Der Affenkönig und sein Zensor

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Teheran

Ghaffar sieht aus wie eine verdrehte Marionette. Zwei Mitspieler drücken sein gestrecktes Bein gegen seinen Oberkörper. Ein Bühnenscheinwerfer leuchtet ihn an. Dahinter alles dunkel. Er trägt bereits das gelb-rote Seidenkostüm des Affenkönigs. Dazu die Kappe mit den zwei roten Bommeln an der Seite. Um ihn herum zwei vermummte, in Schwarz gehüllte persische Frauen. Ihre Gesichter sind weiß und rund.

Sie kündigen den Zensor an.

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Der Zensor ist keine himmlische Kunstfigur der Pekingoper, sondern ein irdischer Vertreter des Sicherheitsapparates der Mullahs. Wenn er den Daumen senkt, ist die Aufführung zu Ende. Ghaffar unterbricht seine Lockerungsübungen. Der Zensor ist freundlich. Er grüßt stets zuerst.

Anzug, offenes hellblaues Hemd, ein Gesicht wie Robert De Niro. Einer, der nicht von dem überzeugt ist, was er macht. Aber auch einer, der nicht will, dass man das von ihm denkt. Also prüft er genau, ob die Haare unter den Kostümhauben hervorschauen. Die Pekingoper-Truppe musste ihre Kleider für den Auftritt in Iran "islamisieren". Der Zensor schaut in die weiten Ärmel der Darsteller, ob zu viel nacktes Fleisch oder gar Achselhaare zu sehen sind.

Ghaffar ist der Chef des Ensembles. Er war mit seiner Truppe schon in Malaysia, Singapur, England und den USA. Doch diesmal ist es besonders schwierig. Iran ist seine Heimat. Ghaffar ist der einzige Nichtchinese mit einer kompletten Pekingoper-Ausbildung. Er wuchs in Iran auf, ging in Cambridge zur Schule, war Tänzer in London, lebt seit zwölf Jahren in China. Er hat einen britischen Pass. Seine Eltern sind inzwischen Amerikaner. Seine Familie lebt in Teheran, Los Angeles und Deutschland. Seine Verlobte ist Japanerin. Er sei "ein Bastard der Globalisierung", sagt er "und das alles, weil Iran und Amerika nicht zusammenfinden".

Hinter den Masken dürfen die Darsteller die Mächtigen kritisieren

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