Arbeitsmarkt Jahr der Jobrekorde
Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen im Dezember leicht gestiegen ist: Die Arbeitslosigkeit dürfte 2008 weiter sinken, die Reallöhne werden steigen
Für die Beschäftigten in Deutschland könnte 2008 ein Jahr der Rekorde werden. Dazu muss nicht einmal viel passieren. Vieles deutet zwar darauf hin, dass der Konjunkturboom der vergangenen Jahre abflaut und magerere Zeiten kommen. Aus der Welt der Jobs gibt es trotzdem vorwiegend gute Nachrichten. Wenn alles gut geht, gibt es 2008 so wenige Arbeitslose und so viele Erwerbstätige wie nie zuvor im wiedervereinigten Deutschland. Und die Löhne werden spürbar steigen.
Warum ist die Lage so gut? Zum einen, weil der Arbeitsmarkt bereits stark ins neue Jahr startet. 2007 haben außergewöhnlich viele Menschen wieder eine Stelle gefunden. Die Zahl der Arbeitslosen sank auf einen Tiefpunkt, der seit der Wiedervereinigung nicht erreicht werden konnte. Zählt man alle registrierten und alle verdeckten Arbeitslosen zusammen – bezieht man also auch alle Menschen in die Statistik ein, die in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Ein-Euro-Jobs und ähnlichen Programmen stecken – waren es im Jahresdurchschnitt 2007 knapp fünf Millionen Arbeitslose. Das sind immer noch erschreckend viele, aber dennoch deutlich weniger, als die Experten in den vergangenen Jahren zählten. Da waren es meist zwischen 6 und 6,5 Millionen.
Auch die Beschäftigung ist zum Jahreswechsel auf einen Rekordstand geklettert. Wenn erst der Durchschnitt des Jahres 2007 ermittelt ist, werden wohl 39,7 Millionen Bundesbürger einer Arbeit nachgegangen sein– so viele wie nie zuvor. Und für das nächste Jahr wird erwartet, dass es mehr als 40 Millionen werden. Dafür muss, wohlgemerkt, das Wachstum gar keine neuen Rekorde erklimmen. Es müsste sich nur noch ein wenig fortsetzen.
Weil davon alle verfügbaren Prognosen ausgehen, versprechen sie auch weiter sinkende Arbeitslosenzahlen. Und selbst wenn der Aufschwung nicht nur etwas an Fahrt verlöre, wie bisher erwartet, sondern in einen regelrechten Abschwung überginge, hielte der Arbeitsmarkt wahrscheinlich einen Trost bereit: Es würden immer noch mehr Menschen eine Stelle finden. Denn gewöhnlich dauert es recht lange, bis Unternehmen ihre Einstellungspläne korrigieren oder sogar mit Entlassungen beginnen.
Die Arbeitsmarktzahlen gelten daher als ein sogenannter nachlaufender Konjunkturindikator – sie reagieren eben erst mit Verzögerung.
Das Gleiche ist in vielen Bereichen der Lohnentwicklung der Fall. Viele Tarifabschlüsse gelten für ein bis zwei Jahre. Bis sich die Tarifparteien auf eine veränderte Konjunkturlage einstellen können, dauert es entsprechend lange. Deshalb hat auch das Boomjahr 2007 trotz einiger hoher Abschlüsse, etwa in der Metallindustrie, insgesamt nur ein relativ bescheidenes Lohnplus von weniger als zwei Prozent gebracht. Für viele Beschäftigte, zum Beispiel im öffentlichen Dienst, galten noch die relativ niedrigen Tarifvereinbarungen aus dem Vorjahr weiter.
Im Durchschnitt hatten die Arbeitnehmer nach Abzug der vergleichsweise stark gestiegenen Inflation daher weniger Geld als vorher. Kommendes Jahr könnte aber die Wende einsetzen. Mit Lohnsteigerungen in der Gesamtwirtschaft von etwa 2,5 Prozent rechnet etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Das wäre bei einer erwarteten Inflation von 2,0 Prozent immerhin der erste Reallohn-Zuwachs seit Jahren, selbst wenn er nur ganz bescheiden ausfällt.
Allerdings ist das eine Durchschnittszahl, von der die Abschlüsse in einzelnen Branchen erheblich abweichen können. Ebenso unterschiedlich fallen von Branche zu Branche (und natürlich auch von Region zu Region) die Einstellungschancen aus. Besonders gute Jobaussichten prognostiziert die Zeitarbeitsfirma Manpower im kommenden Vierteljahr in der Finanz- und Immobilienbranche, in Energie- und Versorgungsunternehmen und im Baugewerbe. Manpower befragt regelmäßig Firmen nach ihren Einstellungsabsichten.
Diesen Daten zufolge gibt es aber auch Branchen, die im Frühjahr 2008 voraussichtlich weniger Menschen beschäftigen werden als jetzt. Dazu gehören der Handel, das Hotelgewerbe, die Land- und Forstwirtschaft und die Sparten Bergbau und Rohstoffe.
- Datum 04.01.2008 - 09:47 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02
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Bei Arbeitslosenzahlen jenseits von 5 Millionen sind Jubelmeldungen wie die obige vollkommen unangebracht. Es zeigt nur: hat man die Arbeitslosenzahlen nur genügend weit nach oben getrieben, erscheint alles was darunter liegt als Verbesserung der Situation.Keine Rede ist allerdings davon, vor allem bei den vielen auf einem Auge blinden Wirtschaftsredakteuren, daß es viele Menschen gibt, die zwar jetzt wieder Arbeit haben, aber von dem Lohn nicht wirklich ordentlich leben können und daher Transferleistungen benötigen, die sie allerdings nur erhalten, wenn sie vorher die Hosen runterlassen und sich aller finanziellen Mittel entäußern.Damit ich nicht falsch verstanden werde: jede Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt ist zu begrüssen und soll auch seinen Niederschlag in der veröffentlichten Meinung finden. Zum Feiern und Jubilieren fehlt allerdings jeder Grund, lieber Kolja Rudzio.MfG
Theobald Tiger
Mehr fällt auch dem geneigtesten Leser zu diesem statistischen Nonsens nicht mehr ein.
... beeinträchtigt nachhaltig den Realitätssinn!
Hier ein paar Zahlen aus dem Originalbericht:1.) Seite 16: Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
stellen mit 68 Prozent den größten Teil der Erwerbstätigen, ihre Bedeutung hat
im Trend über die Jahre abgenommen.
(2000: 71 Prozent; 1994: 75 Prozent). Über die Jahre an Gewicht gewonnen haben
vor allem Selbständigkeit und geringfügig entlohnte Beschäftigung. [...] Im
Juni 2007 waren 4,88 Mio Arbeitnehmer ausschließlich geringfügig beschäftigt.
2.) Seite 21: Nach einer vorläufigen Hochrechnung erhielten 2007
jahresdurchschnittlich 6.250.000 erwerbsfähige Menschen Lohnersatzleistungen
nach dem SGB III oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem
SGB II. [...] Darüber hinaus bekamen 3.027.000 Personen Leistungen, ohne
arbeitslos zu sein. [...] Gleichzeitig gab es noch 554.000 Arbeitslose, die
keine Geldleistungen aus der Arbeitslosenversicherung oder der Grundsicherung
beziehen.
3.) Seite 22: Bezieht man alle Hilfebedürftigen auf die Wohnbevölkerung unter
65 Jahren erhält man die SGB-II-Hilfequote; sie beläuft sich im
Jahresdurchschnitt auf 11,0 Prozent [...]
hilfebedürftige Personen 7.241.000.
Die 3 vor dem Komma, ist eine Illusion!Es möge nützen!
Herzlichst Ihr
GEBE
..ist ganz einfach eine Verdummungslüge
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