Vermögensverteilung Ein bisschen mehr Gleichheit

Die Koalition will die Vermögensbildung der Arbeitnehmer stärken – damit es gerechter zugeht.

Angela Merkel hat mit Margaret Thatcher nicht viel gemein. Vergleiche mit der früheren britischen Regierungschefin haben der Kanzlerin nie gefallen. Öffentliche Auftritte beider Frauen hat es trotz diverser Einladungen der britischen Konservativen nie gegeben.

Ein großes gemeinsames Thema haben Merkel und Thatcher allerdings: Die eiserne Lady wollte aus den Briten ein »Volk von Aktionären« machen, die deutsche Kanzlerin will die Beteiligung von Arbeitnehmern an den Kapitalerträgen ihrer Unternehmen ausweiten. Die Vermögensbildung der Normalverdiener stärken – das entsprach den Vorstellungen Thatchers, und bei uns in Deutschland heute auch denen der Union und denen der SPD. Beide Volksparteien wollen damit auch auf Umfragen reagieren, wonach immer weniger Menschen die Lebensbedingungen in Deutschland als gerecht empfinden. So könnten Pläne für die Vermögensbildung zu den wenigen größeren Reformprojekten im Jahr 2008 werden.

Bisher kreisten die Gerechtigkeitsdebatten vor allem um die unterschiedlichen Arbeitseinkommen im Land – um Spitzengehälter für Manager einerseits und Mindestlöhne für Friseure oder Postboten auf der anderen Seite.

Dabei hätten die Anhänger einer gerechteren Verteilung allen Grund, sich eher über die ungleiche Vermögensverteilung zu ereifern. Denn erstens hat sich seit den siebziger Jahren an der Verteilung der Erwerbseinkommen wenig geändert. Die Spreizung der Einkommen in Deutschland sei »unauffällig«, heißt es im jüngsten Jahresbericht der Wirtschaftsweisen. Die Ungleichheit sei vor allem in den vergangenen zehn Jahren weniger gestiegen als etwa in Großbritannien, Italien oder den skandinavischen Ländern.

Zweitens scheint der Staat diese Unterschiede in Deutschland bereits stark auszugleichen. »Es zeigt sich, dass das Steuer- und Transfersystem weitgehend seinem Umverteilungszweck gerecht wird, ein Auseinanderdriften der Markteinkommensverteilung wird merklich begrenzt«, schreiben die Regierungsberater. Außerdem nivelliere der Staat solche Unterschiede hierzulande mit seiner Finanz- und Sozialpolitik sehr stark.

Und drittens spielen Erwerbseinkommen für die Verteilung von Wohlstand im Land eine immer kleinere Rolle. Die sogenannte Nettolohnquote, also der Anteil der Nettolöhne am Volkseinkommen, wird nach einer neuen Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), das bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung angesiedelt ist, immer kleiner. 1960 betrug sie 55,8 Prozent, 1991 lag sie immerhin bei 48,1 Prozent des privat verfügbaren Einkommens. 2006 erreichte sie nur noch 41,5 Prozent. Das WSI hat außerdem vorgerechnet, wie stark in der gleichen Zeit die Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen stiegen. Sie tragen inzwischen fast ein Drittel zum privat verfügbaren Volkseinkommen bei.

Die Vermögen aber, die diese Form des Einkommens ermöglichen, sind noch viel ungleicher im Lande verteilt. Das zeigt eine kürzlich erschienene Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die reichsten zehn Prozent im Land besitzen demnach fast zwei Drittel des Volksvermögens. Die unteren siebzig Prozent verfügen nur über zehn Prozent des Gesamtvermögens. Jeder Dritte besitzt überhaupt kein Vermögen oder ist ganz im Gegenteil sogar verschuldet.

Auch zwischen Ost- und Westdeutschland ermittelten die Forscher eine beachtliche Kluft: Ein Westdeutscher besitzt mit einem durchschnittlichen Vermögen von 91500 Euro rund 2,6-mal so viel wie ein Bürger aus den neuen Ländern. Das liegt unter anderem daran, dass Häuser und Wohnungen im Osten meist weniger wert sind.

Woran liegt es also, dass im Jahr 2007 so viel von gerechten Löhnen die Rede war und so wenig von ungerecht verteilten Vermögen?

Eine Erklärung liegt im Reformprogramm der Großen Koalition: Vor der Weihnachtspause wollten Union und SPD unbedingt die Besteuerung von Erbschaften neu regeln. Eine harte Verteilungsdebatte hätte vermutlich Forderungen nach höheren Erbschaftsteuern zur Folge gehabt. Das wollen aber weder Union noch SPD, dafür gibt es in beiden Volksparteien zu viele Erben in der Wählerschaft. Viel einfacher ist es, über hohe Managergehälter zu klagen – die Bosse fallen als Wählergruppe nicht ins Gewicht.

 
Leser-Kommentare
  1. So etwas Verlogenes! In einem Jahr fällt die Spekulationsfrist und Aktiengewinne werden generell besteuert. Wer ohnehin schon reich ist, den wird die Schmälerung seiner Gewinne wenig kümmern. Der Verlierer ist der Durchschnittsbürger, der mit Fonds selbständig fürs Alter vorsorgen möchte.

  2. im Dienste der Gleichheit.  ... im Dienste der Gerechtigkeit.
    Das ist neu. Das ist dumm. Oder unverfroren.

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