Kreditverkäufe Handel mit Problemkrediten
Hausbank war einmal
In guten wie in schlechten Zeiten – dieses Versprechen galt einst zwischen den deutschen Banken und ihren Kreditnehmern. Doch vom traditionellen Modell der Hausbank haben sich viele Geldinstitute längst verabschiedet. Läuft es wirtschaftlich nicht rund, wollen sie ausfallgefährdete Darlehen möglichst schnell loswerden. So brachten vor allem die Immobilienkrise in Ostdeutschland und der Zusammenbruch der New Economy den deutschen Markt für Kreditverkäufe in Bewegung. Im Jahr 2003 kam es zu ersten größeren Transaktionen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geht davon aus, dass die deutschen Banken zwischen 2003 und 2005 etwa ein Fünftel ihres Bestandes an Not leidenden Krediten verkauften.
Die Neuregelung der Eigenkapitalvorschriften (Basel II) macht Darlehensverkäufe für die Geldhäuser noch attraktiver: Demnach müssen Banken für Problemkredite zusätzliches Eigenkapital zurücklegen – eine deutliche Einschränkung ihres Geschäftes. Verkaufen sie die ausfallgefährdeten Darlehen, können sie wieder mehr Kredite vergeben und investieren.
Laut Stefan Schäfer, Analyst bei Deutsche Bank Research, kommt diese Refinanzierung allen Bankkunden zugute. Sie führe zu einer »allgemein besseren Kreditverfügbarkeit« und zu »tendenziell niedrigeren Zinsen«. Davon profitiere die gesamte Volkswirtschaft: »In konjunkturellen Abwärtsphasen droht so nicht die Gefahr, dass die Banken die Kreditvergabe aufgrund der Not leidenden Darlehen in ihren Büchern stark einschränken müssen. Das erhöht die Finanzstabilität.«
Trotz aller positiven Effekte: Die rege Aktivität freut zuallererst die Darlehenskäufer. Laut einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen in Hamburg gibt es von ihnen zurzeit etwa 60 auf dem deutschen Markt. Für das kommende Jahr sei mit einer Verdopplung zu rechnen. KRE
- Datum 05.02.2008 - 01:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.11.2007 Nr. 48
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