Klimakonferenz Macht und Ohnmacht
Die einen fürchten die Chinesen, die anderen den Untergang ihrer Welt: Wie sich die USA und die Malediven auf die Klimakonferenz in Bali vorbereiten.
Als die erste Welle die Insel erreicht, hält Soffiya Ali gerade die Hände ins Wasser. Ihr Mann und die Söhne sind mit dem Boot draußen beim Fischen. Soffiya Ali wäscht Hemden und Hosen in einem eisernen Bottich, da bricht plötzlich das Meer ins Haus. Irgendwie schafft sie es vor die Tür, bevor die zweite, noch größere Welle kommt. Aus den Lautsprechern, aus denen sonst Gebete klingen, brüllt eine Stimme: Rennt zur Moschee, da seid ihr sicher. Und Soffiya Ali, eine schwere, nicht mehr junge Frau mit schwachen Augen, Mutter von fünf Kindern, schiebt ihre Brille zurecht, rafft ihr Kleid zusammen und rennt.
Die Moschee hält. Soffiya Ali überlebt. Fast alle Menschen auf der winzigen Insel Kandholhudhoo im indischen Ozean überleben den Tsunami. Nur die Insel selbst nicht. Die Sandbänke weggeschwemmt, die Häuser eingestürzt, der Boden versalzen. Auf Kandholhudhoo wohnt niemand mehr. Soffiya Ali und ihre Familie sind nach Süden gezogen, auf eine Insel, die der Flutwelle standhielt. Hier leben sie seit drei Jahren in einer Wellblechhütte ohne Fenster, so wie Dutzende andere Flüchtlinge.
Soffiya Ali sagt, sie denke jeden Tag an den 26. Dezember 2004, den Tag des Tsunamis. Damals hat sie gemerkt, wie leicht das Meer sie verschlucken kann.
Die Malediven sind ein paar Sandhaufen im Ozean, nichts weiter. 500 Kilometer südwestlich von Indien. Eines der kleinsten Länder der Welt. 300.000 Menschen leben hier, verteilt auf 200 Inseln. Viele von ihnen sind öfter auf dem Wasser unterwegs als auf den Straßen, weil es auf den Malediven kaum Straßen gibt.
Bald wird es womöglich die Malediven nicht mehr geben.
Anderthalb Meter ragen die Inseln an den höheren Stellen aus dem Meer heraus. Noch. Weil an den Polen das Eis schmilzt und das Meer sich erwärmt, steigt im Indischen Ozean das Wasser. Derzeit um einen halben Zentimeter im Jahr. Manche Klimaforscher sagen einen Anstieg von fünfzig Zentimeter bis zum Jahr 2100 voraus, andere sogar von 1,40 Meter. Sicher ist: Jedes Jahr werden die Malediven ein Stückchen weiter im Meer verschwinden. Irgendwann werden dann viel mehr Menschen ihre Dörfer verlassen müssen, so wie Soffyia Ali und ihre Familie. Es liegt auch an Umweltflüchtlingen wie ihr, dass die Zeitungen auf den Malediven jeden Tag Berichte und Meldungen über den Klimawandel bringen. In den Schulen steht Umweltwissenschaften auf dem Stundenplan wie in anderen Ländern Rechnen und Schreiben.
Für die Malediven ist der Weltklimagipfel in Bali mehr als nur eine weitere internationale Konferenz. Für sie ist es der Moment, an dem die Welt über ihr Schicksal entscheidet.
Vor dem Weißen Haus in Washington steht schon der Weihnachtsbaum. Gut, dass der Schnee aus Plastik ist. Fast alle Spaziergänger sind im T-Shirt unterwegs, so warm scheint die Sonne. »I love global warming« , ulkt ein Student in kurzen Hosen in sein Handy.
Nur Harlan Watson geht es nicht gut. Er schnieft und hustet wie einer, der ins Bett gehört. Aber dafür hat er keine Zeit. Watson ist der Chefunterhändler der USA in Klimafragen. Ein unauffälliger Mann mit Bubenhaarschnitt, an dem nur die schwere Golduhr überrascht. In Bali wird er eine Delegation von mehreren Dutzend Leuten anführen, Anwälte, Ökonomen, Umweltwissenschaftler. Sie werden jeden Paragrafen, über den während der Konferenz diskutiert wird, unters Mikroskop legen wie ein gefährliches Bakterium. Und jedes Mal wird Watson sich die Frage stellen: Wird es den USA schaden, das zu unterschreiben? Von den Antworten wird das Ergebnis des Gipfels abhängen. Denn ausgerechnet Amerika, das Land, das am meisten zum Klimawandel beigetragen hat, will sich bisher international nicht darauf festlegen, seine CO₂-Emissionen zu verringern.
Vor dem Eingang zu Watsons Büro hängen ein Dutzend Pinguine an der Wand. Die Fototapete ist der einzige Farbfleck im schwarz gekachelten zweiten Stock des Außenministeriums. Vor sechs Jahren ist der Physiker und Ökonom Harlan Watson hier eingezogen. Damals hatte jemand aus der Zentrale des Ölkonzerns Exxon Mobil ein Fax an US-Präsident George Bush geschickt und Watson als neuen Klimabeauftragten vorgeschlagen. Bush folgte der Empfehlung. Das Fax gelangte an die Presse. Seitdem gilt Watson als Mann der Industrie. Ihn stört das wenig.
Harlan Watson spielt gekonnt die Rolle eines in sich ruhenden Mannes. Er sagt wenig, das aber in langen Sätzen. Er legt die Arme auf den Tisch, faltet die Hände und spricht geduldig von der Bedeutung internationaler Abkommen und von dem großen Beitrag, den Amerika schon zum Schutz des Klimas geleistet habe. Bis irgendwann deutlich wird, dass dieser Mann gar nicht in sich ruht. So wie ganz Amerika nicht mehr in sich ruht. Und dass Watson bei der Konferenz von Bali ein Land vertreten wird, das Angst hat. Fast so viel Angst wie die Malediven. Allerdings nicht vor dem Wasser. Sondern vor den Chinesen.
Seit Monaten steckt die amerikanische Wirtschaft in der Krise, das Land steht am Rande einer Rezession. Der Wettbewerb auf den Weltmärkten wird auch für die Amerikaner härter. Der Klimaunterhändler Harlan Watson sagt: »Wir machen uns große Sorgen darüber, welche Auswirkungen der Freihandel auf den amerikanischen Arbeitsmarkt hat.« Er könnte auch sagen: Die Chinesen nehmen uns die Jobs weg.
Und jetzt sollen die USA für teures Geld ihre CO₂-Emissionen reduzieren, obwohl China mehr Kohlendioxid ausstößt als sie? Womöglich auch noch den Chinesen Geld dafür geben, dass sie umweltfreundlichere Fabriken bauen können?
Harlan Watson führt viele Gespräche in diesen Tagen, um genau das zu verhindern. Er trifft Regierungsvertreter aus allen Kontinenten. Er schmiedet Allianzen und ringt um Kompromisse. Vor zwei Wochen erst hatte Watson Besuch aus Asien: Es kam der Außenminister der Malediven. Sie sprachen über den Klimawandel und darüber, dass es die Malediven nicht mehr lange geben wird, wenn alles so weitergeht. War ein nettes Gespräch, sagt Watson, wirklich.
Nur an den Namen des Herrn kann er sich nicht mehr erinnern.
Der Mann ist um die halbe Welt bis nach Deutschland gereist, um einer kleinen Insel im Ozean eine Stimme zu geben. Jeden Morgen schlüpft er im Hotel in seinen dunklen Anzug. Er bindet seine Krawatte, packt seine Aktentasche. Dann geht er in das Kongresszentrum, wo er die Positionen seines Landes vertreten soll. Es ist Mai 2007, und in Bonn findet eine Vorbereitungskonferenz für den Gipfel in Bali statt.
Doch jeden Morgen kehrt der Mann wieder um und geht zurück ins Hotel, denn an der Tür des Konferenzraums hängt ein Schild. »Closed Meeting« steht darauf, und der Mann denkt, der Termin sei bereits beendet. So sitzt er nach Tausenden von Flugkilometern untätig in seinem Hotelzimmer herum.
Woher kam der Mann? Aus der Karibik? Der Südsee? Amjad Abdulla weiß es nicht mehr genau. Er weiß nur noch, dass er ihn während der Bonner Konferenz eines Morgens auf dem Flur traf und ihm erklärte, dass »Closed Meeting« so viel wie geschlossene Gesellschaft bedeutet, dass also nur die offiziellen Vertreter eines Landes zu der Besprechung zugelassen sind.
In solchen Momenten fragt sich Amjad Abdulla, wie die kleinen Entwicklungsländer bei den Verhandlungen in Bali überhaupt eine Chance haben sollen.
Abdulla ist der Chefunterhändler der Malediven in Klimafragen. Ein kleiner, kräftiger Mann mit schwarzer Hornbrille. Im Jahr 2001, im marokkanischen Marrakesch, hat er seine erste Klimakonferenz besucht, genau wie der Amerikaner Watson. Beide haben sich seitdem immer wieder gesehen. In Mailand, in Montreal, in Nairobi.
Sonst haben sie wenig gemeinsam.
Amjad Abdulla spricht, als würde er am liebsten zwei Gespräche gleichzeitig führen. Alle paar Minuten schaut er auf sein Handy, oder seine Uhr, und wenn er nicht dorthin schaut, trommelt er ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch. Er folgt der gegenteiligen Strategie von Harlan Watson: In kurzen Sätzen versucht Abdulla möglichst viel zu sagen, und immer das Gleiche: Wir gehen unter.
Abdulla sitzt in einem Besprechungszimmer im Umweltministerium der maledivischen Hauptstadt Male. An der Wand hinter dem Tisch hängt ein Foto, das ziemlich gut zu dem passt, was Abdulla sagt. Es zeigt einen kleinen Teich inmitten von Palmen. Das Trinkwasserreservoir einer maledivischen Insel. Das Problem ist, dass die Inseln so klein sind und so flach, dass jede größere Flutwelle in die Teiche schwappt und Salz hineinschwemmt. Dann gibt es auf der Insel kein Süßwasser mehr. Im Mai überspülte eine Flutwelle mehrere Inseln der Malediven, im August wieder. Im Süden des Archipels krepieren seit einigen Wochen massenhaft die Fische. Gut möglich, dass das an den gestiegenen Wassertemperaturen liegt. Gut möglich auch, dass das warme Wasser bald die Korallen tötet, die wie natürliche Schutzmauern um die Inseln herumwachsen. Aber wer kann es beweisen? Amjad Abdulla sagt: »Wenn wir noch lange auf den Beweis warten, sind wir irgendwann tot.«
Er wird solche Sätze auch in Bali sagen. Und er wird nicht der Einzige sein. Viele Delegierte werden einstimmen. Immerhin. Leider werden sie keine besonders wichtigen Länder vertreten. Sondern jene, denen es ähnlich ergeht wie den Malediven. Sie nennen sich »Allianz kleiner Inselstaaten«. Tuvalu ist dabei, die Seychellen, Samoa Kiribati, die Fijis, 43 Länder, die fast alle zu den kleinsten Staaten der Welt gehören – und gleichzeitig zu denen, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Vor zwei Wochen haben sich ihre Vertreter auf den Malediven zu einer weiteren Vorabkonferenz getroffen. Sie haben eine zweiseitige Deklaration verabschiedet, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt: Wir gehen unter, und ihr seid schuld.
Das also ist ihre Strategie für Bali: den Industrieländern ein schlechtes Gewissen machen. Wenn das nicht hilft, werden sie ihnen Angst einjagen. Abdulla sagt: »Uns trifft die Erderwärmung als Erste. Aber nicht als Letzte.«
Die Amerikaner werden mehrere Dutzend Vertreter nach Bali schicken, die Malediven sechs. Auf dem Programm stehen so viele unterschiedliche Themen, dass sich die Konferenzteilnehmer in Untergruppen aufteilen müssen. Die Amerikaner oder die Europäer haben so große Delegationen, dass sie in jede Gruppe ihre Leute schicken können, die aufpassen, dass die Diskussion keine falsche Richtung nimmt. Die Malediver müssen zwischen den Sitzungen hin- und herrennen, um nichts zu verpassen. »Wir werden eine gute Kondition brauchen«, sagt Abdulla.
In Jeans und Jeanshemd fährt Steven Rowland hoch oben in seinem schweren Pick-up-Truck auf die Brücke über den Cooper River. Unter ihm liegt der Hafen von Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Rechts daneben eine Papierfabrik, links eine Vielzahl weiterer Fabriken und Schornsteine, dahinter dichter Sumpf und Wald. Charleston liegt nicht viel höher als die Malediven. Nur vier Meter über dem Meer.
Steven Rowland ist auf dem Weg zur Nucor-Stahlfabrik. Nucor ist der zweitgrößte Stahlerzeuger der USA und Rowland der Direktor für Umweltangelegenheiten. Er weiß, dass die CO₂-Emissionen den Meeresspiegel steigen lassen. Er findet, alles im Leben besitze ein gewisses Risiko. Gerade erst hat er sich ein Strandhaus gekauft.
Rowland hält vor dem Nucor-Gelände. Nicht nur die Fabrik gehört dem Konzern, sondern auch die Halbinsel, auf der sie liegt. Nach der Arbeit jagen die Stahlmanager in den Sümpfen manchmal Alligatoren.
Es ist heiß in der Fabrik, dicker Staub hängt wie Nebel in der Luft. Rowland steht auf einer Art Kommandobrücke hoch über dem Stahlofen. Der Ofen sieht aus wie ein überdimensionierter Topf, in den gerade neuer Stahl zum Schmelzen geschüttet wird. Funken spritzen, als würde ein Vulkan ausbrechen. Der Computer hinter Rowland zeigt die Temperatur: 1650 Grad Celsius.
In Bali, findet Rowland, gebe es für die USA keinerlei Grund für Zugeständnisse. »Die Stahlindustrie«, brüllt er gegen den Lärm des Schmelzofens an, »hat ihren CO₂-Ausstoß seit 1990 um 17 Prozent pro Tonne verringert.«
Wovor hat Rowland also Angst? Er fürchtet, dass alles, was er für Nucor geleistet hat, nichts mehr wert sein wird. Dass es nach der Konferenz auf Bali plötzlich heißt, ihr müsst noch einmal 20 Prozent sauberer werden. Und wie jeder Industriemann hält er die Kosten für untragbar.
Steven Rowland ist jetzt ziemlich eingestaubt. Eigentlich soll ein riesiges Abluftrohr die winzigen Metallpartikel, die bei der Verbrennung entstehen, einsaugen. Ausgerechnet heute ist es kaputt.
Die Sonne scheint, das Wasser glänzt, aus dem Sand wachsen ein paar Kokospalmen. Am Strand der maledivischen Insel Thulusdhoo sieht es aus wie im Paradies, und das ist das Problem. Im Paradies wächst kein Gestrüpp. Keine verkrüppelten Bäume, keine dickblättrigen Büsche, nichts, was hässlich aussähe, aber ein wenig Schutz böte, wenn das Wasser steigt.
Thulusdoo ist eine ziemlich durchschnittliche maledivische Insel: Sie ist so klein, dass man in alle vier Himmelsrichtungen schauen kann, und überall sieht man das Wasser glitzern. Früher haben die Menschen hier ihre Hütten aus Palmholz gebaut, später aus weißen Korallenbrocken. Bis die Regierung es verbot, Steine aus den Riffen zu brechen. Damit die Malediver nicht selbst ihre natürlichen Flutmauern verkleinern. Heute sind die Häuser aus Zement. Mauer an Mauer stehen sie entlang der sandigen Wege, durch die einmal am Tag ein kleiner Polizeibus fährt. Irgendwo soll noch ein zweites Auto stehen. Für 1500 Einwohner. Trotzdem gilt diese Insel für maledivische Verhältnisse als CO₂-Schleuder. Denn Thulusdoo ist eine Industrie-Insel.
Die Industrie, das sind ein paar Hallen unten am Strand, aus krummen Wellblechplatten zusammengenietet, vom Rost gebräunt. Links stehen Hunderte Getränkekisten auf dem Hof. Dort mixt Coca-Cola aus Zucker und entsalztem Meerwasser seine Limonade. Rechts kreischen Schleifmaschinen. Schmale Männer in Gummisandalen schmirgeln Schiffsrümpfe aus Glasfiber ab, aus langen Eisenstangen schweißen sie Dachträger zusammen. Hundert Arbeiter bauen hier Schnellboote, Tauchboote, Fischerboote, neun Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche. Ihre wichtigste Energiequelle ist die Muskelkraft.
Eine Getränkefabrik, eine kleine Werft – wer wissen will, womit die Malediven wirklich Geld verdienen, muss in den Himmel schauen. Dort ziehen die Ferienflieger vorbei. Jedes Jahr kommen 600.000 Touristen auf die Malediven. Jeder von ihnen gibt im Schnitt 300 Euro am Tag aus. Und wenn er, wie die meisten, aus Europa kommt, verursacht er auf dem Hin- und Rückflug etwa fünf Tonnen CO₂ - Emissionen, zweieinhalbmal so viel wie ein durchschnittlicher Autofahrer im ganzen Jahr. So sorgen die Urlauber dafür, dass der Wohlstand der Malediven wächst. Und das Meer steigt.
In Washingtonarbeiten die Lobbyisten seit Jahrhunderten in der K-Street. Sie läuft nördlich am Weißen Haus vorbei und dann einmal quer durch das Stadtzentrum. Elliot Diringers Büro aber liegt auf der anderen Seite des Flusses Potomac. Dort ist die Miete günstiger, und Diringers Arbeitgeber muss aufs Geld achten.
Wie Harlan Watson wird auch Elliot Diringer in wenigen Tagen nach Bali fliegen. Aber er wird dort kein Land vertreten, sondern eine Sache. Wie Watson wird auch Diringer versuchen, Allianzen zu schmieden. Aber nicht, um sein Land zu schützen, sondern um es unter Druck zu setzen. Diringer, ehemals Journalist beim San Francisco Chronicle , ist Umweltlobbyist. Er ist Amerikaner, aber er setzt sich für Länder wie die Malediven ein.
Diringer arbeitet für die Umweltorganisation PEW-Center on Global Climate Change. In Bali wird seine Organisation ein privates Abendessen für die Unterhändler der großen Industrienationen geben. Diringer ist dafür, dass Entwicklungsländer ihre Emissionen weniger stark reduzieren müssen als große Industrienationen wie die USA. Er sieht keine andere Chance, die Chinesen zu einem Abkommen zu bewegen. Er weiß natürlich, dass er einen mächtigen Gegner hat: seinen eigenen Präsidenten.
Aber Diringer hat inzwischen auch starke Verbündete. Gemeinsam mit anderen Umweltlobbyisten hat er es geschafft, 27 Konzerne von einer Möglichkeit der CO₂-Reduktion zu überzeugen, dem Emissionshandel. Wer mehr Kohlendioxid als vorgesehen produziert, muss Emissionsrechte von Firmen kaufen, die mit weniger CO₂ auskommen. Uscap heißt die Gruppe, zu der Unternehmen wie Pepsi, Chrysler, General Electric, Siemens oder der Energieerzeuger Duke Energy gehören. Ihre Chefs glauben, dass ihnen keine andere Wahl bleibt. Dass sonst immer mehr amerikanische Bundesstaaten dem Beispiel Kaliforniens folgen und einfach ihre eigenen CO₂-Obergrenzen festlegen. Irgendwann müsste dann jedes Unternehmen in jedem Bundesstaat andere Bedingungen erfüllen. Eine Horrorvorstellung.
Also arbeiten die Konzerne lieber an einem landesweiten Gesetz mit, das eine verbindliche Regelung für ganz Amerika festlegt. Sie hoffen darauf, dass ihnen ihr frühzeitiges Entgegenkommen einen Emissionskredit einbringt. Eine Art Kronzeugenregel in Klimafragen. Und Elliot Diringer hofft, dass der Druck der Konzerne am Ende auch die amerikanische Delegation zum Einlenken bringt.
Der Saal im einzigen Hotel der Insel Hululé hat keine Fenster. Die Klimaanlage kühlt die Luft. Drei Dutzend junge Männer und Frauen hören sich an, was zu tun ist, wenn die Erde dem Menschen zum Feind wird. Sie arbeiten im Umweltministerium, im Familienministerium, im Gesundheitsministerium. Auf einem Plakat steht, dass hier zum ersten Mal in der Geschichte der Malediven ein Workshop über den Umgang mit Naturkatastrophen stattfindet. Fachleute aus der halben Welt sind gekommen. Sie reden über Wirbelstürme, Flutwellen, Seebeben.
Als Letzter spricht ein kleiner Mann aus Ecuador. Er heißt Carlos Villacis und arbeitet für die Vereinten Nationen. Er hat untersucht, welche Bevölkerungsgruppen am meisten unter Naturkatastrophen leiden. »Meistens sind es die Armen«, sagt er. Weil sie kein Geld hätten für Schutzmaßnahmen. Villacis spricht über Erdbeben. Er beschreibt, wie sich Erdplatten ineinanderschieben. Er erklärt, dass dadurch die großen Gebirge entstanden seien. Dass die Berge des Himalaja noch immer wachsen. »Haben Sie noch Fragen?«
Ein Mann hebt die Hand: »Wenn sich die Erdplatten noch immer ineinanderschieben, können dann nicht auch auf den Malediven Berge entstehen? Auf die könnten wir flüchten, wenn das Meer steigt.«
Einen Moment lang ist es still im Saal. Dann begreifen sie den Witz und fangen an zu lachen. Berge. Das wäre tatsächlich die Rettung.
- Datum 03.12.2007 - 01:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.11.2007 Nr. 49
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The USA are joining negotiations about greenhouse-gas emission reduction only with the purpose of sabotaging them.Let's kick them out and boycott the USA! Climate change is too serious an issue to think selfishly of the few percent GDP the this would cost us. Let's boycott the USA!Why I am writing in English? Because the people on the other side of the ocean can still read, I hope...
hoert sich recht satirisch an dieser artikel - dass es hier um reale und daher ernstgemeinte schwierigkeiten geht, koennte man bei dieser belanglosen art zu berichten fast vergessen... aber was solls - wen kuemmern schon 300000 menschen auf den malediven - wo doch viel mehr auf dem spiel steht ? denn wohin fliegen wir dann in urlaub ??kinder , kinder - wer sich jetzt noch nicht entschieden hat, sollte ausnahmsweise schnell mal nachdenken : fossile energie regiert die welt - punkt - alles ja wirklich nahezu alles, was wir menschen produzieren , konsumieren und ueberhaupt veranstallten basiert seit einer ganzen weile schon fast ausschliesslich auf fossiler energie - auch atomenergie ist fossil - und damit ist die gesamte hierarchie der macht natuerlich an diese energie gekettet wie an ein lebenselexier. jetzt erlaubt doch endlich den armen schweinen an der macht , dass sie auch mit sonnenenergie weiter reicher werde und weiter die welt terrorisieren duerfen - vielleicht wird die entscheidung zur vernunft dann leichter ?? kuchen behalten und eben doch gleichzeitig aufessen ist die devise - war schon immer das oekonomische prinzip nr.1 - unter kleingeistiger machtgeilheit sowiso - lasst sei doch - sie wissen nicht was sie tun. leider. seufz. colateraler groesster anzunehmender schaden zugunsten des fortschritts in die falsche richtung und zur befriedigung einer systematischen anmassung/anmaßung der oekonomischen macht. da !! die malediven hätten wir ja fast vergessen! ja ... was die malediven angeht ? verschenken vielleicht - an amerika oder china - oder bp , exxon, edf ...koennen sie sich als jagdtrophae hinter den schreibtisch haengen .... oder um fuer ein paar von den chef chefs eine luxus souterain wohnungen ... ja von atlantis spricht man heute noch!
Atomenergie ist _nicht_ fossil, sondern mineralisch. Fossil heisst: Durch Lebewesen entstanden.Uranerz entsteht aber in geologischen Prozessen.Ausserdem gibt es Unmengen an Uranvorkommen, die zwar noch nicht erschlossen sind und daher in Statistiken derer, die die Atomenergie kleinreden wollen, bequemerweise nicht auftauchen. Aber vom EnergieInhalt her wäre die Atomenergie durchaus für einige Jahrhunderte gut, bis zur Kernfusion. Das sollte jeder Umwelt-Verteidiger richtigerweise anerkennen, wenn er nicht ignoriert werden will, denn es ist bekannt genug um nicht aus der Welt geredet werden zu können.
Man sollte von den Journalisten der ZEIT erwarten können, dass sie sich, selbst in einem so einseitigen Bericht, ein wenig mehr an die Fakten halten und nicht immer solche Untergangsszenarien auf die Leser loslassen, wie es diesmal wieder mit diesem Artikel geschehen ist.
Professor Nils-Axel Mörner, Head of Paleogeophysics & Geodynamics, Stockholm University, Sweden President, (1999-2003) of the INQUA Commission on Sea Level Changes and Coastal Evolution, Leader of the Maldives Sea Level Project, hat in ein Positionspapier für das britische Oberhaus mit Datum 30. März 2005, erarbeitet, das im Internet unter
http://www.publications.parliament.uk/pa/ld200506/ldselect/ldeconaf/12/12we18.htm
auffindbar ist.
Er kommt darin zu ganz anderen Schlussfolgerungen, als es die beiden Autoren hier tun.
Hier ein Auszug :
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Es ist wahr, dass sich der Meeresspiegel in einer Größe von 10-11 cm zwischen 1850 und 1940 erhöht hat als Folge von Solarvaribilität und ähnlichen Veränderungen von Globaler Temperaturen und Eismassen.
Von 1940 bis 1970 stoppte der Anstieg. Eher fiel er ein wenig. In den letzten 10 bis 15 Jahren konnten wir keine wahren Anzeichen von Steigen oder sogar beschleunigtem Steigen feststellen, (wie es das IPCC behauptet) Lediglich eine Variabilität um den Nullpunkt.
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Von 2000 bis heute haben wir ein spezielles internationales Projekt zum Erforschung der Meereshöhen der Malidiven durchgeführt einschließlich sechs Felduntersuchungen und Erhebung zahlreicher Radio-Carbon-Daten.
Es gibt keine Anzeichen für eine andauernde Erhöhung des Meeresspiegels.
Es scheint alles ein Mythos zu sein.
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Ist es deshalb noch mit den Grundsätzen einer verantwortungsvollen journalistischen Arbeit vereinbar, wenn man so einseitige Artikel verfasst, wie es die beiden Verfasser tun.
Jeder sollte sich selbst ein Urteil bilden.
PS : Zu Tuvalu
In dem Artikel von Moerner gibt es einen Chart zu den Pegelmessungen in Tuvalu zwischen 1978 und 2003:
Ergebnis : Stabilität um das Null-Niveau mit drei negativen ENSO-Ereignissen.
Und zum Salzwasser-Problem: Die Wahrheit liegt wohl darin, dass eine japanische Firma zuviel Frischwasser für ihre Ananas-Plantage abgepumpt hat.
Seit langem ist bekannt, dass das wahre Problem von Tuvalu die Überbevölkerung ist und dass man bemüht ist, einen Teil der Bevölkerung nach Australien oder Neuseeland umzusiedeln.
mich würde interessieren, wie viel es kostet, den menschen der allianz der inselstaaten eine neue heimat zu geben und welches Land der erde sich bereits heute dazu bereit erklärt hat, diese menschen aufzunehmen, wenn wirklich alles eis auf unserem planeten abtaut.hat schon irgendjemand ausgerechnet, was es kosten würde, das ganze kohlendioxid wieder aus der atmosphäre herauszubekommen? ich weiss nicht genau, welche möglichkeiten es noch gibt, den auf den malediven nachgemessenen anstieg des meeresspiegels von heute 0,5cm pro jahr aufzuhalten?müsste man den meeresspiegel zumindest konstant halten können, wenn man alle küstenbesiedlungen keinen gefahren aussetzen will? was kostet es, den meeresspiegel konstant zu halten? alle europäer müssen hierfür aufkommenalle weltbürger sollte gemeinschaftlich hierfür aufkommen. leider gibt es ziemlich wenige weltbürger.zumindest alle menschen sollten hierfür aufkommen.
An vielen Universitäten,sind Dozenten von sogenannten Forschungsaufträgen abhängig.Wer finanziert diese? Die dieetwas ändern sollten? Der ,der den Forschungsauftrag finanziert bestimmt somit auch das Ergebnis!Wenn wir im Gymnasium vor 30 Jahren gelernt haben,was jetzt passiert,so kann das mehrere Gründe haben:Vielleicht hat es damals noch zuviele Lehrer gegeben,man hätte sieeinsparen sollen, denn es war nicht alles wirtschaftlich was wir gelernthaben.Es kann auch den Grund gehabt haben,daß es noch unabhängigereUniversitäten mit gewisser Lehrfreiheit gegeben hat, die die Gymnasiallehrer unerrichtet haben,die jetzt dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.Das beste ist,man fährt mit geschlossenen Augen und vertraut dem Navigator. Wozu Augen wenn man den Navigator hat.Wenn man sehr alte Menschen frägt,über die Klimaänderungen, soerfährt man,daß es sehr wohl noch Jahreszeiten vor 70 Jahren gegebenhat.Was wir jetzt erleben dieses Verschwimmen von Jahreszeiten isteigentlich neu.Wenn man ein Produkt unserer Wegwerfgesellschaft 100 Mal erzeugen100 Mal Transportieren und 100 Mal wegwerfen muß, so entsteht dabeijedes Mal CO2.Wenn man dabei auf die Erzeugung in der dritten Welt blickt,so merkt man ,daß Kinderarbeit Umweltzerstörung und sehrwenig soziale Rechte in der zweiten und dritten Welt für die Arbeitnehmervorhanden sind. Das bedeutet leider aber auch daneben ,das die Staaten für den Export und nicht für deren eigene Nahrungserzeugung produzieren. Diese Ungerechtigkeit zwischen Abnehmern und Erzeugern erzeugtletztlich Hass und damit letztlich Terrorismus.Leider verschwinden auch die Arbeitsplätze damit in der ersten Welt.Die Lösungen wären einfach, sind längst vorhanden,werden nichtdurchgeführt.Zum Beispiel was haben China ,Schweden und Dänemark gemeinsam:Wesentlich mehr Fahrradfahrer wie bei uns.Wenn der LKW Verkehr auf der Schiene und nicht auf der Straße erfolgen würde, so wären die Autobahnen wesentlich sicherer,man würde wesentlich leichtere Autos bauen können.Eine Überbrückung der Schienenspurweiten zwischen Russland und Europa würde ICE Züge bis China und wesentliche Verbesserung der Transportmöglichkeiten bedeuten.Energiesparende ElektrogeräteGebäudeisolation vieles mehr..Ein Einsparpotential von mehr als 30%.Weil aber Lehrer und Universitäten ,als entbehrlich angesehen und letztlich nur der Wirtschaft verpflichtet sein sollten ,so redet man nur und tut nicht sehr viel.Die nächsten Lobbies warten schon auf Aufträge: die so sicheren AKW die nächsten Ziele des Terrorismus ??Die Gentchnik für den Biodiesel ,wobei durch die gentechnische Veränderung letztlich komplett neue Pflanzen geschaffen werden undnicht nur eine Eigenschaft geändert wird.Letztlich fragt es sich,warum wir das beste Wirtschaftssystem der Welt,das der USA nachmachen sollen, sind 6.1 Billionen Schuldennachahmenswert ?Sind Privatisierungen der Schiene sinnvoll, wenn die Privatisierungender Tramways der USA und der Eisenbahnen zu großen Stillegungen geführt haben ?Wie könnten ärmere Arbeitnehmer bei immer mehr steigendem Benzin und Dieselpreis, bei wegrationalisierten öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt noch zu einer Arbeit kommen ?
Im Moment tanzen wir um ein goldenes Kalb: Die Wirtschaft.Eine gesunde Wirtschaft soll unsere Bedürfnisse befriedigen aber nicht selbstzweck werden. Wenn sie das wird so ist die Frage wie lange das die Erde noch verkraftet.Wünschen wir den Verhandlern in Bali viel Kraft und Erfolg
Guten Abend,
zuvorderst möchte ich ersteinmal klarstellen, dass ich kein "Klimaskeptiker" bin. Zwar kenne ich mich in der Klimaforschung nicht besonders gut aus, dennoch bin ich geneigt, den Experten Glauben zu schenken, dass sich die Erde zur Zeit erwärmt. Ich halte es allerdings für vollkommen irrelevant, ob der Klimawandel von Menschenhand gemacht ist oder nicht. Meine Einschätzung gründet sich auf der Überlegung, dass es leider völlig unrealistisch ist, darauf zu hoffen, dass die Regierungen der Länder dieser Erde in jener Frage einen Konsenz erreichen werden. Um es anders zu formulieren, mit Außnahme von Europa bemüht sich keine andere Weltregion um eine Reduktion des CO2-Ausstoßes und dies wird sich mittelfristig auch nicht ändern.
Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn sich die Diskussion mehr darauf konzentrieren würde, wie mit den Konsequenzen der Erderwärmung umzugehen ist. Auch wenn die Erderwärmung von den Menschen verursacht wird, so wird sie aber mit Sicherheit nicht von den Menschen verhindert werden.
mit freundlichen GrüßenTrench
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