Taiwan

»Taiwan steckt China wie eine Gräte im Hals«

Chen Shui-bian, Präsident Taiwans, lässt sich weder einschüchtern noch einbinden: Mit einem UN-Referendum fordert er Peking heraus. Ein Interview.

DIE ZEIT: Herr Präsident, im März sollen die Bürger Taiwans in einem Referendum über einen Beitritt zu den Vereinten Nationen unter dem Namen »Taiwan« abstimmen. China protestiert wütend, aber auch Amerika und die EU lehnen das Referendum ab. Halten Sie trotzdem daran fest?

Chen Shui-bian: Die Initiative zu diesem Referendum ging von unten aus. Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Ansicht, wir sollten unter dem Namen »Taiwan« UN-Mitglied werden. Die Oppositionspartei Kuomintang hat allerdings einen Gegenvorschlag gemacht; danach sollte Taiwan unter dem Namen »Republik China« in die UN zurückkehren. Aber das ist eine Minderheitsmeinung.

ZEIT: Warum sollte diesmal gelingen, was bisher nicht funktioniert hat? Taiwan hat viele Male einen Anlauf unternommen, in die Vereinten Nationen zurückzukehren – immer vergeblich.

Chen: Es ist das erste Mal, dass Taiwan unter dem Namen »Taiwan« einen Antrag auf UN-Mitgliedschaft stellt. Wir haben diese schon mehrmals beantragt, aber nicht unter dem Namen »Taiwan«. Unser erstes Ziel ist es, dass wir die Unterstützung unserer 23 Millionen Einwohner bekommen. Und dass die internationale Gemeinschaft unsere Stimme hört. Das ist unser erstes Ziel.

Natürlich wissen wir, wie wichtig die außenpolitischen Aspekte dieses Themas sind. Wir brauchen die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aber es ist auch wichtig, unsere inneren Probleme, das heißt unsere nationale Identität und die Beziehung zwischen Taiwan und Festlandchina, zu lösen. Es gibt noch keine Übereinstimmung zwischen der Regierungspartei und den Oppositionsparteien; im Moment sind wir eine gespaltene Nation.

ZEIT: Haben Sie nicht die Sorge, dass Sie eine offene Konfrontation mit China heraufbeschwören? Aus der Sicht Pekings ist das Referendum ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit.

Chen: China hat sich immer gegen die Demokratisierung und Liberalisierung Taiwans gewandt. Zum Beispiel hat es kritisiert, dass wir die Einschränkung der Pressefreiheit und das Parteigründungsverbot aufgehoben haben. Bei der ersten direkten Präsidentschaftswahl und beim ersten Referendum im Jahr 2004 hat China auch laut protestiert. Dieses Mal erwarten wir nichts anderes. Ziel Chinas ist es, Taiwan zu besitzen. Sie haben wirklich Angst vor unserer Demokratie. Die Existenz Taiwans steckt ihnen wie eine Gräte im Hals.

Wenn wir zurückschauen: 1958 hat China die taiwanesische Insel Quemoy angegriffen. Und vor dem Machtwechsel im Jahr 2000 regierte hier die Kuomintang. Sie war für die Ein-China-Politik und die Wiedervereinigung; sie hat sogar ein Wiedervereinigungsgesetz verabschiedet. Trotzdem ist China auch damals ständig gegen Taiwan vorgegangen, wollte alle unsere diplomatischen Beziehungen torpedieren. Ziel Chinas ist es, Taiwan zu schlucken und zu einer Provinz Chinas herabzuwürdigen. Das Referendum ist nur ein weiterer Anlass, Taiwan zu attackieren.

ZEIT: Aber rütteln Sie nicht, für China provozierend, am Status quo?

Chen: Diese Volksabstimmung zeigt, dass wir ein souveräner Staat sind. Die Taiwaner haben das Recht zum UN-Beitritt, auch unter dem Namen »Taiwan«. Dies ist keine offizielle Namensänderung und widerspricht damit nicht den »vier Nein«, die ich bei meiner Amtseinführung formuliert habe. (Nicht die Unabhängigkeit Taiwans erklären; den offiziellen Namen nicht ändern; kein Referendum über die Unabhängigkeit durchführen; keine neue Verfassung erlassen; Anm. d. Red.) Deswegen ist dies auch keine Änderung des Status quo.

China meint, unser Referendum sei der erste Schritt zur Erklärung der Unabhängigkeit. Aber das ist ein großes Missverständnis. Das Referendum soll zeigen, dass Taiwan nicht ein Teil der Volksrepublik China ist, anders als diese behauptet; und dass wir die Position der Volksrepublik China, Taiwan sei ein Teil Chinas, kategorisch ablehnen.

ZEIT: Aber nicht nur China protestiert. Auch Amerika, Ihr wichtigster Verbündeter, warnt. Washington befürchtet eine Eskalation.

Chen: Das militärische Gleichgewicht zwischen den beiden Seiten der Straße von Taiwan hat sich längst zugunsten Chinas verschoben. Das hat mit dem Referendum gar nichts zu tun. Chinas Absicht, Taiwan mit Blut zu befreien, ist seit Langem bekannt. Im Jahr 2000 waren nur 200 Raketen auf Taiwan gerichtet, jetzt sind es schon 988 Raketen. Das Fünffache!

Bei meiner Amtseinführung im Jahr 2000 habe ich von den »vier Nein« gesprochen. Die Voraussetzung für diese Garantie ist jedoch, dass China die Absicht eines militärischen Angriffs auf Taiwan aufgibt. Nur, China hat diese Absicht niemals aufgegeben und sich auf einen militärischen Angriff auf Taiwan vorbereitet. China hat in jüngster Zeit den Militärhaushalt stark gesteigert, über seine Bedürfnisse zur Selbstverteidigung hinaus.

Wir können wegen der Stärke Chinas und wegen seiner Drohungen nicht einfach schweigen. Und die internationale Gemeinschaft kann nicht wegen ihrer Interessen in China verlangen, dass Taiwan beim Übergang von der Diktatur zur Demokratie eine rote Linie zieht. Sie kann uns auch nicht vorschreiben, welche Schritte wir unternehmen dürfen.

Wir sind voller Respekt für Kanzlerin Merkel. Gegen den Protest Chinas hat sie den Dalai Lama empfangen. Frau Merkel hat diesen Schritt trotz der deutschen Interessen in China getan. Dafür verdient sie unseren Respekt. Das zeigt auch, Werte sind wichtiger als Interessen.

ZEIT: Die EU hat allerdings zum Referendum eine ganz klare Position bezogen; sie warnt wie Amerika davor.

Chen: Wir sind dankbar für alle Meinungen. Aber das Referendum ist ein unumkehrbarer Schritt auf dem Weg zur Demokratisierung. Taiwan muss diesen Schritt unternehmen.

ZEIT: Nochmals, wer Sie warnt, ist Amerika. Setzen Sie nicht den Schutz der USA aufs Spiel?

Chen: Es ist unmöglich, das Referendum abzusagen. Wir sind dankbar für die Besorgnis unserer Verbündeten, auch der USA. Und wir haben Verständnis dafür, dass sich die USA unter dem Druck Chinas so äußern. Am 28. November hat der chinesische Außenminister Yang Jiechi den amerikanischen Präsidenten Bush getroffen. Bei diesem Treffen hat Herr Yang vorgeschlagen, Präsident Bush oder Außenministerin Rice sollten sich selbst zu dem Referendum äußern, um den Druck auf Taiwan zu erhöhen. Bis jetzt haben die Amerikaner dies nicht getan.

Unser wichtigstes Mittel gegen einen Krieg ist unsere Demokratie. Wir können Taiwan nicht mit Raketen und Panzern schützen, sondern nur mit unserer Demokratie. Ein Referendum ist direkte Demokratie. Deswegen müssen wir daran festhalten. China nennt unser Referendum einen ersten Schritt zur Unabhängigkeitserklärung. Aber das ist falsch. Ich werde in meiner Amtszeit Taiwan niemals für unabhängig erklären.

Der Status quo in der Straße von Taiwan bedeutet: Taiwan ist ein souveräner Staat von 23 Millionen Einwohnern. Es gibt zwei Staaten, und beide gehören nicht zueinander. China ist China, Taiwan ist Taiwan. Wir wollen den Status quo bewahren. Taiwan ist längst unabhängig, wir müssen die Unabhängigkeit nicht erklären.

ZEIT: Haben Sie die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung für alle Zeit aufgegeben?

Chen: Ich glaube, über diese Frage können nur die 23 Millionen Taiwaner entscheiden. Keine Partei und kein Einzelner hat das Recht, diese Frage für die Einwohner Taiwans zu entscheiden. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass weder die Kuomintang noch ihr Präsidentschaftskandidat Ma Ying-jeou es wagen werden zu behaupten, Taiwan sei Teil der Volksrepublik China.

ZEIT: Ihre Regierung betreibt seit langer Zeit eine Politik der Taiwanisierung. Entfernen Sie sich damit nicht immer weiter von China?

Chen: Unsere Regierung betont die Taiwanisierung, weil China Taiwan immer erniedrigt hat und versucht hat, Taiwan zur Provinzregierung herabzuwürdigen und zu marginalisieren. Deshalb ist unsere Souveränität bedroht. Und meine Aufgabe als Taiwans Präsident ist es, unsere Souveränität und Integrität zu bewahren.

ZEIT: Hat Taiwan eine eigene Kultur, die sich von der chinesischen unterscheidet?

Chen: China ist China. Taiwan ist Taiwan. Beide haben eine unterschiedliche Kultur. Taiwan hat die Kultur einer Seenation. Natürlich hat die chinesische Kultur die taiwanesische Kultur durchdrungen. Auf jeden Fall ist die chinesische Kultur nur ein Teil der taiwanesischen Kultur.

ZEIT: Ihre Regierung hat einen klaren Bruch mit der Vergangenheit vollzogen. Der frühere Staatschef Chiang Kai-shek gilt heute als Diktator. Hat Chiang aus Ihrer Sicht auch Positives geleistet, oder war er für Taiwan nur ein Verhängnis?

Chen: Chiang Kai-shek ist ein Diktator aus der vergangenen autoritären Zeit. Wenn er weiterhin im Land respektiert wird, es für ihn eine Gedenkstätte gibt, dann ist das eine Beleidigung für die Demokratie und für die Menschen, die für diese Demokratie gekämpft haben.

Am 25. Oktober 1971 hätte Taiwan in den UN bleiben können. Aber Chiang Kai-shek hat falsch entschieden. Damals hatten die Amerikaner einen Vorschlag für eine doppelte Vertretung Chinas gemacht. Die Volksrepublik sollte den Sitz im Sicherheitsrat einnehmen, Taiwan einfaches Mitglied bleiben. Aber Chiang Kai-shek verfolgte damals die Politik »Nicht mit den Rebellen in einer Höhle bleiben«. Deswegen hat Taiwan die Mitgliedschaft in den UN verloren. Und auch deswegen müssen wir uns heute solche Mühe geben, um wieder den UN beitreten zu können. Wegen dieses historischen Fehlers hat Taiwan in der internationalen Gemeinschaft im Moment so viele Probleme. Und wer ist dafür verantwortlich?

ZEIT: Wird es möglich sein, die Demokratie in Taiwan in Einklang zu bringen mit friedlichen Verhältnissen in der Straße von Taiwan, einem Ausgleich mit China?

Chen: Wir müssen uns viel Mühe geben, um dieses Ziel zu erreichen. Ob wir es in kurzer Zeit schaffen können? Theoretisch ist das möglich. Aber wenn China seine Haltung nicht aufgibt, Taiwan als Provinz Chinas zu betrachten, dann wird es schwierig, zu einer Zusammenarbeit zu kommen. Ich glaube auch nicht, dass der chinesische Staatspräsident Hu Jintao die Macht hat, die Ein-China-Politik aufzugeben oder auch nur für kurze Zeit außer Kraft zu setzen. Deswegen liegt noch ein langer Weg vor uns.

Das größte Problem von Chinas Führern ist, dass sie nicht auf die Stimme der Taiwaner hören wollen. Sie haben deren Willen immer falsch eingeschätzt. Sie denken, dass sie die Ein-China-Politik unterstützen und nicht den Mut haben, der Ansicht zu widersprechen, dass Taiwan ein Teil Chinas sei. Aber das sind alles falsche Einschätzungen. Die Taiwaner werden sich politischen, militärischen oder wirtschaftlichen Drohungen aus China nicht beugen und nicht kapitulieren.

Das Gespräch führte Matthias Nass

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Leser-Kommentare

  1. "Ziel Chinas ist es, Taiwan zu schlucken und zu einer Provinz Chinas herabzuwürdigen.""Ziel der BRD ist es, die DDR zu schlucken und zu einer Provinz der BRD herabzuwürdigen.";) könnte von Honnecker stammen...______________________________________
    Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
    John Pilger's "War on Democracy"
    http://youtube.com/result...

  2. Ui-Ui-Ui Kamerad Chen sollte sich mit den Europäern und
    Amerikanern ein wenig besser koordinieren – sonst widerspricht er zu oft der
    sorgfältig aufgebauten westlichen Geschichtsverfälschung. z.B.„Am 25. Oktober 1971 hätte Taiwan in den UN bleiben können.
    Aber Chiang Kai-shek hat falsch entschieden. Damals hatten die Amerikaner einen
    Vorschlag für eine doppelte Vertretung Chinas gemacht. Die Volksrepublik sollte
    den Sitz im Sicherheitsrat einnehmen, Taiwan einfaches Mitglied bleiben. Aber
    Chiang Kai-shek verfolgte damals die Politik »Nicht mit den Rebellen in einer
    Höhle bleiben«. Deswegen hat Taiwan die Mitgliedschaft in den UN verloren.“ Da weil haben sich unsere Medien doch so bemüht uns
    einzutrichtern, dass das böse rote China das arme freie Taiwan aus der UNO
    hinausgeschmissen hat. Ist Chen am Ende noch ein Kommunist und ein vom
    Festlandbezahlter Internet Spion?So wurde ich nämlich schon für die exakt gleiche Aussage wie Chen Shuibian bezeichnet... von Chen Shuibian Sympathisanten.„China ist China. Taiwan ist Taiwan. Beide haben eine
    unterschiedliche Kultur. Taiwan hat die Kultur einer Seenation. Natürlich hat
    die chinesische Kultur die taiwanesische Kultur durchdrungen. Auf jeden Fall
    ist die chinesische Kultur nur ein Teil der taiwanesischen Kultur.“Wie jetzt? War nicht Taiwan immer das bessere China? Wie oft
    hat man von der Insel schon gehört, dass die chinesische Kultur am Festland durch den
    Kommunismus zerstört wurde und man nur noch in Taiwan chinesische Kultur
    vorfinden kann. Übrigens das Hauptargumente, warum Taiwan die geraubten
    chinesischen Schätze nicht mehr zurückgeben möchte. Übrigens für wirklich Interessierte und Asienkenner: Chen
    Shui Bian Seenation Kultur Vergleich hat man schon öfters hören können. Die
    volle Version lautet ca. so: Taiwan und China sind unvereinbar, da Taiwan eine
    Seenation ist wie Japan und China eine Festlandnation. Seenationen sind von
    Natur aus offener und liberaler (- gut, dass er GERADE Japan noch eingebaut hat ;-)
    während Festlandnationen abgeschieden und verschlossen sind.Also Taiwan lässt sich nicht mit China vereinbaren (unterschiedliche Kulturen) aber mit Japan schon. Hmmm Wenn man jetzt noch mit einbezieht, dass die taiwanesischen Großgrundbesitzerfamilien (aus der z.B Li Deng Hui stammt) sich mit den japanischen Nazis im WK2 so gut verstanden haben, erkennt man als Asienkenner sehr schnell woher der Wind wirklich weht. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass weder die
    Kuomintang noch ihr Präsidentschaftskandidat Ma Ying-jeou es wagen werden zu
    behaupten, Taiwan sei Teil der Volksrepublik China.“Warum sollte Ma das auch? Ma sagt Taiwan ist ein Teil
    Chinas. China ist nicht gleich Volksrepublik (das ist nur eine Staatsform). Was
    glaubt Chen eigentlich, was Ein Land Zwei Systeme bedeutet? Nord und Südkorea sind Korea, nur 2 verschiedene Staatsformen. BRD u. DDR waren immer Deutschland, nur halt 2 verschiedene Staatsformen. Die Haargenau gleiche Regelung hätten wir übrigens bei der Republik China und der Volksrepublik China 1971 auch haben können. Nur wollte das damals Chaing Kaishek nicht (siehe oben). Und jetzt will die DPP nicht -so schaut es nämlich in Echt aus. „Nur, China hat diese Absicht niemals aufgegeben und sich
    auf einen militärischen Angriff auf Taiwan vorbereitet. China hat in jüngster
    Zeit den Militärhaushalt stark gesteigert, über seine Bedürfnisse zur
    Selbstverteidigung hinaus.“
    Hmm und die DPP ihre etwa nicht? Vielleicht können sich einige
    Leser noch an den Typen im taiwanesischen Parlament erinnern, der mit Vendetta
    Maske und Tränengasspray einen ziemlichen Aufruhr verursacht hat. Falls ihr
    euch nicht mehr erinnern könnt (wollt)… Dieser „Typ“ hat gegen einen Milliarden
    Waffendeal mit den USA demonstriert, wo groß U-Boote und Kampfschiffe
    eingekauft wurden. „Ein Referendum ist direkte Demokratie. Deswegen müssen wir daran
    festhalten. China nennt unser Referendum einen ersten Schritt zur
    Unabhängigkeitserklärung. Aber das ist falsch. Ich werde in meiner Amtszeit
    Taiwan niemals für unabhängig erklären.„Der Status quo in der Straße von Taiwan bedeutet: Taiwan ist ein souveräner
    Staat von 23 Millionen Einwohnern. Es gibt zwei Staaten, und beide gehören
    nicht zueinander. China ist China, Taiwan ist Taiwan. Wir wollen den Status quo
    bewahren. Taiwan ist längst unabhängig, wir müssen die Unabhängigkeit nicht
    erklären.“
    „China meint, unser Referendum sei der erste Schritt zur
    Erklärung der Unabhängigkeit. Aber das ist ein großes Missverständnis. Das
    Referendum soll zeigen, dass Taiwan nicht ein Teil der Volksrepublik China ist,
    anders als diese behauptet; und dass wir die Position der Volksrepublik China,
    Taiwan sei ein Teil Chinas, kategorisch ablehnen.“ „Dies ist keine offizielle Namensänderung und widerspricht
    damit nicht den »vier Nein«, die ich bei meiner Amtseinführung formuliert habe.
    (Nicht die Unabhängigkeit Taiwans erklären; den offiziellen Namen nicht ändern;
    kein Referendum über die Unabhängigkeit durchführen; keine neue Verfassung
    erlassen;
    Anm. d. Red.)“Kennt sich noch jemand aus? Ich mich nicht mehr...Also Chen macht ein Referendum weil er kein Referendum macht und hält daran wie versprochen fest, dass Taiwan ein Teil Chinas ist aber nicht der Volksrepublik, die nicht China ist, weil Taiwan unabhängig und nicht chinesisch ist....Hab ich das jetzt richtig zusammengefasst? Wenn nicht... auch egal. Chen und Co. kann und darf man nicht ernst nehmen.Bevor ich wieder als Kommunist beschimpft werde. Meine Position: Die Republik China ist NICHT Teil der Volksrepublik ( wie soll des das auch gehen, wie kann eine Staatsform der Teil einer anderen sein? Ausserdem verlangt das auch keiner - obwohl Chen das immer suggeriert)Die Insel Taiwan gehört zu China. Die Bewohner Taiwans sind Chinesen. Egal ob sie jetzt schon vor 300 Jahren auf die Insel gekommen sind oder erst vor 50 Jahren. Das die Bewohner es bevorzugen eine eigene Regierung zu haben und nicht von Beijing aus regiert zu werden, ist nur allzu verständlich. Und das verstehen die Festlandchinesen genauso. Auch die Leute in der KP. Das jetzt die Bewohner Taiwans keine Chinesen mehr sein sollen, ist aber ein konfuses Hirngespinst und diese Idee hat ihre Wurzeln in der japanischen Besatzungszeit. Wo die Japaner alles chinesische ausrotten wollten, aber Taiwan im Gegensatz zum Festland in ihr Reich eingegliedert haben. Übrigens war die japanische Besatzungszeit nicht so toll. Toll war sie nur für die, die jetzt noch von ihr schwärmen. Und wer sind "die"? - Richtig, die Großgrundbesitzer und Kollaborateure wie Chens Busenfreund Li Deng Hui, also die Kräfte hinter der DPP und ihren Blockparteien. Die gleichen die sich jetzt darüber beschweren, dass die GMD hochchinesisch als Unterrichtssprache eingeführt haben und dabei ganz vergessen, dass den Taiwan Chinesen es unter Strafe verboten war Minnan Hua zu Hause zu sprechen.

  3. Ich kann die Logik des Interviewers nicht nachvollziehen: Gibt es eine eigene taiwanesische Kultur?
    Wenn man nach einer geimsamen Kultur und gemeinsamen Sprache geht, so müsste Österreich ein Teil Deutschlands sein. Dem steht jedoch im Wesentlichen nicht ein Kultur- oder Sprachunterschied gegenüber sondern das Selbstbestimmungsrecht der Völker in der UN-Charta.
    Kaum ein Österreicher wäre für eine Vereinigung mit Deutschland obwohl Deutschland eine Demokratie ist. Weshalb maßt sich der Westen an, die armen Taiwanesen an die Diktatoren in Peking zu verkaufen? Haben wir noch immer nocht gelernt, dass sich eine dauerhafte Außenpolitik an moralischen Gesichtspunkten zu orientieren hat? Im Gegensatz zum Kosovo ist Taiwan eine florierdende und funktionierende Demokratie. Es hat die Unabhängigkeit zehnmal mehr verdient.
    Wenn China mit Einschüchterungsversuchen daherkommt wie im Falle Merkel, stünde es der EU gut zu Gesicht, wenn sie sich als Antwort um so entschiedener auf die Seite der demokratischen Gegner Pekings stellen würde. Schließlich braucht die EU China nicht, sondern China braucht die EU um ihre Produkte zu verkaufen.

  4. @ralfreinermüllerSind sie Österreicher?Ich schon. Taiwan u. China kann man rein gar nicht mit Österreich Deutschland vergleichen. Übrigens haben Österreich und Deutschland nicht die selbe Kultur. Bin mir nicht einmal so sicher ob wir in Österreich eine einzige Kultur haben - sprich Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Die österreichische Nation ist eine historisch gewachsener Staat und um einiges älter als Deutschland. Übrigens, wenn dann könntets ihr euch höchstens uns anschliessen ;-) Woiln ma aba ned = wollen wir aber nich Die deutschnationale Ausrichtung mancher Österreichischer Mitbürger (= Deutschnationale= Rechtsrechte) ist ein Überbleibsel aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Als nach der Zerstücklung des Kaiserreiches einige glaubten, dass so ein kleiner Staat nicht lebensfähig ist. Kombiniert mit diesem Glauben und der Wirtschaftskrise in den 20 und 30ern hat Hitler diese Ängste ausgenützt. Wenn sie mit Deutschland-Österreich ein Volk eine Nation daherkommen, legen sie sich ungewollt? mit Neonazis ins Bett. Die China-Taiwan Situation ist ein Überbleibsel aus dem alten Krieg also in der Richtung: Teilung Deutschlands, Koreas etc. Und in Fremd verschuldet. Hätten sich die USA nicht eingemischt, wäre Chiang Kaishek schnell geschlagen gewesen und die Teilung hätte nie stattgefunden. Warum glauben sie, hat sich - der meiner Meinung nach größte Oportunist der Weltgeschichte - Li Deng Hui den Kommunisten kurze Zeit angeschlossen hat? Weil der davon ausging, dass die GMD den Bürgerkrieg klar verlieren. Erst als diese sich auf Taiwan verschanzten und Rückendeckung der USA bekamen, war er plötzlich GMD Mitglied. Ach ja jetzt ist er der "spirituelle" Führer der Unabhängigkeitsbewegung.Vom fanatischen japanischen Soldaten, zum Kommunisten, GMD Präsidenten und Zerstörer hin zur DPP - Dieser Mensch und sein Illoyalität ist wirklich ein Symbol der Unabhängigkeitsbewegung.

    • 19.12.2007 um 9:29 Uhr
    • kongjiang

    Wieder mal ein Artikelchen ohne Hintergrundinformationen, da kann sich jeder dann "s e i n e n" Reim darauf machen.
    Taiwan ist seit den Anfaengen der Qing dem chines. Kaiserreich
    "unterstellt". Die japaner haben es an der vorletzten Jahrhundertwende besetzt und noch einmal im chines. jap. Krieg
    Jiang JieShi hat dann mit seinen Truppen die Insel als Fluchtort genutzt und erstmal 1 Millionen ( ? ) Hakka, Kejia, Taiwans urspruengliche Bevoelkerung einen Kopf kuerzer gemacht und aus machtpolitischen Gruenden den Alleinvertretungsanspruch fuer die chines. nation mit Taiwan verknuepft. fuer die Kejia hat er einfach nur die japanische Besatzung abgeloest, unter denen es streng verboten war minnahua zu sprechen oder Hochchinesisch. Jetzt war mandarin die allein gueltige Sprache. Taiwan war und ist es noch ein gespaltenes Land: Han-Chinesen und Kejia, wobei anzumerken ist, dass im Sueden Chinas, insbesondere in Fujian, die Kejia einen grossen Bevoelkerungsanteil stellen und sich aber immer als Chinesen betrachten.( eine Studentin von mir, die ich immer damit geneckt habe, dass sie ja Kejia und nicht Han sei, war immer richtig aufgebracht.) Nur ist die Situation in Taiwan aufgrund der Historie schwieriger und die Aengste der Kejia zu verstehen. Allerdings ein Kejai dominiertes Taiwan wird es nicht geben, es sei denn nach einem massaker an den Han. Wenn man so will, Zypern in Asien. Die Situation ist schon verworren genug, wird aber von Japan und der US genutzt, um Taiwan als Pflock gegen die PRCh aufzubauen und die Situation noch komplizierter zu machen: Taiwan als Chinas Kuba mit umgekehrten Vorzeichen.Sowhl die Forderung Chens Taiwan als Namen zu nehmen als auch die Anno Tobak Vorstellung, Republik China, der GMD, sind nicht tragfaehig und das wissen beide Parteien. Die einzig tragfaehige Loesung des Konfliketes sehe ich in einer voelkerrechtlich durch Garantien abgesicherten Assoziation mit der PRCh, die insbesondere die Rechte der Kejia absichert: ein Land, 3 Systeme ist eine Vorstellung die hier in der VRCh niemand abschreckt und auch fuer die Taiwanesen tragfaehig sein duerfte, wenn die KMD endlich eingesteht, dass sie 1949 verloren hat und ein Vertretungsanspruch fuer China etwa so laecherlich ist, als wollten die Deutschen wieder die Grenzen von 1941 haben. Das waere auch einfach zu erreichen, wenn nicht Japan und die US hier einfach ein Feuerchen am Kochen halten wollten, mit dem man die PRCh ggf. kujonieren kann.Es ist bedauerlich, dass die Deutsche Presse nicht in der lage zu sein scheint, Hintergrundinformationen zu liefern, sonder nur informationsbroeckchen unters Volk streut.

  5. @kongjiang: Ihre Rede von Taiwan als dem Kuba Chinas ist ja wohl der reine Hohn. Es wundert mich keineswegs, dass das demokratische Taiwan nicht zur VR China gehören will, einer Diktatur, in der täglich Menschenrechte verletzt werden und das sich einen Dreck um die Interessen der Menschen in Taiwan schert. Ich lebe schon seit geraumer Zeit als Deutscher in Kaohsiung,Taiwan, und die einzigen Einheimischen, die sich mir gegenüber als Chinesen und nicht als Taiwaner bezeichnet haben, kamen aus Taipei. Wie der Präsident im Interview richtig feststellte, schätzt man auf dem Festland die Meinung der Menschen auf Taiwan völlig falsch ein. Ihr Kommentar legt nur ein weiteres Mal Zeugnis davon ab. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: China und Taiwan, das sind zwei verschiedene Welten.

    • 19.12.2007 um 13:00 Uhr
    • kongjiang

    @kleinhirn

    im Deutschaufsatz wuerde es heissen: Thema verfehlt, Thematik nicht verstanden.
    Nochmal Genitiv ueben: was heisst Chinas Kuba?

    Und zu den aufgezaehlten Fakten natuerliche keine Einlassung
    dafuer aber ein paar Gutmensch Schlagwoerter.

    Armes Deutschland, jeden Tag Bild lesen, Parolen ueben und ansonsten Augen zu und die Realitaet nicht wahrnehmen.

    Ihr Beitrag passt uebrigens zur Aussenpolitik der herrschenden BKin: bodenlos.

  6. @kleintalIch hab was zum Beißen für sie:Ich kenne sowohl Festland China, Taibei als auch Kaohsiung (verzeihen sie mir bitte, wenn ich in Zukunft am Pinyin festhalte, ich finde es sinnlos zwischen verschiedenen Regeln hin und her zu hüpfen, besonders wenn Wade Giles in Taiwan sich nicht einmal richtig durchgesetzt hat bzw. andauernd falsch geschrieben wird).Taibei (die mit Abstand größte Stadt Taiwans - irgendwie heissts immer, das ist ja nur Taibei, als ob das ein Nest wäre) ist die GMD Hochburg und Gaoxiong die DPP Hochburg (obwohl diese dort nicht die absolute Mehrheit hat) und die Menschen in Taibei sehen sich daraus folgernd logischerweise eher als Chinese und die Menschen in Gaoxiong als Taiwanese. Witzigerweise ist gerade der Unterschied zwischen den Menschen in Gaoxiong und den Menschen am Festland (sprich die Provinz Fujian - am Festland variert ja auch die Kultur, da 1. recht groß, 2. Einflüsse von Minderheiten, 3. historische Besonderheiten, 4. komplett unterschiedliche Klimazonen etc.) gleich 0, während die Bewohner Taibeis wirklich etwas eigenes darstellen. Naja ist ja kein Wunder, jede Großstadt hat ihr eigenes Süppchen am kochen. Diese Abgrenzung Taiwanese und Chinese ist in erster Linie eine rein innenpolitische. Da geht es doch darum eine Trennung zwischen Chinesen die mit Chiang Kaishek gekommen sind und den Chinesen die früher schon da waren, zu ziehen. Auch verständlich, der Diktatur Chiang Kaishek hat nach seiner Flucht natürlich seine Armee Kumpels in allen wichtigen Positionen installiert und der "echten" Taiwan-Chinesischen Führungsschicht die Zusammenarbeit mit den Japaner vorgeworfen. Hier liegt auch einer der Hauptursachen für den Konflikt. Übrigens Taiwan-Chinesen - egal ob aus Taibei oder Gaoxiong - die einen Kontakt zum Festland haben (Familie, wirtschaftlich, Freunde, eine Festlandchinesin geheiratet, auf Urlaub oder Auslandsstudium dort gewesen) sehen sich mit starker Mehrheit ( zu 90% ? - hab die Zahlen nicht im Kopf) als Chinesen. Den taiwanesischen Jugendlichen - denen es seiten Taiwans so schwer wie möglich gemacht wird, Kontakte zum Festland zu knüpfen oder es zu besuchen - wird seit einigen Jahren aber eingetrichtert, dass man ein Verräter ist, wenn man sich als Chinese betrachtet. Dazu kommt noch eine staatliche Hetzkampagne gegen alles chinesische. Diese geht dann soweit Ahmei öffentlich anzugreifen, weil sie ein Konzert im Feindesland kurz vor dem Beginn eines Krieges (sic!) gibt und der Forderung nach einem Einreiseverbot für Jackie Chan, weil dieser die letzte Wahl zu recht als dubios bezeichnet hat. Beide Parteien sowohl GMD (früher) als auch DPP (jetzt) setzen bei Wahlkämpfen auf Angstmacherei. Die GMD sagte früher das wenn man die DPP wählt Festland China Taiwan angreift. Jetzt wirbt die DPP damit, dass man im Angesicht des Feindes geschlossen gegen diesen stehen muss. Die Bedrohung seitens der VRC war immer schon weniger eine realistische als eine innenpolitisch aufgebauschte. So ähnlich wie bei uns der Ausländerwahlkampf geführt wird. Nicht das es keine Intergrationsschwierigkeiten mit Ausländern geben würde und auch nicht das die VRC militärisch keine Bedrohung wäre - es geht darum wie die Parteien in ihren Wahlkampf mit diesem Thema umspringen. Die DPP setzt auf eine stark taiwanesisch nationalistische Karte und spaltet damit bewusst die eigene Bevölkerung auf der Insel. Das seine öffentlichen Ansprachen oft bewusst auf Minnan Hua gehalten werden, anstatt auf dem einheitlichen Hochchinesisch, zeigt recht deutlich, dass er nur für einen Teil der Bevölkerung ein Präsident ist. Über den Aspekt der Korruption seitens Chen u. der DPP schreibe ich ein anderes mal, wenn es notwendig ist. Die realistische Möglichkeit, dass Chen bald im Häfen landen könnte - kann auch gefährliche Auswirkungen auf seine politischen Entscheidungen haben und sollte nicht vergessen werden.

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  • Von Matthias Naß
  • Datum 18.12.2007 - 01:39 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 13.12.2007 Nr. 51
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