Man muss tatsächlich unterscheiden zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen. Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich ein Ei nach der Befruchtung in der Gebärmutter teilt; es wachsen zwei Kinder mit identischen Erbanlagen heran. Das ist offenbar ein spontaner, zufälliger Prozess – bei vier von tausend Geburten kommt die Eispaltung vor, unabhängig vom Alter und vom Erbmaterial der Mutter.

Bei zweieiigen Zwillingen ist die Lage anders. Sie entstehen, wenn zwei Eier gleichzeitig heranreifen und dann befruchtet werden; das Erbgut der Zwillinge unterscheidet sich wie das von gewöhnlichen Geschwistern. Auf tausend Geburten kommen durchschnittlich zwölf zweieiige Zwillingspaare, wobei offenbar die genetische Disposition der Mutter eine Rolle spielt. Das sieht man zum Beispiel daran, dass afrikanische Mütter viermal so häufig Zwillinge bekommen wie asiatische. Auch mit dem Alter steigt die Chance auf doppelten Nachwuchs.

Welche genetischen Faktoren dafür verantwortlich sind, weiß man nicht. Ganz gewiss ist kein einzelnes "Zwillingsgen" die Ursache. Aber die Statistik zeigt, dass die Anlage erblich ist: Eine Mutter, die selbst ein (zweieiiger) Zwilling ist, bekommt mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst Zwillinge.

Und die Sache mit der übersprungenen Generation klärt sich leicht, wenn man die Väter mit ins Spiel bringt: Ein Mann, der selbst ein Zwilling ist, hat natürlich keinen Einfluss auf die Ovulation seiner Partnerin. Er kann die genetische Disposition jedoch an seine Tochter weitergeben, sodass die erhöhte Zwillings-Chance wieder bei der Enkelin seiner eigenen Mutter auftaucht – in der übernächsten Generation also. Christoph Drösser

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