Manager
Vorstände mit Vollkasko
Sie haben mit Fehlspekulationen eine komplette Bank verspielt. Aber die früheren Chefs der IKB fallen weich
Kurt Beck und Ingrid Matthäus-Maier gehören derselben Partei an. Als Vorsitzender der SPD hat Kurt Beck gerade mächtig auf den Putz gehauen. »Wenn Manager selbst bei einer Riesenpleite noch mit Millionen-Abfindungen nach Hause geschickt werden, kann ich den Zorn der Leute verstehen«, sagte er in einem Bild- Interview.
Ingrid Matthäus-Maier hat gerade ganz praktisch mit so einer Riesenpleite zu tun – und auch mit Managern, die nach Hause geschickt wurden. Die frühere SPD-Politikerin ist seit Oktober 2006 Vorstandssprecherin der Staatsbank KfW, und diese ist wiederum Großaktionärin der IKB Deutsche Industriebank mit Sitz in Düsseldorf. Die IKB wäre Pleite gegangen, wenn sie nicht mit fünf Milliarden Euro Staatsgeld und einer weiteren Milliarde von anderen Banken gerettet worden wäre.
Die Verlustgeschäfte kosteten vier der fünf Vorstände des Instituts den Job. Bankchef Stefan Ortseifen räumte seinen Posten Ende Juli unmittelbar nach Bekanntwerden der Schieflage. Einige Tage später legte Finanzvorstand Volker Doberanzke sein Amt nieder. Im Oktober gingen die Vorstände Markus Guthoff und Frank Braunsfeld von Bord.
Bislang drang merkwürdigerweise nichts darüber in die Öffentlichkeit, wie die Verträge mit diesen Missmanagern beendet wurden. Eine erste Anfrage bei der IKB erbringt auch keinerlei Klarheit. Mit den Betroffenen sei »Vertraulichkeit vereinbart worden«, teilt das Institut lapidar mit. Ob Abfindungen gezahlt wurden, ob Übergangsgelder fließen, ob Bonifikationen vergangener Jahre zurückgefordert wurden – zu keiner dieser Fragen mag sich das Institut äußern. In Düsseldorf gilt das Gesetz der Omertà.
Es geht um viel Geld. Ortseifens Vertrag war erst kurz vor der Beinahepleite verlängert worden und hatte eine Laufzeit bis Oktober 2012. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im März 2007 endete, hatte der Banker neben einem Festgehalt von 504.000 Euro eine variable, erfolgsabhängige Vergütung von einer Million Euro erhalten. Hohe Erfolgsprämien von jeweils 750.000 Euro kassierten zusätzlich zu ihrem Festgehalt auch die Vorstände Doberanzke und Guthoff. Letzterer hatte ebenfalls kurz vor der Beinahepleite einen neuen Fünfjahresvertrag bekommen.
Die Banker können sich außerdem auf hohe Pensionen freuen. Ortseifen hat die Zusage über ein lebenslanges Ruhegeld von 378.000 Euro im Jahr – das sind rund 100.000 Euro mehr, als die Bundeskanzlerin im Amt verdient.
Ihre Pension steht den Bankern erst ab dem 63. Lebensjahr zu, bei vorzeitigem Ausscheiden haben sie aber laut Geschäftsbericht einen Anspruch auf ein Übergangsgeld. Nach den bankinternen Regeln soll es aber nur dann gezahlt werden, wenn die Vertragsbeendigung nicht auf ein persönliches Verschulden des jeweiligen Managers zurückgeht. Wie hält es die IKB nun mit dieser Regelung? Kein Kommentar.
Es ist schon absurd: In Berlin debattiert eine Große Koalition über maßlose Manager, die viel verdienen, aber wenig leisten. Aber ausgerechnet bei der Bank, deren mittelbarer Großaktionär der deutsche Staat ist und deren Manager eine der größten Fehlspekulationen der deutschen Wirtschaftsgeschichte hingelegt haben, soll die Frage nach Vorstandsverträgen und Abfindungen unbeantwortet bleiben.
Anfrage bei KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier: Was weiß die Staatsbank über die Modalitäten der Vertragsbeendigungen bei ihrer Stieftochter IKB? Und welcher Linie folgt die KfW in dieser Frage? Die Antwort kommt prompt. Es handele sich zwar um »Angelegenheiten des Aufsichtsrats der IKB«, sie halte es aber »für dringend erforderlich«, dass die IKB nicht länger verheimliche, wie sie mit den Exvorständen verfahren sei, schreibt Matthäus-Maier. Sie bittet den IKB-Aufsichtsratsvorsitzenden und früheren E.on-Chef Ulrich Hartmann, »zum Thema Abfindungen für die ehemaligen Vorstandsmitglieder der IKB – soweit das rechtlich möglich ist – Klarheit für die Öffentlichkeit« zu schaffen.
Und endlich fällt das Bankgeheimnis. Alle vier Vorstandsverträge seien ohne Abfindung beendet, wird nun mitgeteilt. Trotz der gewaltigen Verluste und verletzter Informationspflichten hat es aber auch keine fristlosen Kündigungen gegeben. Vielmehr erhalten Ortseifen und seine geschassten Kollegen noch bis Ende des Jahres ihre Vorstandsgehälter. Die Bonifikationen des vergangenen Geschäftsjahres dürfen sie behalten. Ein Rechtsgutachten habe ergeben, dass es keine Möglichkeit gebe, das Geld zurückzufordern, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats. Übergangsgeld werde zwar nicht gezahlt, aber ihre Pensionsansprüche dürfen die Banker ebenfalls behalten.
Finanziell gesehen, müssen sich die gefallenen IKB-Manager also keine großen Sorgen machen. Das liegt auch daran, dass sie durch eine spezielle Managerhaftpflichtversicherung vor Schadensersatzansprüchen gut geschützt sind. Die Prämien für diese Versicherung zahlt das Unternehmen. Den Managern kann wenig passieren – selbst dann nicht, wenn sie ihre Pflichten verletzt haben, wofür es im Fall der IKB Indizien gibt.
Bei der IKB hatten sich die Topleute sogar besonders gut abgesichert. Nach den Empfehlungen der Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) soll bei solchen Versicherungen immer ein angemessener Selbstbehalt vereinbart werden. Vorstände und Aufsichtsräte müssen dann wenigstens für einen Teil der von ihnen angerichteten Schäden persönlich aufkommen. Bei der IKB gilt das nicht. Hier entschieden sich die Verantwortlichen für eine Versicherung ohne jede Eigenbeteiligung. Die ist zwar teurer, sichert aber auch in schwierigen Zeiten einen guten Nachtschlaf.
Ihren Vollkaskoschutz rechtfertigte die Bankspitze im Geschäftsbericht so: »Wir sind unverändert der Auffassung, dass die Vereinbarung eines Selbstbehalts nicht geeignet ist, die Motivation und das Verantwortungsbewusstsein zu verbesseren, mit denen die Organmitglieder der IKB ihre Aufgaben und Funktion wahrnehmen.« Es ist der letzte Satz im gemeinsamen Bericht von Vorstand und Aufsichtsrat zur Corporate Governance. Unterschrieben haben ihn Ulrich Hartmann und Stefan Ortseifen am 27. Juni 2007. Nur einen Monat später stand die Bank wegen verantwortungsloser Spekulationen vor dem Aus.
- Datum 18.12.2007 - 11:56 Uhr
- Serie audio
- Quelle DIE ZEIT, 13.12.2007 Nr. 51
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Das ist es ja, was viele Menschen zu recht aufregt: Wer durch Fehlspekulationen ein Unternehmen an den Rand des Abgrunds treibt oder sogar darüber hinaus, der darf nicht noch durch eine üppige Abfindung dafür belohnt werden!Hier genau ist auch der Unterschied zwischen Porsche und beispielsweise der IKB-Bank zu erkennen. Wendelin Wiedeking hat den Wert des "Unternehmens Porsche" erheblich gesteigert. Er hat so die Arbeitsplätze sicherer gemacht und hat die gesamte Belegschaft am Mehrwert des Unternehmens beteiligt.(Nur nebenbei und in Klammern: Auch in solch einem Fall sollte der Vorstandsvorsitzende nur den X-fachen Betrag des Lohnes eines einfachen Angestellten erhalten - und nicht den XXL-fachen Betrag!).Die verantwortlichen und verantwortungslos handelnden Manager der IKB können juristisch zwar nicht belangt werden, aber man sollte ihnen in solchen Fällen auch keinen roten Teppich aus Geldscheinen ausrollen. Solche Verträge sind - nicht nur aus der Sicht eines Arbeitslosen - beinahe sittenwidrig.Arbeitgeber (zumeist sind es ja wirklich "nur" hochbezahlte Angestellte) haben gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Vorbildfunktion wahrzunehmen!
Der Mafiavergleich hat mich geradezu umgehauen. Die Elektrozeit mausert sich langsam aber sicher zur Plattform der Gegeneliten, die in der Ära der großkoalitionären Volksverdummung keinerlei Sprachrohr haben. Ein Generationswechsel?Darum geht es:Die Privatisierungswelle nutzt nur dann etwas, wenn tatsächlich Wettbewerb besteht. Wenn Manager Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt sind, dann sollten sie auch das Geld dafür bekommen mit einer Risikoprämie. Dass sie sich selbst gegen Fehleinschätzungen, die vorkommen können, versichern ist Voraussetzung, um überhaupt so eine Tätigkeit aufnehmen zu können. Anders bei Einzelunternehmern, die das Risiko selbst tragen müssen. Sie sind als Alleininhaber dafür auch voll am Gewinn beteiligt. Aber wie sieht die Realität aus? Die Privatisierung gibt es in den wenigsten Fällen. Die Telekom agiert wie ein Monopolist, die Post ist Monopolist, die Stromkonzerne bilden ein Kartell. Die Bosse dieser Läden konnten sich aus dem Joch des Beamtentums befreien und sich nur den Stempel "Privatunternehmen" aufdrücken, der dazu berechtigt, dicke Kohle wie in der Wettbewerbswirtschaft einzuzocken, jedoch keinerlei Risiko tragen zu müssen. Sie bilden eine Kaste unter sich, was noch niemand ausgesprochen hat. Es geht weniger um Private wie Ackermann, sondern um die halbstaatlichen Bosse, die sich als Privat verkaufen, jedoch Staat sind. Dieser Bande, die unter mafiaähnlichen Bedingungen agieren kann (Morde oder Drogengelder sind bei einem Millionenbetrag an Kohle nicht nötig, zumal der Staat ja die Infrastruktur dafür geschaffen hat), gehört unter verschärfter Beobachtung der Massenmedien.Da sich die Politiker solche Jobs erhoffen, greifen sie diese Strukturen natürlich nicht an. Es bleibt eine wache Gegenelite, die gewaltlosen Widerstand zu leisten vermag.
dorfkramer im wesentlichen zu, wobei ich allerdings nicht sagen wuerde, daß die telekom keinen wettbewerb hat, sonst hätten nicht tausende fliehende kunden diese zu preisissenkungen zwingen können.
»Wir sind unverändert der Auffassung, dass die Vereinbarung eines
Selbstbehalts nicht geeignet ist, die Motivation und das
Verantwortungsbewusstsein zu verbesseren, mit denen die Organmitglieder
der IKB ihre Aufgaben und Funktion wahrnehmen.«Dem Satz kann man nur widersprechen. Wenn diese Leute schon keine moralischen Skrupel haben, so sollten sie doch wenigstens durch den Verlust von eigenem Geld (Selbstbehalt) zu Verantwortungsbewusstsein sich selbst gegenüber genötigt werden, wenn sie schon kein Verantwortungsbewusstsein anderen gegenüber haben.Im übrigen erinnert das sehr an die Stamokap-Theorie der Jusus der 70er Jahre. Sie besagte, dass bei uns Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden und genau das ist hier der Fall.Anfang der 80er Jahre ging die gewerkschafteigene Neue Heimat mit 2 Milliarden D-Mark in Konkurs. Da war die Aufregung groß und die Konservativen tönten, dass die Linken nicht mit Geld umgehen können. Heute wissen wir es besser dank Schremp`s Welt-AG (ca. 40 Milliarden), BMW`s Englandaktivitäten und den US-Immobiliengeschäften führender deutscher Banken.
mehr fällt mir dazu nicht ein. Gleichheitsgrundsatz? Pfffff...., wir richtens uns! Die Schäden die wir angerichtet haben? Holen wir einen Sanierer ins Haus, der entlässt eine dementsprechende Anzahl an Mitarbeitern, wir heften uns den Erfolg auf unsere Fahnen, und weiter gehts. Mitleid? Ja, bitte mit uns armen, vom Schicksal gebeutelten Managern! Teilen mit den Mitarbeitern, wenn Gewinne anfallen? NIE! Vielleicht noch mit den Aktionären, wenn wir selbst hohe Aktienanteile halten. Was wird passieren, wenn es dem Volk mal wieder reicht? 1848, Hitler, oder ganz was neues? Man kann einen Menschen für immer verschaukeln, viele für längere Zeit, aber niemals alle für immer! Daran sollten die Manager denken, die heute in der in dem Artikel geschilderten Art und Weise kassieren. Und wenn es soweit ist (1848 o.ä.), soll sich keiner dieser Kaste beschweren!
Herr Beck wettert mit andern Politikern über Managerbezüge. Wie gut wenn man von sich ablenken kann! Oder? Doch wie weich fallen denn Politiker nach kürzester Zeit?+++ Tagesspiegel heute:Der Politiker hat nach nur 33 Monaten im Parlament einen
Anspruch auf eine Altersversorgung in Höhe von monatlich 631 Euro
erworben. Das berichtet die Bild-Zeitung. Für eine Rente in dieser Höhe
müsste ein Durchschnittsverdiener dem Blatt zufolge rund 24 Jahre in
die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. +++Herr Beck und Kollegium... die wenigen wirklichen Abzocker in der Wirtschaft... sind weniger als die unersättlichen Mehrfachjobber in der Politik... oder? Erfolg ist doch belohnenswert? Und letztlich entscheiden Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre über Bezüge... damit auch über die Marktchancen der Produkte auf dem Markt.Natürlich dürfen Versager (Firmenwerthalbierer) nicht mit Abfindungen vergoldet werden... unsere ehemalige Welt AG bietet hier ein schlechtes Vorbild.Ich stelle mir gerade einen Politiker, eine Partei mit Fleiß, Können, Verantwortung, Erfolg Ernergie und auch Fortune eines Wiedeking vor!!!!!! Vermutlich würden die uns bereits vom Mond aus regieren... die Erde wäre wohl nicht genug!Pardon... aber dieser Neid statt Fleiß... kann anwidern. Mögen doch diese Politiker in die Wirtschaft gehen... vielleicht wird dann Platz für Politische Wiedekings? Hoffentlich.
Die Skandale kann man kaum noch einzeln überblicken, deshalb sollte man sie als Buch gebunden veröffentlichen ! Die Dreistigkeit ist kaum zu überbieten. Man hätte natürlich die Möglichkeit, diese " Top - Manager" gerichtlch zu belangen. Verträge hin Verträge her. Das scheint mir eine windelweiche Argumentation zu sein. Wenn ich einen Versicherungsvertrag habe, und der Versicherer weist mir im Schadensfall Fahrlässigkeit nach, wird er die Zahlung verweigern bzw. er wird seine geleistete Zahlung von mir zurückverlangen. Die ist allgemein akzeptiert und wird auch von der Rechtsprechung so gesehen! Noch unerträglicher wird es, wenn man bedenkt, dass Politiker und Unternehmer - einige Medien sowiso- den Bürgern eine Vollkasko-Mentalität vorwerfen! Wenn dann auch noch Frau Mathäus-Maier davon spricht," dass dringender Handlungsbedarf" besteht, kann man nur noch den Kopf schütteln, wenn man doch weiß, dass die gefeuerten Vorstände bereits ihr Salaire zum Teil in Sicherheit gebracht haben !! Solitaire
Grundsätzlich stellt sich angesichts maßloser Mammungehälter die Frage, was denn da wirklich gefördert werde: Leistungsbereitschaft oder lediglich die blanke Habgier?
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