Mythos Beim Zeus!
Die griechische Mythologie ist voll von mordenden Vätern und Söhnen – eine kleine Übersicht von Uranos bis Ödipus
Nur wenige griechische Väter sterben eines natürlichen Todes – jedenfalls dann, wenn sie Götter sind, was den Begriff Natürlichkeit vielleicht ohnehin relativiert. Die griechische Mythologie ist voll von mordenden Vätern und Söhnen, weshalb jungen, nicht hinreichend gefestigten Vätern von der weiteren Lektüre dringend abgeraten werden muss.
Uranos, Gottvater der ersten Stunde, bringt mit Gaia die Kyklopen hervor, einäugige Riesen, die einen Aufstand gegen ihren Erzeuger planen und von ihm zur Strafe in die Unterwelt verbannt werden. Den gemeinsamen Sohn Kronos stiftet Gaia daraufhin dazu an, den Vater mit einer Sichel zu entmannen. Aus dem Schaum, den das Meer um seine abgeschnittenen Genitalien bildet, entsteht immerhin Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit.
Aus der nicht ganz unberechtigten Angst heraus, seine Kinder könnten seinem brutalen Beispiel folgen, was ihm sein sterbender Vater und die Mutter weissagen, verschlingt Kronos die Nachkommen, die er mit seiner Gattin Rhea zeugt, gleich nach der Geburt. Ihren Sohn Zeus bringt die Göttin im Verborgenen zur Welt, um ihn vor der wütenden Verfolgung durch seinen Vater zu schützen. Dem Ehemann bietet sie stattdessen einen in Windeln gewickelten Stein zum Verzehr an.
Zeus wächst heran. Als junger Mann nimmt er Rache an seinem Vater, zwingt ihn, den Stein und die verschlungenen Geschwister auszuspeien, ehe er den Vater mithilfe seiner Brüder Hades und Poseidon tötet und den Thron des Olymp übernimmt. Zur ersten Geliebten nimmt er seine Schwester Metis. Nachdem auch ihnen ein Orakel prophezeit, dass ihr erstgeborener Sohn den Vater entthronen werde, verschlingt Zeus kurzerhand seine Schwester und behauptet fortan, sie lebe in seinem Bauch und gebe ihm gute Ratschläge.
Als Vater nimmt Zeus in der Folge eine vergleichsweise moderate Position ein. Überliefert sind vor allem seine diversen Liebschaften mit Halbgöttinen, Nymphen und Sterblichen.
In der Welt der Letzteren spielt das wohl bekannteste Vater-Sohn-Drama der griechischen Mythologie, die Geschichte von König Ödipus. Das Orakel von Delphi prophezeit dem kinderlosen Paar Laios, König von Theben, und seiner Frau Iokaste, dass ein gemeinsam gezeugter Sohn ihn, den Vater, erschlagen und sie, die Mutter, zur Frau nehmen werde.
Als Iokaste wenig später einen Sohn zur Welt bringt, übergeben die panischen Eltern den Säugling einem Hirten, der ihn in den Bergen aussetzen soll, doch auf Umwegen gelangt das Kind an den Hof des König Polybos von Korinth, der den Jungen adoptiert. Jahre vergehen, bis ein Trinker Ödipus verrät, dass er nicht von seinen leiblichen Eltern aufgezogen worden ist, und Ödipus begibt sich auf die Suche. Beim Besuch in Delphi wiederholt das Orakel seine düstere Prophezeiung.
Unterwegs gerät Ödipus in einen Streit mit einem Wagenfahrer, in dessen Verlauf er sowohl den Fahrer als auch seinen Passagier tötet – ohne zu ahnen, dass es sich beim Insassen des Wagens um seinen Vater handelt, wodurch sich der ersten Teil der Weissagung erfüllt. Als Ödipus das Rätsel der Sphinx löst, die Theben bedroht, erhält er als Lohn den Thron sowie die Hand der Königin – seiner Mutter. Sie zeugen gemeinsame Kinder.
Jahre später bricht in Theben eine Seuche aus, von der das Orakel behauptet, sie könne nur besiegt werden, wenn der Mörder von Laios gefunden werde. Auf Ödipus Drängen hin enthüllt der Seher Teiresias die biografischen Hintergründe des Königsmords. Iokaste erhängt sich daraufhin mit einem Schleier, Ödipus sticht sich die Augen aus. Karin Ceballos Betancur
- Datum 03.01.2008 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02
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