Als George W. Bush im Jahr 2000 Präsident der USA wurde, hatten 14 Prozent der Amerikaner keine Krankenversicherung. Heute sind es 16 Prozent. Fünf seiner bislang sieben Amtsjahre präsidierte der Republikaner über einen Aufschwung – die durchschnittlichen Reallöhne in Amerika aber liegen inzwischen niedriger als zur Jahrtausendwende. Die Mittelklasse verliert an Boden. Zugleich werden auch die makroökonomischen Daten schlechter. Das Haushaltsdefizit lag 2007 bei 163 Milliarden, die roten Zahlen in der Handelsbilanz summierten sich im Jahr zuvor auf knapp 760 Milliarden Dollar. Mit der Immobilienkrise droht nun der Absturz in die Rezession.

Wirtschaftliche und soziale Themen spielten im Vorwahlkampf der USA bisher nur am Rande eine Rolle. Der unbestimmte, gleichwohl heftige Wunsch nach "Wandel" und die Persönlichkeit der Kandidaten standen im Vordergrund. Aber je näher die eigentliche Präsidentschaftswahl am 4. November rückt, desto mehr wird Amerika konkrete Antworten verlangen. Zwei Fragen stehen – neben dem Irakkrieg – im Vordergrund: Wie definiert das Land seine Rolle in der globalen Wirtschaft, und wie kann jenen geholfen werden, die schon vom Aufschwung nichts hatten?

Die Demokraten verlangen durchgängig, die von Bush durchgesetzten Steuersenkungen für Reiche wieder zurückzunehmen. Gleichzeitig wollen sie die Mittelklasse steuerlich entlasten. Mit einer Gesundheitsreform soll jeder Amerikaner Zugang zu einer Krankenversicherung bekommen. Die Republikaner wollen das Gesundheitswesen vollständig privatisieren; weitere Steuersenkungen (auch für Reiche) sollen das Wachstum stärken und damit auch für bessere Haushaltszahlen sorgen.

In beiden politischen Lagern wächst die Aversion gegen die Globalisierung. Bei den Republikanern drückt sich das in einer ungewöhnlich harten Haltung gegen Immigranten aus, die Demokraten eint eine wachsende Skepsis gegenüber dem Freihandel. Beide Parteien und ihre Kandidaten wissen sich dabei einig mit ihren Wählern, die mehrheitlich meinen, dass die Globalisierung schlecht für Amerika ist. Gut möglich also, dass am Ende des langen, von Wirtschaftskrise und dem Verlangen nach Wandel geprägten Wahljahres ein Amerika steht, das sich nach innen wendet. Noch sei Amerika nicht isolationistisch und protektionistisch, sagt der bekannte Ökonom Alan Blinder. "Noch nicht." Christian Tenbrock