Technik persönlich Das Telefon und sein Klon
Was kann das iPhone, das die Konkurrenz nicht kann? Wir haben die neuen Smartphones von Apple und Samsung getestet
Mit großem Werbeaufwand haben Apple und T-Mobile vor vier Wochen das iPhone auf dem deutschen Markt eingeführt. Das neue Multitalent machte nicht nur durch seine technischen Vorzüge Schlagzeilen, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass das Gerät nur mit T-Mobiles Chipkarte funktionierte und potenzielle Kunden zwei Jahre an die Telekom-Tochter gebunden waren. Vodafone klagte dagegen , inzwischen ist das Apple-Handy auch frei erhältlich – für stolze 999 Euro.
Im Wirbel um das iPhone ging fast unter, dass Vodafone ein ähnliches Gerät anbietet, das
Qbowl
von Samsung. Zu ähnlichen Konditionen, aber ohne Bindung an den Netzbetreiber.
Unsere Autoren Christoph Drösser (CD) und Jens Uehlecke (JUE) haben jeder eines der Smartphones getestet und am Telefon ihre Erfahrungen ausgetauscht.
CD: Wie fühlt man sich denn so mit einem iPhone-Klon in der Hand?
JUE: Vor allem schnell. Das Qbowl kann etwas, was das iPhone nicht kann: Daten über das schnelle UMTS-Netz senden und empfangen. Und das ist ein Riesenvorteil. Ich kann mir Musikstücke in Sekunden herunterladen und YouTube-Videos anschauen, ohne lange warten zu müssen. Auch ans Notebook kann ich es anschließen, wenn ich unterwegs im Netz surfen will.
CD: So langsam ist das Edge-Netz von T-Mobile auch nicht, für den Hausgebrauch reicht es. Außerdem lässt sich das iPhone mit WLAN-Netzen verbinden – die sind schneller als jedes Mobilfunknetz. Und fürs nächste Jahr hat Apple-Chef Steve Jobs ja ohnehin eine UMTS-Version versprochen.
JUE: Reden wir über die Zukunft oder über das Hier und Jetzt?
CD: Das iPhone ist ein Stück Zukunft. Es verändert die Vorstellung davon radikal, wie so ein Alles-in-einem-Gerät aussieht. Es ist schick, und jeder kann es bedienen, ohne die Anleitung zu wälzen. Das Qbowl ist eben doch nur ein weiteres Handy mit komplizierter Menüführung und nervigen Piepstönen.
JUE: Na ja, dafür müssen iPhone-Besitzer umständlich Apples iTunes-Software auf ihren Computern installieren und einen 27-seitigen Lizenzvertrag durchklicken, bevor sie telefonieren dürfen. Und außerdem gibt es bestimmt Menschen, die lieber ein bisschen im Handbuch blättern und dafür auf dem aktuellen technischen Stand sind.
CD: Zugegeben, das iPhone wurde für den etwas rückständigen amerikanischen Markt gebaut und ist noch nicht an die besseren europäischen Netze angepasst. Aber ein Qbowl käme mir schon deshalb nicht ins Haus, weil es so hässlich ist.
JUE: Keine Frage, das iPhone ist cooler! Aber ist es auch praktisch? Wer oft E-Mails verschickt, ist mit dem Qbowl besser bedient. Es hat eine vollwertige Schiebetastatur. Der Nachteil: Es ist dicker – und trägt mehr auf, wie meine Oma gesagt hätte.
CD: Du hast recht, die Bildschirmtastatur auf dem iPhone ist, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig. Und die »Hilfe«, die beim Tippen Wörter vervollständigen soll, ist absolut unterirdisch. Aber eigentlich geht es hier um etwas anderes: um Software. Es gibt ja schon viele Telefone, die vieles können. Aber bis jetzt waren sie praktisch unbenutzbar, und die Leute haben am Ende doch nur telefoniert und Kurzmitteilungen verschickt. Jetzt habe ich eine elegante Benutzeroberfläche und kann wirklich ins Internet und die Seiten so sehen, wie sie wirklich aussehen. Und mit einer Bewegung von zwei Fingern vergrößere ich mir den Ausschnitt, den ich sehen will. Das ist wirklich genial.
JUE: Gut, da kommt die Benutzerführung des Qbowl nicht mit…
CD: Schon das Wort, »Benutzerführung« klingt anstrengend! Auf dem iPhone führe ich mich selbst, ohne nachzudenken.
JUE: …die Menüs sind verschachtelt, man braucht eine lange Eingewöhnungsphase. Hinzu kommt, dass der Touchscreen nicht halb so gut ist wie der vom iPhone. Man kann nur mit einem Finger durch Listen und Menüs scrollen und landet dann garantiert dort, wo man nicht hin will. Versuch mal, Musik aus einer Playlist auszuwählen, du triffst garantiert das falsche Lied. Das Qbowl ist eher zum Arbeiten geeignet als zum Spaß haben.
CD: Das iPhone ist eben vom Computer her gedacht, von der intuitiven Mac-Oberfläche, dafür haben sie ein paar Sachen vergessen, die man von einem Telefon erwartet. Zum Beispiel, dass man eine SMS an mehrere Leute gleichzeitig schicken kann. Oder MMS – offenbar vermissen das einige Leute tatsächlich. Und natürlich ist das Vertriebsmodell von T-Mobile unmöglich. Wer das iPhone in einem anderen Netz nutzen will, muss 1000 statt 400 Euro zahlen. Das hält gerade in Deutschland viele Leute davon ab, ein iPhone zu kaufen – wir haben uns doch an den freien Markt gewöhnt und erwarten, dass wir uns den Netzanbieter aussuchen können.
JUE: Da ist Vodafone bei dem Qbowl großzügiger – man bekommt es für 400 Euro mit und ohne Vertrag und kann auch eine Chipkarte von T-Mobile, E-Plus oder O2 einsetzen. Das dauert nur ein paar Sekunden.
CD: Also unser Fazit wäre: Wir hätten gern die technischen Vorteile von Samsung mit der Optik und der Oberfläche von Apple?
JUE: Und mit der Freiheit, den Netzanbieter zu wählen, der uns den besten Vertrag bietet.
CD: Da es dieses Wunschmodell aber nicht gibt, bin ich klar für das iPhone, allerdings werde ich versuchen, meine Kauflust noch im Zaum zu halten, bis die zweite Generation kommt.
JUE: Das Qbowl kann ich nur empfehlen, wenn man die Geduld hat, sich einzuarbeiten – und wenn man die Tastatur braucht. Ansonsten hoffe ich, dass Samsung bald nachbessert.
CD: Nächstes Jahr wird ohnehin viel passieren. Vielleicht kommt ja ein Telefon mit der angekündigten Google-Software, das alle unsere Wünsche erfüllt…
JUE:
Das wäre toll, ein offenes Betriebssystem haben weder iPhone noch Qbowl. Dann könnte man beliebige Programme auf dem Handy laufen lassen.
CD:
Nur, dann werden auch Handy-Viren nicht lange auf sich warten lassen.
- Datum 06.12.2007 - 01:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06.12.2007 Nr. 50
- Kommentare 3
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Insgesamt eine sehr nette Gegenüberstellung, aber der letzte Satz zeigt ein Missverständnis der Wirkungsweise von Virensoftware. Die überwältigende Mehrzahl der Vireninfektionen gibt es nicht, weil der Benutzer sie aus Unwissen selbst installiert hat, sondern weil ein Virus es mit minimaler bis nicht vorhandener Beihilfe des Nutzers geschafft hat, die Programme des Rechners auszuhebeln und für sich arbeiten zu lassen. So ist z.B. ein Mac OS X auch ohne zuinstallierte Software nicht virensicher. Neue Programme bieten sicher auch mehr Angriffsfläche, aber Apples und Samsungs Systeme für unüberwindlich zu halten, weil man nicht von Anfang an etwas darauf installieren kann, wäre verfehlt. Wie die Beschränkungen des iPhones demontiert werden können, ist hinlänglich bekannt.
ich bin kein handy benutzer - das vorweg - mir kann man keins verkaufen, denn ich brauche nicht erreichbarer sein als ich ohne handy bin - dennoch 2 bemerkungen:1. der tatbestand , dass man das iPhone nur mit diesem beruechtigten vertrag im paket bekommt begruendet sich in der deutschen gesetztgebung , die dort wirtschaftlich voll ausgenutzt wird. in frankreich zB. kann man fuer 100 euro aufpreis dieses handy - weil jedes handy - vom ersten tag an freischalten lassen !! iPhone also lieber in frankreich kaufen und mit beliebiger sim betreiben.
2. herr reignbow hat sich entweder schwer verschrieben :"So ist z.B. ein Mac OS X auch ohne zuinstallierte Software nicht virensicher" ... und hat in diesem satz ein 'nicht' zu viel , oder ich muss wiedersprechen: altbekannte tatsache ist : mac osX ist ohne jegliche zusatzsofware a la vierenscanner und auch ohne firewall virensicher. dies kann ich aus 13 jahren internet am mac versichern, wobei die tatsache, dass sich keiner die muhe macht fuer mac os einen virus zu schreiben, der eigentliche grund ist.
In der Tat war meine Aussage falsch. Mac OS X hat mehrere Male Sicherheitslücken offenbart, aus denen man einen erfolgreichen Virus hätte machen können - das ist aber nicht eingetreten, wie übrigens auch bei einigen Gelegenheiten unter Linux. Bei verbreiteten Handys hätte ich nicht das Vertrauen, dass Virenschreiber ähnlich desinteressiert bleiben.
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