Klack, klack, klack. Und dann: pffffft. So hört sich das an, wenn auf dunklen Straßen oder in umzäunten Zugdepots Kunst entsteht. Die Sprühdose muss erst einmal geschüttelt werden, eine kleine Kugel im Inneren mischt dabei den Lack. Dann drückt man auf das Ventil, und farbiger Nebel tritt aus. Da Graffitikünstler sich in der Vergangenheit für ihre Bilder Häuserwände und U-Bahn-Waggons aussuchten, die ihnen nicht gehörten, mussten sie im Geheimen klackern und sprühen. Geld ließ sich mit dieser Kunst nicht verdienen, aber darum ging es diesen zumeist recht jungen Kreativen auch gar nicht.

Auch Banksy, ein Mann aus Bristol, verschönerte gratis schmutzige Ecken von Städten wie London und Berlin durch kleine, subversive Bildkommentare. In den vergangenen zwei Jahren tauchten seine Sprühereien allerdings auch auf Kunstauktionen auf und kosteten dort oft mehrere Hunderttausend Pfund. Schon eine ganze Weile besprüht Banksy nicht mehr nur fremdes Eigentum, sondern auch Leinwände und Kartons. Diese lässt er dann von einem Bekannten in einer Galerie verkaufen so wahrt er selbst seine Anonymität. Schon in den achtziger Jahren boten Galerien die ersten Graffiti auf Leinwänden an, Keith Haring und Jean-Michel Basquiat gehörten zu den Stars dieser neuen Kunst. Einige Fundamentalisten unter den Graffitikünstlern verpönten auch damals den Sell-out, also das Arbeiten für Geld, die Aufgabe der Untergrundaktivität.

Banksys Bilder sind anarchisch-lustige Invektiven gegen Krieg, Kapitalismus und Medien: Ein Kind umarmt einen Fernseher wie ein Kuscheltier, zwei Soldaten malen ein Peace-Zeichen an eine Wand, Ureinwohner machen mit Speeren Jagd auf Einkaufswagen. Trifft man in der Stadt auf seine mit aufwendigen Schablonen gesprühten Bilder, fühlt man sich überraschend beschenkt. Auf der Leinwand aber, wo das Moment der doppelten Spontaneität fehlt, der klandestinen Produktion und des zufälligen Betrachtens, wirken die Arbeiten eher platt. Das kümmert die wachsende Schar von Banksy-Sammlern, zu denen auch Angelina Jolie und Brad Pitt zählen, wenig. Sie scheinen sich mit der Straßenkunst ein wenig Subversivität in ihre Wohnzimmer und Büros holen zu wollen, kaufen sogar noch die pubertärsten Bildkalauer. Dem alten Ölporträt eines Edelmanns aus dem 18. Jahrhundert hatte Banksy einen ausgestreckten Mittelfinger hinzugefügt, auf der vergangenen Herbstauktion bei Sothebys in London zahlte ein junger Mann 323000 Pfund dafür.

Am 5. Februar richtet das traditionsreiche Londoner Auktionshaus Bonhams nun eine eigene Auktion für die Urban Art aus. Neben zahlreichen Sprühereien von Banksy werden auch Leinwandarbeiten von anderen Street-Art-Aktivisten angeboten, etwa von Mitgliedern des amerikanischen Kollektivs Faile. Die taxierten Preise entsprechen ungefähr denen von Altmeisterzeichnungen.