Russland Generation Putin

Russland vor der Parlamentswahl: Warum gerade die Jungen und Erfolgreichen für den Autokraten sind

Gibt es das: die Generation Putin? Ein junges Russland, das nicht einfach abgestumpft und manipuliert ist und trotzdem einen Präsidenten will, der im Westen (und bei der russischen Opposition) als Zerstörer von Bürgerfreiheiten gefürchtet wird – und der vor der Parlamentswahl am kommenden Sonntag Protestmärsche auseinanderjagen, Demonstranten festnehmen lässt? Die Präsidentenpartei Einiges Russland mit Putin als Spitzenkandidaten dürfte die Wahlen ohne Mühe gewinnen. Keineswegs nur mit den Stimmen von alten Leuten aus der Provinz.

Michail Andrejew hat vor knapp zehn Jahren seine Ausbildung zum Finanzfachmann beendet und am Bankschalter Zahlenkolonnen addiert, bis es ihm zu langweilig wurde. Er riskierte die Selbstständigkeit, wusch Autos, handelte mit Lebensmitteln und entwickelte Immobilienprojekte. Heute zählt der 27-Jährige eine Wohnung, ein Haus im Moskauer Umland und zwei Autos zu seinem Besitz. Sein Aufstieg zum Immobilienmanager in Nadelstreifen fiel mit Wladimir Putins Präsidentschaft zusammen, die 2000 begann. »Er gab der Wirtschaft die nötigen Gesetze und eine Struktur«, sagt Andrejew. Mit Putin verbindet er Ordnung, Verantwortungsgefühl – und seinen eigenen Wohlstand. Bei der Parlamentswahl wird er für Einiges Russland stimmen.

Andrejew zögert trotzdem, sich einer Putin- Generation zuzurechnen. Die neunziger Jahre unter Präsident Jelzin haben ihn ebenso stark geprägt, als Schreckbild: »Das war ein einziges Chaos, in dem einige den Staatsbesitz vor unseren Augen in Stücke rissen und sich bereicherten.« In wenigen Monaten wurden aus manchen Mitschülern Millionärskinder. Den Verlag seiner Mutter stürmten Banditen und zerstörten Papiere und Druckvorlagen. Sie machte bankrott. »Als Putin Präsident wurde, blieb uns als Einziges der Glaube, dass er ein starker Mann an der Macht sein wird«, so Andrejew. »Nur dann geht es Russland gut.« Heute zählt er Putin in einer Ehrenreihe mit Iwan dem Schrecklichen (als starker Mann hoch angesehen), Katharina II. und Stalin auf. Sein Beruf ist das Prisma seiner politischen Wahrnehmung: »Früher haben wir jeden ausländischen Fonds zu seinen Bedingungen als Investor akzeptieren müssen«, sagt Andrejew. »Heute diktieren wir unsere Regeln.«

Seit acht Jahren dominiert Putin die russische Politik. Russen, die heute Mitte 20 sind, haben kaum eine Erinnerung an einen anderen Präsidenten. Knapp 43 Prozent der 25- bis 39-Jährigen wollen nach einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums bei der Parlamentswahl am Sonntag sicher für Putins Partei stimmen. Bei den über 55-Jährigen sind es nur 37,2 Prozent. »Je jünger, je städtischer und je erfolgreicher die Wähler sind«, erklärt der Soziologe Wladimir Dubin, »desto mehr sind sie für Putin.«

Seine stärkste Anhängerschaft findet der Präsident in den mittelgroßen Städten mit bis zu einer Million Einwohnern, wo die Früchte des Wirtschaftsaufschwungs auf bescheidene Erwartungen stoßen. In den Kleinstädten hat sich dagegen noch Unzufriedenheit gehalten. Das Leben ist oft von bleierner Ereignislosigkeit und sozialer Immobilität. Ohne Geld für Studiengebühren oder Bestechung bleibt eine prestigeträchtige Ausbildung für viele unerreichbar. In den Millionenstädten, vor allem in Moskau, ist dagegen die Zahl der gebildeten und erfolgreichen Wähler besonders groß. »Sie haben verschiedene Informationsquellen und das Internet, das bisher noch nicht von Zensur betroffen ist«, erklärt Dubin. »Sie sind aktiver und anspruchsvoller und spüren gerade in der Wirtschaft stärker die Grenzen, die ihnen das Regime setzt. Deshalb ist das kritische Potenzial etwas höher.« Trotzdem: »Auch in Moskau wird mehr als die Hälfte der jungen Russen für Putin stimmen.« Sie möchten die Gegenwart konservieren oder haben Hoffnung auf eine bessere Zukunft. »Junge Menschen sind in Russland auf ihre Karriere konzentriert«, sagt der Philosoph Michail Ryklin. »Sie können vor allem in Moskau in wenigen Jahren erfolgreich sein. Wenn sie ein paar Tausend Dollar verdienen, gelten sie schon als Aufsteiger. Diese Menschen werden das Regime unterstützen.«

Russlands junge Generation lebt in einer entidealisierten Gesellschaft, die kaum ein Skandal mehr in Erstaunen versetzt oder gar entrüstet. Die große Mehrheit bezeichnet sich in Umfragen als eher unpolitisch. Wie bei den Eltern rangieren die Werte des familiären Glücks und der beruflichen Leistung ganz oben. Der Generationenkonflikt fällt aus. »Viele der jungen Menschen verdienen mehr Geld als ihre Eltern und sind die Herren im Haus«, sagt Dubin. »Wie soll es da zur Revolte kommen?«

Institutionen wie Parlament, Parteien oder Gerichte gelten vielen als korrupt oder inkompetent. Vertrauen genießen vor allem Putin und die orthodoxe Kirche. Die Studentenszene beschränkt sich meist auf gemeinsames Fernsehgucken im Uni-Café. Das verschulte Studium und die Angst, die akademische Karriere aufs Spiel zu setzen, entpolitisieren zusätzlich. Im Vergleich zwischen Polen und Russland zeige sich, erklärt Dubin, dass nur gut 10 Prozent der Warschauer, aber 40 Prozent der Moskauer Jugendlichen angeben, nie über Politik zu diskutieren. Patriotismus ersetzt für viele die fehlende Ideologie. Fast 44 Prozent aller Jugendlichen nennen eine respektierte oder gar gefürchtete Weltmacht als Staatsziel, das sie angestrebt sehen wollen.

Das sowjetische Modell scheint vielen zwar bekannt aus den Erzählungen der Eltern und durch die in den Medien verbreiteten Mythen, die nostalgisch von sozialer Gleichheit schwärmen und die Arbeitslager und den Warenmangel verdrängen. Aber zurück in die Vergangenheit möchte nicht einmal jeder Zehnte der Jugendlichen. Michail Andrejew erinnert sich zwar mit Freude an seine Pioniertage, die Gewerkschaftsreisen der Mutter ans Schwarze Meer und das Gefühl, dass der morgige Tag gesichert sei. Aber über das sowjetische System sagt er: »Es hat sich selbst abgeschafft« – und nennt als wichtigste, unumkehrbare Errungenschaft gegenüber dem Sozialismus das Privateigentum.

Wenn Andrejew die Erfolge Putins aufzählt, resümiert er dessen großen Wahlkampfauftritt im Moskauer Luschnikij-Sportstadion in der vergangenen Woche: Stabilität, wirtschaftlicher Erfolg und Modernisierung eines Landes, das nicht mehr von außen manipuliert werden könne. Putins Rede im amerikanischen Wahlkampfstil vor 5000 jungen Anhängern war speziell auf die Jugend abgestimmt: voller Dynamik für die Gleichgesinnten und mit drohendem Unterton gegenüber den Oppositionellen. »Putin«, sagt der Soziologe Dubin, »tritt als der große Bruder auf, der die positive Kraft des Alters zeigt, ohne wie der Vater Repression auszuüben.«

Alexej Schaposchnikow tauscht immer noch mit seinen Mitstreitern Handyfotos aus, auf denen er während der Wahlkampfrede am Rande der Bühne zu Füßen des Präsidenten zu sehen ist. Er ist 34 und Koordinator der Jugendgruppe der Präsidentenpartei, Junge Garde, in Zentralrussland. »Das ist mein Frühstück«, kokettiert er am späten Nachmittag im Restaurant über seinen Spaghetti carbonara. Schaposchnikow hat sich als modernisierter Komsomolze, wie die kommunistisch organisierten Jugendlichen in der Sowjetunion hießen, eine schwarze Brille mit massiven weißen Bügeln ausgesucht. Wie Putin trägt er einen schwarzen Rollkragenpullover unter dem Sakko. Den Präsidenten charakterisiert er mit sechs Worten: »sauberes Gewissen, klare Ansichten, kräftige Hände«. Ohne die Faust gehe es bekanntermaßen nicht in Russland. Schaposchnikow ist für den Kampf gegen den »auslandsfinanzierten« oppositionellen Garri Kasparow und für vaterländischen Stolz: »Vor Kurzem haben mir Mädchen in einer Berliner Diskothek anerkennend den Siegerdaumen gezeigt, als sie erfuhren, dass ich Russe bin.«

Schaposchnikow leitete bereits die Komsomolzenschar seiner Schule. In den neunziger Jahren vermisste er eine staatliche Jugendpolitik. »Das hat sich mit Putin geändert«, sagt er. Tatsächlich lenkte vor allem die orangefarbene Revolution in der Ukraine, die stark von Studenten getragen wurde, den Blick auf die Jugend als Mobilisierungspotenzial. Manche Jugendliche, die sich den vom Kreml gesteuerten Organisationen anschließen, werden in Sommerlagern darauf vorbereitet, im Fall eines Volksaufstands als Fußtruppe Putin zu verteidigen.

Vom Kreml gesponserte Webseiten bieten Videofilme mit Putin zum Soundtrack der Piraten der Karibik. Auch auf den Blogseiten sind die Jung-Putinisten mit Jubeleinträgen über den Präsidenten aktiv. Die Foren im Internet bieten Jugendlichen, was das propagandistische Fernsehen schon lange nicht mehr leistet: Diskussionen. 90 Prozent der Sendezeit der Fernsehnachrichten waren im Oktober laut einer Studie des Zentrums für Extremjournalismus dem Präsidenten, den Staatsbehörden, der Regierung und der Partei Einiges Russland gewidmet.

Die Junge Garde betreibt zielstrebige Personalpolitik: Für die Stadtratswahl in Moskau im nächsten Jahr bereitet sie 500 Kandidaten vor. Das Projekt, das eine Kaderreserve der Staatselite hervorbringen soll, trägt den Titel »Politfließband«. Schaposchnikow, der am Sonntag für das Parlament kandidiert, erklärt den besonderen Reiz seiner Organisation: »Wer sich bewährt, bekommt die Chance auf höhere Parteiämter.« Er nennt das Prinzip den »sozialen Fahrstuhl«.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. ?

    "...und der vor der Parlamentswahl am kommenden Sonntag Protestmärsche auseinanderjagen, Demonstranten festnehmen lässt?"Na, dann ist der Putin ja auch im weltweiten "Trend der Verrohung" - schöne Grüße an W. Schäuble und seine Kriegs-Jets, die Demonstranten überfliegen dürfen.

  2. 2. WWIII?

    "Fast 44 Prozent aller Jugendlichen nennen eine respektierte oder gar
    gefürchtete Weltmacht als Staatsziel, das sie angestrebt sehen wollen."aha.

    • ASeidl
    • 30.11.2007 um 9:46 Uhr

    ... die 44 Prozent! Ist doch allemal besser, eine Weltmacht zu sein, als Kasperlpuppen von Bush und Merkel und der EU-Kommission, diesen Kreuzzüglern!
    Und WWIII? Durch Putin? So ein Schmarrn - siehe oben ... Und glaubt jemand im Ernst, die genannten Figuren sind in Rußland populär mit ihrer Politik?

    • outis
    • 30.11.2007 um 10:00 Uhr

    WWIII?Eine ehemalige Großmacht, die sich von der Weltgeschichte gedemütigt und ihrer natürlichen Rolle als hegemonialer Größe unter den Nationen beraubt fühlt.Die durch Phasen des chaotischen Umbruchs in Verbindung mit massenhafttem Elend gegangen ist und sich nun nach einer starken Hand sehnt, einem neuen Führer (Vozhd', ein Titel Stalins) ,der die historischen Fehlentwicklungen korrigiert, das Volk hinter sich schart, um es zu neuer imperialer Größe zu führen.Das hat man irgendwo schon mal gehört.Ein Hauptproblem Russlands ist wohl, dass die im Artikel zitierten historischen Größen, Stalin und Ivan IV als Identifikationsfiguren dienen müssen.Ersterer wird im Westen zwar als der Jahrhundertverbrecher betrachtet, der er war, in Russland verbindet man mit ihm aber auch , den Aufstieg zur Industrienation und Supermacht und den Triumph im großen vaterländischen Krieg. Letzterer hat sich als erster Moskauer Großfürst den Titel des Zaren zugelegt und mit seinen Versuchen zur Durchsetzung der zaristischen Zentralgewalt, auch durch Terror, einen wichtigen Beitrag zur Schaffung des russischen Imperiums geleistet. Die Übersetzung seines Beinamens als "der Schreckliche" ist irreführend, groznyj bedeutet eher etwas wie furcht- und respekteinflößend. Da liegt der Hund begraben: Die Russen haben scheinbar niemals gelernt, dass man respektiert werden kann, ohne Furcht zu verbreiten.

  3. "Wer sich bewehrt, bekommt die Chance auf höhere Parteiämter."Herrlich subtil. Spielt Herr Voswinkel hier mit großem sprachlichen Geschick auf mögliche Angriffe der Opposition an?

    • Jahey
    • 30.11.2007 um 15:09 Uhr

    Danke für diesen Bericht. Ich befürchte allerdings, dass die Abwartehaltung des Westens gegeüber Russland sich rächen könnte und das schneller als wir alle glauben. Die putinnahe Jugendbewegung  "Nashi" druckt jetzt schon  Flyer, in denen von einem "niederschmetterndem" Sieg der Putinpartei die Rede ist.http://dejarus.blogspot.c...Wenn man sich die Aufrufe durchliest, hat man das Gefühl, dass schon sehr bald etwas passieren könnte. Etwas was vielleicht die Frage der dritten Präsidentschaft entscheiden wird.

  4. Immer wieder spricht man über die mangelnde Demokratiefähigkeit Russlands.
    Putin, als (Allein-)Herrscher, verglichen mit Monarchen (Iwan Grozny) oder Despoten (Stalin). Nun, ein kurzer Blick in die Geschichte lohnt.
    Russland, ehemals größtes Land der Erde, wo 1860 die Leibeigenschaft endete, starte aus einer monarchistisch-feudalen Struktur direkt in den 1. Weltkrieg und anschließend folgte ein jahrelanger Bürgerkrieg . Die  70 Jahre andauernde despotisch-kommunistische Herrschaft, welche Millionen von Menschen das Leben (Stichwort Zwangskollektivierung unter Stalin) kostete und der zweite Weltkrieg tat sein übriges zerstörerisches Werk. Die nach 1945  fortgesetzte kommunistische Planwirtschaft in der Phase des kalten Krieges stellte ebenfalls keinen 
    Nährboden für irgendeine Form von Demokratie dar. Nach dem Zerfall der UdSSR 1990 und der Einleitung von ersten aufkeimenden demokratischen Reformen wurde 1991 dieser Prozess bereits wieder durch putschende Altkommunisten unterbrochen.
    Es begann die Ära des Wild- West, des Turbokapitalismus unter Jelzin.
    Die russischen Oligarchen (oft auch noch aus der alten Nomenklatura) die unter Jelzins Amtszeit auf mehr als dubiosen Wegen zu unermesslichen Reichtum gelangten, indem sie das Land regelrecht plünderten, waren zugleich seine Steigbügelhalter.  Demokratische Verhältnisse? Es galt das offen propagierte und vor allem gelebte Recht des Stärkeren.  Unter Jelzin halbierte sich nicht nur das Bruttonationaleinkommens Russlands, im Sommer 1998 war Russland praktisch zahlungsunfähig, sogar private Guthaben wurden eingefroren. Er hinterließ das Land am Rande des Bankrotts, mit zerrütteten staatlichen Strukturen, verarmter Bevölkerung, drastisch gesunkenem internationalen Einfluss, der zweite Tschetschenien-Krieg war angebrochen.

    Wie bitte konnte und sollte sich denn in diesem Jahrzehnte andauernden Prozess überhaupt nur im Ansatz ein Demokratieverständnis nach westlichem Muster implementieren? Praktisch über Generationen hinweg hatte die Bevölkerung weder Kenntnisse einer funktionierenden Demokratie oder war diese Nation gar mit einem freien Wahlrecht vertraut.
    Dann kam Putin an die Macht, der wegen seiner geheimdienstlichen Vergangenheit nicht dem Idealtyp westlicher Demokraten entsprach.
    Andererseits vielleicht auch deswegen vielem ein Dorn im Auge war, weil er nicht den Typ des alten Apparatschik russischer Prägung entsprach. Obwohl aus einfachen Verhältnissen stammend, gebildet (Jurastudium), zielstrebig, diszipliniert,  wortgewandt und auch noch jung. Dinge, die man von allen alten russischen Staatsmännern höchstens in der Quersumme kannte.

    Mit dem Amtsantritt Putins begann eine Reorganisation des Landes. Separatistische  Bestrebungen von autoritären Gouverneuren, die bereits wie Feudalfürsten regierten, wurden gestoppt. Der Ausverkauf des Landes, vor allem seiner Bodenschätze wurde aufgehalten.  2001 betrug das durchschnittliche Monatsgehalt 112 Dollar,  inzwischen ist es auf  520 Dollar angewachsen. Der Staat hat  Gold- und Devisenreserven von 450 Mrd. Dollar und 150 Mrd. Dollar im Stabilitätsfonds, man ist praktisch schuldenfrei, 2007 beträgt der Handelsüberschuss rund 130 Mrd. Dollar. Der Rubel ist eindeutig stärker als der Dollar, es klingt fast wie ein Witz.
    Unter Putin wurde die Gewinnsteuer von 35 Prozent auf 24 Prozent gedrückt, es gibt  eine  so genannte Flat Tax von 13 Prozent auf die Einkommensteuer.
    Auf der anderen Seite gibt es aber auch einen Dschungel von Bürokratie, welche die Korruption im Lande extrem begünstigt. Das kann man aber auch nicht allein nur Putin anlasten, er trat hier das Erbe seines Vorgängers an. Putin machte nicht immer eine glückliche Figur, sei es bei der „Kursk“, sei es bei Chodorowski oder bei der Einschränkung von Presserechten und der Konzentration von Staatsunternehmen gewesen.
    Was viel wesentlicher ist, der extreme Destabilisierungsprozess des Riesenreiches Russland wurde unter ihm aufgehalten. Das dies nun vielen nicht gefällt, die sich am unermesslichen Reichtum des Landes auch weiter nach dem Vorbild eines SB-Supermarktes bedienen wollten, ist nachvollziehbar.
    Nur sei auch die Frage gestattet:
    Was ist besser, die ehemals von der westlichen Welt Hochgelobte Demokratie Georgiens, welche so desaströs scheiterte?
    Oder die Stabilisierung eines damals am Beginn zerfallenden Riesenreiches mit nicht immer lupenreinen demokratischen Mitteln, das sich ansonsten zu einem der größten Brandherde der Welt ausgeweitet hätte?
    Nun, ich kann die Frage nicht hinreichend beantworten. Das aber Putin die allerschlechteste Wahl war, wage ich zu bezweifeln.
    Und das demokratische exakte Lineal nach 8 Jahren anzulegen, erscheint mir daher auch mehr als verfrüht.   
    Weswegen ich  persönlich journalistische Aussagen (Zitat aus dem Zeit-Artikel) :

    „Seit acht Jahren dominiert Putin die russische Politik. Russen, die heute Mitte 20 sind, haben kaum eine Erinnerung an einen anderen Präsidenten.“

    für plakativ und populistisch halte.

    Denn da muss man ja beim Gedanken an all die „unglücklichen Jugendlichen“ unter Helmut Kohl als Jahrhundertkanzler fast in Tränen ausbrechen.

    Viel eher aber schon das Zitat:
    Wenn Andrejew die Erfolge Putins aufzählt, resümiert er… Stabilität, wirtschaftlicher Erfolg und Modernisierung eines Landes, das nicht mehr von außen manipuliert werden könne.“
    Und genau letzteres, so scheint es, schmeckt vielen Kritikern nicht . Ein Russland, das sich nicht manipulieren laesst….  

  5. Im Artikel wurde erwähnt, dass die Stabilisierung Russlands in Putins Amtszeit ein wesentlicher Grund für seine Beliebtheit wäre.Inwieweit korreliert das aber nun wirklich mit den von ihm verantworteten Maßnahmen? Ich meine, in Zeiten hoher Ölpreise und der daraus resultierende Einnahmen ist es einfach für die pünktliche Auszahlung der Gehälter zu sorgen und selbstbewusst vor Investoren aufzutreten.Was hat er jetzt wirklich für Russland gemacht?Außenpolitisch kommt mir Putin als russisches Äquivalent zu GWB vor. Sein Handeln allerdings durch Russlands reduzierten internationale Bedeutung eingengt wird. Um diesselben Dummheiten begehen zu dürfen, müssen diese Einschränkungen fallen. Dazu werden alle neuen und alten Mittel, egal wie nieder das Niveau, eingesetzt und am Ende heißt das dann "respektierte oder gefürchtete Staatsmacht".Was man Putin auf jeden Fall vorwerfen kann, ist eine Schwächung der Zivilgesellschaft. Die Dominanz der Kremel-gesteuerten Parteien, die Konzentration der Medien ist alles keine gute Ausgangslage für einen transparenten und demokratischen Staat, der wiederum das einzige wirksame Mittel gegen Russlands chronische Korruption ist. Ein Ein-Parteien-Staat und eine staatsnahe Presse wirkt eher förderlich für die Bestechung, Kartellbildung und organisiertes Verbrechen.Wenn die Rohstoffeinnahmen eines Tages aufhören zu sprudeln, dann werden diese Umstände eine ziemliche Gefahr für den sozialen Frieden.

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  • Quelle DIE ZEIT, 29.11.2007 Nr. 49
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