Ich bin auch kinderlieb. Neulich habe ich auf den Sohn einer Bekannten aufgepasst, er ist fünf Jahre und zehn Monate alt und besucht eine Kindertagesstätte. Wir sind schön ins Kino gegangen. Ich bin ja seit Jahren in keinem richtig schönen Kinderfilm mehr gewesen. Der Film war frei ab sechs, ich dachte, dass acht Wochen nicht viel ausmachen. Der Film hieß Keinohrhasen und war mit Til Schweiger. Ich hatte in der Kritik gelesen, dass es um einen straffällig gewordenen Journalisten geht, der in einer süßen Kindertagesstätte Sozialarbeit verrichten muss, wo er mit einer Kindergärtnerin lustige Stoffhasen bastelt, beim Hasenbasteln verlieben sie sich, er sagt dem Journalismus ade und wird Kindergärtner. Ich dachte, das ist endlich mal eine reizende Geschichte.

Nachdem der Film einige Minuten gelaufen war, dachte ich, irgendwas stimmt hier nicht. Der Journalist und ein Fotograf gingen mit zwei Frauen zu Bett, also zu viert, das wurde im Stil des Realismus gezeigt, und dann hat Til Schweiger die eine Frau oral befriedigt, er machte es aber nicht gut, oder nicht richtig, sie ist jedenfalls nach einer Weile dabei eingeschlafen, dem Fotografen aber wurde schlecht und er hat sich nackt über der anderen nackten Frau erbrochen. Es war wie Stille Tage in Clichy. Ich dachte, dieser Film kann doch unmöglich frei ab sechs sein, was sage ich bloß meiner Bekannten? Der Junge aber schaute gebannt zu. Dann traf sich Til Schweiger mit den Kindergärtnerinnen und sagte, dass ihm eine Frau beim oralen Sex eingeschlafen sei, er drückte das aber anders aus, das kann ich hier nicht hinschreiben, ich kriege sowieso wieder Briefe von Lesern, die sich sittlich angefasst fühlen, aber ich kann doch auch nichts dafür, ich sage nur: frei ab sechs. Die Kindergärtnerinnen erklärten Til Schweiger daraufhin die verschiedenen Spielarten der oralen Befriedigung und was für verschiedene Männertypen es dabei gibt, je nachdem, ob sie die Zunge gerade halten oder mit ihr herumkreisen oder was weiß ich, ich konnte gar nicht mehr zuhören.

Ich dachte die ganze Zeit, was passiert, wenn das Kind dies in seiner Kindertagesstätte nachzumachen versucht, womöglich mit der Kindergärtnerin, in dem Film waren die Frauen ja auch Kindergärtnerinnen. Dann haben die Kindergärtnerinnen gezeigt, wie man beim Sex das Becken richtig bewegt, und Til Schweiger ist mit der einen Kindergärtnerin, welche von Nora Tschirner gespielt wurde, zu Bett gegangen, danach stand Nora Tschirner auf, setzte sich vor Til Schweiger nackt aufs Klo und erleichterte sich. Ich wusste überhaupt nicht, ob das Kind so etwas bei seinen Eltern schon mal gesehen hatte. Da gehen die Erziehungsstile ja auseinander. Anschließend gingen Til Schweiger und Nora Tschirner zu einem Taxistand, und Til Schweiger bot dem Taxifahrer 50 Euro an, falls er ihm einen bläst, und Nora Tschirner darf zuschauen. Da war ich mir aber relativ sicher, dass das Kind so etwas noch nicht gesehen hatte. Der Taxifahrer hat aber zum Glück abgelehnt, Berliner Taxifahrer erfüllen nie Sonderwünsche.

Ich habe jetzt eine schlechte Meinung vom deutschen Kinderfilm. Ich war aber auch froh, dass ich wenigstens nicht in ein Weihnachtsmärchen gegangen war, weil ich mir jetzt lebhaft vorstellen kann, was der Weihnachtsmann dort mit seinen Rentieren tut, Maria und Josef, der Esel, und dann auch noch die Heiligen Drei Könige mit ihren heiligen drei Zungen. Das Kind sagte, es hätte in dem Film nicht alles verstanden. Die Kinder von Til Schweiger haben in dem Film alle mitgespielt.