Wer sind denn die besseren Kunstforscher: Künstler oder Bildwissenschaftler?

Künstler haben im allgemeinen ein viel besseres Gespür für das, was in der Kunst aktuell passiert. Die Stärke der Wissenschaftler liegt hingegen darin, die bereits entdeckte Kunst einzuordnen und das jeweils Spezifische an ihr zu verbalisieren. Leider gibt es zu wenige Wissenschaftler, die sich um eine Bewertung zeitgenössischer Kunst bemühen. Sie überlassen dies oft den Akteuren des Kunstmarkts.

Der größte Irrtum Ihrer Disziplin?

Man hat die Kunst oft überschätzt, hat ihr einerseits zugetraut, die Mentalität ihrer Zeit besser als alles andere auszudrücken. Andererseits hat man sie davon freigesprochen, von den Ideologien der jeweiligen Zeit geprägt und deformiert zu sein. So galt sie, in idealistischer Übertreibung, als positiver Ausnahmezustand, was eine nüchterne Forschung beeinträchtigt hat. Statt kritisch-distanzierter Analyse, wie man sie von der Wissenschaft zu erwarten hat, wurde – und wird zum Teil bis heute – häufig Huldigungsprosa geboten.

Auf welche Einsicht wartet Ihre Forschergemeinde am sehnsüchtigsten?

Das Internet hat Zugänglichkeit und Rezeption von Bildern stark verändert und neue Bildsprachen hervorgebracht. Portale wie YouTube oder Flickr, auf denen jeder seine Bildproduktionen öffentlich machen kann, sind zu unerschöpflichen Quellen für jegliche Form von Kulturwissenschaft geworden. Es ist die Aufgabe der Kunst- beziehungsweise Bildwissenschaft, Analysetechniken für diese ersten wirklich demokratischen Bilderpools bereitzustellen.

Warum ist es wichtig, über die Macht der Bilder nachzudenken? Sind sie denn überhaupt mächtig?