Genug Zeit zum Erwachsenwerden

Mein Traum einer Universität ist eigentlich ganz einfach. Ich stelle mir einen Ort vor, an dem junge Menschen zusammenkommen, um sich über ihre Interessen klar zu werden und diese mit Gleichgesinnten zu erörtern. Am Ende dieses Prozesses soll ein freier und selbstbestimmter Mensch entstehen, der sein Studium eigenverantwortlich, engagiert und zukunftsorientiert wählt. Doch dieser Traum bleibt vielen heute verwehrt, weil eine der wesentlichen Entscheidungen im deutschen Hochschulsystem einem Zwang unterliegt: Sofort nach der Schule muss sich der Abiturient auf ein Fach festlegen. Dieser lebenswichtigen Entscheidung ist der Studienanfänger hilflos ausgesetzt. Manch ein Abiturient trifft sie sogar im Ausschlussverfahren. Wer kein Einser-Abitur vorweisen kann, schreibt sich beispielsweise für vermeintlich "leichte" Fächer ein, weil dort kein Numerus clausus herrscht. Damit fängt die Misere an. Viele werden zu Studienabbrechern.

Meine Traumvorstellung ist ein zweijähriges Studium generale mit Residenzpflicht, währenddessen alle Studienanfänger auf dem Campus wohnen. So würden sie die dringend notwendige Freiheit bekommen, sich von der Infantilisierung durch das Elternhaus zu befreien. Der Campus sollte nicht nur technisch und räumlich großzügig ausgestattet sein, er sollte auch viele Sportmöglichkeiten bieten. Darüber hinaus wäre die Studienzeit in Trimester gegliedert, damit die Studenten in dieser kurzen Zeit eine große Auswahl von Fächern kennenlernen. Ein Auslandssemester, um eine weitere Sprache zu lernen, sollte Pflicht sein. Das Studium generale wäre die Basis des gegenwärtigen Hochschulsystems. Nach den ersten zwei Jahren würden sich die Studenten endgültig für ein Fach entscheiden und dieses nach einem weiteren Jahr mit einem Bachelorabschluss zu Ende bringen. Und dann käme für die, die es wollen, im Sinne eines traditionellen Fachstudiums der Master, dann der Doktor, der Professor

Marek Dutschke, master-student

an der freien Universität berlin