Es ist ein Sich-Erinnern, ohne anzuklagen. Der heute über siebzig Jahre alte Hans-Burkhard Sumowski blickt zurück in die Jahre 1944 bis 1947, als er als kleiner Bub in den Ruinen von Königsberg, ganz auf sich gestellt, die Schreckens- und Hungerzeit überlebte, bis ihn ein Kindertransport ihn nach Deutschland brachte, wo sein Vater ihn wiederfand.

Er muss unvorstellbar Schreckliches erlebt haben. " Eines Nachts wurde ich durch große Unruhe in unserem Bett wach und merkte erst langsam, dass ein Russe dabei war, meine Mutter zu vergewaltigen." Seine Mutter starb bald, wie auch der gerade geborene kleine Bruder. Seine Großmutter, an dem Umständen irre werdend, schnitt sich die Kehle durch. Ihr Enkel fand sie in ihrem Blut liegend. " Ich habe meine Geschichte in der Hoffnung aufgeschrieben, dass die Generation nach mir, die unbeschwert und im Frieden aufwachsen durfte, erkennt, dass dies nicht selbstverständlich ist", schreibt Sumowski in seinem Vorwort. " Ich wünsche mir so sehr, dass den Menschen mehr als bisher bewusst wird, dass nichts, aber auch gar nichts, einen Krieg rechtfertigt, denn Krieg richtet sich immer gegen die ganze Menschheit."

Es muss eine ungeheure Kraft in dem kleinen Jungen gesteckt haben, dass er jene Jahre überlebt hatte. Mit anderen elternlosen Kindern stromerte er durch die Ruinen der fast völlig zerstörten Stadt, immer auf der Suche nach etwas Essbarem, er klaute und tauschte, doch der Hunger begleitete ihn die ganze Zeit. Es ging ums pure Überleben und darum, ein Dach über den Kopf zu finden. Die Russen begannen schließlich, die herumstreunenden Kinder einzusammeln und in Waisenheime zu stecken.

Sumowskis Geschichte, die in einfachen Worten erzählt wird, berührt.

Er habe Glück im Unglück gehabt, stellt er lakonisch fest. 1995 besucht er mit seinem Sohn noch einmal seine Heimatstadt und fahndet nach den Plätzen, die sein Leben bestimmt hatten und die er in der nun russisch gewordenen Stadt nicht mehr findet. " Königsberg", stellt er am Schluss der Buches ernüchtert fest, "so zerstört es am Kriegsende gewesen war, war damals noch meine Stadt gewesen. Jetzt gab es sie nicht mehr. Es würde sie niemals mehr geben."

Hans-Burkhard Sumowski: "Jetzt war ich ganz allein auf der Welt"

Erinnerungen an eine Kindheit in Ostpreußen 19441947 - Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007 - 256 S., 19,95 Euro