USA »Amerika bleibt das stärkste Land«
US-Außenministerin Condoleezza Rice lobt im ZEIT-Gespräch Angela Merkel, bietet Iran Gespräche an und verteidigt die weltpolitische Bilanz der Regierung Bush
DIE ZEIT: Der frühere Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hat ein quälendes Paradox formuliert: Noch nie war Amerikas Macht so gewaltig, noch nie seine Legitimität so gering. Hat er recht?
Condoleezza Rice: Nein.
ZEIT: Warum nicht?
Rice: Die USA verkörpern Werte und Prinzipien, die uns in schwierigen Zeiten gut gedient haben. Der Status quo war alles andere als stabil, als wir antraten. Al-Qaida war bloß die bösartigste Erscheinung. Wir mussten schwierige Herausforderungen meistern, und wer führt, ist nicht unbedingt populär. Aber nehmen Sie Annapolis. Diese Initiative war nicht nur willkommen, sie wurde auch begrüßt.
ZEIT: Amerika kann also immer noch die Leute an den Tisch holen, die Tagesordnung bestimmen?
Rice: Nicht nur das. Wir haben 50 Millionen Menschen befreit (in Afghanistan und im Irak, Anm. d. Red.). Wir haben das nukleare Schwarzmarkt-Netz des A.Q. Khan zerschlagen, das libysche Atomprogramm beendet. Wir haben die Mächte Nordostasiens zusammengebracht, um Korea zu entnuklearisieren. Zusammen mit unseren Verbündeten lösen wir das letzte Problem auf dem Balkan, die KosovoFrage. Wir haben die internationale Gemeinschaft gegen das iranische Atomprogramm aufgeboten. Und vieles mehr.
ZEIT: Warum beklagt dann Brzezinski diese Kluft zwischen Macht und Legitimität?
Rice: Ich habe gerade aufgezählt, warum das nicht stimmt. Noch einmal: Wir haben gerade den Annapolis-Prozess in Gang gesetzt. Das war nicht einfach, und ich nehme an, dass andere es gemacht hätten, wenn sie dazu fähig gewesen wären. Lassen Sie mich etwas zum atlantischen Verhältnis sagen. Ausgezeichnete Beziehungen zu Frankreich, außergewöhnlich gute Beziehungen zu Deutschland und natürlich zu England. Die Nato kämpft an unserer Seite in Afghanistan. Ich kann die Liste endlos verlängern.
ZEIT: Verschiedene Nato-Staaten versuchen sich aus Afghanistan herauszuwinden – so wie im Irak bereits geschehen.
Rice: Für Armeen, die lange nicht in ihre Kampfkraft investiert haben, ist es sehr schwer, militärische Operationen aufrechtzuerhalten.
ZEIT: Gerhard Schröder war als Kanzler nachgerade Persona non grata im Weißen Haus, während Angela Merkel wie der beste Freund von Präsident Bush empfangen wird; zuletzt auf der Ranch in Crawford. Was ist passiert?
Rice: Sie haben einen sehr guten Draht zueinander, und Kanzlerin Merkel steht fest für jene Werte ein, die uns geholfen haben, zum Beispiel die Demokratie in Deutschland zu stärken – bis der Kalte Krieg vorbei war und das Land wiedervereinigt werden konnte. Sie hat auch persönlich miterlebt, wie das Leben auf der anderen Seite der Mauer war.
ZEIT: Also wird Amerika diesmal den deutschen Wunsch nach einem permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat unterstützen?
Rice: Wir haben allen interessierten Staaten wie Japan, Brasilien und Indien gesagt, dass der Sicherheitsrat anders aussehen müsse, dass Wandel vonnöten sei, dass wir jede gute Idee prüfen wollen. Nur unterschätzen wir nicht die Schwierigkeit, die richtige Formel zu finden – zumal angesichts der regionalen Rivalitäten, die hier mitspielen.
ZEIT: In der Ära Bush ruhte die US-Außenpolitik plötzlich auf drei neuen Säulen. Erstens: statt Abschreckung der vorbeugende Gewalteinsatz, die »Präemption« gegen noch unfertige Bedrohungen. Zweitens, Regimewechsel und Demokratisierung. Drittens: Unilateralismus – mit anderen, wenn möglich, allein, wenn nötig. Gilt das noch?
Rice: Präemption ist keine Säule, sondern ein Mittel.
ZEIT: Eine zentrale Doktrin der Nationalen Sicherheitsstrategie von 2002.
Rice: Es ist ein Mittel der nationalen Sicherheit. Wenn Sie nicht warten wollen, bis die Bedrohung Sie erreicht, haben Sie keine andere Wahl, als ihr frühzeitig entgegenzutreten. 9/11 hat doch gezeigt, dass man Bedrohungen nicht wachsen und reifen lassen darf. Demokratisierung? Absolut. Nur glaubt niemand, dass die Demokratie noch in unserer Amtszeit weltweit triumphiert.
ZEIT: Die Bush-Regierung glaubte an das Hier und Jetzt, an die Kantsche Theorie vom »demokratischen Frieden«, wonach nur Despoten Kriege anzettelten, Demokraten aber grundsätzlich friedfertig seien. Ergo: Frieden durch Regimewechsel.
Rice: Die Demokratie ist mehr als nur ein Element des Friedens. Sie ist auch Teil der moralischen Verantwortung.
ZEIT: Also Regimewechsel auch in China, Russland…
Rice: …es hat doch nichts mit Regimewechsel zu tun, wenn man allen wünscht, in Freiheit zu leben. Natürlich gibt es verschiedene Strategien, um innenpolitischen Kräften dabei zu helfen. Wenn Tyrannei und Sicherheitsgefährdung sich vereinen, wie das im Irak der Fall war, ist man verpflichtet, einen demokratischen Pfad vorzuzeichnen, nachdem die Bedrohung beseitigt worden ist. Nehmen Sie Deutschland. Wir haben gegen Hitler nicht Krieg geführt, um Deutschland zu demokratisieren, sondern um die strategische Bedrohung auszuschalten. Aber danach hat sich Amerika für die Demokratie eingesetzt.
ZEIT: Also Realpolitik vor Idealpolitik.
Rice: Beides gehört zusammen, weil diese binäre Vorstellung – hier das Gleichgewicht, dort die Ideale – wirklich falsch ist. Im Kalten Krieg war das Kräftegleichgewicht entscheidend. Hätte die Sowjetunion ihn gewonnen, gäbe es heute keine Demokratie in Europa. Das würde doch niemand bezweifeln.
ZEIT: Das Prinzip war vierzig Jahre lang Eindämmung und Abschreckung, nicht aktiver Regimewechsel.
Rice: Nun, manchmal fehlt die Möglichkeit dazu. Manchmal ist es die Aufgabe, die demokratischen Kräfte zu stützen und zu stärken. Aber wo ein Regime zur Bedrohung heranwächst, da rückt der »aktive Regimewechsel«, wie Sie es nennen, in den Vordergrund.
ZEIT: Und wenn man auf demokratische Prozesse setzt, bekommt man Hamas statt Machmud Abbas in Gaza.
Rice: Die Lage hat sich doch nicht verschlechtert, weil das palästinensische Volk die Chance bekam, in freien Wahlen ein Votum gegen Korruption abzugeben und gegen einen Status quo, der sein Leben nicht verbessert hat.
ZEIT: Demokratie hat Gaza nicht friedfertiger gemacht, wie der dauernde Raketenbeschuss Israels zeigt.
Rice: Nein, aber es gibt eine demokratische Regierung und eine Präsidentschaft, welche die legitime Herrschaft verkörpern. Und dann gibt es eine Hamas, die nicht hält, was sie verspricht, die ihre romantische Aura verliert, weil sie Widerstand ohne Verantwortung praktiziert.
ZEIT: Mit 7,4 Milliarden Dollar internationaler Hilfe kann die Regierung von Präsident Abbas nun hoffentlich etwas ausrichten.
Rice: Diese Hilfe wird es ihr erlauben, demokratische Strukturen aufzubauen. Damit hat eine Zwei-Staaten-Lösung mehr Chancen als je zuvor.
ZEIT: Die dritte Säule der Bush-Politik war der Unilateralismus, den die Europäer am meisten beklagt haben.
Rice: Wir müssen erst einmal verstehen, was das ist…
ZEIT: …»wer nicht mit uns ist, ist gegen uns«…
Rice: …wir haben eine multilateral-regionale Lösung für das Koreaproblem angeboten. Doch haben uns alle bedrängt, bilateral mit Nordkorea zu reden.
ZEIT: Schon, aber Sie hatten den multilateralen Auftrag.
Rice:(lacht) Ach so ist das. Wenn andere das genehmigen, dann ist bilateral okay? Wir gehen aber auch den multilateralen Weg gegenüber Iran. Als ich Außenministerin wurde, war ich verblüfft, dass die Europäer uns, und nicht Iran, als den bösen Buben sahen. Lächerlich! Trotzdem: Wir haben unsere Strategie überprüft, um den Iranern die Ausflüchte zu nehmen; wir haben ihnen Gespräche für den Fall angeboten, dass sie nicht etwa amerikanische, sondern die Bedingungen aller Verhandlungspartner akzeptieren, also die Aussetzung der Anreicherung und Wiederaufarbeitung. Das war kein radikaler Bruch, sondern die Erkenntnis, dass unsere frühere Iranpolitik nicht hilfreich gewesen war. Wir mussten uns deutlicher an die Seite unserer verhandelnden Verbündeten stellen. Nun sind daraus Gespräche zu sechst geworden.
ZEIT: Jetzt gibt es den Bericht der amerikanischen Geheimdienste, den National Intelligence Estimate (NIE), wonach Iran 2003 sein Bombenprogramm gestoppt habe.
Rice: Das behauptet der NIE bestimmt nicht. Er spricht von drei Stationen auf dem Weg zur Bombe. Da ist die eigentliche Waffenproduktion; die ist in der Tat gestoppt worden. Zweitens die Herstellung von spaltbarem Material – Anreicherung und Wiederaufarbeitung –, die zügig vorangeht. Wer die niedrige Anreicherung (für Brennstäbe, Anm. d. Red.) beherrscht, schafft auch die hochprozentige (für eine Bombe, Anm. d. Red.). Deshalb haben alle Resolutionen des Sicherheitsrats stets auf die Anreicherung gezielt. Drittens weit reichende Raketen, deren Bau Iran mit Nachdruck vorantreibt. Mich beschäftigt vor allem eines an dem Bericht: Was haben die Iraner eigentlich vor 2003 gemacht? Und was ist daraus geworden? Die Iraner haben ein Geheimprogramm stets geleugnet. Jetzt, da sie den NIE preisen, geben sie es doch indirekt zu. Der NIE besagt, dass wir auf dem richtigen Weg waren: die Anreicherung und Wiederaufarbeitung auf diplomatischem Wege zu stoppen – durch Verhandlungen auch mit den USA, aber unter Aufrechterhaltung von Isolierung und Sanktionen.
ZEIT: Hören wir hier ein Angebot für direkte Gespräche mit den Vereinigten Staaten?
Rice: Wenn die Iraner mit Anreicherung und Aufarbeitung aufhören, werde ich meinen iranischen Kollegen an jedem Ort und zu jeder Zeit treffen, um über alles und jedes zu reden.
ZEIT: Alle sprechen vom Aufstieg Chinas und Indiens und vom Wiederaufstieg Russlands. Ist das »amerikanische Jahrhundert« vorbei, beginnt die Ära der Multipolarität?
Rice: Ich habe nie an Slogans wie Unipolarität geglaubt. Doch bleibt Amerika das stärkste Land in dieser Welt. Anderseits: Wir haben immer mit Verbündeten zusammenarbeiten müssen – und mit den anderen Großmächten wie China, das gegenüber Nordkorea bedeutende Hilfe geleistet hat.
ZEIT: Also ist Amerika die Nummer eins, die die Aufsteiger sozusagen in das amerikanische System »sozialisiert«?
Rice: Das ist kein amerikanisches System. Die Frage ist, ob es ein demokratisches System sein wird, wo der Frieden auf demokratische Werte gegründet ist. Deshalb ist unser Verhältnis zu Europa, Japan, Australien, Südkorea so entscheidend. Deshalb muss man besorgt sein über Russlands Abkehr von demokratischen Werten. Wir haben auf ein Verhältnis gehofft, das über Interessenkonflikt und Koexistenz hinauswächst – in dem Maße, wie sich demokratische Werte in Russland verfestigen.
ZEIT: Russland erreicht mehr mit Pipelines als mit Panzern. Und es fordert die USA überall heraus.
Rice: Diese »Großverhältnisse« sind komplex. Die Zusammenarbeit gegenüber Iran ist gut, wie überhaupt bei weltweiten atomaren Problemen. Gut auch im Krieg gegen den Terror. Die Russen haben sich in Annapolis sehr kooperativ gezeigt. Doch je dichter es an ihre Peripherie geht, desto schwieriger wird das Geschäft – zum Beispiel bei unserem Engagement in der Ukraine oder in Georgien, was sie als Nullsummenspiel sehen. Und wir sorgen uns um eine Energiepolitik, die nicht nur der Entwicklung der russischen Wirtschaft dient.
ZEIT: Die härteste Nuss an der Peripherie sind die US-Abwehrsysteme in Polen und Tschechien.
Rice: Wir konnten die Russen noch nicht davon überzeugen, dass zehn Abwehrraketen in Polen nichts gegen ihr Offensivpotenzial ausrichten können. Aber wir versuchen alles, um sie auf höchster Ebene einzubinden.
ZEIT: Stattdessen mobilisieren sie die Europäer recht erfolgreich gegen das Projekt.
Rice: Nicht wirklich. Die Europäer durchschauen das Spiel.
ZEIT: In Westeuropa reicht der Widerstand bis weit in die konservativen Parteien.
Rice: Im Laufe der Zeit wird es klar werden, wie man solche Systeme zum gemeinsamen Nutzen aller teilen kann. Und die Leute werden sehen, dass die USA nur sich und ihre Verbündeten gegen potenzielle kleinere Raketenbedrohungen schützen wollen.
ZEIT: Wird das neue Jahr friedlicher sein?
Rice: Die radikalen Kräfte spüren überall Widerstand – militärisch wie politisch. Wenn sie Verantwortung übernehmen müssen, sehen sie nicht gut aus. Nehmen Sie die Anbar-Provinz im Irak. Da haben die Leute verstanden, wie brutal und barbarisch al-Qaida ist, und wollen nichts mehr damit zu tun haben.
ZEIT: Wird das letzte Jahr der Regierung Bush ein besseres sein?
Rice: Ich bin kein Prophet. Annapolis, Irak, Nordkorea sind schwierig, aber wir werden unser Bestes tun. Es wird ein arbeitsreiches Jahr sein.
Die Fragen stellte Josef Joffe
- Datum 27.12.2007 - 10:42 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01
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allein mit ethischer Politik (= "Idealpolitik"?) hat das nicht viel zu tun!Im Vertrauen auf die kritische Kompetenz der ZEIT Leser stoße ich hier mal eine Diskussion über 2 "Thesen" von Frau Professor Rice an, die ich für höchst diskussionsbedürftig halte (leider vefügt genannte Dame über weit mehr als Diskussionsmacht):1. Behauptet Frau Rice, dass Realpolitik (RP) und Idealpolitik (IP) zusammengehören.Da hat sie wohl Ihren Kant nicht richtig gelesen! Wenn IP zum Bereich des ethischen Handelns gehört, dann ist dieses Handeln (auch wenn es politisch ist) an den kategorischen Imperativ gebunden. RP richtet sich dagegen an einem "um-zu" Denken aus, für das Kant den Begriff des pragmatischen Imperativs prägte. Freilich ist es fraglich wie überhaupt Idealpolitik bzw. ethisches Handeln wirklich werden soll, da wir Menschen doch sehr in Zweck-Mittel Relationen zu denken gewohnt sind.2. Wenn mit den 50 Mio. befreiten Menschen tatsächlich jene im Irak und Afghanistan lebende Bevölkerung gemeint ist - die Redaktion unterstellt Frau Rice diese Aussage, dann wird gerade hier die oben erläuterte Notwendigkeit einer Trennung von RP und IP deutlich. Es ging bei diesen "militärischen Operationen" (andere nennen es Krieg!) um rein strategische Interessen: Die Sicherheit der USA, Demokratie als Mittel dazu, Öl usw. Also war dies Realpolitik. Die angeblich erreichte Befreiung - es hört sich wie Hohn und Spott an die Menschen dort als befreit zu bezeichnen - ist aber nicht mit dem zivilisierten Mittel der Kritik, also idealer Politik, betrieben worden, sondern war sozusagen ein Nebeneffekt der strategisch orientierten RP.So jetz habe ich nix verbessert, außer mir Erleichterung verschafft.Bitte dennoch um Diskussion. Danke!
Es geht bei Weltpolitik nicht um persönliche Sympathie, ob man jemand für sonderlich Intelligent hält oder auch nur die Nase einem nicht passt. Berechtigte Kritik an der Bush-Regierung darf nicht zu Antiamerikanismus verleiten. Jegliche Ressentiments sind abzulehnen, egal ob gegen Underdogs oder gegen "Starke". Nicht nur, weil es zutiefst heuchlerisch wäre da einen Unterschied zu machen. Ich bin Amerikaner und kann jedem Leser versichern, die USA sind alles was man dem Land vorwirft - und auch nicht. Bei einem Land mit über 300 Mio. Einwohnern wird man sicherlich jedes Klischee bestätigt finden - aber auch das genaue Gegenteil. Ähnlich ist es wenn Medien es nun darauf anlegen Deutschland als ein naziverseuchtes sonstwas Darzustellen werden sie dafür "Belege" finden, genauso wie das Gegenteil, ein multikulturelles Paradies. Auch dafür werden sich für sich genommen aussagekräftige Belege finden. Und wo bei großer Weltpolitik immer, bei welchem Thema eigentlich nicht, die Nazizeit zur Sprache kommt: wenn man eine Lehre für die Zukunft ziehen muss, dann das Ressentiments und schwarz-weiß-denken nichts gutes bewirken (nicht nur hierzulande sondern überall, das war kein "deutsches" Verbrechen sondern ein Menschheitsverbrechen, da auch deutsche keine eigene Art oder Rasse sind sondern Homo sapiens - außer man gäbe den Nazis in der "anderen" Einschätzung recht...). Frieden hängt nur von einer Sache ab, das ist nicht Geld, nicht irgendwelche ideoligischen Systeme die in ruhigen Stuben erdacht wurden, .. sondern schlicht von dieser urmenschlichen Unart abzukommen Menschen die in Meinung, Aussehen oder Herkunft "anders" sind als _Gegner_ zu betrachten, das fängt schon damit an das viele Leute irgendwelchen Weltbildern nacheifern die andere mal erdacht haben - und dabei das eigene Gehirn ausschalten. Was beileibe nicht nur für den Rechtsextremismus gilt. Und es hört bei Religionen auf, wo der andersdenkende geringgeschätzt wird - als Person oder sogar dessen "Daseinsberechtigung". Das schließt auch nicht "nicht-glauben" bzw. die Arroganz der Atheisten gegenüber religiösen Menschen ein. Wobei Atheismus von vielen auch wie eine art fundamentaler Glaube gelebt wird.. Bevor wir über diese Dinge keinen Konsens als Menschheit erlangen, solange wird es alle Verbrechen, alle Morde etc. immer wieder geben - so einzigartig man sich hierzulande seltsamer hält mit dem Holocaust etc. - diese Verbrechen sind weder in Zahl der Opfer noch in der Brutalität auf irgend eine Art und weise einmalig gewesen in der Menschheitsgeschichte. Leider. Zum Glück aber wohl die am besten dokumentierten und aufgearbeiteten Verbrechen. Das soll aber niemanden im Ausland dazu verleiten mit Hochmut auf die bad boys in Krautland zu blicken, nur weil man in eine andere Staatsbürgerschaft geboren wurde. Auch etwas das man leider beobachten kann. Wie generell das Rückkehren des Nationalismus. DAS sind die Probleme, nicht Symbole und Hassfiguren in der Politik oder Wirtschaft.
im irak gings doch nicht um die sicherheit der usa! idealpolitik ist das, was sie den medien füttern, realpolitik ist die nationalistische, emotionslose abwägung von nutzen und kosten einer politischen/militärischen aktion. realpolitik ist das einzige, das wirklich zählt. dass es keine massenvernichtungswaffen (a-bombe, chemische) gab, war offensichtlich von anfang an klar. UND WENN MAN DIE GESCHICHTE DER USA BETRACHTET, WIE BITTE KANN MAN DA VON ERNSTHAFTEM STREBEN NACH DEMOKRATIE UND GERECHTIGKEIT IN DER WELT SPRECHEN. das ist komplett lächerlich und ich bin absolut davon überzeugt, dass der durchschnittliche ZEIT-leser wissen wird, wie er die geschichte der usa zu interpretieren hat. idealpolitik wird propagiert und vorgegeben, schlussendlich aber zählt einzig und allein realpolitik: die interessen der usa müssen um jeden preis befolgt werden. wer nicht mitspielt, wird direkt oder indirekt aus dem weg geräumt."Die radikalen Kräfte spüren überall Widerstand – militärisch wie
politisch. Wenn sie Verantwortung übernehmen müssen, sehen sie nicht
gut aus. Nehmen Sie die Anbar-Provinz im Irak. Da haben die Leute
verstanden, wie brutal und barbarisch al-Qaida ist, und wollen nichts
mehr damit zu tun haben." WOW!!! ich bin so beeindruckt!!der lokalen bevölkerung ist genauso bewusst, "wie brutal und barbarisch" und menschenverachtend die us-streitkräfte immer wieder vorgehen. rice weiss, dass die usa dort nicht erwünscht ist und dass nach meinung der lokalen bevölkerung die bezeichnung 'befreiungskämpfer' einzig und allein auf die ehemaligen irakischen militärs zutrifft.beste grüsse
Kommentar zum Kommentar des Kommentars...1.Natürlich war meine Kritik an Frau Rice polemisch (es ist schwierig ein solches Thema nich emotional zu kommentieren). Dennoch möchte ich Frau Rice nicht als Hassfigur verstanden wissen. Ich finde es allerdings bedenklich, wenn Frau Rice den Wunsch äußert nach Stanford zurückzukehren und dort Studierende auszubilden, und dies MÖGLICHERWEISE in der kaltschnäuzigen Art und Weise tun wird, wie sie über Weltpolitik (und hier stimme ich MDNL zu, dass diese immer nur RP sein kann) spricht. M.E. wäre die Voraussetzung für eine ethisch fundierte Politik eben auch ein emotionales Bekenntnis zu den Menschenrechten - wenigstens zu den ersten 5 Artikeln der Allg. Erklärung der Mernschenrechte!2. Nicht zustimmen kann ich Ihnen in Ihrer Analyse des sogenannten Holocaust!Diese Verbrechen waren in der Tat in Ihrer Grausamkeit und Inhumanität etwas neues in der Menschheitsgeschichte: Obwohl meine eigenes Urteil über diese Zeit niemals abgeschlossen sein wird, frage ich mich oft: Wie konnte es zu einer solchen industriellen Menschenvernichtung kommen? Wie konnten die Henker und Mörder in aller Seelenruhe abends heim zu ihren Familien gehen und gutgelaunt mit ihren Kindern spielen???
Wie konnte die Mehrheit der deutschen Bevoelkerung das befuerworten? Das ist die interessantere Frage.Wenn Sie an der befuerwortung zweifeln, dann wuerde ich mal anfangen die 138 Kristallnach genau zu studieren. Wenn Sie das begriffen haben, dann kann ich Ihnene weitere Studienobjekte vorschlagen. Und wie koenne die Nachkommen dieser Deutschen sich so selbstgerecht dauerbeurteilend und ich moechte auch sagen ignorant ueber die USA aufregen, deren System in Zweifel ziehen, und sich eine USA Scheinwelt zusammenbasteln, die mit der Realitaet kaum was zu tun hat. Das letztere ist eine Frage, die ich gerne beantwortet sehen moechte. Sie regen sich auf, dass die Condoleezza vermutlich zurueck nach Stanford geht, und Sie setzen das gleich mit dem Holocaust. Das, spangio, ist bizarr. Und Sie sind ueberzeugt, dass Condoleezza polemisch sei. Wo wissen Sie das her? Weil Sie ihnen nicht nach dem Mund redet, ist sie polemisch? Das ist auch bizarr.
Das ist alles eine starke Generationenfrage. Ich denke die wie man sie nennt 68er lieben es Diskussionen um derer selbstwillen zu führen, die sind in einem Klima aufgewachsen was hoch politisiert war. Etwas war mir nebenbei gesagt als Anfang 20-jähriger viel zu anstrengend und nervend wäre, man muss auch mal wieder runterkommen. Viele Assoziationen die da ständig entstehen lassen mich nur die Augenbrauen hochziehen, weil ich entweder die Begrifflichkeiten gar nicht so recht versteh ("Der Alte Fritz", "Chauvi", "Reaktionär") noch die Hysterie und Aggression teilen kann mit der sich die inzwischen grau gewordenen Zottelköpfe gegenseitig angifteln. Wenn mir mein Vater erzählt was so in seiner Jugend in den 70ern los war gehts mir ebenso, da wurde für Waffen für Vietnam oder wo das war Geld gesammelt, damit sich die dortigen Kommunisten gegen die amerikanischen Aggressoren oder so verteidigen konnten - das muss man sich mal vorstellen, die haben Geld für Waffenkäufe anderswo gesammelt. Nicht nur das es große Heuchelei ist sich als Pazifist auszugeben und dann Geld für Waffen zu sammeln, sondern das schlimme daran ist die Sorglosigkeit wo irgendwie an verrauchten Tischen offenbar darüber diskutiert wurde - blind für den menschlichen Schmerz den eine Waffe im Gebrauch verursacht, eine schwarz-weiße Weltsicht in der Manier der alten Generäle früherer großer Kriege die die Männer in Scharen auf den Schlachtkarten umherschoben, jeder einzelne nur Werkzeug für das "Ziel". Oder dieser eigentümliche Selbsthass und Rassismus gegen die eigenen Leute, wo alles "deutsche" gehasst und verachtet wurde - ob gegen Ausländer oder den Nachbarn, etwas aufgrund der "Herkunft" geringzuschätzen ist nichts anderes als Rassismus. Gleichzeitig unterstellt man damit den deutschen eine einzigartigkeit als "Volk" oder so, diese Einzigarbeitkeit haben die deutschen aber gar nicht. Wie jede andere Bevölkerung in Europa in buntes gemisch. Mehr Blonde gibts in Skandinavien sowieso und hier in Bayern sind blonde genauso häufig oder selten wie in Frankreich oder Tschechien. Und Fachwerk & "Butzenscheiben" gehören nicht einmal zur alten Architektur in Bayern, Labskaus oder wie man das schreibt hab ich erst recht spät durch einen zugezogenen Bekannten kennengelernt.. (zu meinem Pech, würg).. diese Homogenität gibt es nicht, die wurde erst durch Nationalisten im späten 19. Jh und die Nazis erzeugt. Und in genau dieses Horn bliesen dann die späteren Hippies, indem sie dieses Konzept des "Ein Volk" einfach übernommen haben, freilich für Kritik anstatt für Nationalismus. Aber an der Grundhaltung änderte das ja nun nichts. Und diese Unbedachtheit die sich aber immer gern kritisch und intellektuell geriert nervt mich einfach, genauso Themen wie Bildung und Werte; die Leute die das in Stücke gehauen haben hatten diese Bildung ja schon und kamen aus diesem gutbürgerlichen Elternhaus was sie so verachtet haben. Verwöhnte Wohlstandskinder einfach. Das Bürgertum gibt es heute schlicht nicht mehr, auch wenn das in den Köpfen dieser Ideologen natürlich wie ein Gespenst weiterlebt. Genauso wie diese Werte, wenn ich mich in meiner Generation umschau.. dort zählt nichts außer Egoismus, und das ist gar nicht bösartig gemeint. So wurden wir Erzogen. Und auch sonst habe ich einfach den Eindruck, das die alten Hippies ein grundsätzliches Problem haben eine gewisse innere Ruhe und die "Mitte" zu finden bei Dingen. Weltanschauungen sind immer "total" und werden wie ein Glaube verteidigt, Meinungen anderer sind immer unwichtig und müssen höchstens angeglichen werden an die eigene, auf die Idee eigenes zu hinterfragen kommen die gar nicht. Ist schon traurig wenn sich jemand so wichtig nimmt in 30 Jahren nie grundsätzlich zu hinterfragen was er für Standpunkte hat, und immer das selbe Zeug zu erzählen. Auch rational seltsam, schließlich ist die Welt in der wir leben auch nicht mehr die selbe. Naja. Solang diese Generation voller widersprüche und gehabe an den Hebeln ist in Medien und Politik solange werden wir viele Probleme substantiell nicht gelöst bekommen. Dafür sind die einfach zu Dickköpfig und inzwischen wohl auch schon teils Altersstarsinnig.
aber das ist das Antlitz Amerikas!
Frau Rices Interview wurde bereits von der tragischen Nachricht aus Pakistan überholt. Die Welt bleibt nun mal ein gefährlicher Ort. So schön es wäre, wenn alle Länder ständig in demokratischer Idylle miteinander dahinleben könnten, die Realität erfordert leider gelegentlich realpolitische Entscheidungen.
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