Kriminalität Angst vor der Jugend Der populistische Ruf nach »Erziehungscamps« offenbart die autoritären Sehnsüchte einer verunsicherten Gesellschaft
Der populistische Ruf nach "Erziehungscamps" offenbart die autoritären Sehnsüchte einer verunsicherten Gesellschaft
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Nun also auch in Frankfurt am Main, einer Stadt, der seit Langem eine CDU-Oberbürgermeisterin vorsteht und die in jenem Bundesland liegt, das seit acht Jahren von Roland Koch regiert wird: Am vergangenen Wochenende, spät in der Nacht, griff eine Meute randalierender junger Männer auf einem U-Bahnhof einen Zugführer an, der einen schwankenden Jugendlichen auffangen wollte – eine hilfreiche Geste, die von den anderen als Angriff gedeutet wurde. Die Meute konnte nur durch eine schnell herbeigerufene Polizeistreife davon abgehalten werden, auf den am Boden liegenden Mann einzutreten. Die Täter, die gemäß der Strafprozessordnung nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt wurden – es bestanden keine Anhaltspunkte für Fluchtgefahr oder Beweisunterdrückung –, waren Sprösslinge von Einwandererfamilien, die in einem Frankfurter Armutsviertel leben.
U- und S-Bahnen sind eine restringierte Öffentlichkeit eigener Art. Anders als im klaustrophoben, aber klar begrenzten Zeit-Raum von Aufzügen sind hier Fremde gezwungen, längere Zeit kommunikationslos miteinander zu verbringen, ein Minimum an Verhaltensregeln einzuhalten und sich als Personen zu präsentieren, die zwar anwesend, aber nicht ansprechbar sind. Dem entspricht nicht nur das ostentative Lesen von Zeitungen, sondern zunehmend die trotzig demonstrierte akustische Isolation: Jungen und Mädchen, die mit leerem Blick auf das Display ihrer Mobiltelefone oder MP3-Player stieren; die leere Zeit der Fahrt lässt sich für die Neuorganisation persönlicher Datenmengen nutzen.
Dem Binnenraum der Waggons korrespondieren unterirdische, schwach und kalt beleuchtete Passagen, Rolltreppen und Bahnsteige, deren Belebtheit tageszeitlichen Rhythmen folgt. Vor und nach dem Berufsverkehr nimmt die Frequenz der Nutzer ab. In den Stunden des frühen Morgens und der späten Nacht entfällt der Schutz dichter Menschentrauben, und die Verlorenheit der wenigen Fahrgäste nimmt objektiv und subjektiv zu – allen Alarmknöpfen zum Trotz.
Die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Albtraum der Schwachen und Minderbemittelten – gerade so, wie abendliche Parkhäuser der realistische Nachtmahr all jener sind, die wohlhabend und geschickt genug sind, über ein eigenes Automobil zu verfügen. Tatsächlich geht es beim jetzt beginnenden Dauerwahlkampf vor allem um die U- und S-Bahn-Nutzer: um solche, die eines Mindestlohns bedürfen und als mögliche Opfer von – objektiv höchst unwahrscheinlichen – Gewaltverbrechen besonders exponiert sind.
Der hessische Ministerpräsident Koch hat im Unterschied zu seinen Kollegen aus Hamburg und Niedersachsen klar erkannt, dass er sich eine neue Mehrheit weder unter den abhängig Beschäftigten noch unter dem mit der hessischen Bildungs- und Umweltpolitik höchst unzufriedenen Bürgertum beschaffen kann. Der mit dem Thema Jugendkriminalität eröffnete Wahlkampf ist daher auch – anders als es die CDU sonst so liebt – kein »Kampf um die Mitte«, sondern ein Kampf um die Stimmen der Unterschicht. Es geht um nichts anderes, als dieses Wählerpotenzial dort bei seiner Angst zu packen, wo es die andere Volkspartei, die SPD, auf seine verbliebenen Hoffnungen ansprechen will.
- Datum 23.09.2009 - 16:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.01.2008 Nr. 03
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"Die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Albtraum der Schwachen und Minderbemittelten" na klar, schließlich ist der Nutzer schienenbefahrenden Öffentlichen Personennahverkehrs der Unterschichtler schlechthin, da gibt's gar keine Frage Herr Brumlik...
"Die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Albtraum der Schwachen und Minderbemittelten ..Tatsächlich geht es beim jetzt beginnenden Dauerwahlkampf vor allem um die U- und S-Bahn-Nutzer: um solche, die eines Mindestlohns bedürfen.... "
Das ist die dollste Unterschichtendefinition von der ich je gehört habe.
Ansonsten zielt Kochs Strategie natürlich auf das Klientel der SPD und Linkspartei und nicht auf ein paar versprengte Rechtsaussen.
Herr Brumlik schreibt in seiner Eigenschaft als Erziehungswissenschaftler über die Jugendgewalt in Deutschland und reduziert diese dennoch auf das Klischee der gewalttätigen "ausländischen Jugendlichen". Das passt zu der derzeit geführten Diskussion, in der mehr pauschaliert wird, als über realistisch zu erwägende Lösungsmöglichkeiten. Ich habe mich bereits in einem Forumsbeitrag zu Wort gemeldet, in dem ich mich als Straftäter in meiner Jugendzeit vorgestellt habe. Ich war also einer von den Jugendlichen und mich hat dieses Thema nicht losgelassen, auch wenn ich heute in einem bürgerlichen Mileu lebe. Ist es Polemik oder verfällt Herr Brumlik in den Stil der "Bild"-Zeitung wenn er Zitat " die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Alptraum der Schwachen und Minderbemittelten" schreibt. Das ist Schlagzeile. KritikerInnen können mich jetzt ermahnen und an die öffentlich gemachten Vorfälle der jüngsten Zeit erinnern. Ich möchte betonen, das ich selbstverständlich die Gewalttaten verurteile. Bedenken sollten wir aber, das in den meisten Fällen Gewalttaten von/unter Jugendlichen nicht geplant sind sondern aus spontanen, häufig nichtigen Anlass entstehen. Ich stimme Herrn Brumlik zu, wenn dieser erwähnt, das mit dem Begriff Erziehungscamp wenig beschrieben aber viel assoziiert werden kann. Insofern behaupte ich, das vor allem unsere PolitikerInnen nicht wisssen, wovon sie überhaupt reden. Kein vernünftiger Mensch würde jedoch auf die Idee kommen, Erziehungslager für Jugendliche mit den Konzentrationslagern der Nazis in Verbindung zu setzten. Warum es Herrn Brumlik trotzdem wichtig erscheint, soll er mir einmal erklären. "Warnschussarreste" gab es auch zu meiner Zeit als Jugendlicher in den ´60er/70er Jahren. Wie Herr Brumlik auf die Behauptung kommt, diese greife nur bei bisher nicht deliquent gewordenen Jugendlichen aus den bürgerlichen Elternhäusern... Da scheint Herr Brumlik wohl eher seine Theorie als Erziehungswissenschaftler wiederzugeben als die Realität es gegenteilig wiederspiegelt. Warnschussarreste sind kein"Priveleg" der sog.. bürgerlichen Jugend, sondern entfalten ihre Wirkung auch auf Jugendliche anderer Gesellschaftsschichten. In diesem Zusammenhang möchte ich Herrn Brumlik bitten, seine Vokabel "Unterschicht" aus seinem Wörterbuch zu streichen.
Herr Brumlik versucht am Beispiel der "Bild"-Zeitung den Einfluss der Medien auf die Stimmungslage der Bevölkerung zu beschreiben. Das die Journalisten und verantwortlichen Redakteure der "Bild"-Zeitung sich in den letzten Wochen mit der Berichterstattung über Jugendkriminalität als Demagogen gegenseitig übertreffen, ist für jeden Bürger mit gesundem Menschenverstand ersichtlich. Das es vornehmlich darum geht Angst zu erzeugen und die Bürger für schärfere Gesetzte willig zu machen, liegt auf der Hand. Angst ist ein gern gesehener Gast, um die Bürger gefügig zu machen. Herr Brumlik überschätzt jedoch den Einfluss der "Bild"-Zeitung, wenn er behauptet, diese würde die "kollektive Befindlichkeit der Deutschen wieder geben". Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Ebenso die Behauptung, es habe eine breite Zustimmung für "Deutschlands mutigsten Staatsanwalt/Internatsleiter" gegeben. Die Äußerungen der zitierten Herren geben deren subjektive Meinung wieder, verkürzt auf das , was die Redakteure der "Bild"-Zeiutng hören möchten um ihre Demagogie fortsetzen zu können.
Die merkwürdige Interpretation von Herrn Brumlik, das Münchener Opfer sehe sich als Christ von einem Muslim gedemütigt kann nur von jemandem stammen, der sein Elfenbeinturm seit Jahren nicht verlassen hat.
Insgesamt hat mich der Artikel mehr irritiert, als das Herr Brumlik zur sachlichen Erläuterung des Umgangs mit Jugendgewalt beiträgt. Die Reduktion auf "ausländische Jugendliche" spiegelt nicht die Realität über Jugendkriminalität in Deutschland wieder. Die vielen positiven Beispiele vieler Foristen in den "Zeit"-Foren über Umgang und Lösungen mit straffällig gewordenen Jugendlichen beweisen, das wir keine sog. "Experten" benötigen, die wie das Orakel von Delphi befragt werden. Wir brauchen keine Angst vor der Jugend zu haben. Ich halte die meisten Bürger unseres Landes für so aufgeklärt , das sie jeglichen Ansatz eines autoritären Staates mit aller Macht zu verhindern wissen.
Zwei Vorfälle haben in den letzten Wochen dafür gesorgt, dass sich das politische Klima hier in Deutschland gewaltig verändert hat. Einmal den brutalen Überfall auf einen 76-Jährigen Rentner in einer Münchner U-Bahn und zum anderen die Sendung "hart aber fair" mit Frank Plasberg. Selten wurde so heftig und emotionalgelanden debattiert, wie in den letzten Tagen. Gleich haben sich zwei politischen Lager gebildet - die eine Seite, die nichts verändern möchte (SPD und Die Grünen) und das andere Lager - angeführt von den Unions-Parteien und anderen rechten Gruppen. Die Partei "DIE Linke" hält sich bewusst aus der Debatte heraus, weil Ihre Ost-DEUTSCHEN-Wähler nicht vergraulen möchte. Denn auch da stehen demnähst Wahlen an.Auch Günter Grass (mit seinem Kochbuch" Beim Häuten der Zwiebel") und Alt-Kanzler Gerhard Schröder (Aufsichtsratvorsitzender bei Gazprom, der zurzeit Langeweile hat)) mischen sich munter in die Debatte ein. Sie sprechen von Demagogen und Hetzer und anderem Gedöns. Die Deutschen Bürger hingegen möchten vor Gewalt im Alltag geschütz werden, ob von einheimiscvhen oder von Auländer und erwarten von der Politik Taten und keine Endlos- Diskusionen. So einfach kann das sein!In Italien gibt es seitdem letzten Jahr ein Dekret von Regierungschef Prodi (SPD) woraus hervorgeht, das bei schweren Straftaten auch EU-Bürger ausgewiesen werden können. In Italien sind den letzten Jahren 73 Italiener durch Mord-Straftaten vonn Ausländer umslebengekommen!
Was es denn für einen Unterschied macht, ob ein Mord von einem Ausländer begangen wird oder nicht, ist wohl überflüssig zu fragen. Diese Jugendlichen wurden hier geboren oder zumindest erzogen. Versteht sich diese Gesellschaft also als fortschrittlich, hätte sie auch ohne weiteres das Potential, Jugendlichen andere Perspektiven zu eröffnen, und sei es mit Kritik. Dass Kriminelle stets noch auf ihre Herkunft belangt werden, ist eine rassistische Praxis. Ein Deutscher mit "Migrationshintergrund" hat das gleiche Recht, nach einem Verbrechen ins Gefängnis zu wandern, wie ein Deutscher mit "Ariernachweis". Wer da "Abschiebung" fordert ist von der NPD nicht zu unterscheiden, weil er inhaltlich schon deren Alltagsrassismus und den Wunsch nach der reinrassigen Volksgemeinschaft unterschrieben hat. Abgesehen davon hat Deutschland schon eine beschämende, zynische und rassistische Abschiebepraxis etabliert, bei der jetzt schon völlig unbescholtene und "integrierte" Ausländer abgeschoben werden. http://myblog.de/nichtide...
Sehr geehrter Herr Brumlikmit Spannung las ich ihren Artikel über Jugendgewalt - leider muss ich
sagen, dass ich tief enttäuscht über den unsachlichen und vor allem
unreflektierten und populistischen Inhalt ihres Artikels bin.
Gehen sie doch letztendlich sogar soweit, dass sie sich sogar in Widersprüche
verstricken.Doch lassen sie uns erst einmal Schritt für Schritt durch ihren Artikel
gehen:"Allerdings dürfte durch die
intensive öffentliche Debatte inzwischen klar geworden sein, dass aus
fachlicher, aus sozialpädagogischer, kriminologischer oder rechtspolitischer
Sicht nichts, aber auch gar nichts für den von der CDU beschlossenen
Forderungskatalog von »Warnschussarrest«, längeren Haftstrafen, erleichterter
Abschiebung sogar hierzulande geborener Personen und sogenannten
Erziehungscamps spricht."Das ist sehr schön gesagt - aber eigentlich doch peinlich, wie sie die
Zeitungsleser verarschen wollen, finden sie nicht? Oder ist ihnen nicht
bekannt, dass diese "Einheitlichkeit", die sie hier suggerieren nicht
existiert (und nebenher sogar Gott sei dank nicht existiert, wäre es doch der
Tot der Wissenschaft)?
Sie haben Recht, wenn sie sagen würden, dass in Europa zumindest die Mehrheit
der Wissenschaftler momentan die Forderungen dieses Katalogs ablehnt - wobei
darauf hinzuweisen wäre, dass dies weder weltweit alle Wissenschaftler tun,
noch etwas ist, dass nicht massiv durch einen politischen Diskurs bedingt ist,
der entsprechend auf Wissenschaftliche Diskurse zurückgreift - gerade hier in
den „Soft“-Wissenschaften wie Soziologie etc... und auch
Erziehungswissenschaften. Bedingungen der entsprechenden Sichtweisen sind eben
Menschenbilder, also: was ist der Mensch, was kann er, wodurch wird er
beeinflusst etc... Ihre Antworten basieren auf eine ganz bestimmten, politisch
als links verordneten, Komklumerat von Ansichten, die man am Besten wohl unter
dem Schlagwort "Sein bestimmt Bewusstsein" zusammenfasst. Ihre
Akzentuierungen gegen darum auch primär auf harte soziale Faktoren wie
Einkommen, Arbeit usw... - und dafür vernachlässigen sie kulturelle Faktoren
wie bestimmte Bildungsaspekte, Religionen, Wertekanons, Menschenbilderetc...
Diese führen nur, wenn sie überhaupt erwähnt werden, ein merkwürdiges
Schattendasein. Ausser selbstverständlich da, wo es ihnen für ihre
Argumentation wichtig ist – z. b. innerhalb ihrer sozio-tiefenanalytischen
Versuche.
Die ganze Problematik wie auch der Wahlkampf sind für sie nur ein
Unterschichtenthematik - "waren Sprösslinge von Einwandererfamilien,
die in einem Frankfurter Armutsviertel leben." versus "Der mit dem
Thema Jugendkriminalität eröffnete Wahlkampf ist daher auch – anders als es die
CDU sonst so liebt – kein »Kampf um die Mitte«, sondern ein Kampf um die
Stimmen der Unterschicht."Koch äußert kein Problem (populistisch, da er mit zur Entstehung des
Problems 8 Jahre beigetragen hat), sondern er schürt Ängste - als ob diese
Ängste keine Verweisstrukturen auf Probleme wären. Die "SPD [will die Unterschicht], auf seine verbliebenen Hoffnungen"
ansprechen - schon klar, Herr Prof. – profunde, neutrale Wissenschaft, und kein
Wahlkampfpopulismus, was?Das sie eindeutig Pro-SPD sind und dies hinter einen
pseudo-wissenschaftlichen Mäntelchen verbergen wollen, wird spätestens dann
klar, wenn sie ihre Gewährtsleute benennen:
"In dem Maße, wie die ernst zu
nehmende kriminologische, sozialpädagogische und juristische Zunft von
exzellenten Wissenschaftlern wie den Kriminologen Christian Pfeiffer und
Joachim Kersten sowie dem Psychologen Michael Hock bis zu Anwaltsvereinen und
dem deutschen Richterbund die CDU-Vorschläge begründet zurückweist,..."
Z. B. Pfeiffer - ist der nicht auch Politiker, ist der nicht auch Mitglied
einer Partei, für die er sogar einmal Justizminister war? Das sollte im
Wissenschaftlichen bereich keine Rolle spielen - tut es aber spätestens dann,
wenn bestimmte Menschenbilder relevant werden bzl. dem Erstellen und der
Auslegung von Evaluationen. Pfeiffer selbst ist gerade bei dieser Diskussion
hoch umstritten. Was wirklich das Problem ist, ist dass eine politische
Strömung innerhalb Europas seit ein paar Jahren die uneingeschränkte
Deutungshoheit hat und diese nun mal unter "Links" subsumiert wird.
Leider ist gerade diese Strömung - die hierzulande durch weite Teile der SPD,
der Grünen, LINKEN/PDS und auch des linken Flügels der CDU/CSU vertreten wird,
verursachend für massive Probleme und deren Verdrängung in Europa und, wenn bei
uns auch bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Frankreich, England, Belgien,
Niederlande, Schweden usw..., auch hier entsprechende Erscheinungen wie die
Prozentuale hohe Beteiligung an schwerer Jugendgewalt gerade von Migrantenkindern
eben nicht primär als ein soziales-bildungsmäßiges Problem zu fassen sind, sondern
als ein kulturell-religiöses - nämlich aus dem muslimischen Milieu.
Gerade das leugnen sie aber, wenn sie schreiben:
"Nicht als Deutscher, der von »Ausländern«, sondern als Christ, der von
einem Muslim gedemütigt wurde. Hier schließt sich ein Kreis, der von den
Gegnern von Moscheebauten in Köln und Frankfurt zu Internetseiten wie Deus
vult oder Politically Incorrect über feinsinnige Positionspapiere
der Kirchen zur gutnachbarschaftlichen Abgrenzung von Christentum und Islam bis
zu Roland Kochs Tiraden über in Deutschland unübliche »Hausschlachtungen« reicht."
Es ist auch ein religiös-weltanschauliches Problem - sogar primär. Denn Erklärungsmodell
der Milieus, die durchaus oft Unterschichtenmilieus ja AUCH sind, kommen gerade
aus den Kulturell-religiösen Bereich, mit denen Übergriffe gerechtfertigt
werden - das Westen in Gestalt der Deutschen Ungläubigen, die Werte und
Sittenlos gleich Gottlos verursachend in ihren Rassismus für das
Unterschichtensein dieser Menschen ist in ihren Augen, genauso wie der Westen
am Elend der arabischen Welt schuld ist. das Elend in Palästina wird
vermischt mit dem eigenen Unzulänglich sein und muss herhalten als moralische
Begründung für die prinzipielle eigene Überlegenheit, die verweigert wird eben
aufgrund dieser Verderbtheit des Westens.
Arbeitslosigkeit, Bildungslosigkeit usw... korrelieren hier in diesen
Kommunikationskreisen mit religiös-kulturell Überlegenheits- bzw. „Andersartigkeits“-ansprüchen
und der Sichtweise des eigenen Opferseins.
Sie als Repräsentant dieses dies mitbedingenden Täterrolle, sind es deshalb,
weil sie eben die Ursachen nicht ansprechen sondern sie nur in einem Äußeren
wie eben Bildungsferne und sozialer Unterschicht finden - die Deutschen sind
daran schuld, dass ein entsprechender muslimischer Jugendlicher keinen Schulabschluss,
keine Arbeit und keine Anerkennung findet (und nicht, dass seine Eltern erst
gar nicht im Deutsch beibringen, dass der von ihnen vermittelte Wertekanon
Bildung gering schätzt, das kulturelle/religiöse Sitten und Verhaltensweisen
teilweise einfach nicht kompatibel sind mit den deutschen Gegenstücken).Sie haben sowieso eine sehr merkwürdige Einstellung:
Die Mehrheitsgesellschaft, die Deutschen - ein Patient , der auf dem Sofa
liegt, und der
Psychioanalyst Brumlik, Professor für Erziehungswissenschaften, der nun einmal
im Unterbewusstsein der "Volksseele" herumstochert und das Verdrängte
hervorholt.Ihnen selbst scheint noch nicht einmal die Absurdität aufzufallen die darin
liegt, dass sie, der sie ja selbst Teil dieses "Patienten" sind, nun
quasi aus dem Patientenkörper heraustritt in den Raum der Unbestimmtheit und
basierend auf nicht von der Gesellschaft vermittelten Werten das
sachlich-neutrale Urteil bildet.
Den einzigen, den sie hier „psychoanalysieren“ sind sie sich selbst. Sie
liefern hier kein wissenschaftlich-neutrale Beschreibung, sondern nur eine Beschreibung
der eigenen Wertigkeit und Empfindlichkeit als Teil des zu beschreibenden
Systems.
In „Camps“ - die Assoziationskette zu KZs aufzubauen, die sie formal Ablehnung
und dann doch aufbauen, indem sie auf den "rechtsfreien Raum",
auf die "In den Appellen an
Härte, Strenge und Autorität, in der Beschwörung des Lagers, nein, des »Camps«
mit all seinen männerbündisch-kameradschaftlichen sowie menschenfeindlichen
Aspekten..." sprechen sie unmittelbar die Ursachen für KZs an - denn
dieses schaffen von solchen Räumen, männerbündlerischen Autoritätsstrukturen
waren ein wesentliches Merkmal der NS-Ideologie. Aber ganz bestimmte
Erscheinungsformen davon – und nicht jede wie sie hier suggerieren.
"Härte, Strenge und Autorität"
sind ebenfalls nicht negativ nur, sondern auch positiv - nämlich als ein Ruf
nach Strukturierung, Ordnung - und dies sind nun mal per definitio
Wesensmerkmale von Gesellschaft und Kultur.
Beides, Strukturmerkmale als auch entsprechende Freiräume, bilden ein
Spannungsverhältnis, dass Bedingung der Möglichkeit von Entwicklung darstellt -
jedes aber in seiner Einseitigkeit ist letztendlich tödlich für jede
Gesellschaft.
Von daher ist der Ruf nach Ordnung, nach, wie sie es kakophonisch aus ihrer
linksideologischen Sichtweise ausdrückten "Autorität" (Autorität ist
Hierarchisierung und diese ist wiederum ein Ordnungsmerkmal - eines, dass in
allen möglichen Bereichen immer auch (!) da ist), auch ein Ruf nach einer
relativen Zunahme von Ordnung - hier speziell, nach EIN-Ordnung in das
gesellschaftliche Gefüge der Verbindlichkeiten.Damit sind wir auch bei einem weiteren Widerspruch ihrer Sichtweise:
Einerseits sehen sie keinen Zusammenhang zwischen kulturellen und religiösen
Diskursen in diesen "Unterschichten", die nicht nur für das Elend
dieser Schichten verantwortlich wären, sondern auch nicht für die Taten dieser
Täter (in ihrem Begründungszusammenhang), andererseits behaupten sie sehr wohl
, dass es eine Art "Volksseele" gäbe. Diese ist etwas, das zumindest
ein "Unterbewusstsein" hat, welches sie zumindest soweit meinen
ergründen zu können, dass sie diese ihrer Aussage für eine sinnvolle Aussage
halten:
"...auf einen Resonanzboden unbewusster Verarbeitung eines
gesellschaftlichen Unbehagens, ..."Hausschlachtungen, Importbräute, Islam usw... haben sehr wohl etwas mit
jugendlichen Straftäter die aus diesen Kommunikationskreisen stammen zu tun -
dies selbst dann, wenn kein einziger dieser "Jungs" auch nur das
geringste inhaltlich aus dieser Religion weis - denn es stellt einen Wert dar,
an dem man eine Distinktion vollziehen kann, bei der man sich selbst etwas
positives zuschreiben kann - und genau das passiert bei einer hinreichend
großen Anzahl dieser Jugendlichen.
Darum ist auch der Migrantionshintergrund wichtig zu erwähnen - eben weil hier
Ursachen für Verhalten liegen – aber eben nicht alleine nur und nicht auf alle
zutreffend, die sich so verhalten, es ist ja keine einfache
Gleichheitsrechnung."Der Schlaf der Vernunft, ..., gebiert Ungeheuer. Der Ruf
zur »Ausschaffung« von Gewalttätern wird diese Ungeheuer nicht bannen, sondern
nur wachsen lassen."Ja, stimmt - und damit ist wirklich das "Ausschaffen" keine Problemlösung,
sondern nur ein Minimieren einiger Folgen - indem jem. wie Serkan ausgewiesen
wird, beseitigt man ja nicht die Ursachen, die zu Serkan geführt haben, sondern
verhindert nur, dass Serkan hierzulande noch mal so eine Straftat begeht."Die Grundprobleme der Weltgesellschaft, die sich auch auf
deutschem Territorium zeigen, lassen sich nicht exportieren."Genau - also ist es in ihrer Sicht dann richtig, dass wir Sekran aushalten
und als das nehmen, was er aus dieser Sichtweise ist - nämlich als ein
lebendiger Ausdruck dieses Grundproblems? Einer, der die Folgen dieses Grundproblems
uns immer wieder vor Augen führt und wir darum dieses Grundproblem möglichst
schnell und gründlich lösen sollen, anstatt es zu verschleppen, indem wir die schlimmsten
Auswüchse dieses Grundproblems des Landes verweisen. Verstehe ich sie da
richtig?
Serkans zukünftige Straftaten als "Mahnmassnahmen" an die
Gesellschaft das Problem zu lösen - sie haben ein extrem hohes Vertrauen in die
menschlich-gesellschaftliche Vernunft - alle Achtung!
Aber dieses Grundproblem müssen wir wirklich lösen, dass stimmt - wir müssen
den religiös-kulturellen Hintergrund beseitigen als Ursache für Distinktion und
Identität für eine Parallelgesellschaft, da haben sie völlig Recht - nur glaube
ich nicht, dass dies dadurch geht indem wir da mehr Geld in
Arbeitsbeschaffungsmassnahmen stecken und weiterhin die Träger dieses Grundproblems
als Opfer bezeichnen, die ein Recht auf "Andersartigkeit" haben in
den momentanen Formen - das ist ja nichts weiter als Bestätigung und Verstärkung
des Grundproblems.MFG
Zagreus(P. S.: Diese Bilderdeutung lassen wir mal besser, welche sie da bei
"Bild" vorgenommen haben - sonst müssten wir ja auch Teilen der
Zeitredaktion eine bolschewistische Gesinnung - ausgedrückt am Lenin-Bild des
Herrn Jessens - mit dem selben Recht unterstellen.)
Ich muss dem Autor leider in fast allen Punkten zustimmen, und das Dumme ist, dass man damit auch noch Wahlen gewinnt. Nur das mit den U-Bahnen sollte Herr Bumlik sich noch einmal ueberlegen.
Der Artikel ist der typische Reflex eines verunsicherten, in die Jahre gekommenen Alt-68ers, dessen Ideologie den Unterschichtimport jahrzehntelang forcierte.Es hat hier niemand "Angst vor der Jugend". Es gibt auch keine "autoritären Sehnsüchte". Die Deutschen haben einfach absolut keinen Bock mehr, in Bahnen, auf Straßen, in Badeanstalten, Parks und sonstwo in den Städten von einer Meute von Kriminellen angegriffen, ausgeraubt und zusammengeschlagen zu werden.Die Zeit, in der wieder und wieder um Erziehungskonzepte, Sozialkompetenz usw. palavert wird nähert sich einem Ende. Die Forderung der Bürger ist denkbar einfach. Der Staat möge seine ureigenste Aufgabe wahrnehmen: die Sicherung des Gewaltmonopols.
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