Das Jahr 2008 möchte ich, wie gewohnt, mit einigen Überlegungen zum Thema Sexualstrafrecht eröffnen. Erste Faustregel im Sexualstrafrecht: Alles, was zwei Erwachsene freiwillig miteinander tun und was nicht zu mindestens mittelschweren Verletzungen führt, ist aus gesetzgeberischer Sicht unbedenklich.

2008 werden in Berlin die alten Autos verboten, die einen bestimmten Rußfilter nicht besitzen, dessen Namen ich mir nicht merken kann. Deswegen versuche ich seit Wochen, den Mercedes zu verkaufen, und zwar nach Weißrussland. Man wird in Berlin zurzeit ständig von weißrussischen Autohändlern angegraben.

Mitten in diese Verkaufsanstrengungen hinein wurde ich zu einer Party eingeladen, wo mir gegenüber eine Dame aus dem Umweltministerium tanzte. Da erzählte ich, dass demnächst eine Karawane von alten Berliner Autos in Richtung Weißrussland aufbricht, um künftig ihren Ruß in die weißrussische Luft zu pumpen statt, wie bisher, in die Berliner Luft. Die Dame sagte, ja, gewiss, bezogen auf das Weltklima sei das Altautoverbot sinnlos, weil die Probleme ja lediglich aus Berlin in Richtung Dritte Welt verlagert würden. Dritte Welt? Hoffentlich liest das kein Weißrusse. Das sei so ähnlich wie der Müllexport nach Afrika. Für das Weltklima würde es lediglich etwas bringen, wenn man die Besitzer von alten Autos enteignen und ihre Autos zwangsverschrotten würde, dies aber sei wegen des strengen deutschen Sozialismusverbotes juristisch nicht machbar.

Außerdem werden 2008 voraussichtlich die Heizpilze vor den Gaststätten, die Plastiktüten, die Wetten im Internet und die Zirkustiger verboten, das ist alles im fortgeschrittenen Stadium der Diskussion. In San Francisco sind Plastiktüten bereits verboten. Eine Zirkusveranstaltung in einem von Heizpilzen geheizten Zelt, bei der ein Tiger auf einem alten Auto in der Manege im Kreis fährt, wobei man im Internet eine Plastiktüte darauf wetten kann, wann der alte Tiger von dem Autodach herunterfällt, ist demnächst fast so strafbar wie Rauschgifthandel.

Übrigens habe ich in der Zeitung gelesen, dass in der EU 70 Millionen Bürger Cannabis rauchen, das heißt, im modernen Europa gibt es etwa genauso viele Kiffer wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. Auf Platz zwei in der Drogenhitparade folgt Koks. Europa besitzt ebenso viele regelmäßige Kokser wie Portugiesen, nämlich 12 Millionen. Am beliebtesten ist das Koksen erstaunlicherweise nicht in Österreich, was ich wegen des Zustandes der dortigen Fußballspieler vermutet hätte, sondern in Dänemark. In Dänemark ist Alkohol so teuer geworden, dass sich Normalverdiener nur noch Kokain leisten können.

Kokain wird meist auf folgende Weise transportiert: Jemand füllt Kokain in eine Plastiktüte hinein und schluckt dann die Tüte. Das heißt, falls es gelänge, das Plastiktütenverbot weltweit durchzusetzen, hätte man mit einem Schlage auch das Kokainproblem gelöst. In Sachsen dagegen ist es Großmüttern ab 2008 verboten, ihren, vielleicht wegen Heizpilzhandels, straffällig gewordenen Enkeln einen Geburtstagskuchen in das Gefängnis zu schicken. Der Kuchen wird nämlich, seit vielen Jahrhunderten, oft als Versteck verwendet, den sächsischen Behörden ist das jetzt aufgefallen.

Zweite Faustregel im Sexualstrafrecht: Ein legales, den Umweltstandards genügendes, ethisch einwandfreies, von den Behörden geduldetes oder sogar gefördertes Verhalten ist für den Bundesbürger von 2008 an nur noch in solchen Momenten möglich, in denen er Sexualität ausübt. Vorausgesetzt, es ist kein Zirkustiger dabei.

Zu hören unter www.zeit.de/audio