flächendeckend" bis 2010
durchzusetzen sei. Das beruht zwar auf Brüsseler Vorgaben, doch die waren
allenfalls Empfehlungen. Der vereinigte Eifer der Länder bringt die Hochschulen
verbreitet an den Kollaps. Denn der weitgehend unsinnige Umbau der Ausbildung
kostet Geld, das die Länder nicht aufbringen wollen.Auch die KMK hat keine Ahnung, wie sie mit dem
Studentenandrang fertigwerden soll, der ab 2010 auf die Unis zukommt. Niemand
hat eine Ahnung. Denn mittlerweile ist niemand mehr verantwortlich.Brauchen wir ein Hochschulrahmengesetz? Spätestens
nach der nächsten Studentenrevolte.
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