Single - das Wort kann vieles bedeuten. Als es vor fast vierzig Jahren aufkam, stand es für eine Sozialutopie: die Hoffnung, man könne glücklicher leben, indem man in der Liebe keine Verpflichtung eingeht.

Die Pille und eine freiere Moral machten es möglich, aber für die meisten nicht erstrebenswert. Die Singles aus Prinzip sind eine Minderheit geblieben. In Befragungen sagen die meisten Alleinlebenden, sie hätten nur noch nicht den Richtigen gefunden.

Und so bezeichnete das Wort Single schon bald auch das Gegenteil seiner ursprünglichen Bedeutung. Es wurde zur Beschönigungsformel für Lebensphasen der Einsamkeit und verzweifelten Partnersuche. Und während die Wissenschaft noch stritt, ob sie es nun mit der »Speerspitze der Individualisierung« oder »defizitären Sozialfiguren« zu tun habe, machten sich die Singles ganz unideologisch in der Mitte der Gesellschaft breit.

Wer heute von Singles spricht, meint damit meist keine Gesinnung mehr, sondern eine Lebensweise. Der weiteste Begriff versteht unter Singles einfach alle, die allein wohnen. Er liefert die exaktesten Daten - Haushalte sind leicht zu zählen. Demnach leben in Deutschland zurzeit etwa 15 Millionen Singles. Das heißt: jeder fünfte hierzulande. Vor einem Vierteljahrhundert war es nur jeder zehnte. Mitgezählt sind dabei freilich viele Menschen, die wir kaum als Singles anreden würden, vom Studentenheimbewohner bis zur betagten Witwe. Schaut man nur auf die Altersgruppe von 25 bis 55, sieht es so aus: Jeder fünfte Mann und jede achte Frau lebt allein. Darunter sind allerdings noch Wochenendheimfahrer und getrennt wohnende Paare, die sich nicht so leicht herausrechnen lassen. Umgekehrt fehlen bei dieser Zählart alleinerziehende Eltern und Wohngemeinschaftsbewohner.

Das ist der Haken, wenn man Singles im alltäglichsten Sinne verstehen will, also als Partnerlose mittleren Alters: Es mangelt an verlässlichen Zahlen. In Deutschland dürfte es um die 5 Millionen dieser Art Single geben. Vieles deutet darauf hin, dass ihre Zahl auch weiter ansteigen wird. Von einer Vereinzelung der Gesellschaft sind wir aber noch weit entfernt. Die Singlequote verändert sich weniger drastisch als die Weise, sie zu berechnen.