Vietnamkrieg Im Jahr des Affen
Nordvietnams Tet-Offensive Ende Januar 1968 zeigte den Amerikanern, dass ihr Krieg in Indochina nicht zu gewinnen war
Zu Tet schwiegen die Waffen gewöhnlich für drei Tage – aus Respekt vor dem wichtigsten Fest der Vietnamesen, an dem sie das neue Jahr feiern und den Frühling begrüßen. Auch diesmal durfte der größte Teil der südvietnamesischen Armee Heimaturlaub nehmen. Der 30. Januar 1968 galt nämlich als ganz besonderes Tet, war er doch der erste Tag im Jahr des Affen und dem Mondkalender zufolge der Auftakt sprunghafter Wendungen zum Guten.
Und dann das: An die 80.000 Guerillas und ein paar Tausend nordvietnamesische Soldaten attackierten zeitgleich alle militärisch und infrastrukturell wichtigen Ziele, darunter fünf der sechs großen Städte im Süden, 36 von 44 Provinzkapitalen und 64 lokale Verwaltungszentren. In der Hauptstadt Saigon drang ein 19-köpfiges Selbstmordkommando zur amerikanischen Botschaft vor, andere Stoßtrupps attackierten den Präsidentenpalast, den Flughafen und das Hauptquartier der US-Streitkräfte.
Saigon war nach wenigen Stunden wieder unter Kontrolle der Regierungstruppen. Doch rund um Ben Tre, die Hauptstadt der Provinz Kien Hoa, fielen alle 27 Verteidigungsstellungen. Die alte Kaiserstadt Huê blieb gar drei Wochen lang in der Hand feindlicher Einheiten.
Dass der Vietcong überall im Land aus der Deckung ging, war in der Tat ungewöhnlich. Andererseits fügte sich dieser Coup nahtlos in die Strategie der Guerilla, die seit 1965 den Amerikanern einen Krieg ohne Fronten, ohne Rückzugsmöglichkeiten und ohne sichere Zonen aufgezwungen hatte. In drei von vier Fällen – so lautet eine für die Jahre 1967 und 1968 in Washington aufgestellte Bilanz – bestimmte die Nationale Befreiungsfront Zeitpunkt, Ort, Art und Dauer der Feuergefechte. Die Kommunisten hatten die Lektion der (seit der Antike geführten) asymmetrischen Kriege gelernt: Der »Schwache« darf sich nicht auf die Kriegsführung des »Starken« einlassen, sondern muss stets dafür sorgen, dass der »Starke« sich verzettelt und seine überlegene Bewaffnung nicht entfalten kann. Dieser Einsicht folgten die Planungen für Tet.
Amerikas Presse ruft unisono zum Durchhalten auf
Wie so oft wurden die Amerikaner und ihre Verbündeten auch vor dem Beginn dieser Offensive mit einem Ablenkungsmanöver in die Falle gelockt. Als die 325.(C) und die 304. Infanteriedivision der nordvietnamesischen Armee am 21. Januar 1968 zum Sturm auf einen Stützpunkt der Marines in Khe Sanh nahe der entmilitarisierten Zone ansetzten, fürchtete man in Washington ein Desaster, wie es die Franzosen 1954 im Kessel von Dien Bien Phu ereilt hatte. Also wurden 15.000 Mann, überwiegend Elitetruppen, nach Khe Sanh verlegt – sehr zum Gefallen von Vo Nguyen Giap, der als Oberkommandierender der kommunistischen Streitkräfte keinen Stellungskrieg im Sinn hatte, sondern mit einer Finte nur die strategischen Zentren vom Feind entblößen wollte.
Huê traf es am härtesten. Während GIs den Verteidigungsgürtel um Khe Sanh befestigten, stürmten in der Nacht zum 31. Januar 12.000 Nordvietnamesen die Stadt am »Perfume River« und setzten einen offenbar wenige Wochen zuvor von der Kommunistischen Partei und dem Vietcong gemeinsam gefassten Plan in die Tat um: die Ermordung der politischen und intellektuellen Elite – »Hooligan-Lakaien« in der Diktion von Radio Hanoi.
Von den knapp 150.000 Einwohnern wurden schätzungsweise 5700 hingerichtet oder mit bis heute unbekanntem Schicksal verschleppt, Polizeibeamte, Juristen, Lehrer, Journalisten. Auch französische Priester und vier westdeutsche Mediziner waren unter den Opfern. Sie wurden zu Tode geprügelt, erschossen, enthauptet oder lebendig begraben. Einige fand man in Gruppen von zehn bis 15, exekutiert vor Massengräbern, ihre Münder mit Dreck oder Stofffetzen gestopft. Die Täter gehörten hauptsächlich zu den ortsansässigen Vietcong; mit Schwarzen Listen waren sie von Haus zu Haus gezogen.
Terror gehörte durchweg zur Strategie der Nationalen Befreiungsfront. Gewiss wurde der Vietcong vielerorts als Volksvertretung anerkannt, etwa in der Provinz Quang Ngai, über die es in einem zeitnahen Bericht der U.S. Army hieß: »Der Vietcong ist hier nichts Eigenes. Der Vietcong ist das Volk.« Aber es handelte sich um eine Anerkennung auf Zeit und um eine geliehene Stärke. Die Guerilla reklamierte den Schutz durch die Bevölkerung, ohne sie im Kampf gegen einen an Feuerkraft überlegenen Gegner schützen zu können. Ein solcher Krieg birgt unkalkulierbare Risiken. Niemand vermag zu sagen, wie lange übermäßige Opfer und Leiden ein Kollektiv zusammenschweißen und wann die Zumutungen in Resignation oder Opposition umschlagen. Auf reale oder auch nur vermutete Unzuverlässigkeit reagierte der Vietcong wiederholt durch die Umwandlung des Volkskrieges in einen Krieg gegen das Volk. Die Opfer von Huê eingeschlossen, wurden zwischen 1957 und 1972 an die 37.000 Personen von den Kommunisten ermordet und ungefähr 58.000 entführt. In den Worten von General Giap: »Weil wir uns von Feinden umstellt glaubten, gingen wir zum Terror über. Dieses Mittels bedienten wir uns viel zu oft.«
Im Zuge der Tet-Offensive und während der knapp vierwöchigen Rückeroberung verlorener Stellungen durch die Amerikaner und Südvietnamesen wurden etwa 20.000 Zivilisten verwundet und knapp 15.000 getötet. Eine Million Menschen waren zur Flucht gezwungen und verbrachten die folgenden Monate, wenn nicht Jahre in Flüchtlingslagern. Huê lag am Ende eines dreiwöchigen Häuserkampfes und infolge massiven Bombardements völlig in Trümmern, ebenso Ben Tre, über das ein Major der US-Luftwaffe sagte: »Wir mussten diese Stadt zerstören, um sie zu retten.«
Den größten Blutzoll entrichteten die Kämpfer des Vietcongs. Amerikanischen Angaben zufolge verlor die Guerilla zwischen Januar und März 1968 allein in der Nähe des 17. Breitengrades fast zwei Drittel ihrer Mannschaften durch Tod, nachhaltige Verwundungen oder Gefangennahme. Rechnet man den Aderlass bis Herbst 1968 hinzu, sind Verluste zwischen 50.000 und 100.000 Mann anzunehmen – bei einer Truppe, die auf dem Höhepunkt des Krieges maximal 240.000 Soldaten umfasste. Im US-Hauptquartier gingen aus allen Landesteilen Hinweise auf demoralisierte und auf der Flucht befindliche Guerillaeinheiten ein.
Von diesem Schlag konnte sich die Nationale Befreiungsfront nie wieder erholen. An ihre Stelle traten gut ausgebildete, reguläre Einheiten aus Nordvietnam. Sollte Hanoi dereinst seine Archive öffnen, wird vielleicht auch die Frage zu beantworten sein, ob dieses Ergebnis zum politischen Kalkül der Machthaber im Norden gehörte.
Denn die Parteiführung in Hanoi war das Risiko exorbitanter Verluste bewusst eingegangen. Ob die Tet-Offensive für die Guerilla in einer Niederlage endete oder nicht, blieb für sie von nachrangigem Interesse. Zum einen verfügte Nordvietnam weiterhin über ein erhebliches Militärpotenzial. Zum anderen folgte die Offensive nur dem einen, in asymmetrischen Kriegen entscheidenden Leitgedanken: dass nämlich der »Schwache« über den »Starken« nur siegen kann, wenn er im psychologischen Abnutzungskrieg Vorteile gewinnt und die »moralischen Ressourcen« des Feindes zum Versiegen bringt.
Die Rechnung schien in der Tat aufzugehen. Weltweiten Eindruck machten nicht die Verluste des Vietcongs, sondern die Nachrichten einer zeitweise überrumpelten amerikanischen Streitmacht. Und die Erfolgsprognosen aus Washington klangen wie eine Mischung aus Naivität und vorsätzlicher Täuschung. Auch fragten sich viele, auf welchen Verbündeten man sich eingelassen hatte – angesichts der Fernsehbilder, die den Polizeipräsidenten von Saigon zeigten, wie er in einem Akt der Selbstjustiz die Ermordung seiner Familie rächte und einen mutmaßlichen Vietcong auf offener Straße exekutierte.
Als US-Präsident Lyndon B. Johnson wenige Wochen später auf eine erneute Präsidentschaftskandidatur verzichtete, beugte er sich der um Eugene McCarthy und Robert Kennedy gruppierten Opposition in den eigenen Reihen. Noch mehr spiegelte sich in dieser Entscheidung Amerikas dramatischer Prestigeverlust in der internationalen Politik.
Womit man in Hanoi allerdings nicht gerechnet hatte, war der Durchhaltewille eines einflussreichen Teils der amerikanischen Öffentlichkeit. Die meisten Medien hielten an ihrer seit Jahren verfochtenen Haltung fest, derzufolge in Vietnam ein Vorposten der freien Welt verteidigt werden musste. Von 39 führenden Tageszeitungen plädierte im Februar 1968 keine einzige für einen Rückzug aus Vietnam. Sie predigten ein trotziges »Jetzt erst recht«: Wir sind im Krieg, also führen wir ihn weiter. Kritisiert wurden nicht die Ziele des Krieges, sondern deren unzulängliche Umsetzung seitens der Regierung Johnson. Nach wie vor gab es Hoffnung auf einen »Siegfrieden«; die Parole der »schweigenden Mehrheit« verriet es: »Get out or win.« – »Zieht ab oder siegt.«
Doch wie auch immer die Reaktionen auf die Tet-Offensive ausfielen, sie illustrierten ein und dieselbe in die Geschichte asymmetrischer Kriege eingeschriebene Pointe. Im Wettlauf um die Ressource Zeit gerät der »Starke« regelmäßig ins Hintertreffen. Dem »Schwachen« ist die Zeit ein starker Verbündeter: Solange er nicht verliert, hat er gewonnen. Der »Starke« hingegen ist zum Sieg verdammt. Je länger der Krieg dauert, desto schlechter steht es um seine Chancen, desto prekärer wird seine Position.
Die GIs bekommen freie Hand, rigoros vorzugehen und zu »vernichten«
Unter solchen Bedingungen ist die Versuchung groß, die Wende mit einem Gewaltstreich erzwingen zu wollen. Die vom Oberkommandierenden, General William C. Westmoreland, geforderte und in Washington im Prinzip befürwortete Truppenerhöhung um weitere 206.000 Mann war nach Tet innenpolitisch schwer durchzusetzen. Wenn überhaupt, konnte man den Wettlauf gegen die Zeit nur mit einer Maximierung des materiellen Einsatzes und einer Erhöhung der Feuerkraft gewinnen. Eben dazu riet Westmoreland in mehreren Schreiben an alle kommandierenden Generale: »Wir müssen jetzt den maximalen Vorteil aus der gegenwärtigen Situation ziehen und den Feind unnachgiebig unter Druck setzen. Dann können wir tatsächlich eine entscheidende Wende des Krieges herbeiführen. [] Wir dürfen die Gelegenheit nicht verpassen.«
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Bomber und Artillerie viele Regionen Südvietnams bereits in tote Zonen verwandelt. Mehr als 42 Prozent aller Kriegstoten waren Zivilisten, phasenweise befand sich die Hälfte der Landbevölkerung auf der Flucht, eine unbekannte Zahl von Bauern war von US-Bodentruppen in Kenntnis ihrer Identität als Nichtkombattanten massakriert worden. Westmoreland sprach mit Blick auf die Kriegsgräuel dieser »Abnutzungsstrategie« intern mehrfach von einem »ernsthaften Problem« und befürchtete, dass alles auf eine Katastrophe zusteuerte.
Dennoch gab der Oberkommandierende im Februar 1968 seinen Truppen eine beispiellose Handlungsfreiheit – indem er die Schutzbestimmungen für Zivilisten und deren beweglichen wie unbeweglichen Besitz vorübergehend außer Kraft setzte. Abweichend von den gemeinhin gültigen Einsatzrichtlinien, durften Truppenführer in besonders umkämpften Regionen fortan Dörfer und Städte ohne vorherige Rücksprache sowie mit Waffen und Verbänden ihrer Wahl angreifen. Im Combined Action Plan AB 143-1968 hieß es dazu: »Wenn erforderlich, müssen Stützpunkte, von denen wir wissen, dass sie zu den gewohnheitsmäßigen Verstecken des Feindes zählen, völlig vernichtet werden. [] Es kann sein, dass einige dieser Stützpunkte dicht gedrängt in einem Gebiet liegen. Obwohl sie von unterschiedlicher Bedeutung sein können, ist es wünschenswert, unterschiedslos das gesamte Terrain zu neutralisieren.« Westmorelands befristete Erlaubnis kam einer Einladung zur unbefristeten Willkür gleich.
Im Mittelpunkt der »Neutralisierung« oder »Befriedung« standen die Provinzen Quang Nam, Quang Tin und Quang Ngai südlich der entmilitarisierten Zone – »Indianerland« im Jargon der GIs. Von dieser Region war im 19. Jahrhundert der Widerstand gegen die französischen Kolonialherren ausgegangen, dort lagen Mitte des 20. Jahrhunderts die Hochburgen der Opposition gegen die Fremdbestimmung, hier waren die Führer der kommunistischen Bewegung aufgewachsen: Ho Chi Minh und der spätere Premierminister Nordvietnams, Pham Van Dong. Es handelte sich also um Orte von hohem Symbolwert. Wer hier die Oberhand behielt, konnte sich gute Chancen auf den Sieg im gesamten Land ausrechnen.
Binnen weniger Wochen wurden 170.000 Mann in das Gebiet zwischen Quang Nam und Quang Ngai verlegt, ein Drittel aller damals in Vietnam stationierten amerikanischen Soldaten. Von den beweglichen Kampftruppen hatte man sogar mehr als die Hälfte abkommandiert. Das »Indianerland« war mit 114 »Primärzielen« – vorwiegend zivile Siedlungen – zum wichtigsten Schlachtfeld geworden.
Für die Amerikaner wird schließlich jeder Vietnamese zum Feind
Ein erheblicher Teil der Kampfeinheiten wurde in Kleingruppen aufgeteilt. Spezialkommandos, Kompanien, Züge und Trupps galten als das geeignete Mittel, um den nach der Tet-Offensive in alle Winde verstreuten Guerillas nachzuspüren, sie in ihren Rückzugsgebieten oder Stützpunkten aufzureiben oder an der Reorganisation zu hindern. Nicht zuletzt boten sich Kleingruppen mehr als andere Verbände an, wenn es galt, die politischen Kader des Vietcongs in ihren Wohngebieten zu stellen. Deshalb übernahmen Einheiten der Armee und der Marines seit Februar 1968 auch zunehmend Aufgaben während der »Operation Phoenix«, die unter der Leitung der CIA und der südvietnamesischen Polizei zwecks »Ausschaltung« der zivilen Funktionsträger oder der »Vietcong Infrastructure« konzipiert worden war.
Eines dieser Spezialkommandos wurde Mitte März auf die Gemarkung Son My in der Provinz Quang Ngai angesetzt – die 500 Mann starke Task Force Barker, rekrutiert aus drei Kompanien der 11.Light Infantry Brigade, »Americal« Division. Weil der Einsatzplan nicht zu Papier gebracht wurde, lässt sich nicht mehr klären, welchen Auftrag die Task Force im Einzelnen hatte. Sehr wahrscheinlich sollte sie den Resten des 48. Vietcong Local Force Battalion nachstellen, einer Truppe, die während der Kämpfe um das Städtchen Quang Ngai zur Zeit der Tet-Offensive erheblich dezimiert worden war und seither im weitläufigen Siedlungsgebiet Son My vermutet wurde. Auch wollte man wohl beim »Durchkämmen« der Dörfer politische Funktionäre aufspüren. Dafür sprechen seitens der CIA und militärischer Geheimdienste verfasste Schwarze Listen. Ob die Task Force im Besitz dieser Listen war, ist indes unklar.
Bei der Umsetzung ihres Auftrages konnten die Offiziere der Task Force Barker nach eigenem Gutdünken vorgehen – eine lang ersehnte Gelegenheit, sich in Szene zu setzen und karrierefördernde Erfolge vorzulegen. Die Truppenführer gaben ihren Soldaten am Ende eine Lizenz zum unterschiedslosen Töten. Alle Bewohner von »Son My Village«, so lautete die Botschaft am Vortag des Einsatzes, wären Sympathisanten oder Unterstützer des Vietcongs und mithin Zivilisten zweiter Klasse. Es war ein Spiel mit der Frustration einer Truppe, die seit Februar hundert Mann (gut zwanzig Prozent ihrer ursprünglichen Stärke) durch Minen und Sprengfallen verloren hatte, ein Spiel mit den Rachefantasien kaum zwanzigjähriger Soldaten.
Am 16. März 1968 suchte die Task Force Barker mehrere Dörfer in der Gemarkung Son My heim, darunter auch My Lai. Angeblich traf man auf zehn Vietcong. Doch kein einziger Schuss wurde auf die GIs abgegeben. Die Bilanz nach zweieinhalb Stunden: zwischen 490 und 520 ermordete Zivilisten. Einige waren erst wenige Wochen alt, manche im Greisenalter, die meisten waren Bauern mittleren Alters.
Tet-Offensive, Huê und My Lai: Von Ende Januar 1968 an trat der Krieg in seine blutigste Phase ein. Bis 1971 fielen zwischen 20.000 und 40.000 Menschen der »Operation Phoenix« zum Opfer; in neun von zehn Fällen heftete man den Ermordeten erst im Nachhinein das Etikett »Funktionsträger« an. Dass es weitere Massaker gab, steht ebenfalls außer Frage; strittig ist allein, ob die Zahl der Opfer im unteren oder mittleren fünfstelligen Bereich liegt.
Längst galten nicht mehr die Kommunisten als Feind, sondern de facto alle Vietnamesen. So zweifelhaft der Krieg von Anfang an gewesen war, jetzt, im Jahr des Affen, war er, in jeder Bedeutung des Wortes, irrsinnig geworden. Aber es sollte noch fünf lange Jahre dauern, bis der letzte US-Soldat das Land verließ. 1973, im Jahr des Büffels.
Der Autor ist Professor für Geschichte an der Universität Hamburg und leitet am Hamburger Institut für Sozialforschung den Arbeitsbereich Theorie und Geschichte der Gewalt. Vor wenigen Wochen erschien sein Buch »Krieg ohne Fronten – Die USA in Vietnam« (Hamburger Edition; 595 S., 35,– €)
- Datum 08.01.2008 - 07:08 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02
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