Inflation Ein Land im Butterschock

In Deutschland sind die Preise stark gestiegen. Das war wohl nur vorübergehend. Trotzdem hat die Episode ernste Auswirkungen auf die Konjunktur – und auf die soziale Balance.

Mancher fühlt sich an die Ölschocks der 1970er Jahre erinnert, wenn er die Rekordpreise an den Tankstellen sieht – und dazu die steigenden Preise für Heizöl, Arzneimittel und vieles mehr. Doch die Ölschocks sind der falsche Vergleich. Besser eignet sich als Symbol der Butterschock.

Im Schnitt waren die Butterpreise im Oktober anderthalbmal so hoch wie ein Jahr zuvor – nachdem sich die Republik lange daran gewöhnt hatte, dass Grundnahrungsmittel kaum teurer wurden. »Der Butterschock sitzt tief«, erklärte Paul Michels, der Chef der Marktforschungsgesellschaft ZMP, und wer würde es bestreiten? »Inflationsgefahr!«, rief die Bild- Zeitung aus und fragte bang: »Sollen Rentner jetzt etwa keine Butter mehr essen?«

Bild hat den Trend erkannt: Die Deutschen haben wieder Angst vor der Inflation. Es waren ja nicht nur Milch und Butter. Auch das Geflügel stieg in den vergangenen zwölf Monaten im Preis (16 Prozent). Die Reparatur von Schuhen (4 Prozent). Der Strom (8 Prozent). Benzin und Öl (10 Prozent). Bahntickets (5 Prozent). Für den Monat November überraschte das Statistikamt Eurostat mit einer besonders deftigen Inflationsrate: 3,3 Prozent. Erstmals seit Langem stand eine Drei vor dem Komma.

Solche Meldungen schlagen aufs Gemüt. Und das ist das Problem. Preiserhöhungen – Gift für die Konsumstimmung betitelte die Marktforschungsfirma GfK ihren jüngsten Bericht über die Zuversicht der deutschen Verbraucher. Von nichts ließen die Deutschen sich so gründlich die Laune am Einkaufen verderben wie von echten oder vermeintlichen Geldwertverlusten. Ökonomen wissen das schon länger aus ihren empirischen Untersuchungen: Packt den Deutschen die Angst, dann spart er mehr, wartet mit der Anschaffung langlebiger Güter und gibt Marktforschern gegenüber bittere Kommentare ab. »Die während des Sommers 2007 gezeigte Euphorie der Bundesbürger weicht einer eher nüchternen Betrachtungsweise«, befand denn auch der GfK-Forscher Dirk Mörsdorf.

Die Verbraucher schnallen den Gürtel erst einmal enger

Falls es bei dieser düsteren Stimmung bleibt, sind das schlechte Nachrichten für die Konjunktur. Am deutschen Verbraucher hängen zurzeit nämlich viele Hoffnungen. Lange konnte der Exportweltmeister Deutschland gut davon leben, dass die ganze Welt hier einkaufte. Doch jetzt flaut die Weltkonjunktur ab, Amerika steht womöglich noch eine Rezession bevor, die anhaltende Krise an den Finanzmärkten schürt Unsicherheiten, und der starke Euro schadet den Exporteuren.

Die meisten Ökonomen haben Deutschland bislang trotzdem noch gute Wachstumsaussichten im nächsten Jahr bescheinigt, aber sie stützen sich vor allem auf zwei Erwartungen: weniger Arbeitslose und höhere Löhne, also mehr Kaufkraft und mehr Kaufbereitschaft. Könnte der Butterschock jetzt einen Strich durch diese Rechnung machen?

Viele Ökonomen fürchten tatsächlich, dass er sich zur gefährlichen Stimmungsbremse entwickelt. Schließlich erleben hiesige Arbeitnehmer schon seit Jahren ein eigenartiges Schauspiel: Deutschland ist im Aufschwung, doch bei den meisten Arbeitnehmern kommen kaum reale Lohnerhöhungen an. Mitten in den fetten Jahren sollten sie den Gürtel enger schnallen. Und jetzt soll sich die Konjunktur gleich wieder abkühlen? Und von den respektablen Lohnerhöhungen zwischen drei und vier Prozent, die einige Arbeitnehmergruppen in diesem Jahr durchdrücken konnten, soll auch nichts mehr übrig bleiben? »Die Lohnerhöhungen dieses Jahres wurden im Wesentlichen von der Inflation aufgefressen«, bestätigt Roland Döhrn vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen.

Die Geschichte vom großen Butterschock hat allerdings einen gewaltigen Schönheitsfehler: Statistiker und Wirtschaftsforscher beharren darauf, dass die Inflation bei Weitem nicht so hoch sei, wie sie beim oberflächlichen Blick in die Supermarktregale erscheint. 2007 habe es schlicht eine große Zahl von Sondereffekten gegeben. Einmalige Ereignisse, könnte man sagen. Da war die saftige Mehrwertsteuererhöhung vom Jahresbeginn, ohne die auch die Inflation um einen guten Prozentpunkt niedriger läge. Da war die Einführung der Studiengebühren. Selbst der Ölpreis, der so viel Sorge hervorruft, dürfte ab Frühjahr wieder spürbar sinken.

Und die Lebensmittel? Sie sind aus einer Fülle von Gründen teurer geworden. Da gab es in einigen Ländern Trockenheiten. Fehlplanungen in der Produktion von Milch, Fleisch und Getreide. Eine rasch gestiegene Nachfrage aus den Schwellenländern und den Boom beim Biosprit. Aber nichts davon muss dauerhaft sein: Nur ein Bruchteil der urbaren Ackerfläche in der Welt ist heute effizient genutzt. Es dauert, bis Planer und Bauern sich auf den steigenden Bedarf eingestellt haben. Aber dann holt das Angebot die Nachfrage wieder ein. Der Butterpreis jedenfalls, mit dem die ganze Aufregung begann, verlor zum Beginn der Woche seinen Schrecken: Die Großhandelsketten Aldi und Lidl senkten ihre Preise kräftig, und der Einzelhandelsverband prognostiziert eine weitere »Normalisierung«.

Die Angst vor der Inflation – ein Spuk also, der bald vorbei ist? So einfach ist die Sache nicht. Die Psychologie spielt eine bedeutsame Rolle in der Wirtschaft. Ob die Leute optimistisch sind, ob sie einkaufen gehen oder lieber sparen, hängt vom Gefühl für den Wert des Geldes ab. Und dieses, sagt der Inflationsforscher Hans Wolfgang Brachinger von der Universität Fribourg, stütze sich kaum auf die trockenen Zahlen aus den statistischen Ämtern. »Viel stärker geht in diese Wahrnehmung ein, welche Güter man tagtäglich im Supermarkt einkauft«, sagt er und nennt dieses Phänomen die »gefühlte Inflation«.

Der Preis des täglich eingekauften Brötchens oder des Liters Milch macht demnach einen viel größeren Eindruck auf die Verbraucher als die Entwicklung bei anderen Gütern, deren Preise vielleicht stagnieren oder gar fallen. Die gab es ja auch: Zigaretten, Schuhe, Mieten, Wasser, Haushaltsgeräte, Arztbesuche, das Telefonieren, Pauschalreisen – all das blieb in den vergangenen zwölf Monaten fast gleich im Preis. Manche Dinge wie Computer, Fernseher und Kameras wurden sogar deutlich billiger.

Die Sache ist sogar noch komplizierter: »Die Menschen empfinden wirtschaftliche Zugewinne weniger stark als Verluste«, erläutert Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. »Wer 100 Euro auf der Straße findet, ist davon genauso erregt wie ein anderer Mensch, der 50 Euro verliert.« Daher würden sinkende Preise weniger auffallen als steigende Preise.

Richtig gefährlich wird es, wenn die Inflation zwar übertrieben wahrgenommen wird – sich am Ende aber zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung auswächst. »Es war schon immer die Politik der Gewerkschaften, durch Tariferhöhungen Inflation auszugleichen und dazu die Steigerungen der Arbeitsproduktivität«, sagt Claus Schäfer vom gewerkschaftsnahen Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Weil das schon lange nicht mehr erreicht worden sei, könne man bei den Arbeitnehmern nun »Unmut spüren«. Erst recht, wenn die Tariferhöhungen dieses Jahres gleich wieder von Kaufkraftverlusten ausgeglichen würden.

Am Ende können Inflationserwartungen dann zu mehr Arbeitskämpfen führen wie kürzlich bei den Lokführern und derzeit im Einzelhandel. Zu mehr Forderungen nach einem »Ende der Bescheidenheit«. »Im kommenden Jahr wird es kaum einen Abschluss unter drei Prozent geben«, prognostiziert der Forscher Heinemann vom ZEW. In einigen Bereichen der Wirtschaft, etwa bei Ingenieuren in der Elektronikbranche und in anderen Sektoren mit steigendem Fachkräftemangel, stiegen die Löhne bereits ganz ohne Gewerkschaftshilfe. »Da kann mancher zehn Prozent oder mehr rausholen«, berichtet Heinemann.

Kommt die gefährliche Lohn-Preis-Spirale zurück?

Das ist verständlich, aber auch gefährlich. Wenn die Verbraucher dauerhaft mit höheren Kosten rechnen, können sie übermütig werden und am Ende höhere Gehälter durchsetzen, als es durch die bisherige Inflation und die Zuwächse der Produktivität gerechtfertigt ist. Dann treiben die Löhne die Teuerung weiter an. Es droht eine Spirale, die die Notenbanker auf den Plan ruft. Die müssen dann bremsen. Sie erhöhen die Zinsen oder senken sie zumindest nicht – eine Operation, die das Wachstum stört. Derzeit ist die Konjunktur aufgrund weltwirtschaftlicher Ereignisse so angeschlagen, dass eine Zinserhöhung das Wachstum tatsächlich abwürgen könnte.

Die Situation ist also brenzlig, zumal die Banker im Frankfurter EZB-Tower in dieser Frage besonders konservativ sind. Auf Dauer wollen sie höchstens zwei Prozent Inflation zulassen, während andere Notenbanken drei Prozent akzeptieren und mancher Ökonom noch mehr. Jedenfalls sorgte sich Bundesbankpräsident Axel Weber schon ob des »beunruhigenden Anstiegs der Preise auf breiterer Front«. Zum Wochenbeginn pfiffen Mitglieder des EZB-Rats die hauseigenen Volkswirte zurück. Die hatten sich, wie etliche Frankfurter Ökonomen, eher unbesorgt über die Inflation geäußert.

Doch selbst wenn die Notenbank sich zurückhält und den Inflationsschub erst mal aussitzt, gibt es schon heute Verlierer des Butterschocks: die Rentner und Arbeitslosen in Deutschland. Renten werden nämlich mit deutlicher Verzögerung und nur ein bisschen an die Inflationsentwicklung angepasst. Nach drei Nullrunden stiegen sie in diesem Jahr um 0,54 Prozent. Und eine kurze, hitzige Berliner Debatte um eine spürbare Anhebung des Arbeitslosengeldes II versandete im späten Sommer.

Dabei trifft die Preissteigerung diese Haushalte besonders hart. Brötchen, Milch und andere Nahrungsmittel machen nämlich in einem deutschen Durchschnittshaushalt nur noch 13 Prozent der persönlichen Ausgaben aus; in den 1980er Jahren waren es gut 20 Prozent. In sozial schwachen Haushalten ist dieser Anteil aber erheblich höher. So schätzt der Fribourger Inflationsexperte Brachinger, dass Deutschlands Rentner im November tatsächlich eine Inflation von sieben Prozent erlebt haben. Folglich bleibt der Butterschock ein ernstes Problem: ein Schlag für die ökonomische Fairness im Land – und mit etwas Pech eine ernste Konjunkturgefahr.

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Fischermann hat recht, die Verlierer sind die, die nicht mehr Geld im Beutel haben. Wir sind so erbost ueber die staendigen Erhoehungen, dass wir richtig sparen. Wir sparen wie noch nie vorher und werden es durchhalten. Wir fahren nur noch mit dem Auto, wenn es sein muss, wir kaufen nur Bioware, 1 x im Monat gibt es Bio-Fleisch und Konsumgueter sind ausgeschlossen. Abgesehen davon, dass die meiste Kleidung in der Qualitaet so nachgelassen hat, dass sich die Ausgabe ohnehin nicht lohnt oder die Preise bei guter Qualitaet unverhaeltnismaessig hoch sind. Also: ohne uns.Als das Gerede von der besseren Wirtschaft kommt bei uns nicht an. Also, werden wir nur noch dafuer Geld ausgeben, wofuer es unvermeidbar ist. Das merke ich besonders beim Weihnachtsgeschaeft. Wir kaufen keine Geschenke ein dieses Jahr. Alle bekommen emails und einen Gutschein fuer etwas, das wir selbst machen koennen. Ende. Wollen wir doch mal sehen, ob das nicht gut ankommt, wenn das mehr Leute so machen wie wir.    

  2. Dies ist eine sehr griffige Darstellung von Thomas Fischermann.Befremdlich ist es indessen schon, dass man im Kern wesentlich ehrlichere Daten der Uni Fribourg heranziehen muss, um die Befindlichkeit der Bürger zu analysieren.Es ist ja leicht einzusehen, dass beispielsweise Familien mit kleinen Kindern, die eben mehr Butter, Milch oder Käse verbrauchen, höhere Inflationsraten zu verkraften haben, als jene, die auf andere Produkte ausweichen können. Ähnlich geht es Hartz 4 - Empfängern oder Rentnern. Das ist zwar nicht neu, ist aber in obigen Artikel sehr schön herausgearbeitet worden, wenn auch die Problematik noch tiefer geht. Schließlich hat Deutschland schon zwei riesige Inflationen in den letzten 80 Jahren hinnehmen müssen. Nun ist ein Vergleich mit diesen in keiner Weise erlaubt, der historische Schock sitzt aber offenbar noch tief. Seltsam mutet es an, wenn die fünf Weisen unter der Federführung eines Professor Rürup der staunenden Gemeinde verkünden, dass in 2008 die schwächelnde Weltkonjunktur durch steigende Binnennachfrage kompensiert werde. Woher die Herrschaften den Optimismus für diese gewagte These nehmen bleibt indessen ihr Geheimnis.Es darf auch nicht vergessen werden, das die Sparneigung weiter durch Unsicherheiten am Arbeitsmarkt angeheizt wird. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust oder Lohnsenkung - wie er zuweilen in Mode gekommen ist- tun ihr Übriges. Jene Unternehmen, die es für besonders clever halten, auf allerlei Schleichwegen die Lohne zu drücken, werden es leider - wenn überhaupt - erst später merken, dass ihre Clevernes eher ein Eigentor ist. In dieser Situation wäre volkswirtschafliche Vernunft und inteligente Psychologie gefragt.Solitaire

    • clubby
    • 18.12.2007 um 18:05 Uhr

    Was der Verbraucher nicht alles tun soll? Gibt er kein Geld aus ist es verkehrt, weil Gift für die Konjunktur, gibt er Geld aus ist es verkehrt, weil er damit ja weniger vorsorgt. Kosummiert er aber nur auf Billigware, wird ihm das auch zum Vorwurf gemacht, weil die Biiligprodukte aus fernen Ländern den Arbeitsmarkt hier belasten. Fordert er mehr Lohn in der Tasche, kommt der nächste Mahner, der damit höhere Arbeitslosenzahlen und ein Einsacken der Konjunktur heraufbrechen sieht, weil der Lohnverzicht den Aufschwung gebracht hat. Egal also WAS er macht, handelt er immer verkehrt. Wieso also sollte er irgendwelchen analysen nich vertrauen und sein Handeln danach ausrichten?
    Da liegt das Problem und der Grund für den Vertrauensverlust. Ein "gemeinsam gehen wir nach vorne" ist so nicht möglich, da "vorne" widersprüchlich definiert wird. Ergo kämpft jeder für sich allein und schert sich nen Dreck ums Ganze. Und auf lange Sicht ist Sparen da das bessere Übel.
    Vielleicht sind wir einfach langsam an dem Punkt, wo ein Raufpacken der Geminschaftskosten auf den Lohnempfänger nicht mehr tragbar ist. Wie wäre denn mal diese Überlegung. Verdient ein Arbeitnehmer x-Tausend Euro pro Jahr muß er 2x an Wertschöpfung bringen, da der Arbeitgeber ja seinen Anteil noch draufpacken muß. Von diesen 2x bleiben dem Arbeitnehmer letztlich also 0.5x in der Lohntüte übrig. Ergo geht er also von Januar bis Oktober nur für andere arbeiten. Nen bischen viel für meinen Geschmack. Oder? Wäre das endlich mal gerecht verteilt, bliebe auch wieder mehr zum Konsumieren. Eigentlich ganz einfach.

  3. Wurde uns der Sachverhalt nicht 15 Jahre lang gerade umgekehrt erklärt?Also die Japaner haben seit 1990 Deflation. Da wird alles immer billiger. Es gibt zwar auch keine nennenswerten Zinsen auf dem Sparbuch, aber die Löhne bleiben gleich. Da lohnt es sich mit den Anschaffungen zu warten: keine neuen Möbel, das Auto wird auch länger gefahren und der Kauf einer Eigentumswohnung wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine Todesspirale für die Konjunktur, weil alle nur am Warten sind. Dass sie mehr für ihr Geld bekommen.
    In Deutschland soll das nun umgekehrt verlaufen: Lohnsteigerung von 3%, die wohl von Beitragerhöhungen und Steuern mehr als weggefressen wird, dafür aber hohe Preissteigerungen in vielen Sektoren (nicht nur bei Butter!). Sollte ja eigentlich genau umgekehrt wie in Japan verlaufen. Alle laufen los und kaufen was das Zeug hält weil sie morgen weniger davon kriegen. Oder?

  4. Butterpreise steigen? Na und?! Im Supermarkt sehe ich überall wohlbeleibte Leute, die nun wirklich nicht auf Massen billiger Butter angewiesen sind. Diese Hysterie ist absolut lächerlich, zumindest bei den jetzigen Preisdimensionen. Grundnahrungsmittel (auch Bio) in angemessenen Portionen gesund zu Hause zubereitet, sind immer noch sehr preisgünstig. Und nein, ich habe keinen dicken Manager-Bonus bekommen.Schon mal jemandem aufgefallen, wie viele Lebensmittel trotz angeblich astronomischer Preise in den Biotonnen landen? Wie viele teure Zigarettenpäckchen über die Ladentheke gehen? Wieviel Geld für Cola & Co da ist. Nö, das scheint mir alles noch viel zu billig sein.

  5. “Sollen Rentner jetzt etwa keine Butter mehr essen?” erinnert mich irgendwie an meine Zeit als Zivi im Altenheim.  Ich hab mir in der Pause mal Frischkaese auf’s Brot gestrichen, wozu die Bewohner im Fruehstuecksraum dann sagten: “Was, warum denn, keine Butter unter den Kaese??” (Und vielleicht noch Nutella obendrauf? ... ne, ich mag ja Butter und bin kein Schlankheits-Fanatiker, doch muss wirklich nicht alles gleichzeitig sein.) Aber ohne Scherz:  Butter ist fuer viele aeltere Menschen eine Art Status-Symbol des erreichten Wohlstandes (Butter anstelle Margarine). Wenn der Arzt denen dann Becel verschreibt wegen Diabetes etc. bricht fuer die eine Welt zusammen. Kein Wunder, dass die Bild-Zeitung da empoert reagiert ...

  6. ... wurde mit bodenloser Frechheit dem angeblich erhöhten Export von Milchprodukten nach China zugeschrieben.  Alle anderen Entschuldigungen hätte ich zur Not noch geglaubt, doch gerade das war sehr schlecht erfunden, denn erstens können viele Chinesen bekanntlich sowieso keine Milchprodukte vertragen, und zweitens bezieht China seinen Bedarf an Milchprodukten selbstverständlich aus dem viel billigeren Dollarraum und nicht aus dem enorm teuren Europa.  Man zeige mir die angeblich gestiegenen Milchexportziffern!

    • Anonym
    • 19.12.2007 um 10:27 Uhr

    "Die meisten Ökonomen haben Deutschland bislang trotzdem noch gute
    Wachstumsaussichten im nächsten Jahr bescheinigt, aber sie stützen sich
    vor allem auf zwei Erwartungen: weniger Arbeitslose und höhere Löhne,
    also mehr Kaufkraft und mehr Kaufbereitschaft."
    Nr. 2 wird nicht eintreten. Die vielzitierten Lohnerhöhungen sind nicht flächendeckend. Einige Mangelberufe à la Piloten, leider jetzt auch Eisenbahnfahrer, schaffen das, auch einige glückliche Arbeitnehmer der DAX Unternehmen, die breite Masse aber muß sich mit nominalen Erhöhungen unterhalb der Teuerungsrate zufrieden geben. Und dem steht i.d.R. eine höhere Arbeitsleistung entgegen, da abgebaute Stellen kompensiert werden müssen. D.h. es muß von weniger Leuten mehr mit höherer Effizienz geleistet werden, was jeder bestätigen kann, der in der "freien Wirtschaft" arbeitet. Demgegenüber müssen diese Angestellten a) Geld zurücklegen für ihr Alter, insbesondere, wenn der Ehepartner seinen Job wegen Kindererziehung aufgegeben hat, b) Geld für die Ausbildung der Kinder zurücklegen (Studiengebühren, -materialien usw.). "Die einzigen, die momentan richtig verdienen", sagte mir kürzlich ein Allianzvertreter, "sind wir mit unseren Vorsorgemodellen".Wo soll da, bitteschön, Konsumneigung entstehen?

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  • Quelle DIE ZEIT, 13.12.2007 Nr. 51
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