Tom: Bis zum Alter von sechs Jahren sind wir komplett gleich rumgelaufen. Wir hatten beide ganz kurze Haare und trugen Hosenträger.

Bill: Wenn ich Kinderfotos angucke, kann ich uns überhaupt nicht unterscheiden. Früher im Kindergarten hatten wir auch Pullover, auf dem einen stand »Bill« und auf dem anderen »Tom« drauf – damit uns alle auseinanderhalten konnten. Bei der Einschulung sahen wir auch noch gleich aus.

Tom: Aber Schulranzen hatten wir in unterschiedlichen Farben. Ich glaube, zu der Zeit hattest du oft rote Sachen an. Und ich mehr Blau und Schwarz. Wir hatten damals schon die ersten Händchenhalt-Beziehungen, die man halt so hatte mit sechs. Aber es gab nie ein Mädchen, das in uns beide verliebt war. Die Mädchen haben den Unterschied auch immer gespürt.

Bill: Na ja, wir hatten ein Mal dasselbe Mädchen.

Tom: Das war aber auch nicht zur selben Zeit, sondern nacheinander.

Bill: In einer Nacht hatten wir sogar definitiv den gleichen Traum. Das ist bis jetzt nur ein Mal passiert.

Tom: Ja. Das war ein Albtraum. Wir hatten damals so eine komische Autokiepe...

Bill: ...so einen Korb, wo unser Spielzeug drin war.

Tom: Und die hat abends immer so komisch geknarzt. Davor hatten wir extreme Angst.

Bill: Wir haben uns ausgedacht, dass jemand dahintersitzt.

Bill: Die längste Zeit die wir getrennt waren…

Tom: …das waren maximal zwei Wochen. Bill lag im Krankenhaus, wegen einer Mandel-OP. Wir halten es nicht lange ohne einander aus, überhaupt nicht. Wir beide ergeben schon ein Ganzes, einen Menschen. Total. Es ist so, dass wir in vielen Punkten – wie wir sind, wie wir uns artikulieren, wie wir aussehen – sehr unterschiedlich sind. Aber das ergänzt sich. Ich weiß, was Bill fühlt, und Bill weiß, was ich fühle. Wir haben oft unterschiedliche Meinungen – das klären wir aber unter uns.

Bill: Da darf sich auch niemand einmischen. Was zwischen uns läuft, das machen wir erst unter uns aus, und dann ist es immer so: Wir beide gegen den Rest der Welt.

Tom: In der zweiten Klasse ging’s bei uns mit Musik los. Bill hat angefangen zu singen. Größtenteils Nena. Unser Stiefvater stellte uns seine Instrumente zur Verfügung, und ich hab dann angefangen, Gitarre zu spielen. Ab dem Zeitpunkt wollten wir Rockstars werden.

Bill: Die Leute haben uns schräg angeguckt. Aber wir haben immer alles selbst entschieden. Wir wurden sehr frei erzogen, wir standen früh auf eigenen Beinen. Einfach auch, weil wir uns gegenseitig hatten.

Tom: Wir haben lange Zeit in Magdeburg gewohnt und sind dann aufs Dorf gezogen. Uns war ja schon Magdeburg zu klein.

Bill: Das war so ne Alien-Zeit für uns. Wie wurden nur angeguckt. Und die Schule war Horror. Das war die schlimmste Zeit unseres Lebens. Das war so: bloß Schluss haben, bloß raus da. Der schlimmste Einschnitt in unser Zwillingsdasein war für uns, als wir in der siebten Klasse in getrennte Klassen strafversetzt wurden. Die Lehrer haben gesagt: »Wir können die nicht zusammen unterrichten.«

Tom: Am Wochenende sind wir in Klubs aufgetreten. Manchmal für gar kein Geld, manchmal für hundert Euro.

Bill: Wir haben immer gesagt: Es soll uns doch nur einmal wer zugucken. Nur einmal soll ein Produzent kommen.

Tom: Das Einzige, was man machen kann, ist auftreten. Auftreten und Glück haben. Wir hatten einfach nur Glück.

Tom: Wir sind jedes Wochenende ins Studio gefahren und haben immer dran geglaubt.

Bill: Wir dachten immer: »Bitte, bitte holt uns hier raus. Lasst das alles ein Ende haben.«

Tom: Und plötzlich wurde unser Video jede Stunde bei VIVA gespielt. Und wir saßen zu Hause vor dem Fernseher und haben gesagt: »Geil! Geil, guck mal, das wird schon wieder gespielt!«

Bill: Und am Anfang haben wir es immer noch aufgenommen.

Tom: Dass unsere Texte sich mit Ausbruch und Freiheit beschäftigen, ich glaube, das kommt aus der Schulzeit, weil wir immer den Wunsch hatten, da wegzukommen. Wir dachten, wir stehen so allein da mit unseren Träumen.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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