Bezahlstudium Schnell ändern!

Vor einigen Tagen schlug das Statistische Bundesamt Alarm: Weniger Studienanfänger durch Studiengebühren. Doch nicht diese schrecken vom Studium ab, sondern die Kredite.

Eigentlich war es eine gute Nachricht, die das Statistische Bundesamt vorige Woche verkündete: fast vier Prozent mehr Studienanfänger, der erste Zuwachs seit vier Jahren. Doch plötzlich stand eine andere Meldung im Mittelpunkt: In drei von sieben Bundesländern mit Studiengebühren haben sich 2007 weniger Studenten neu immatrikuliert als im Vorjahr.

Das sei der endgültige Beweis, dass die Campus-Maut vom Studium abschrecke, verkündeten Studentenvertreter. Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) bot zusätzlich Angriffsfläche, indem sie einen Zusammenhang zwischen sinkenden Anfängerzahlen und der Einführung der Gebühren grundweg bestritt.

Dabei haben beide Seiten unrecht: Es gibt tatsächlich Länder wie Niedersachsen und Hamburg, die trotz Bezahlstudiums einen Zuwachs an Studenten verzeichnen. Offenbar spiegelt sich in den Zahlen gar nicht so sehr die Studierwilligkeit wider, die ist nach wie vor hoch, sondern die Tatsache, dass die Hochschulen in einigen Ländern ihr Studienplatzangebot gekürzt, in anderen aber ausgebaut haben.

Doch haben auch die Gebühren, obgleich indirekt, einen negativen Einfluss: Nicht ihre Existenz ist das Problem – die Misere besteht in den äußerst unsozialen Kreditsystemen, die die Gebühren auffangen sollen.

Statt wie andere Staaten zinsgünstige oder gar zinsfreie Darlehen zur Verfügung zu stellen, sind die Bundesländer nicht bereit, auch nur einen Cent zuzuschießen. So kann die Rückzahlung auf das Dreifache der Darlehenssumme anschwellen: eine enorme Belastung für Absolventen, die sie in der Familiengründungsphase schultern müssten.

Kein Wunder, dass kaum Kreditverträge abgeschlossen werden. Die Konditionen sind gerade für Abiturienten aus sozial schwächeren Verhältnissen so abschreckend, dass einige ganz aufs Studium verzichten. Australien oder Großbritannien machen vor, dass Gebühren keineswegs das Studium verleiden müssen – hier bietet der Staat bei der Finanzierung faire Konditionen an.

Für die Campus-Maut gibt es gute Argumente, von der gestiegenen Macht der Studenten bis zur dringend nötigen Verbesserung der Uni-Ausstattung. Doch wenn den betroffenen Bundesländern wirklich etwas an den Gebühren liegt, müssen sie die Kredite auf eine sozial gerechtere Basis stellen. Ansonsten werden die Rufe nach der Abschaffung lauter werden. Und dann zu Recht.

 
Leser-Kommentare
    • KMurx
    • 19.12.2007 um 16:47 Uhr

    Nachdem ich jetzt mein Bafoeg zurueckzahlen muss...Unverzinst50% Pauschalerlass"Rabatt" fuer Kinder, gute Studienleistungen, schnelle Rueckzahlung,...Max. 10.000 EuroDas verstehe ich unter "sozial vertraeglich". Wie die Idee entstand, Studienkredite fuer das klassische "Oberschichtssoehnchen", das sich in's Jurastudium geklagt hat und fuer den Bafoeg-Empfaenger aus einfachen Verhaeltnissen gleich anzusetzen, ist mir schleierhaft...

    • Anonym
    • 21.12.2007 um 11:51 Uhr

    "Nicht das Feuer schreckt ab, sondern die Hitze."

  1. "Für die Campus-Maut gibt es gute Argumente, von der gestiegenen Macht
    der Studenten bis zur dringend nötigen Verbesserung der Uni-Ausstattung"
    Sorry, da kann man nur lachen. Wo ist die gestiegene Macht der Studenten? Wo die Verbesserung der Uni-Ausstattung mit den Studiengebühren? Das ist nur markt-libertäres Geschwätz. Die Realität belegt das genaue Gegenteil. Und damit zwei weitere Gründe gegen Studiengebühren.

    • sewenz
    • 22.12.2007 um 21:56 Uhr

    ...erlaube ich mir hier noch einmal zu verlinken:http://kommentare.zeit.de...

    • ribera
    • 23.12.2007 um 2:09 Uhr

    Zunächst einmal liegt es in der Natur des Menschen, sich höchst subjektiv mit all denen zu vergleichen, denen es "ungerechterweise" besser geht und deshalb die eigene soziale Bevorteilung zu reklamieren..Natürlich läßt sich zu Recht kritisch hinterfragen, warum der Millionärssohn sich in 15 Semestern durchs Studium hindurcheiern darf und andere am Existenzminimum kratzend keine optimale Studienbedingungen haben. Ebenso ist es für mich ein Skandal, dass der Staat keine Finanzierungsmodelle für ein Studium anbietet, schließlich ist Bildung eine Investition in die Zukunft. Ich denke da an an einen Zinssatz nicht höher als den Satz der EZB, am besten mit einem zusätzlichen Prämiensystem. Andererseits sollten strenge Auflagen gelten, z.B. Zahlungen erst nach erfolgreichem Abschluß des ersten Studienjahres, etc. Eben leistungsorientiert und abschreckend für unentschlossene oder faule Studenten. Ebenso keine Zahlungen nach Fachwechsel. Rückzahlung dann in Anlehnung an das englische Modell.Nochmals zum Thema Gerechtigkeit. Ich kenne auch genügend Fälle, wo die Eltern mal gerade über der Bemessungsgrenze waren, also nicht gerade reich. Mußten 3 Jahre Kindergarte voll zahlen, anschließend Schule und dann auch das Studium. Im Vergleich dazu andere mit  Kindergarten gratis, Schülergeld und 5 Jahre BAFÖG und wegen des geringeren Einkommens noch geringerer Steuersatz. Macht bei Familie mit einem Kind schnell mal den unverzinsten Differenzbetrag von 30 000€ aus. Sozial gerecht? Zumindest hat der Steuerzahler doch wohl ein Anrecht darauf, dass sein Geld nur unter Auflage verteilt wird.

    • Hipper
    • 24.12.2007 um 9:08 Uhr

    Zitat J.M. Wiarda:  "Ansonsten werden die Rufe nach der Abschaffung lauter werden. Und dann zu Recht"Die Kritik an dem Konzept in Deutschland Studiengebühren für das Studium an staatlichen Universitäten zu verlangen, ist ohnehin berechtigt - dafür muss man kein Ideologe sein, sondern einfach nur über Beobachtungsgabe und praktische Vernunft verfügen.Das fängt schon damit an, dass die vermeintlichen Vorteile der Studeingebühren nicht einmal ansatzweise in der Realität greifen: Die Macht der Studenten soll durch Studiengebühren steigen? Ich sehe eher die Ohmacht der potentiellen Studenten, die sich ein Studium nicht mehr leisten können, zumal der gleichzeitig laufende "Bologna-Prozess" die Selbstbestimmtheit der Studierenden ohnehin zunehmend einschränkt! Und die bessere Ausstattung der UNIS ist als Argument ein ( schlechter ) Witz! Die Besoldung von Dozenten und die Investitionen in Infrastruktur können die UNIS nicht bestimmen, sondern diese Dinge werden von Bund und Kommune geregelt. Neue Monitore und Kopierer mögen zwar schön sein, aber dafür sind 500 EURO pro Semester dann doch ein bißchen viel - zumal diese Summe völlig willkürlich festgelegt wurde.Auf die genuinen Nachteile der Studiengebühren und die gebrochenen Versprechungen aus Politik und Wirtschaft bin ich noch gar nicht eingegangen! 

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  • Quelle DIE ZEIT, 19.12.2007 Nr. 52
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