Film »The Darjeeling Limited« Man besitzt, was man zurücklässtSeite 2/2

Wo um alles in der Welt kann dieser familientherapeutische Erleuchtungstrip enden? Natürlich bei der Figur der Mutter, was in einem Wes-Anderson-Film bedeutet: bei seiner Lieblingsschauspielerin Anjelica Huston. Schon in Die Royal Tenenbaums und Life Aquatic spielte sie elegante Frauengestalten, die eher zur Divengeschichte des Kinos als in eine Familie gehören. In The Darjeeling Limited hat sich Huston in ein indisches Kloster verzogen. Hier thront sie als Äbtissin mit kajalgeschmückten Augen über einer atemberaubenden Flussbiegung.

Auch diese Huston-Mutter wird sich dem Muttersein entziehen und ihre Sprösslinge nach einem Kurzauftritt allein lassen. Zurück bleiben drei junge Männer. Aus der Familienfotoenge des Zugabteils hat es sie in die offene Landschaft verschlagen. Auf einmal wirken die Bilder wie entrümpelt von all den Lederkoffern, iPods, Verbänden, Sonnenbrillen und Waggonutensilien. Das Leben ist kein Jugendzimmer mehr, sondern – und auch diese Anderson-Metapher ist wunderschön anzusehen – ein langer, breiter, von weißem Dunst umnebelter Fluss.

Diesen Artikel zum hören unter www.zeit.de/audio

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
    • Quelle DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Film | Jean Renoir | Literatur | Indien | Bill Murray
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service