KLAGE GEBEN NDR Eine Regisseurin unter Beschuss
Am 23.Dezember strahlte die ARD den Hannoveraner Tatort Wem Ehre gebührt aus, in dem es um einen Inzestfall in einer alevitischen Familie geht. Die Berliner Alevitische Gemeinde erstattete Anzeige.
Ein Gespräch mit Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone.
DIE ZEIT: Sie drehten einen Film und werden der Volksverhetzung bezichtigt
Angelina Maccarone: der Vorwurf ist unhaltbar. Ich werde angerufen von aufgebrachten Aleviten, der NDR sagte mir, es seien Morddrohungen eingegangen. Das Ganze fühlt sich für mich derart schrecklich an, weil es das Gegenteil von dem ist, was ich bewirken wollte.
ZEIT: Wie kamen Sie auf diesen Fall?
Maccarone: Der NDR bat mich, einen Fall in einer türkischen Familie zu entwickeln. Ich wollte nicht die übliche Ehrenmord-Geschichte reproduzieren, sondern Aufklärung betreiben, dass Deutschtürken keine homogene Masse sind.
ZEIT: Deutsche Aleviten werfen Ihnen Propaganda vor, sie würden seit Jahrhunderten von sunnitischen Fundamentalisten des Inzests bezichtigt.
Maccarone: Ich habe diese Vorurteile bei meiner Recherche nirgendwo gefunden. Offenbar hatten auch die türkischen Schauspieler nie etwas davon gehört. Jedenfalls war es kein Thema beim Dreh. Außerdem ist die Tat des Vaters im Film nicht religiös motiviert. Zudem gibt es einen Kommissar, der auch Alevit ist, aber das wird übersehen in der Diskussion.
Die Fragen stellte Annabel Wahba
- Datum 03.01.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.02 vom 03.01.2008, S.18
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