Stimmt's Hand vor den Mund!

Wird Gähnen durch Sauerstoffmangel im Gehirn ausgelöst? Ich selbst gähne öfter, ohne dass ich mir dabei Sauerstoffmangel als Ursache vorstellen könnte. Spielt vielleicht Langeweile als Auslöser eine Rolle? Rudolf Menzel, Forstfeld

Gähnen gehört zu den Körperphänomenen, über die wir erstaunlich wenig wissen. Irgendeinen Zweck muss es erfüllen, schließlich wird auch im Tierreich viel gegähnt. Das Gähnen hat eine soziale Komponente, es ist offenbar ansteckend ( ZEIT Nr. 15/98 ). Aber was hat der Körper davon, wenn wir gähnen?

Einer der größten Gähnexperten ist der amerikanische Psychologe Robert Provine von der University of Maryland, der mit seinen Studenten schon unzählige Experimente durchgeführt hat. Auch die Sauerstoffthese hat er getestet. Gähnen wir bei einer Unterversorgung mit dem Gas mehr? Dazu ließ er seine Probanden Luft mit unterschiedlichem Sauerstoffanteil atmen – von 20 Prozent, wie sie in der normalen Atemluft enthalten sind, bis zu 100 Prozent. Die Gähnrate blieb bei diesen Versuchen erstaunlich konstant bei etwa 24-mal pro Stunde. Auch als er den Sauerstoffanteil konstant ließ und die Konzentration von CO₂ erhöhte (das ist die Hauptursache dafür, dass wir in »verbrauchter Luft« müde werden), gähnten die Testpersonen nicht häufiger.

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Ihre Vermutung, dass Gähnen ein Zeichen für Langeweile ist, lässt sich aber auch nicht halten. Zum Beispiel gähnen Leistungssportler vor dem Wettkampf besonders viel oder auch Fallschirmspringer vor dem ersten Sprung. Wer also in einer Sitzung vom Chef bei einem verstohlenen Gähner ertappt wird, der kann sich immer damit herausreden, dass er sich gerade auf eine besondere Herausforderung vorbereitet. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

 
Leser-Kommentare
    • fönix
    • 27.12.2007 um 14:25 Uhr

    bei feldenkrais workshops wird man geradezu ermuntert zu gähnen. ich zitiere aus dem gedächtnis: gähnen ist kein zeichen von desinteresse, sondern im gegenteil zeichen entspannten lernens und sich wohlfühlens! Lehrer sollten es z.B. in den schulen so sehen, keinesfalls als beleidigung ihrer arbeit...

  1. ... ich habe gelernt, daß Gähnen durch einen Überschuß an Kohlenstoffdioxid entsteht. Dies ist etwas leicht anderes für den Körper. Die Bilanz von CO2 zu O2 steht im Ungleichgewicht und soll über eine vermehrte Aufnahme von O2 wieder ausgeglichen werden.

    Bei Qigong-Übungen zeigt das sehr intensive Gähnen einen erstrebenswerten Entspannungszustand an. Die Gähntiefe kann bis in die einzelnen Organe hinein gehen und somit zu einer Regeneration bzw. Organentgiftung führen.

    • redsky
    • 17.07.2009 um 0:12 Uhr

    Ein anderer Ansatz:

    Die Alveolen der Lunge würden aufgrund ihrer Oberflächenspannung kollabieren, wäre da nicht der durch Alveolarzellen produzierte Surfactant. Der bildet einen Film auf der Oberfläche der Lungenbläschen und setzt so die Spannung herab.

    "Der Stimulus für die Surfactant-Freisetzung ist ein tiefer Atemzug. Darin liegt vermutlich die physiologische Bedeutung vom "Gähnen und Seufzen". "
    (Deetjen-Speckmann, Physiologie)

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  • Serie Stimmt's
  • Quelle DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01
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  • Schlagworte Gesundheit | Medizin | Körper | Wissenschaft
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