Er erzählt für Anfänger und Fortgeschrittene zugleich: Der Philosoph Ludger Lütkehaus hat in den vergangenen Jahren ein paar neue Proben seiner Künste abgeliefert, zu denen auch das Erzählen gehört. Hier berichtet er vom Ende der Welt, in gleich vier verschiedenen Varianten, das Ende findet ja, wenn überhaupt, nicht einmalig statt.

Lütkehaus erzählt von Alexander dem Großen, der mit dem Freund Kalanos, dem indischen Sokrates, unterwegs ist in Richtung Indien, das heißt in Richtung Tod. Von Alexanders Gefährten Ptolemaios, der nicht fasten wollte und alle überlebte. Von König Midas, der am Ende immer als der Dumme dastand. Und vom "Weltverfassungsgericht", vor dem eines Tags Gott angeklagt steht, der Kläger ist Hiob: Denn wie konnte Gott bloß je meinen, die Schöpfung sei ihm geglückt? Vier feine Durchführungen zum untergründigen Thema, dass philosophieren heiße, sterben zu lernen.

Ludker Lütkehaus: Das nie erreichte Ende der Welt

Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 2007 - 130 S., 11,90 Euro

Er philosophiert auch für Anfänger, hier allerdings mehr für Fortgeschrittene. Der Anfang ist jetzt sein Gegenstand, der Leitfaden heißt nun ausdrücklich, philosophieren heiße, sterben zu lernen, und beides beginnt bei der Geburt. Natalität, die Gebürtlichkeit des Menschen, war ein Kernmotiv des Denkens von Hannah Arendt, die das Wesen allen Handelns darin sah, neue Anfänge zu machen. Lütkehaus nimmt die andere Arendt hinzu, die bekannte, sie habe oft gewünscht, nicht mehr leben zu müssen. Dieses Buch, das quer zu allen demografischen Sorgen liegt, erinnert auch daran, dass jede Geburt eine unerbetene Gabe ist.

Ludger Lütkehaus: Natalität. Philosophie der Geburt

Die Graue Edition, Zug/Schweiz 2006 - 126 S., 21- Euro