Lange musste die Weltöffentlichkeit bangen. Doch nun ist es endlich so weit. Der Abmarsch der Bundesheersoldaten in den Tschad rückt näher, und dem Frieden in der Wüstenregion steht damit nichts mehr im Wege. Die Verzögerung entstand hauptsächlich durch unvollständiges Marschgepäck. Zwar hatte man jede Menge guten Willen und für Notfälle auch ein wenig Know-how eingepackt, doch fehlt es nach wie vor an Helikoptern. Man könnte sich zwar welche von Frankreich borgen, doch das widerspricht der Ehre der österreichischen Wüstenfüchse. Die ideale Lösung kam nun von indischer Seite: Kampfkamele! Die fliegen zwar eher selten, sind aber vertraut mit der Feinstaubbelastung der Wüste und sehr sparsam im Verbrauch. Drei Liter Wasser auf 80 Kilometer bei minimaler Abgasbelastung lassen französische Hubschrauber vergessen. Weit über die Friedensmission hinaus eröffnen sich dadurch ungeahnte Perspektiven. Ein Kampfkamel wäre das ideale Zweitfahrzeug in smogbedrohten Metropolen. Nicht nur von den CO₂-Werten her, sondern auch im Sinne der Parkraumbewirtschaftung. Die Kapazität der Lasttiere ermöglicht außerdem die problemlose Erledigung ausgedehnter Shoppingtouren. Einmal den Heimweg gelernt, erübrigt sich für das Kampfkamel jedes Navigationssystem. Denn wer sich in der Sahara orientieren kann, schafft das in der Wollzeile allemal. Kameldung ist überdies ein idealer Dünger und stellt an Geruchsintensität sogar die Rossknödel der Fiakergäule in den Schatten. Selbst im Stoßverkehr bietet ein ausgedehnter Kamelstau immer noch einen schöneren Anblick als eine Blechschlange mit Kamelen hinter dem Steuer. Alfred Dorfer

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben