Mindestlohn Gefühlte Gerechtigkeit

Die meisten Menschen in Deutschland sind nicht ärmer geworden, aber sozial sensibler. Darum wirbt die SPD für den Mindestlohn

So viel Deutung war nie. Wer sich für Gerechtigkeit im Land interessiert, die messbare und die gefühlte, kann dazu in diesen Wochen mehr Studien, Bücher, Parteitagsreden, Zeitungsartikel oder Talkshows studieren als je zuvor. Vor ein paar Jahren hieß es noch, Gerechtigkeit sei ein Thema für harte Zeiten, für Jahre des Sparens und Kürzens – so wie die Ära der Agenda 2010.

Heute gilt das Gegenteil. Nach der neuen Logik ist eine Gerechtigkeitsdebatte eher ein Luxusphänomen für Wachstumsphasen, in denen es etwas zu verteilen gibt. »Den Diskurs muss man sich leisten können«, sagt der SPD-Sozialpolitiker Karl Lauterbach.

Besonders intensiv wird über Verteilungsfragen gestritten, seit die SPD versucht, die drei bevorstehenden Landtagswahlen zu Abstimmungen über Mindestlöhne umzudeuten. Die Frage nach der Verteilung von Chancen und Einkommen ist machtpolitisch aufgeladen. Je besser die Sozialdemokraten Ende Januar in Hessen und Niedersachsen und Ende Februar in Hamburg abschneiden, desto mehr wird der Ruf nach Umverteilung und sozialem Ausgleich die zweite Halbzeit der Großen Koalition und die Bundestagswahl 2009 bestimmen.

Die anderen Parteien haben den Ruf nach mehr Staat und weniger Ungleichheit ebenfalls aufgegriffen und damit verstärkt: Angela Merkel etwa mit ihrer Kritik an hohen Managereinkommen oder die Grünen mit ihrer Diskussion über ein staatliches Grundeinkommen für alle. Und die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes werden in ihrer gerade beginnenden Tarifrunde mit hohen Lohnforderungen dafür sorgen, dass die Debatte nach den Landtagswahlen in jedem Fall weitergeht.

Die aktuelle Diskussion ist allerdings aus zwei Gründen merkwürdig: Zunächst sorgen die vielen verschiedenen Beiträge zur Gerechtigkeitsdebatte nicht wirklich für mehr Klarheit. Eher scheint es, als werde der untersuchte Gegenstand unschärfer, je mehr man sich ihm nähert. Was gilt als gerecht, was wird als ungerecht empfunden? Früher war meistens nur von »Gerechtigkeit« oder »sozialer Gerechtigkeit« die Rede, inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Einzelkategorien, die Benjamin Mikfeld, Leiter der Planungsabteilung im Willy-Brandt-Haus, spöttisch »Bindestrich-Gerechtigkeiten« nennt: Chancengerechtigkeit, Einkommensgerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit und so weiter.

Manchmal widersprechen die Ziele, die sich hinter diesen Begriffen verbergen, einander, und welches Ziel gerade wichtig ist, folgt momentan keiner offensichtlichen Logik. Während der rot-grünen Regierungszeit war viel von Generationengerechtigkeit die Rede. Die vor Kurzem beschlossenen Grundsatzprogramme von CDU und SPD betonen die Chancengerechtigkeit. Sie taugt allerdings oft nicht zur Begründung von Regierungspolitik, etwa der Verlängerung des Arbeitslosengeldes I.

Aufschlussreicher als viele Gerechtigkeitsanalysen sind daher womöglich Berichte zur Lage der Nation, in denen das Wort Gerechtigkeit absichtlich nicht vorkommt. Dazu gehört etwa der jüngste Bericht der Wirtschaftsweisen, ein dicker Wälzer, gefüllt mit Analysen der sozialen Realität. Auch darin geht es um Mindestlöhne und Spitzengehälter, die Ökonomen rechnen vor, dass die Erwerbseinkommen in Deutschland eigentlich gar nicht so ungleich verteilt sind. In anderen Industrieländern wie Schweden und Großbritannien klaffen Spitzengehälter und Niedriglöhne viel stärker auseinander als bei uns. Vor allem hat die Ungleichheit dort stärker zugenommen.

In Deutschland sind dagegen die Vermögen besonders ungleich verteilt, die Unterschiede sind viel größer als etwa in den Vereinigten Staaten. Müssten Gerechtigkeitspolitiker also eigentlich Kapitalerträge und Erbschaften stärker belasten? Wäre das womöglich wichtiger als die Begrenzung von Managergehältern? Das Gutachten der Wirtschaftsweisen gibt keine Antwort. Gerechtigkeit ist keine ökonomische Kategorie. »Zu gefühlig«, sagt der Ratsvorsitzende Bert Rürup.

Manchmal profitieren auch Schwache von Ungleichheit

Dazu passt, dass Politiker neuerdings oft von »gefühlter Gerechtigkeit« sprechen, als wollten sie betonen, dass das Gerechtigkeitsempfinden der Bürger eine labile, stimmungsabhängige, gleichwohl extrem wichtige Größe ist – was zur zweiten Merkwürdigkeit der aktuellen Verteilungsdebatte führt: Politik und Medien produzieren zwar unermüdlich Argumente, aber das Vertrauen in die Kraft dieser Argumente ist gering. Das klingt zum Beispiel durch, wenn Arbeitsminister Olaf Scholz die Verlängerung der Bezugszeit des Arbeitslosengeldes I damit begründet, dass man jetzt, nach den Agenda-Jahren »dem Gerechtigkeitsempfinden der Menschen entgegenkommen« könne. Scholz war schon lange für diese Änderung, aber nicht aus ökonomischen, sondern aus psychologischen Gründen.

Dass Fakten in der Gerechtigkeitsdebatte selten entscheidend sind, bestätigt auch eine noch laufende, umfangreiche Untersuchung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie soll herausfinden, was genau die Bürger unter Gerechtigkeit verstehen. Für den ersten Teil der Studie wurden Testgruppen in verschiedenen Regionen Deutschlands unter anderem danach gefragt, was »Sicherheit« für sie bedeute. Die Antworten seien »sehr subjektiv, bezogen auf den eigenen Alltag, die Partnerschaft, den Arbeitsplatz« gewesen, berichtet Frank Karl, der die Studie in der Stiftung betreut. Und nicht unbedingt rational: So hätten einige Teilnehmer darüber geklagt, das man nicht mehr sicher mit der U-Bahn fahren könne, obwohl es in ihrer Kleinstadt gar keine U-Bahn gab.

Während der rot-grünen Regierungsjahre war die Haltung der Politik noch anders. Reformer wie die früheren SPD-Arbeitsminister Walter Riester oder Wolfgang Clement hatten ein fast naives Vertrauen in die Strahlkraft ökonomischer Argumente. Auch Franz Müntefering und Gerhard Schröder setzten darauf, dass der Wähler das Notwendige am Ende für das Richtige halten werde.

In dieser Zeit veränderte sich auch das Verständnis von Gerechtigkeit grundlegend. Gerade Sozialdemokraten beriefen sich auf Theorien des amerikanischen Moralphilosophen John Rawls, wonach es so etwas wie »gerechte Ungleichheiten« gibt – immer dann nämlich, wenn auch die Schwachen der Gesellschaft von den Folgen dieser Ungleichheit profitieren. Zum Beispiel wenn ein Unternehmer mit seiner Firma reich wird, dabei aber auch viele Arbeitsplätze schafft. Diese Einsicht ist einerseits in einer Marktwirtschaft banal. Andererseits war die Debatte über Rawls die Voraussetzung für die rot-grünen Steuersenkungen.

Die Idee der Generationengerechtigkeit – noch häufiger war von »Nachhaltigkeit« die Rede – ermöglichte die Riesterschen Rentenreformen. Sie haben die Ansprüche künftiger Ruheständler viel stärker gesenkt, als selbst den meisten Politikern damals bewusst war.

Schließlich machte sich in diesen Jahren auch die Einsicht breit, dass moderne Sozialpolitik mehr sein müsse als Sozialversicherungspolitik, also Korrekturen bei der Rente oder den Krankenkassen. Bildungs- und Familienpolitik, schrieben damals sozialdemokratische und grüne Reformpolitiker, seien die wichtigsten Felder, um das Land gerechter zu machen als bisher. So werde die Chancengleichheit am stärksten vorangetrieben und langfristig auch das Armutsrisiko verringert. Das sei wichtiger als die kurzfristige Gleichheit der Einkommen.

Mindestlöhne seien ein Thema für Minderheiten, tröstet sich die Union

Diese drei Einsichten wurden schon damals nicht in der ganzen SPD geteilt. Heute gelten sie nicht als falsch, aber sie helfen vielen aktuellen Debatten nicht weiter. Natürlich gebe es gerechte Ungleichheiten, sagt der SPD-Politiker Lauterbach. Aber wichtiger seien doch die ganz offensichtlich ungerechten Ungleichheiten wie millionenschwere Abfindungen für gescheiterte Manager. Und selbst Rürup, der wichtigste Berater der rot-grünen Reformer, warnt inzwischen vor Altersarmut in den kommenden Jahrzehnten und fordert mehr, nicht weniger Geld für einige der Alten von morgen.

Auch für den Streit um Mindestlöhne passen die Erkenntnisse aus den rot-grünen Jahren nicht so recht. Dafür hat die SPD eines der seltenen Themen gefunden, mit dem sie sowohl sämtliche Gewerkschaften als auch die meisten Ökonomen auf ihrer Seite hat – und vor allem fast drei Viertel der Bevölkerung. Die CDU versucht sich damit zu trösten, dass der Streit um Mindestlöhne ein Minderheitenthema sei, das zwar viele richtig finden, das aber nur wenige betrifft. Die SPD führe eine »virtuelle typische Neiddiskussion«, heißt es in einem Argumentationspapier der hessischen Staatskanzlei für Wahlkämpfer. In Hessen erhielten »gerade mal 4000 Arbeitnehmer« Geld vom Staat, weil ihr Vollzeitlohn unter dem Sozialhilfesatz liege. Die Zahl der sogenannten Aufstocker sei von der SPD künstlich hochgerechnet. Nur: Wenn sie so unwichtig sind – warum fordert dann der niedersächsische Wahlkämpfer und Ministerpräsident Christian Wulff Mindestlöhne für weitere Branchen?

Angela Merkel ist es bisher nicht gelungen, die CDU-Position zum Mindestlohn überzeugend zu begründen. Lösungen für einzelne Branchen seien besser als eine flächendeckende Regelung, weil nur so die Tarifautonomie nicht beschränkt werde, erklärt die Kanzlerin seit Wochen. Aber wer soll Merkel abnehmen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn ein Angriff auf die Tarifautonomie ist, wenn nicht einmal der Deutsche Gewerkschaftsbund ein Problem darin sieht? Und: Wenn die Zurückhaltung des Staates so wichtig ist – warum haben sich die Kanzlerin und ihr Wirtschaftsminister Michael Glos öffentlich eingemischt bei der Frage, welcher Post-Mindestlohn zu hoch oder gerade noch erträglich ist? Die Debatte um den Post-Mindestlohn sei missglückt, gestand Merkel bei einem Abendessen mit Wirtschaftsvertretern im Kanzleramt vor Weihnachten. Natürlich sei ein Mindestlohn von 9,80 Euro zu hoch.

In den nächsten Monaten will die Union die Lohndebatte der SPD mit einem eigenen Gerechtigkeitsthema kontern: Sie will die Vermögensbildung fördern, etwa durch die Beteiligung der Arbeitnehmer an den Kapitalerträgen ihrer Unternehmen oder durch die Förderung von Immobilienkäufen für die Altersvorsorge, den sogenannten Wohn-Riester. Durch solche Modelle der »Teilhabe« werde die Union für mehr Gerechtigkeit sorgen, warben Koch und Merkel auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember – mit wenig Widerhall. Speziell der »Wohn-Riester« gilt als fragwürdige Neuauflage der gerade erst unter viel Beifall abgeschafften Eigenheimzulage.

Wie sehr der missglückte Mindestlohnstreit der Union bei den kommenden Wahlen tatsächlich schadet, ist schwer abzusehen. Eine Zustimmung von über 70 Prozent der Befragten zum Mindestlohn sagt nichts darüber, ob das Thema für die Wahlentscheidung wichtig ist – genauso wenig allerdings wie die Tatsache, dass nur wenige Wähler unmittelbar betroffen sind. Denn auch die Rente ab 67 trifft diejenigen nicht, die sich darüber besonders aufregen: die Rentner und die rentennahen Jahrgänge. Auch die sogenannte Reichensteuer war ein Gesetz für Minderheiten. Trotzdem war die Einführung für SPD und Gewerkschaften wichtig. Das Gerechtigkeitsempfinden ist eben schwer fassbar.

So weiß auch niemand, wie sehr das in vielen Umfragen ermittelte gefühlte Gerechtigkeitsdefizit die Menschen tatsächlich stört. Nur noch 15 Prozent der Deutschen sagten bei einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach kürzlich, die Einkommen seien gerecht verteilt, im Jahr 2006 waren es noch 28 Prozent. Die Forscher begründen das vor allem damit, dass die Gesellschaft als wenig durchlässig gilt und der Einzelne weniger Chancen für den persönlichen Aufstieg sieht. Aber was sagt das über das Ausmaß der Enttäuschung – und die Folgen? Die Forscher fragten auch nach den wichtigsten Zielen der Politik; die soziale Gerechtigkeit stand dabei auf Platz drei hinter der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Reform der Sozialsysteme. Eine Mitgliederbefragung der SPD kam zu ähnlichen Ergebnissen. Abgefragt wurde die Bedeutung von Werten wie Solidarität, Leistung, Freiheit und Toleranz. Gerechtigkeit stand für die SPD-Mitglieder klar auf dem ersten Platz.

»Zeigen Sie mir doch einen Armen!«, forderte der BDI-Präsident

Stimmt es also, dass die empfundenen Gerechtigkeitslücken die Demokratie gefährden, weil die Politik eine ihrer wichtigsten Aufgaben nicht erfüllt? Nicht unbedingt. Denkbar ist auch, dass die gefühlte und die erlebte Gerechtigkeit zwar auseinanderfallen – dass also viele Bürger Ungerechtigkeit empfinden, aber nicht selbst darunter leiden. Möglicherweise klagen viele Menschen heute vor allem deswegen über Gerechtigkeitslücken, weil sie mehr darüber wissen. Managergehälter werden veröffentlicht, anders als früher. Einkommen von Hartz-IV-Empfängern sind vielen Bürgern geläufig. Zudem werden die Deutschen seit gut 15 Jahren in den Medien fast täglich mit den Schwächen des Sozialstaats konfrontiert. Lange hieß es, die Deutschen hätten das beste Gesundheitssystem der Welt – heute wissen viele Bürger, dass sie überdurchschnittlich viel für eine durchschnittliche Versorgung zahlen. Lange galten die deutschen Arbeitsämter nicht als Problem – erst der Statistikskandal während der Schröder-Jahre machte die Vermittlungsmängel offensichtlich. Und noch länger verstanden sich die Deutschen als vorbildliche Bildungsnation – bis Pisa den Mangel an Chancengleichheit offenbarte.

Am deutlichsten hat sich die Wahrnehmung beim Thema Armut verändert. In den neunziger Jahren konnte der damalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel noch kess fordern: »Zeigen Sie mir doch einen Armen!« Nichts geschah. Die Fernseher, Videorekorder und Stereoanlagen in den Wohnzimmern vieler Arbeitsloser machten damals mehr Eindruck auf Berichterstatter und Politiker als die DVD-Player der Hartz-IV-Empfänger heute. Erst seit einigen Jahren wird darüber gesprochen, dass es einen Scheinwohlstand gibt – Verwahrlosung trotz materieller Grundversorgung und Eltern, die Geld für Zigaretten, aber nicht für warme Mahlzeiten ihrer Kinder ausgeben.

All das bedeutet aber nicht, dass es im Land weniger gerecht zugeht als früher. Für einige Bereiche mag das stimmen – die Arbeitswelt ist unsicherer geworden, die Einkommensschere öffnet sich. Aber gleichzeitig gibt es auch mehr Chancengleichheit als früher, zum Beispiel für Frauen. Die Bürger wissen, lesen und reden mehr über Ungerechtigkeiten als früher – was gut ist, weil sich nur so daran etwas ändern wird. Nur scheint es manchmal, als habe jemand einen Schleier weggezogen oder einen Weichzeichner abgestellt und damit das ganze Land kräftig erschreckt.

 
Leser-Kommentare
    • GEBE
    • 12.01.2008 um 16:00 Uhr

    Mindestlohn entsprechen 14,70 DM.Das ist ein Durchschnittsstundenlohn von 1990!Es möge nützen!

    Herzlichst Ihr
    GEBE

  1. Irgendwie liegt die Autorin zwar im Trend, aber voll neben der Spur.In Zeiten, wo über 12% der Bevölkerung direkt von Hartz IV & Co. betroffen sind weitere mindestestens 30% der Bevölkerung indirekt betroffen sind - also sozusagen fast jeder zweite involviert wird - ob er will oder nicht, scheint es müßig mit "gefühlter Gerechtigkeit" zu argumentieren.Die Gründe für die Probleme sind vielschichtig, haben aber alle den gleichen Kern. Das neue neoliberale Denken, das Mindestrenditen größer 15% als normal klassifiziert, die teilweise irrwitzige Globalisierung in der Produktion, wo z.B. Firmen wie adidas heimische Fabriken stillegen um Hochpreisprodukte in Asien für unter 10 € produzieren zu lassen (inkl. Transport), um die in Europa und USA für mehr als 130 € zu vermarkten, um die Margen auf über 50% zu treiben.Nichts gegen sattes Geld verdienen, aber wenn das fast jeder so treibt, sich aus der nationalen Solidarität ausklinkt, weltweit jedes Gefälle für sich und die Marge nutzt, gibt es nunmal reichlich Arbeitslose auf dem eh schon schwachen Binnenmarkt. Der Einzelhandel jammert nicht umsonst. Aber wer nichts hat, der kann nichts kaufen. Und die  Investorenkarawane zieht weiter mit vagabundierenden Milliarden zum nächsten sozialen Gefälle, das es auszunutzen gilt. Und genau das wird immer mehr Menschen bewusst - auch wenn sich die Medien mit solchen Wahrheiten und Hintergründen sehr bedeckt halten.Diese Situation ist nicht über Nacht entstanden, sondern wurde langfristig von Kapital und Wirtschaft mit ständiger, begleiteter Unterstützung der oft (bezahlten) Politik herbeigeführt - auch durch die EU (und der von den USA beherrschten WTO) - spätestens seit der auf jeden Fall ökonomisch und volkswirtschaftlich total verunglückten Wiedervereinigung - für die es viele Verantwortliche gibt, die auch heute noch höchste Pöstchen bekleiden, statt im eigenen Saft auf wenigen Quadratmetern die Folgen ihres größtenteils bewußt falschen Handelns überdenken zu dürfen.Zu Zeiten, wo ein Unternehmer auch soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter hatte und diese auch wahrnahm, lief einiges anders. Heutzutage werden Subventionen mitgenommen, Steuersenkungen in unglaublichem Ausmaß gefordert und geliefert (obwohl die Steuern schon vorher kaum gezahlt wurden), millionenbeziehende Manager sind die Huren  der Aktionäre zum liefern quartalsweiser Erfolge - koste es was es wolle, die solidarische soziale Verantwortung ist an den Staat zurückgespielt (nur die Gewinne natürlich nicht), der sich nur noch mit dem steuerlichen Abschöpfen bei den Kleinverdienern halbwegs über die Runden retten kann - was alles zusammen einen immensen Abbau unserer Sozialsysteme zugunsten der Gewinne bei Kapital und Wirtschaft erzeugt, wo die erbeuteten Millionen und Milliarden untereinander aufgeteilt werden - aber nicht mehr bei der Bevölkerung ankommen, der es in der Masse von Jahr zu Jahr immer schlechter geht.Wie soll da auch was ankommen - werden doch die Gewinne in waghalsige Börsen- und Kreditgeschäfte gesteckt, um noch mehr Rendite zu bekommen.Also alles ganz normaler Kapitalismus, den ich nicht per se verurteile. Aber die Regierungen lassen das alles so laufen wider besseren wissens und/oder von falschen sogenannten "Wirtschaftsweisen" beraten, die Teil (und oft Ursache) des in sich korrupten und  lobbyistisch geprägten Wirtschaftssystems sind, das tagtäglich von den EU-Verantwortlichen noch verschlimmert wird und neben Sozialabbau auch den Abbau der Menschenrechte und der Produktqualität zum Ziel hat, denn der jeweils niedrigste nationale Standard wird automatisch zum Standard für alle Mitgliedsstaaten, da sonst die "Wettbewerbsfähigkeit" leidet. Und das gilt leider in allen Bereichen.Ob das alles nur "gefühlte Ungerechtigkeit" ist, sondern die Reaktion auf die gezielt geplanten und systematischen Veränderungen bestehender nationaler Gefüge zur "angepassten Unterdrückung" der Menschen dürfte wohl klar sein. Nicht ohne Grund soll unter dem Deckmäntelchen "Terrorismus und Kinderpornographie" (diese Parole wurde schon 1999 von der ETSI bei der Definition von standardisierten Abhörschnittstellen ausgegeben - heutzutage planen die Herren die Rasterfahndung mit Wildcards quer durch die Daten der Vorratsdatenspeicherung in der EU) die gesamte EU-Bevölkerung gezielt überwacht, kontrolliert und ausgeforscht werden, um diesen Status quo zwischen selbst ernannten "Eliten" und dem Volk noch möglichst lange zu erhalten gegen die Interessen der Bevölkerung, die auch an der nun zum "Reformvertrag" mutierten inhaltlich unveränderten EU-Verfassung jegliches Recht zur Mitbestimmung abgesprochen wird - obwohl das Grundgesetz dies auch in Deutschland vorsieht.80% der Berliner Gesetze basieren inzwischen auf Brüsseler Vorgaben (wieviele davon extra über Brüssel eingetütet wurden, weil in Deutschland sonst abgelehnt, bleibt geheim - die VDS gehört auf jeden Fall dazu) und nur noch 20% auf sogenannter "parlamentarischer Arbeit" - auch ein Witz in unserer Parteienoligarchie, die per Fraktionszwang Abgeordnetenentscheidungen quasi vorschreibt entgegen dem Abgeordnetengesetz.Soviel ein kleiner Ausschnitt zur Lage aus meiner bescheidenen Sicht - aber wie meinte schon Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg:Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner
    beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.Doch immer mehr Bürger durchschauen den Sinn dieses auch heute noch geltenden Satzes (nur anders forumliert).

  2. und enthält entgegen aller Proklamation doch nichts substanzielles."Die meisten Menschen in Deutschland sind nicht ärmer geworden" behauptet sie im Anreißer, danach kann man eigentlich aufhören zu lesen. Der Rest besteht aus polemischen Ballaststoffen. Damit wird dem Leser suggeriert, daß, so er anders denkt, dies ein Phänomen seiner trügerischen, subjektiven Wahrnehmung ist. Frau Niejahr, seit seiner Einführung 1999 hat der EURO 18% an Kaufkraft verloren (BILD), seine Einführung als Zahlungsmittel führte zu einem massiven Preisschub. Heute, 8 Jahre später bezahle ich für ein Essen im Restaurant mit Halbe Bier den gleichen Betrag -- aber EUR statt DM!Offensichtlich wird in der vereinigten BRDDR nicht nur mit der Stasi 2.0 auf in der DDR bewährtes zurückgegriffen, sondern auch mit "Presseorganen" die einem das realexistierende Paradies vorgaukeln müssen?______________________________________
    Meine Nr.1 Politdokumentation 2007:
    John Pilger's "War on Democracy"
    http://youtube.com/result...

    • GEBE
    • 12.01.2008 um 16:56 Uhr

    ... Mindestlohn entsprechen 14,70 DM.Das ist der Durchschnittsstundenlohn von 1990!Wohlgemerkt  b r u t t o!Currywurst-Pommes 1990 = 3,- DM. Currywurst-Pommes 2008 = 5,-  €. Das sind schlappe 10 Mark.Kommt, Kinder, wir gönnen und heute mal was!Dreimal Currywurst-Pommes und dreimal Cola, bitte. Und dann gehn wir noch ins Kino.Watt? - 51,- Mark????!!!!!

  3. Das ist schon ein schwerer Rückfall ins tiefste Mittelalter. Wenn wir also über uns angetane Ungerechtigkeit nichts wissen, hat sie auch nicht stattgefunden. Der Bürger gäbe sich einer "gefühlten Gerechtigkeit" hin, als ob es sich dabei um spradisch auftretende Kopfschmerzen handeln würde, die ja sowieso alsbald verschwinden. Diese Sichtweise ist mehr als Dreist, sie zeigt die Verachtung der Politikerelite gegenüber einer in ihren Augen inferioren Masse von Menschen, denen Sie das Heil verkünden müssen. "Was weiss denn schon der Pöbel, was Gerechtigkeit ist" mag mancher auf der Zungespitze tragen und es dann doch verschlucken, schliesslich muss man sich ja leider bei der Wahlschau, diesem eigentlich doch sehr unnützen Prozedere, gelegentlich wieder dem Votum des Pöbels stellen. Wie lächerlich mutet da die Phrase über "gerechte Ungleichheit" an, ein Schlag ins Gesicht. Wie soll man dies verstehen, im Sinne von Gerecht ist, dass nicht ich sondern du arm bist. Den Politikern ist zu wohl in ihrer eigenen Haut, nicht dass noch jemand "sollen sie doch Kuchen essen" rufe ... und sich dabei um Kopf und Kragen rede. Wahltag ist Zahltag die lieben Volksvertreter. Es wird an der Zeit den ganzen Sausatall ordentlich zu entmisten und euch in Rente zu schicken. Das was ihr mit "Umverteilen" bezeichnet, hat vorher jemand erarbeitet und es ungerecht verteilt. Die Gerechtigkeitsdebatte ist eine Notwendigkeit, doch muss sie auch Konsequenzen nach sich ziehen und nicht nur eine Luftschlossdebatte vor der nächsten Wahl sein. Aber es ist ja eh nur alles gefühlt. Möglicherweise fühlt der Bürger, wenn er denn je etwas aus seinen Fehlern lernt, die dicke Börse der Abzocker in diesem Lande und führt das entwendete Vermögen wieder dorthin zurück, wo es auch erwirtschaftet wurde, damit in Deutschland wieder Chancengleichheit herrscht und man ohne Sorgen seine Familie unterhalten kann.

    • ClausM
    • 12.01.2008 um 17:38 Uhr

    Mindestlöhne sind eine Frage der Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft. Offensichtlich sind einflussreiche Gruppen bereit die dauerhafte Funktionsfähigkeit der Gesellschaft, für kurzfristige Gewinnoptimierung zu opfern.Es erstaunt und erschüttert mich wie leichtfertig die Gerechtigkeit ins Feld geführt wird. Kann sich jemand eine gerechte Gesellschaft vorstellen? Wenn alleine die Vorstellung schon schwierig ist, wie schwierig ist dann erst die Realität.Wieviel Blut wird in der Welt vergossen für "Die Gerechtigkeit"?Man kann über dieses Thema endlos schreiben, aber meine Intension ist auch jetzt schon klar. Es ist eine andere Sache, das die Gier und die Selbstgerechtigkeit einiger Leute so krankhaft geworden ist, dass sie keiner vernünftigen Argumentation zugänglich sind. 

    • WillyF
    • 12.01.2008 um 17:42 Uhr

    So sieht ein Artikel aus, wenn wohlbehütete Schützlinge aus reichen Elternhäusern mal einen Beitrag für die Zeit, die Wochenzeitschrift der Besserverdienenden, schreiben dürfen. Solche Leute, die ständig satt sind und noch nie Hunger leiden mussten, stellen fest, die meisten Leute in Deutschland seien nicht ärmer geworden.

    Ist das in den heutigen Zeiten ein Wunder?

    Nein, denn der betreffenden Dame dürfte entgangen sein, dass ab 1.1.2005 Hartz IV eingeführt wurde, ein Gesetz, das Hunderttausende Arbeitnehmer, die arbeitslos geworden sind, nach ein paar Monaten in die Sozialhilfebedürftigkeit entließ und ihnen ihr bischen Hab und Gut nahm, das sie sich in ein paar Jahrzehnten angespart hatten.

    Es dürfte ihr vielleicht auch deshab entgangen sein, weil diese Hunderttausenden Menschen von Rot/Grün in die Sozialhilfebedürftigkeit getrieben worden sind - eine Schmach, die viele SPD-Genossen heute am liebsten verdrängen würden.

    Allein das ist der Grund für die sog. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, jetzt einen Mindestlohn zu fordern. Aber die, die die SPD an den Rand der Existenz und des Ruins gebracht hat, werden diesem aufgeblasenen Getue auch nicht mehr glauben.

  4. Zunächst setzt sich Frau Niejahr mit den verschieden, ich möchte sagen invlationären Begriffen von Gerechtigkeit auseinander. Sie geht nur bedingt darauf ein, dass es eine Reihe von " Begriffs-Designer " in Berlin und anderswo gibt. In der Hauptsache bestehen diese Worthülsen aus Umdeutungen von Sachverhalten, die Interessenverbände jedweder Art erfinden. Da Frau Niejahr ja nun Gast in diversen der INSM nahestehenden Zirkeln war und ist, versucht sie aus meiner Sicht einen Spagat zwischen diesen Gruppierungen, um es möglichst viel recht zu machen. Heraus kam, mit Verlaub, ein Sammelsurium verschiedener Begriffe, die mehr oder weniger gedankenlos nachgesprochen werden, ohne jegliche Reflexion. Um ein Beispiel zu nennen: Ist es gerecht, wenn Leiharbeiter bis zu 30 % weniger bei gleicher Arbeit in einem Unternehmen verdienen, als ihre Kollegen? Ist es gerecht, wenn Firmenmodelle darauf basieren, durch Dumping-Löhne gezahlt werden und die Steuerzahler für die Dumping-Lohnempfänger die Aufstockung bezahlen müssen?. Im Klartext bedeutet es doch, dass der Staat den Profit für die Unternehmen zahlt. Das ist doch pervers.Gekonntert wird mit dem Scheinargument, dass dies mit der Globalisierung zusammenhänge. Das ist reiner Blödsinn. PIN oder Fleischer-Konzerne o.ä. haben mit weltweitem Wettbewerb nichts zu tun! Sie haben damit zu tun, dass es jeder Anbieter immer billiger können muß, als sein Mitbewerber. Diesen Trend musste jeder Marktteilnehmer schon vor vielen Jahren erkennen. Und da sind noch hunderte von Unternehmen, die die Gesetze in geradezu sittenwidriger Weise unterlaufen, und Deutschland ins neunzehnte Jahrhundert zurück katapultieren wollen.Und es ist die inzwischen an Dreistigkeit kaum noch zu überbietende Lobby, welche die Demokratie in unserem Land gefährdet, weil sie bei der Regierung mit am Tisch sitzt, und die Gesetze nach ihrem Guste beeinflußt, ja zum Teil noch selbst formuliert.Die in den letzten Tagen mit großer Heftigkeit angefachte Debatte über die Riester-Rente mag ein weiteres Beispiel hierfür sein.Insofern sehe ich den Kommentar von Frau Niejahr als Einladung zu einem Diskurs an, möglichst ein breites Spektrum von Meinungsbildern zu erzeugen.Solitaire

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