Allein haushalten ist leicht geworden. Kein Single steht mehr beim Einkaufen ratlos vor Kartoffelsäcken und Klopapierungetümen. Die Warenwelt schrumpft sich auf ihn ein. Besuch bei Edeka am Mühlenkamp in Winterhude, einem der Singleviertel von Hamburg. Die Pfandmünze kann man gleich wieder einstecken. Hier verkehrt nicht die Kundschaft, die Einkaufswagen klaut. Oder auch nur benutzt. Zur Stoßzeit am Abend sieht man vornehmlich junge Leute mit Körben. Darin sind die erstaunlichsten Dinge: Carpaccio in der 100-Gramm-Packung mit je einem Beutelchen Olivenöl, Zitronensaft und Parmesan. Frische Ananas, fein zurechtgeschnitten wie die aus der Dose. Für die Allerfaulsten sogar vorgebratene Omeletts mit Speck.

»Singles wollen Zeit sparen«, sagt Bernd Enge, der Prokurist. »Die lassen lieber uns für sich kochen und essen dann beim Lesen, Fernsehen, Surfen.« Und, anders als das Klischee es will, beileibe nicht nur Junkfood. Gleich am Eingang des Marktes liegt der Convenience-Bereich mit einer gewaltigen Auswahl an Sandwiches, Wraps, Dipgemüse, Pasta, Sushi samt einer zehn Meter langen Salatbar – alles von fünf Mitarbeitern täglich frisch zubereitet. Gleich dahinter ein Kühlregal mit Getränken. »Für die, die nicht daran gedacht haben, sich daheim etwas kalt zu stellen, oder konstant nicht dran denken wollen.« Vorratshaltung, hat Enge bemerkt, trifft man nur bei Familien und Senioren. Der Single kauft für den Moment.

Beim Preisvergleich in der Konservenabteilung fällt auf, dass die kleinen Dosen kaum billiger sind als die großen. Es geht den Singles offenbar nicht um Kostenersparnis, eher darum, nichts wegwerfen zu müssen. Bernd Enge erklärt sich das so: »Die haben daheim ja keinen, zu dem sie sagen können: Isst du das mal auf?« Auffallend gut geht die Feinkost, Verwöhneinheiten für den solitären Abend. Wer will, kann sich ein Achtgängemenü aus ebenso vielen Ländern mit nach Hause nehmen, alles in mundgerechten Portionen. »Vielfalt ist ganz entscheidend«, sagt Enge. So können die Singles sich nach jedem Einkauf selbst überraschen mit neuen Produkten. Sie haben ja keinen, der sie überrascht.

Holger geht noch mal nach draußen. Er hat keine Lust, aber heute ist Sporttag. Und er muss fit bleiben. Singles sterben früher, liest man ja immer wieder. Saufen und rauchen vor lauter Frust und kommen nicht mehr aus ihrem Bau. Irgendwann stehen sie dann in der Zeitung, Rubrik grausige Funde. Ohne mich, denkt sich Holger und stellt den Crosstrainer auf Power Walk ein. Das Studio ist gleich um die Ecke und hat bis spätabends geöffnet. Um diese Zeit gehört es den Singles.

An sich arbeiten, das ist auch so ein Single-Ding. Manche lernen Sprachen, andere gehen zum Therapeuten, wieder andere stürmen im Neonlicht Gipfel. Punkte sammeln nennt Holger das. Mit jedem ausdefinierten Muskel, meint er, steigen seine Chancen im Leben ganz allgemein.

Schau an. Ipanema ist wieder da, sie steigt auf das Bike gegenüber. So hat Holger die junge Frau getauft, die sein Lächeln niemals bemerkt. Er wird warten, bis sie müde ist, und später an der Vitaminbar zufällig auf sie stoßen. Sie wird ihm sagen, dass sie Angst hat, im Dunkeln nach Hause zu gehen. Könnte er sie nicht ein Stück begleiten?

Singles sind die wahren Romantiker, jedenfalls manche. Mit dieser kühnen Behauptung konnte die Journalistin Sasha Cagen in den USA einen Bestseller landen. Mochten andere Autoren über verkümmerte Gefühle lamentieren, sie drehte den Spieß um. Wir warten eben lieber auf unseren Traumpartner, schreibt sie in ihrem Buch Quirkyalone, als uns in freudlosen Kompromissbeziehungen die Hoffnung auf Besseres zu rauben. Und wenn wir dabei ein bisschen quirky, kauzig, werden, dann nur aus innerem Reichtum.