Kriminalität

Angst vor der Jugend

Der populistische Ruf nach »Erziehungscamps« offenbart die autoritären Sehnsüchte einer verunsicherten Gesellschaft

Der populistische Ruf nach "Erziehungscamps" offenbart die autoritären Sehnsüchte einer verunsicherten Gesellschaft

Nun also auch in Frankfurt am Main, einer Stadt, der seit Langem eine CDU-Oberbürgermeisterin vorsteht und die in jenem Bundesland liegt, das seit acht Jahren von Roland Koch regiert wird: Am vergangenen Wochenende, spät in der Nacht, griff eine Meute randalierender junger Männer auf einem U-Bahnhof einen Zugführer an, der einen schwankenden Jugendlichen auffangen wollte – eine hilfreiche Geste, die von den anderen als Angriff gedeutet wurde. Die Meute konnte nur durch eine schnell herbeigerufene Polizeistreife davon abgehalten werden, auf den am Boden liegenden Mann einzutreten. Die Täter, die gemäß der Strafprozessordnung nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt wurden – es bestanden keine Anhaltspunkte für Fluchtgefahr oder Beweisunterdrückung –, waren Sprösslinge von Einwandererfamilien, die in einem Frankfurter Armutsviertel leben.

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U- und S-Bahnen sind eine restringierte Öffentlichkeit eigener Art. Anders als im klaustrophoben, aber klar begrenzten Zeit-Raum von Aufzügen sind hier Fremde gezwungen, längere Zeit kommunikationslos miteinander zu verbringen, ein Minimum an Verhaltensregeln einzuhalten und sich als Personen zu präsentieren, die zwar anwesend, aber nicht ansprechbar sind. Dem entspricht nicht nur das ostentative Lesen von Zeitungen, sondern zunehmend die trotzig demonstrierte akustische Isolation: Jungen und Mädchen, die mit leerem Blick auf das Display ihrer Mobiltelefone oder MP3-Player stieren; die leere Zeit der Fahrt lässt sich für die Neuorganisation persönlicher Datenmengen nutzen.

Dem Binnenraum der Waggons korrespondieren unterirdische, schwach und kalt beleuchtete Passagen, Rolltreppen und Bahnsteige, deren Belebtheit tageszeitlichen Rhythmen folgt. Vor und nach dem Berufsverkehr nimmt die Frequenz der Nutzer ab. In den Stunden des frühen Morgens und der späten Nacht entfällt der Schutz dichter Menschentrauben, und die Verlorenheit der wenigen Fahrgäste nimmt objektiv und subjektiv zu – allen Alarmknöpfen zum Trotz.

Die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Albtraum der Schwachen und Minderbemittelten – gerade so, wie abendliche Parkhäuser der realistische Nachtmahr all jener sind, die wohlhabend und geschickt genug sind, über ein eigenes Automobil zu verfügen. Tatsächlich geht es beim jetzt beginnenden Dauerwahlkampf vor allem um die U- und S-Bahn-Nutzer: um solche, die eines Mindestlohns bedürfen und als mögliche Opfer von – objektiv höchst unwahrscheinlichen – Gewaltverbrechen besonders exponiert sind.

Der hessische Ministerpräsident Koch hat im Unterschied zu seinen Kollegen aus Hamburg und Niedersachsen klar erkannt, dass er sich eine neue Mehrheit weder unter den abhängig Beschäftigten noch unter dem mit der hessischen Bildungs- und Umweltpolitik höchst unzufriedenen Bürgertum beschaffen kann. Der mit dem Thema Jugendkriminalität eröffnete Wahlkampf ist daher auch – anders als es die CDU sonst so liebt – kein »Kampf um die Mitte«, sondern ein Kampf um die Stimmen der Unterschicht. Es geht um nichts anderes, als dieses Wählerpotenzial dort bei seiner Angst zu packen, wo es die andere Volkspartei, die SPD, auf seine verbliebenen Hoffnungen ansprechen will.

Allerdings dürfte durch die intensive öffentliche Debatte inzwischen klar geworden sein, dass aus fachlicher, aus sozialpädagogischer, kriminologischer oder rechtspolitischer Sicht nichts, aber auch gar nichts für den von der CDU beschlossenen Forderungskatalog von »Warnschussarrest«, längeren Haftstrafen, erleichterter Abschiebung sogar hierzulande geborener Personen und sogenannten Erziehungscamps spricht.

Der Warnschussarrest – im angelsächsischen Bereich ist vom short sharp shock die Rede – greift nur bei bisher nicht delinquent gewordenen Jugendlichen aus bürgerlichen Elternhäusern. Längere Haftstrafen werden bereits seit etwa zehn Jahren bis zum Überquellen der Jugendhaftanstalten verhängt, die Rückfallquoten liegen – nicht trotz, sondern wegen dieser Praxis – bei 71 Prozent. Es war die niedersächsische Justizministerin Heister-Neumann (CDU), die zu Recht festgestellt hat, dass »unsere Jugendanstalten in ihrer modernen Form … doch Erziehungscamps« sind. Und was die »erleichterte Abschiebung« betrifft: Sie wird sich schon allein aus europarechtlichen Gründen und aufgrund entsprechender Vorschriften der Menschenrechtskonvention auch dann nicht umsetzen lassen, wenn man es für moralisch vertretbar hält, junge Menschen, die ihre kriminelle Sozialisation ausschließlich hierzulande durchlaufen haben, auszuweisen (die Schweiz kennt für diesen Vorgang den treffenden Ausdruck »Ausschaffung«).

Der Wahlkampf Roland Kochs und Angela Merkels beruht auf fachlich unausgewiesenen Rezepten, aus untauglichen Verschärfungen, aus hohlen und nicht haltbaren rechtspolitischen Verheißungen sowie einem massiven Etikettenschwindel. Koch und Merkel tun so, als seien »Erziehungscamps« etwas grundsätzlich anderes als lediglich ein weiteres Konzept zur Ausgestaltung des Jugendstrafvollzugs beziehungsweise zur Anreicherung der breiten Palette jugendstrafrechtlich-pädagogischer Angebote.

Und dennoch wird an ebendiesem Etikettenschwindel eine tiefer liegende Problematik sichtbar. Der Assoziationshof des Begriffs »Erziehungscamp«, das von der Sache her nicht mehr sein kann als eine andere Form des Jugendstrafvollzugs, ist ausgesprochen weiträumig. Zu Deutsch heißt camp ja nichts anderes als »Lager«. Der Assoziationshof des Begriffs reicht vom »Ferien-« über das sportliche »Trainings« bis hin zum »Arbeits-« oder »Konzentrationslager«. Lager sind – wie der Philosoph Giorgio Agamben gezeigt hat – eingegrenzte Räume des Ausschlusses, Zonen, die zwar durch das Recht konstituiert, aber in ihrem Inneren dem Recht nicht unterworfen sind. Damit kein Missverständnis entsteht: Es geht nicht darum, irgendjemandem vorzuwerfen, er wolle Jugend-KZs, die es in der NS-Zeit tatsächlich gab, einrichten. Wohl aber geht es darum, zu zeigen, welche sonst zensierten Ordnungswünsche mit derlei Begriffen provoziert werden können.

Dass bei Kochs Kampagne ein kulturalistisch verbrämter Rassismus im Spiel ist, hatte sich schon bei ihrem Auftakt gezeigt – in seinen polemischen Garnierungen, vor allem seiner Kritik an gewissen »hierzulande nicht üblichen Formen der Müllentsorgung« oder seinen Bemerkungen zur »Hausschlachtung«, die mit dem Thema Sicherheit in der U-Bahn nicht das Mindeste zu tun haben.

Ein näherer Blick auf Kochs Semantik und den ursprünglichen Münchner Fall fördert zutage, dass es nicht nur um eine Mobilisierung von Angst, sondern auch um die Sehnsucht nach Unterwerfung geht. Um diese Sehnsucht besser zu verstehen, sei ein Blick auf die Bild- Zeitung geworfen.

Man kann dieses Blatt als Kampfblatt populistischer und konservativer Strömungen analysieren und bekämpfen. Doch womöglich ist die Bild- Zeitung mehr und anderes: Vielleicht ist sie in ihren vielstimmigen Einlassungen vor allem eine Projektionsfläche des kollektiven Unbewussten – also im wahrsten Sinne des Wortes ein Medium, in dem sich jene Emotionen, die in der seriösen Publizistik der Zensur einer verantwortungsethisch orientierten Berichterstattung unterliegen, ungehemmt artikulieren. Wenn das der Fall ist, lässt sich aus der Bild- Zeitung mehr über die kollektive Befindlichkeit der Deutschen erfahren als aus methodisch gesicherten Meinungsumfragen.

Ist es nicht paradox? In dem Maße, wie die ernst zu nehmende kriminologische, sozialpädagogische und juristische Zunft von exzellenten Wissenschaftlern wie den Kriminologen Christian Pfeiffer und Joachim Kersten sowie dem Psychologen Michael Hock bis zu Anwaltsvereinen und dem deutschen Richterbund die CDU-Vorschläge begründet zurückweist, verstärkt die Bild- Zeitung ihre Kampagne. Während in der Ausgabe vom 4. Januar der Kolumnist Franz Josef Wagner anlässlich des Vorwahlsieges von Barack Obama auf Seite zwei Rassismus in Reinkultur absondert – Obamas »Großmutter lebt 80-jährig in einem Kral in Kenia. Sie weiß nicht, wie man mit Messer und Gabel isst« –, feiert das Blatt auf Seite eins »Deutschlands mutigsten Staatsanwalt«. Seine »Wahrheit über kriminelle Ausländer: Sie beeindruckt nur eines: Die Haft!«.

Im selben Duktus der Superlative hatte das Blatt schon den pensionierten Internatsleiter Bernhard Bueb angepriesen: »Deutschlands strengster Lehrer«. Bueb, dessen Traktat Lob der Disziplin in der wahrhaft reaktionären Forderung nach bedingungsloser Anerkennung jedweder Autorität gipfelt, stieß auf breite Zustimmung. Auch heute trifft der schrille Appell an Mut, Strenge und Härte, wie er sich im Ruf nach »Erziehungscamps« ausdrückt, auf einen Resonanzboden unbewusster Verarbeitung eines gesellschaftlichen Unbehagens, dessen mögliche Brisanz noch nicht abzuschätzen ist.

Auch dafür liefert die Bild- Zeitung Belege. In der Ausgabe vom 5. Januar brachte das Blatt ein Interview mit der Mutter des Münchner Schlägers, in dem sie sich nicht nur bei den »Deutschen« entschuldigte und auf die deprimierende familiäre Situation, auf den Teufelskreis von Armut, Vernachlässigung und Gewalt hinwies, sondern auch die Umstände schilderte, unter denen sie nach der Tat ihres Sohnes mit der Polizei in Kontakt kam: »Dann kam das SEK. Sie haben die Tür eingetreten, mich aufs Bett geschmissen und festgebunden. Dann haben sie mir gesagt, dass sie meinen Sohn suchen.« Die Mutter von Serkan A., Naciye A., ist 62 Jahre alt. Auf dem Bild wirkt sie wie eine abgearbeitete und erschöpfte Frau.

Dieser offen dokumentierte Skandal scheint bisher niemandem aufgefallen zu sein: Ein bis an die Zähne bewaffnetes Sondereinsatzkommando (SEK) überwältigt eine ältere Dame und fesselt sie, als stünde sie im Verdacht, gewaltsamen Widerstand zu leisten. Dass hier von »Verhältnismäßigkeit« keine Rede sein kann, liegt auf der Hand, und man fragt sich, wer diesen Einsatz zu verantworten hat. Bisher jedenfalls hat sich kein »mutiger Staatsanwalt« gefunden, der diesem Übergriff nachgegangen ist und eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht hat.

Die von Naciye A. geäußerte Entschuldigung wurde neben einem Interview mit dem Opfer, dem pensionierten 76-jährigen Lehrer Bruno N., platziert. Bruno N. hat ihre Entschuldigung nicht angenommen, »denn das ist keine ehrliche Entschuldigung. Ich will kein Mitleid. Ich bin nicht bereit, ihnen deshalb die Hand zu reichen.« An dieser Haltung von Bruno N. ist nichts, überhaupt nichts auszusetzen. Keinem Opfer einer Gewalttat irgendwo auf der Welt darf eine falsche Versöhnung abgepresst werden – eine rein verbal bleibende Versöhnung entspräche auch gar nicht ihrem Begriff, der auf die Freiheit von Täter und Opfer, von Feind und Feind baut.

Indes: Bild wäre nicht Bild, wenn es das Opfer nicht ebenfalls abgelichtet hätte. Auf der Fotografie sehen wir den verkrampft lächelnden Bruno N. vor einem bunten Tuch, in seinen Händen hält er die Reproduktion einer mittelalterlichen Darstellung des auferstandenen Christus. Bild erläutert: »Opfer Bruno N. mit einem Jesus-Bild in seinem Wohnzimmer«. Man fragt sich, ob die Journalisten ihn gebeten haben, mit dem Bild zu posieren. Aber vor allem: Wie passt das Bild jenes Mannes, der Feindesliebe, Vergebung und Versöhnung bis in seinen Tod am Kreuz predigte, in die Vorstellung eines Opfers, das in unchristlicher Weise die stellvertretende Entschuldigung einer alten Frau noch nicht einmal in Erwägung zieht?

Nimmt man Text und Illustration des Gesprächs zusammen, so sagt Bruno N. zwar, dass er – der von den Schlägern als »Scheißdeutscher« beschimpft wurde – ihre hasserfüllten Gesichter nicht vergessen könne und den Hass gegen »unser Land und einen Bürger dieses Landes« erlitten habe. Tatsächlich aber zeigt sich Bruno N. – freiwillig oder aufgefordert – nicht als Deutscher, der von »Ausländern«, sondern als Christ, der von einem Muslim gedemütigt wurde.

Hier schließt sich ein Kreis, der von den Gegnern von Moscheebauten in Köln und Frankfurt zu Internetseiten wie Deus vult oder Politically Incorrect über feinsinnige Positionspapiere der Kirchen zur gutnachbarschaftlichen Abgrenzung von Christentum und Islam bis zu Roland Kochs Tiraden über in Deutschland unübliche »Hausschlachtungen« reicht. In den Appellen an Härte, Strenge und Autorität, in der Beschwörung des Lagers, nein, des »Camps« mit all seinen männerbündisch-kameradschaftlichen sowie menschenfeindlichen Aspekten, in der Entfaltung einer neuchristlichen und liberalen Martyriologie spricht sich ein ebenso atavistisches wie zeitgemäßes kollektives Unbewusstes aus. Es nährt sich in den unheimlichen Interieurs der städtischen Unterwelt, in den Unzeiten der Nacht und den Zwischenräumen der Angst vor kommunikationslosen Fremden, die, wenn sie wieder zu Hause sind, mit Armut und der Angst vor sozialem Abstieg kämpfen müssen.

Der Schlaf der Vernunft, so der Titel von Goyas berühmten Bild, gebiert Ungeheuer. Der Ruf zur »Ausschaffung« von Gewalttätern wird diese Ungeheuer nicht bannen, sondern nur wachsen lassen. Man kann es auch soziologisch ausdrücken: Die Grundprobleme der Weltgesellschaft, die sich auch auf deutschem Territorium zeigen, lassen sich nicht exportieren. Es ist gut, dass es eine nüchtern differenzierende Sozialwissenschaft wie die Kriminologie gibt.

Micha Brumlik ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Frankfurt am Main. Zuletzt erschienen von ihm »Sigmund Freud. Der Denker des 20. Jahrhunderts« (Beltz Verlag) sowie »Kritik des Zionismus« (Europäische Verlagsanstalt)

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Leser-Kommentare

  1. "Die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Albtraum der Schwachen und Minderbemittelten" na klar, schließlich ist der Nutzer schienenbefahrenden Öffentlichen Personennahverkehrs der Unterschichtler schlechthin, da gibt's gar keine Frage Herr Brumlik...

  2. "Die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Albtraum der Schwachen und Minderbemittelten ..Tatsächlich geht es beim jetzt beginnenden Dauerwahlkampf vor allem um die U- und S-Bahn-Nutzer: um solche, die eines Mindestlohns bedürfen.... "
    Das ist die dollste Unterschichtendefinition von der ich je gehört habe.
    Ansonsten zielt Kochs Strategie natürlich auf das Klientel der SPD und Linkspartei und nicht auf ein paar versprengte Rechtsaussen.

  3. Herr Brumlik schreibt in seiner Eigenschaft als Erziehungswissenschaftler über die Jugendgewalt in Deutschland und reduziert diese dennoch auf das Klischee der gewalttätigen "ausländischen Jugendlichen". Das passt zu der derzeit geführten Diskussion, in der mehr pauschaliert wird, als über realistisch zu erwägende Lösungsmöglichkeiten. Ich habe mich bereits in einem Forumsbeitrag zu Wort gemeldet, in dem ich mich als Straftäter in meiner Jugendzeit vorgestellt habe. Ich war also einer von den Jugendlichen und mich hat dieses Thema nicht losgelassen, auch wenn ich heute in einem bürgerlichen Mileu lebe. Ist es Polemik oder verfällt Herr Brumlik in den Stil der "Bild"-Zeitung wenn er Zitat " die nächtliche U-Bahn ist der wahr gewordene Alptraum der Schwachen und Minderbemittelten" schreibt. Das ist Schlagzeile. KritikerInnen können mich jetzt ermahnen und an die öffentlich gemachten Vorfälle der jüngsten Zeit erinnern. Ich möchte betonen, das ich selbstverständlich die Gewalttaten verurteile. Bedenken sollten wir aber, das in den meisten Fällen Gewalttaten von/unter Jugendlichen nicht geplant sind sondern aus spontanen, häufig nichtigen Anlass entstehen. Ich stimme Herrn Brumlik zu, wenn dieser erwähnt, das mit dem Begriff Erziehungscamp wenig beschrieben aber viel assoziiert werden kann. Insofern behaupte ich, das vor allem unsere PolitikerInnen nicht wisssen, wovon sie überhaupt reden. Kein vernünftiger Mensch würde jedoch auf die Idee kommen, Erziehungslager für Jugendliche mit den Konzentrationslagern der Nazis in Verbindung zu setzten. Warum es Herrn Brumlik trotzdem wichtig erscheint, soll er mir einmal erklären. "Warnschussarreste" gab es auch zu meiner Zeit als Jugendlicher in den ´60er/70er Jahren. Wie Herr Brumlik auf die Behauptung kommt, diese greife nur bei bisher nicht deliquent gewordenen Jugendlichen aus den bürgerlichen Elternhäusern... Da scheint Herr Brumlik wohl eher seine Theorie als Erziehungswissenschaftler wiederzugeben als die Realität es gegenteilig wiederspiegelt. Warnschussarreste sind kein"Priveleg" der sog.. bürgerlichen Jugend, sondern entfalten ihre Wirkung auch auf Jugendliche anderer Gesellschaftsschichten. In diesem Zusammenhang möchte ich Herrn Brumlik bitten, seine Vokabel "Unterschicht" aus seinem Wörterbuch zu streichen.
    Herr Brumlik versucht am Beispiel der "Bild"-Zeitung den Einfluss der Medien auf die Stimmungslage der Bevölkerung zu beschreiben. Das die Journalisten und verantwortlichen Redakteure der "Bild"-Zeitung sich in den letzten Wochen mit der Berichterstattung über Jugendkriminalität als Demagogen gegenseitig übertreffen, ist für jeden Bürger mit gesundem Menschenverstand ersichtlich. Das es vornehmlich darum geht Angst zu erzeugen und die Bürger für schärfere Gesetzte willig zu machen, liegt auf der Hand. Angst ist ein gern gesehener Gast, um die Bürger gefügig zu machen. Herr Brumlik überschätzt jedoch den Einfluss der "Bild"-Zeitung, wenn er behauptet, diese würde die "kollektive Befindlichkeit der Deutschen wieder geben". Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Ebenso die Behauptung, es habe eine breite Zustimmung für "Deutschlands mutigsten Staatsanwalt/Internatsleiter" gegeben. Die Äußerungen der zitierten Herren geben deren subjektive Meinung wieder, verkürzt auf das , was die Redakteure der "Bild"-Zeiutng hören möchten um ihre Demagogie fortsetzen zu können.
    Die merkwürdige Interpretation von Herrn Brumlik, das Münchener Opfer sehe sich als Christ von einem Muslim gedemütigt kann nur von jemandem stammen, der sein Elfenbeinturm seit Jahren nicht verlassen hat.
    Insgesamt hat mich der Artikel mehr irritiert, als das Herr Brumlik zur sachlichen Erläuterung des Umgangs mit Jugendgewalt beiträgt. Die Reduktion auf "ausländische Jugendliche" spiegelt nicht die Realität über Jugendkriminalität in Deutschland wieder. Die vielen positiven Beispiele vieler Foristen in den "Zeit"-Foren über Umgang und Lösungen mit straffällig gewordenen Jugendlichen beweisen, das wir keine sog. "Experten" benötigen, die wie das Orakel von Delphi befragt werden. Wir brauchen keine Angst vor der Jugend zu haben. Ich halte die meisten Bürger unseres Landes für so aufgeklärt , das sie jeglichen Ansatz eines autoritären Staates mit aller Macht zu verhindern wissen.

    • 12.01.2008 um 11:48 Uhr
    • KHJ

    Zwei Vorfälle haben in den letzten Wochen dafür gesorgt, dass sich das politische Klima hier in Deutschland gewaltig verändert hat. Einmal den brutalen Überfall auf einen 76-Jährigen Rentner in einer Münchner U-Bahn und zum anderen die Sendung "hart aber fair" mit Frank Plasberg. Selten wurde so heftig und emotionalgelanden debattiert, wie in den letzten Tagen. Gleich haben sich zwei politischen Lager gebildet - die eine Seite, die nichts verändern möchte (SPD und Die Grünen) und das andere Lager - angeführt von den Unions-Parteien und anderen rechten Gruppen. Die Partei "DIE Linke" hält sich bewusst aus der Debatte heraus, weil Ihre Ost-DEUTSCHEN-Wähler nicht vergraulen möchte. Denn auch da stehen demnähst Wahlen an.Auch Günter Grass (mit seinem Kochbuch" Beim Häuten der Zwiebel") und Alt-Kanzler Gerhard Schröder (Aufsichtsratvorsitzender bei Gazprom, der zurzeit Langeweile hat)) mischen sich munter in die Debatte ein. Sie sprechen von Demagogen und Hetzer und anderem Gedöns. Die Deutschen Bürger hingegen möchten vor Gewalt im Alltag geschütz werden, ob von einheimiscvhen oder von Auländer und erwarten von der Politik Taten und keine Endlos- Diskusionen. So einfach kann das sein!In Italien gibt es seitdem letzten Jahr ein Dekret von Regierungschef Prodi (SPD) woraus hervorgeht, das bei schweren Straftaten auch EU-Bürger ausgewiesen werden können. In Italien sind den letzten Jahren 73 Italiener durch Mord-Straftaten vonn Ausländer umslebengekommen!

    • 12.01.2008 um 12:19 Uhr
    • marxo

    Was es denn für einen Unterschied macht, ob ein Mord von einem Ausländer begangen wird oder nicht, ist wohl überflüssig zu fragen. Diese Jugendlichen wurden hier geboren oder zumindest erzogen. Versteht sich diese Gesellschaft also als fortschrittlich, hätte sie auch ohne weiteres das Potential, Jugendlichen andere Perspektiven zu eröffnen, und sei es mit Kritik. Dass Kriminelle stets noch auf ihre Herkunft belangt werden, ist eine rassistische Praxis. Ein Deutscher mit "Migrationshintergrund" hat das gleiche Recht, nach einem Verbrechen ins Gefängnis zu wandern, wie ein Deutscher mit "Ariernachweis". Wer da "Abschiebung" fordert ist von der NPD nicht zu unterscheiden, weil er inhaltlich schon deren Alltagsrassismus und den Wunsch nach der reinrassigen Volksgemeinschaft unterschrieben hat. Abgesehen davon hat Deutschland schon eine beschämende, zynische und rassistische Abschiebepraxis etabliert, bei der jetzt schon völlig unbescholtene und "integrierte" Ausländer abgeschoben werden. http://myblog.de/nichtide...

  4. Sehr geehrter Herr Brumlikmit Spannung las ich ihren Artikel über Jugendgewalt - leider muss ich
    sagen, dass ich tief enttäuscht über den unsachlichen und vor allem
    unreflektierten und populistischen Inhalt ihres Artikels bin.
    Gehen sie doch letztendlich sogar soweit, dass sie sich sogar in Widersprüche
    verstricken.Doch lassen sie uns erst einmal Schritt für Schritt durch ihren Artikel
    gehen:"Allerdings dürfte durch die
    intensive öffentliche Debatte inzwischen klar geworden sein, dass aus
    fachlicher, aus sozialpädagogischer, kriminologischer oder rechtspolitischer
    Sicht nichts, aber auch gar nichts für den von der CDU beschlossenen
    Forderungskatalog von »Warnschussarrest«, längeren Haftstrafen, erleichterter
    Abschiebung sogar hierzulande geborener Personen und sogenannten
    Erziehungscamps spricht."Das ist sehr schön gesagt - aber eigentlich doch peinlich, wie sie die
    Zeitungsleser verarschen wollen, finden sie nicht? Oder ist ihnen nicht
    bekannt, dass diese "Einheitlichkeit", die sie hier suggerieren nicht
    existiert (und nebenher sogar Gott sei dank nicht existiert, wäre es doch der
    Tot der Wissenschaft)?
    Sie haben Recht, wenn sie sagen würden, dass in Europa zumindest die Mehrheit
    der Wissenschaftler momentan die Forderungen dieses Katalogs ablehnt - wobei
    darauf hinzuweisen wäre, dass dies weder weltweit alle Wissenschaftler tun,
    noch etwas ist, dass nicht massiv durch einen politischen Diskurs bedingt ist,
    der entsprechend auf Wissenschaftliche Diskurse zurückgreift - gerade hier in
    den „Soft“-Wissenschaften wie Soziologie etc... und auch
    Erziehungswissenschaften. Bedingungen der entsprechenden Sichtweisen sind eben
    Menschenbilder, also: was ist der Mensch, was kann er, wodurch wird er
    beeinflusst etc... Ihre Antworten basieren auf eine ganz bestimmten, politisch
    als links verordneten, Komklumerat von Ansichten, die man am Besten wohl unter
    dem Schlagwort "Sein bestimmt Bewusstsein" zusammenfasst. Ihre
    Akzentuierungen gegen darum auch primär auf harte soziale Faktoren wie
    Einkommen, Arbeit usw... - und dafür vernachlässigen sie kulturelle Faktoren
    wie bestimmte Bildungsaspekte, Religionen, Wertekanons, Menschenbilderetc...
    Diese führen nur, wenn sie überhaupt erwähnt werden, ein merkwürdiges
    Schattendasein. Ausser selbstverständlich da, wo es ihnen für ihre
    Argumentation wichtig ist – z. b. innerhalb ihrer sozio-tiefenanalytischen
    Versuche.
    Die ganze Problematik wie auch der Wahlkampf sind für sie nur ein
    Unterschichtenthematik - "waren Sprösslinge von Einwandererfamilien,
    die in einem Frankfurter Armutsviertel leben." versus "Der mit dem
    Thema Jugendkriminalität eröffnete Wahlkampf ist daher auch – anders als es die
    CDU sonst so liebt – kein »Kampf um die Mitte«, sondern ein Kampf um die
    Stimmen der Unterschicht."Koch äußert kein Problem (populistisch, da er mit zur Entstehung des
    Problems 8 Jahre beigetragen hat), sondern er schürt Ängste - als ob diese
    Ängste keine Verweisstrukturen auf Probleme wären. Die "SPD [will die Unterschicht], auf seine verbliebenen Hoffnungen"
    ansprechen - schon klar, Herr Prof. – profunde, neutrale Wissenschaft, und kein
    Wahlkampfpopulismus, was?Das sie eindeutig Pro-SPD sind und dies hinter einen
    pseudo-wissenschaftlichen Mäntelchen verbergen wollen, wird spätestens dann
    klar, wenn sie ihre Gewährtsleute benennen:
    "In dem Maße, wie die ernst zu
    nehmende kriminologische, sozialpädagogische und juristische Zunft von
    exzellenten Wissenschaftlern wie den Kriminologen Christian Pfeiffer und
    Joachim Kersten sowie dem Psychologen Michael Hock bis zu Anwaltsvereinen und
    dem deutschen Richterbund die CDU-Vorschläge begründet zurückweist,..."
    Z. B. Pfeiffer - ist der nicht auch Politiker, ist der nicht auch Mitglied
    einer Partei, für die er sogar einmal Justizminister war? Das sollte im
    Wissenschaftlichen bereich keine Rolle spielen - tut es aber spätestens dann,
    wenn bestimmte Menschenbilder relevant werden bzl. dem Erstellen und der
    Auslegung von Evaluationen. Pfeiffer selbst ist gerade bei dieser Diskussion
    hoch umstritten. Was wirklich das Problem ist, ist dass eine politische
    Strömung innerhalb Europas seit ein paar Jahren die uneingeschränkte
    Deutungshoheit hat und diese nun mal unter "Links" subsumiert wird.
    Leider ist gerade diese Strömung - die hierzulande durch weite Teile der SPD,
    der Grünen, LINKEN/PDS und auch des linken Flügels der CDU/CSU vertreten wird,
    verursachend für massive Probleme und deren Verdrängung in Europa und, wenn bei
    uns auch bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Frankreich, England, Belgien,
    Niederlande, Schweden usw..., auch hier entsprechende Erscheinungen wie die
    Prozentuale hohe Beteiligung an schwerer Jugendgewalt gerade von Migrantenkindern
    eben nicht primär als ein soziales-bildungsmäßiges Problem zu fassen sind, sondern
    als ein kulturell-religiöses - nämlich aus dem muslimischen Milieu.
    Gerade das leugnen sie aber, wenn sie schreiben:
    "Nicht als Deutscher, der von »Ausländern«, sondern als Christ, der von
    einem Muslim gedemütigt wurde. Hier schließt sich ein Kreis, der von den
    Gegnern von Moscheebauten in Köln und Frankfurt zu Internetseiten wie Deus
    vult
    oder Politically Incorrect über feinsinnige Positionspapiere
    der Kirchen zur gutnachbarschaftlichen Abgrenzung von Christentum und Islam bis
    zu Roland Kochs Tiraden über in Deutschland unübliche »Hausschlachtungen« reicht."
    Es ist auch ein religiös-weltanschauliches Problem - sogar primär. Denn Erklärungsmodell
    der Milieus, die durchaus oft Unterschichtenmilieus ja AUCH sind, kommen gerade
    aus den Kulturell-religiösen Bereich, mit denen Übergriffe gerechtfertigt
    werden - das Westen in Gestalt der Deutschen Ungläubigen, die Werte und
    Sittenlos gleich Gottlos verursachend in ihren Rassismus für das
    Unterschichtensein dieser Menschen ist in ihren Augen, genauso wie der Westen
    am Elend der arabischen Welt schuld ist. das Elend in Palästina wird
    vermischt mit dem eigenen Unzulänglich sein und muss herhalten als moralische
    Begründung für die prinzipielle eigene Überlegenheit, die verweigert wird eben
    aufgrund dieser Verderbtheit des Westens.
    Arbeitslosigkeit, Bildungslosigkeit usw... korrelieren hier in diesen
    Kommunikationskreisen mit religiös-kulturell Überlegenheits- bzw. „Andersartigkeits“-ansprüchen
    und der Sichtweise des eigenen Opferseins.
    Sie als Repräsentant dieses dies mitbedingenden Täterrolle, sind es deshalb,
    weil sie eben die Ursachen nicht ansprechen sondern sie nur in einem Äußeren
    wie eben Bildungsferne und sozialer Unterschicht finden - die Deutschen sind
    daran schuld, dass ein entsprechender muslimischer Jugendlicher keinen Schulabschluss,
    keine Arbeit und keine Anerkennung findet (und nicht, dass seine Eltern erst
    gar nicht im Deutsch beibringen, dass der von ihnen vermittelte Wertekanon
    Bildung gering schätzt, das kulturelle/religiöse Sitten und Verhaltensweisen
    teilweise einfach nicht kompatibel sind mit den deutschen Gegenstücken).Sie haben sowieso eine sehr merkwürdige Einstellung:
    Die Mehrheitsgesellschaft, die Deutschen - ein Patient , der auf dem Sofa
    liegt, und der
    Psychioanalyst Brumlik, Professor für Erziehungswissenschaften, der nun einmal
    im Unterbewusstsein der "Volksseele" herumstochert und das Verdrängte
    hervorholt.Ihnen selbst scheint noch nicht einmal die Absurdität aufzufallen die darin
    liegt, dass sie, der sie ja selbst Teil dieses "Patienten" sind, nun
    quasi aus dem Patientenkörper heraustritt in den Raum der Unbestimmtheit und
    basierend auf nicht von der Gesellschaft vermittelten Werten das
    sachlich-neutrale Urteil bildet.
    Den einzigen, den sie hier „psychoanalysieren“ sind sie sich selbst. Sie
    liefern hier kein wissenschaftlich-neutrale Beschreibung, sondern nur eine Beschreibung
    der eigenen Wertigkeit und Empfindlichkeit als Teil des zu beschreibenden
    Systems.
    In „Camps“ - die Assoziationskette zu KZs aufzubauen, die sie formal Ablehnung
    und dann doch aufbauen, indem sie auf den "rechtsfreien Raum",
    auf die "In den Appellen an
    Härte, Strenge und Autorität, in der Beschwörung des Lagers, nein, des »Camps«
    mit all seinen männerbündisch-kameradschaftlichen sowie menschenfeindlichen
    Aspekten..." sprechen sie unmittelbar die Ursachen für KZs an - denn
    dieses schaffen von solchen Räumen, männerbündlerischen Autoritätsstrukturen
    waren ein wesentliches Merkmal der NS-Ideologie. Aber ganz bestimmte
    Erscheinungsformen davon – und nicht jede wie sie hier suggerieren.
    "Härte, Strenge und Autorität"
    sind ebenfalls nicht negativ nur, sondern auch positiv - nämlich als ein Ruf
    nach Strukturierung, Ordnung - und dies sind nun mal per definitio
    Wesensmerkmale von Gesellschaft und Kultur.
    Beides, Strukturmerkmale als auch entsprechende Freiräume, bilden ein
    Spannungsverhältnis, dass Bedingung der Möglichkeit von Entwicklung darstellt -
    jedes aber in seiner Einseitigkeit ist letztendlich tödlich für jede
    Gesellschaft.
    Von daher ist der Ruf nach Ordnung, nach, wie sie es kakophonisch aus ihrer
    linksideologischen Sichtweise ausdrückten "Autorität" (Autorität ist
    Hierarchisierung und diese ist wiederum ein Ordnungsmerkmal - eines, dass in
    allen möglichen Bereichen immer auch (!) da ist), auch ein Ruf nach einer
    relativen Zunahme von Ordnung - hier speziell, nach EIN-Ordnung in das
    gesellschaftliche Gefüge der Verbindlichkeiten.Damit sind wir auch bei einem weiteren Widerspruch ihrer Sichtweise:
    Einerseits sehen sie keinen Zusammenhang zwischen kulturellen und religiösen
    Diskursen in diesen "Unterschichten", die nicht nur für das Elend
    dieser Schichten verantwortlich wären, sondern auch nicht für die Taten dieser
    Täter (in ihrem Begründungszusammenhang), andererseits behaupten sie sehr wohl
    , dass es eine Art "Volksseele" gäbe. Diese ist etwas, das zumindest
    ein "Unterbewusstsein" hat, welches sie zumindest soweit meinen
    ergründen zu können, dass sie diese ihrer Aussage für eine sinnvolle Aussage
    halten:
    "...auf einen Resonanzboden unbewusster Verarbeitung eines
    gesellschaftlichen Unbehagens, ..
    ."Hausschlachtungen, Importbräute, Islam usw... haben sehr wohl etwas mit
    jugendlichen Straftäter die aus diesen Kommunikationskreisen stammen zu tun -
    dies selbst dann, wenn kein einziger dieser "Jungs" auch nur das
    geringste inhaltlich aus dieser Religion weis - denn es stellt einen Wert dar,
    an dem man eine Distinktion vollziehen kann, bei der man sich selbst etwas
    positives zuschreiben kann - und genau das passiert bei einer hinreichend
    großen Anzahl dieser Jugendlichen.
    Darum ist auch der Migrantionshintergrund wichtig zu erwähnen - eben weil hier
    Ursachen für Verhalten liegen – aber eben nicht alleine nur und nicht auf alle
    zutreffend, die sich so verhalten, es ist ja keine einfache
    Gleichheitsrechnung."Der Schlaf der Vernunft, ..., gebiert Ungeheuer. Der Ruf
    zur »Ausschaffung« von Gewalttätern wird diese Ungeheuer nicht bannen, sondern
    nur wachsen lassen
    ."Ja, stimmt - und damit ist wirklich das "Ausschaffen" keine Problemlösung,
    sondern nur ein Minimieren einiger Folgen - indem jem. wie Serkan ausgewiesen
    wird, beseitigt man ja nicht die Ursachen, die zu Serkan geführt haben, sondern
    verhindert nur, dass Serkan hierzulande noch mal so eine Straftat begeht."Die Grundprobleme der Weltgesellschaft, die sich auch auf
    deutschem Territorium zeigen, lassen sich nicht exportieren
    ."Genau - also ist es in ihrer Sicht dann richtig, dass wir Sekran aushalten
    und als das nehmen, was er aus dieser Sichtweise ist - nämlich als ein
    lebendiger Ausdruck dieses Grundproblems? Einer, der die Folgen dieses Grundproblems
    uns immer wieder vor Augen führt und wir darum dieses Grundproblem möglichst
    schnell und gründlich lösen sollen, anstatt es zu verschleppen, indem wir die schlimmsten
    Auswüchse dieses Grundproblems des Landes verweisen. Verstehe ich sie da
    richtig?
    Serkans zukünftige Straftaten als "Mahnmassnahmen" an die
    Gesellschaft das Problem zu lösen - sie haben ein extrem hohes Vertrauen in die
    menschlich-gesellschaftliche Vernunft - alle Achtung!
    Aber dieses Grundproblem müssen wir wirklich lösen, dass stimmt - wir müssen
    den religiös-kulturellen Hintergrund beseitigen als Ursache für Distinktion und
    Identität für eine Parallelgesellschaft, da haben sie völlig Recht - nur glaube
    ich nicht, dass dies dadurch geht indem wir da mehr Geld in
    Arbeitsbeschaffungsmassnahmen stecken und weiterhin die Träger dieses Grundproblems
    als Opfer bezeichnen, die ein Recht auf "Andersartigkeit" haben in
    den momentanen Formen - das ist ja nichts weiter als Bestätigung und Verstärkung
    des Grundproblems.MFG
    Zagreus(P. S.: Diese Bilderdeutung lassen wir mal besser, welche sie da bei
    "Bild" vorgenommen haben - sonst müssten wir ja auch Teilen der
    Zeitredaktion eine bolschewistische Gesinnung - ausgedrückt am Lenin-Bild des
    Herrn Jessens - mit dem selben Recht unterstellen.)

  5. Ich muss dem Autor leider in fast allen Punkten zustimmen, und das Dumme ist, dass man damit auch noch Wahlen gewinnt. Nur das mit den U-Bahnen sollte Herr Bumlik sich noch einmal ueberlegen.

  6. Der Artikel ist der typische Reflex eines verunsicherten, in die Jahre gekommenen Alt-68ers, dessen Ideologie den Unterschichtimport jahrzehntelang forcierte.Es hat hier niemand "Angst vor der Jugend". Es gibt auch keine "autoritären Sehnsüchte". Die Deutschen haben einfach absolut keinen Bock mehr, in Bahnen, auf Straßen, in Badeanstalten, Parks und sonstwo in den Städten von einer Meute von Kriminellen angegriffen, ausgeraubt und zusammengeschlagen zu werden.Die Zeit, in der wieder und wieder um Erziehungskonzepte, Sozialkompetenz usw. palavert wird nähert sich einem Ende. Die Forderung der Bürger ist denkbar einfach. Der Staat möge seine ureigenste Aufgabe wahrnehmen: die Sicherung des Gewaltmonopols.

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