Schule Wenn Mutter die Schulbank drückt
In Seminaren erleben Berliner Eltern den Unterricht aus der Sicht ihrer Kinder
Jeden Dienstagabend um sechs beginnt an der Pommern-Schule in Berlin-Charlottenburg der Unterricht. In Raum neun steht die Lehrerin Doris Sarstedt vorn an der Tafel und fragt die Eltern, die vor ihr einen Stuhlkreis gebildet haben, nach den Hausaufgaben. Eigentlich war es nur eine einzige Aufgabe: Ermutigen Sie Ihr Kind! Eine Woche hatte ihre Klasse Zeit, die heute aus vier Müttern besteht, um diese eine Aufgabe mit ihren Kindern zu üben. Trotzdem haben es nicht alle geschafft. »Mein Sohn hat schon wieder die Schule geschwänzt – und das, obwohl ich ihn so ermutigt habe, in den Unterricht zu gehen«, erzählt Maren Gröbel (Name geändert) von ihren Erziehungsversuchen. »Das ist mir auch so gegangen«, tröstet sie eine andere Mutter. »Aber mein Sohn muss gemerkt haben, dass ich mich bemühe – zumindest hat er die Türe nicht wie sonst zugeknallt.« Doris Sarstedt und ihre Kollegin Henriette Severon nicken anerkennend. Auch ein leiseres Türenallen kann ein Fortschritt sein: Wenn die Kinder merken, dass die Eltern sich um Verständnis bemühen, dann ist das ein klarer Lernerfolg für die Eltern. Und wieder ein Punkt für die Elternseminare.
Die Berliner Elternseminare sind mittlerweile eine Erfolgsgeschichte: Über vierzig Schulen, darunter Grund-, Haupt- und Gesamtschulen, machen mit. Sie bieten den Eltern Seminare an, um sie bei Erziehungsfragen und Schulproblemen zu unterstützen. Dass Lehrer an vielen Schulen weniger Bildungs- als Erziehungsarbeit leisten müssen und damit schlicht überfordert sind, ist in Berlin spätestens seit dem öffentlichen Hilferuf der Rütli-Schule ins Bewusstsein gerückt. Die Elternseminare bauen auf der simplen Erkenntnis auf, dass Bildung nicht ohne Erziehung funktioniert und dass Eltern und Lehrer dafür an einem Strang ziehen müssen. Speziell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer leiten die Seminare. In kleinen Gruppen mit höchstens zwölf Teilnehmern werden familiäres Konfliktmanagement und Krisenprävention an so scheinbar einfachen Themen wie Taschengeld, Fernsehen, Haushaltsdienst und Hausaufgaben abgearbeitet. Für die Teilnahme bezahlen die Eltern meist um die 10 Euro, private Angebote würden etwa 200 Euro kosten. Die Idee für die Seminare, von der Berliner Senatsverwaltung stolz als »in dieser Form bundesweit einzigartiges Pilotprojekt« bezeichnet, hatte jedoch kein Bildungspolitiker.
Die Lehrerin Eva Schmoll führte vor drei Jahren Elternseminare an der Nikolaus-August-Otto-Oberschule ein, in Eigeninitiative. Die Probleme waren damals ähnlich wie an vielen anderen Schulen auch: Das Interesse der Eltern an der Schule war minimal, der Kontakt zwischen Lehrern und Eltern kam nur dann zustande, wenn es Probleme gab. Schmoll stieß bei ihrer Suche nach einer Lösung auf das Eltern-Trainingsprogramm STEP (Systematic Training for Effective Parenting), das auf den Prinzipien der Individualpsychologie aufbaut und in den USA seit dreißig Jahren erfolgreich an Schulen eingesetzt wird. Mittlerweile ist die Teilnahme an den Seminaren für die Eltern Pflicht: Wer sein Kind an dieser Schule anmelden möchte, muss vorher noch mal selbst in die Schule, an zehn Terminen für jeweils zweieinhalb Stunden. Wer nicht teilnimmt oder häufig fehlt, gefährdet den Schulplatz seines Kindes.
Für die meisten anderen Schulen in Berlin ist die Teilnahme an den Elternseminaren jedoch ein Problem, denn schulrechtlich ist die Verpflichtung eigentlich nicht durchzusetzen. An der Pommern-Schule versuchten es die Lehrerinnen deshalb mit viel gutem Zureden. »Wir haben allen Schülern Broschüren für ihre Eltern mitgegeben, unser Programm auf den Elternabenden vorgestellt und dann, klassenweise, bei allen Eltern zu Hause angerufen«, erzählt Henriette Severon. Nach über zweihundert Telefonaten nahmen nur drei Eltern am ersten Programm teil. Doch diese drei waren begeistert – und die Lehrerinnen etwas ratlos. »Wir haben uns deshalb gedacht, dass man wohl auch Eltern zu ihrem Glück zwingen muss«, sagt Doris Sarstedt. Nun gilt eine neue Regelung zu den Elternseminaren. Seit diesem Schuljahr ist die Teilnahme Teil der »Bildungsvereinbarung«, einer Art Vertrag, den die Eltern, die Schüler und die Schule gemeinsam unterzeichnen. Darin verpflichten sich alle drei Parteien, bestimmte Regeln einzuhalten – die Schüler zum Beispiel, in die Schule zu gehen und nicht zu schwänzen.
Damit sich die Eltern nicht vor den Seminaren drücken können, indem sie ihr Kind einfach auf eine andere Schule im Bezirk schicken, hat die Pommern-Schule die Bildungsvereinbarung und die Seminare gemeinsam mit den beiden anderen Hauptschulen in Charlottenburg eingeführt. Sarstedt und Severon sind jetzt zuversichtlich.
Monika Leskow (Name geändert), alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern, war von den Elternseminaren zunächst gar nicht angetan. »Ich habe mir nur gedacht: Was ist das denn schon wieder für ein Pädagogenquatsch? Ohne mich!« Jetzt ist sie regelmäßig dabei. »Es ist sehr erleichternd, wenn man merkt, dass man mit seinen Problemen nicht alleine dasteht.«
An diesem Dienstag soll es im Kurs um aktives Zuhören gehen. »Wie reagieren Sie, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen niemand in der Familie zuhört?«, fragt Severon in die Runde. Die Antwort kommt prompt: »Ick mach den Kühlschrank auf und sage so laut, dass meine Kinder es hören können: ›Hallo Wurst, auch ’nen schönen Tag gehabt?‹« Die Mütterrunde lacht, die Lehrerinnen auch. Sie wissen, dass die wenigsten Mütter mit ihren Kindern so umgehen, wie sie es hier im Seminar vorgeben. Sie wissen aber auch, dass sie für jeden Erziehungstipp dankbar sind, auch wenn sie zu Hause nicht alles genau so umsetzen können.
Doris Sarstedt verteilt Arbeitsblätter, einen Musterbogen mit Fragen für alltägliche Problemsituationen, etwa wenn Kinder enttäuscht oder wütend von der Schule nach Hause kommen. Eine Frage, die die Mütter ihren Kindern stellen könnten, lautet: »Du bist verletzt, weil XY dich nicht zu seiner Party eingeladen hat, sehe ich das richtig?« Einer der Mütter ist der Satz zu lang, sie sagt: »Spätestens bei ›verletzt‹ hätte meine Tochter die Tür hinter sich zugeknallt.«
Elternseminare sind zwar eigentlich für alle Schulen gleichermaßen geeignet, an Hauptschulen könnten sie jedoch besonders helfen. Die Hauptschulen und ihre Schüler sind heute die Verlierer des Bildungssystems. Anfang der sechziger Jahre gingen in Berlin über vierzig Prozent eines Schülerjahrgangs auf die Hauptschule, heute sind es gerade noch zwölf Prozent. Die Hauptschule, die in den Sechzigern als Bildungsstätte für zukünftige Facharbeiter konzipiert wurde, ist heute vor allem in den Berliner Randbezirken zur »Restschule« geworden. Zum Auffangbecken für die Kinder, die an allen anderen Schulen keine Chance haben: Schüler mit Lernschwierigkeiten, Konzentrationsschwäche, Legasthenie oder Verhaltensauffälligkeiten.
Besonders diesen Eltern sollen die Seminare »Mut zur Erziehung« machen, wie es im deutschen STEP-Programm heißt. Die Schulen wissen, dass die Schüler eher indirekt davon profitieren, wenn aus den Eltern souveränere Erziehungsberechtigte werden. Der Sohn von Maren Gröbel, ein »Problemkind«, wie sie selber sagt, findet es lächerlich, dass seine Mutter zum Elternkurs geht. Ob er schon wieder ihr »Versuchskaninchen« sei, frage er sie oft, um sie zu ärgern. Aber sie lasse sich jetzt einfach nicht mehr so schnell provozieren. »Endlich schaffe ich es, ruhig zu bleiben. Und das ist so ein gutes Gefühl.«
- Datum 16.01.2008 - 05:04 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01
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Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn Eltern nicht länger mit ihren Erziehungsproblemen allein gelassen werden. Erfahrungsaustausch hilft in jedem Beruf weiter, natürlich auch bei der Kindererziehung. Was mich an der Sache jedoch stört, dass Schulprobleme grundsätzlich als "Elternprobleme" darstellt werden. Sehr oft wären die Eltern mit der Erziehung des Kindes nicht überfordert, aber sie sind überfordert, weil sie die Fehler der Schule ausbügeln müssen. Wenn es Schulprobleme gibt, sollten die Probleme in erster Linie von der Schule gelöst werden und nicht als Schwächen der Eltern dargestellt werden. Schließlich kann es nicht Aufgabe der Eltern sein, ihre Kinder so zu präparieren, dass sie alle Fehler der Lehrer souverän bewältigen.Wie lange wird es noch dauern, bis man bereit ist zu erkennen, dass selbst LehrerInnen Menschen sind, die Fehler machen und dass Eltern nicht grundsätzlich an allem Schuld sind?
Das Hin- und Herschieben von Verantwortung ist ein ziemlich dösiges Vorgehen. Wenn das Elternhaus in den ersten 10 jahren DIE prägende Kraft ist und danach immer noch sehr präsent, dann müssen die Eltern zu ihrer Verantwortung stehen.Die Delegation der Erziehungsverantwortung auf andere, z.B. die Schule enthebt die Eltern nicht von ihrer Verantwortung. Es ist IHR Kind, IHRE Familie!Ich sehe viele Defizite auch auf der Lehrerseite, aber ich habe mich immer verantwortlich für MEINE Kinder gefühlt. Dreiseitige Beschwerdebriefe mit dreifachem Durchschlag helfen MEINEN Kindern nicht, deshalb bin ich ggf aktiv geworden und habe nicht auf andere gewartet.P.S. Ich bin und war kein Lehrer
Es ist genau dieses Hin- und Herschieben, das ich verurteile. Wir brauchen klare Fronten. In jedem anderen Bereich werden die Grenzen genau definiert. Lediglich wenn es um die Schule und die Erziehung geht, gibt es einen riesigen Graubereich. Wenn wir die Probleme mit den Kindern lösen wollen, müssen wir Licht in dieses Dunkel bringen. Wenn es Schulprobleme gibt, kann man das Problem nicht ohne Schule lösen. Mag sein, dass Sie omnipotent sind, ich und viele anderen Eltern sind es nicht. Wir sehen uns nicht in der Lage die Probleme zu lösen, die durch die Schule verursacht werden. Natürlich muss jeder auch lernen mit Problemen zu leben, aber sofern es möglich ist, ist es immer noch der bessere Weg, die Probleme zu beseitigen. Aber solange die Schule ein heilige Kuh ist, die man nicht einmal kritisieren darf, werden die die Probleme der Kinder und Jugendlichen von den Eltern allein nicht zu lösen sein. Die Tatsache, dass viele Schulen in Ordnung sind, sollte nicht dazu verleiten zu behaupten, alle Schulen wären in Ordnung, nur die Eltern müssten sich bessern.
Grenzen?Klare Fronten?Geht es jetzt um strategisch militärische Fragen oder um Erziehung?Nur damit die Schuldfrage, ob es jetzt das Elternhaus oder die Schule sei, wenn es Probleme in der Schule gibt, vorab schon mal geklärt ist: Josef K. ist Schuld. Jemand musste ihn verleumdet haben.Jetzt zum Inhaltlichen.Die Erziehung ist ein Kapitel für sich, aber sicher nicht die Lektion, die in einem Schulbuch vermittelt wird. Erziehung ist eine nicht delegierbare Aufgabe der Eltern. Das viele Eltern damit überfordert sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Erziehung ist Beispiel und Liebe - sonst nichts. Das lässt sich auch nur so über die Generationen weitergeben. Das soziale Verhalten der Kinder ist immer an Vorbildern erlernt. Die ersten Vorbilder sind meistens die Eltern, und nachrangig Geschwister und Verwandte.Daher ist die Aussage: "DAS hat mein Kind nicht von mir!" richtig, weil die Eltern es ja immer noch haben.Die Schule gibt einen Rahmen und kann allenfalls ein Gradmesser für erlerntes soziales Verhalten sein, aber nicht deren Ursache. Gruppendynamische Prozesse ordnen das Verhalten jedes Einzelnen recht schnell ein. Ob jemand in der Lage ist, Konflikte auszutragen, ohne handgreiflich zu werden, ist sicher auch ein Handwerkszeug, das im Elternhaus vermittelt wird. Es ist also nur löblich, wenn das Miteinander in der Schule mittels Elternseminaren trainiert wird, um bessere Voraussetzungen für ein soziales und entspannteres Miteinander zu schaffen - selbst wenn es nicht ganz freiwillig ist.
Ja, Grenzen! Auch Lehrer haben Grenzen zu respektieren. Es ist schon eine komische Situation: Wenn Lehrer in der Schule mit dem Konfliktmanagement überfordert sind, glauben sie, sie könnten die Eltern in Konfliktmanagement unterrichten, damit Eltern die Schulprobleme lösen. Wenn Eltern (insbesondere Mütter) merken, dass ihre Erziehung nicht den gewünschten Erfolg hat, fragen sie: "Was mache ich falsch?". Wenn in der Schule der gewünschte Erfolg ausbleibt fragen Lehrer : "Was machen Kinder und Eltern falsch?". Glauben Sie wirklich, dass diese Einstellung eine Rechtfertigung ist, dass Lehrer sich als Autorität gegenüber Eltern aufspielen dürfen? Lehrer sind in Sachen Erziehung nicht besser als Eltern, und manche Lehrer müssten sich von Eltern unterrichten lassen! Es ist eine Ungeheuerlichkeit, mit welcher Selbstverständlichkeit Lehrer sich einbilden, den Eltern vorschreiben zu müssen, wie diese die Kinder zu erziehen haben. Sie überschreiten damit gewaltig ihre Kompetenz.Lehrer haben in Sachen Erziehung ganz andere Ziele als Eltern. Es gibt keinen Grund, warum Eltern die Kinder nach Vorstellung der Lehrer und nicht nach ihrer eigenen Vorstellung erziehen sollen. Lehrer sind nach ein, zwei oder maximal vier Jahren aus den Augen, aus dem Sinn. Aber Kinder und Eltern bleiben (von einer nicht signifikanten Menge abgesehen) in Kontakt bis dass der Tod sie scheidet. Lehrer sollen Respekt vor dieser Beziehung haben und sich nicht einmischen. Lehrer sollen ihre Schulprobleme in der Schule bearbeiten und nicht in die Familie tragen.Es ist nichts dagegen einzuwenden (es ist sogar ihre Pflicht) wenn Lehrer das Miteinander in der Schule trainieren, das Miteinander der Lehrer untereinander, das Miteinander zwischen Lehrer und Schülern und das Miteinander der Schüler untereinander. Sie haben aber absolut kein Recht, sich in das Familienleben einzumischen.
"Lehrer sollen ihre Schulprobleme in der Schule bearbeiten und nicht in die Familie tragen."Sie argumentieren, als liessen sich Konflikte eindeutig zuordnen: das ist ein Schulkonflikt, dafuer sind Lehrer zustaendig (lies: schuld, verantwortlich, "nicht mein Problem"); und dies ist ein Erziehungskonflikt, der allein die Familie etwas angeht. So einfach ist das aber nicht. Viele Konflikte in der Schule entstehen ja nicht aus heiterem Himmel, sondern eben weil Schueler die Regeln sozialen Miteinanders einfach nicht beherrschen (und das muessen sie nun einmal, wenn sie gemeinsam mit 20-30 anderen in einem Raum sind). Die Ursachen hierfuer liegen nun einmal in der Erziehung: wenn zu Hause nicht diskutiert wird, sondern nur die Tueren fliegen, dann weiss ich eben nicht, wie ich mich in einer Konfliktsituation verhalten soll. Viele Schulen bemuehen sich aufrichtig, hier zu helfen. Einige bilden zum Beispiel Schueler zu Streitschlichtern aus. Die Berliner Initiative, (ueberforderten) Eltern zur Seite zu stehen, faellt auch in diese Rubrik. Wichtig ist dabei, dass sie Eltern und Lehrer zusammenbringt, denn ein einheitliches Erziehungziel sollten beide schon haben: die Erziehung und Bildung von Menschen mit sozialer Kompetenz. Wenn sie gegeneinander arbeiten, tragen sie vielleicht gelegentliche Ego-Punktsiege davon, die Kinder verlieren aber in jedem Fall.
Warum siehst du aber den Splitter in dem Auge deines Bruders und merkst nicht den Balken in deinem Auge? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will dir den Splitter aus einem Auge ziehen? Und dabei steckt in deinem Auge der Balken. Du Heuchler, entferne zuerst den Balken aus deinem Auge! Danach kannst du sehen wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen kannst.
Solange
man sich nicht die Mühe macht, Bildung als etwas ganz Individuelles anzusehen,
als ein zuvorderst biographisch notwendiges, eigenes Gewahrwerden von Talenten, Fähigkeiten,
inneren Ressourcen und deren Ausübungen und Entwicklungen, solange wird man den
Begriff der Bildung nur funktionalistisch handhaben und zu Schlüssen kommen,
die weit von eigentlicher Wesensbildung des Menschen entfernt sind.Es
läßt sich dann trefflich und in epischster Breite darüber auslassen und
streiten, welchem Funktionalismus Bildung und Erziehung zuzuordnen seien. Und mit
Funktionalismus sind hier die gern zitierten, lediglichen Anwendungsgebiete
und der äußere Gebrauchswert von Bildung gemeint.Es
scheint dieser Funktionalistische Anspruch an Bildung einzig und allein noch zu
gelten und das Bedeutendste zu sein, und die Frage, welche Bedeutung hat
Bildung für die menschliche Entwicklung, die soziokulturelle, sittliche und
moralische Reife eines Einzelnen, für sein sich im Leben als biographisch heile
Persönlichkeit zu erleben und zu finden, wird zur Nachrangigkeit erklärt, zu
Gunsten seines äußeren Gebrauchsnutzens. Insofern kann von Bildung und Bildungsauftrag,
von Erziehung und Erziehungsauftrag leider kaum noch gesprochen werden. Fit
machen für das gesellschaftliche Kollektiv – je nach gängiger Mode und in der
jeweiligen Epoche im Kurs stehender Funktionalisierungsauffassung des Menschen
-, fit machen für ein immer fraglicher werdendes Berufsleben, usw., sind eigentliche
Dressur- und Abrichtprogramme, die Bildung zum seelisch heilen und biographisch
integren Mensch unmöglich machen. Und
hierbei helfen keine vordergründigen pädagogischen, systemimmanent verhafteten Konzepte,
sondern nur ein soziokultureller Paradigmenwechsel hinsichtlich einer Anschauung
und Definition des Menschenbildes.Ansonsten
gilt und wird sich bewahrheiten, was Aristoteles schon wußte -, der Mensch lernt
durch Dreierlei: durch Nachahmung, durch persönliche Einsicht und durch Katastrophe. Es
möge nützen!Herzlichst
IhrGEBE
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