Die Zahl ist erfreulich, bitter sind die Details. Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um satte 2,5 Prozent gewachsen. Das verfügbare Einkommen aller Bundesbürger aber fiel preisbereinigt um 0,5 Prozent obwohl viele neue Jobs entstanden sind. Was die Daten zeigen: Wer in Deutschland als Arbeitnehmer Geld verdienen muss, ist oft arm dran. Das hat nicht immer mit vermeintlich hohen Steuern und Abgaben zu tun, denn auch brutto hatten die Menschen weniger in der Tasche. Es verwundert nur wenig, dass der Konsum 2007 erneut zurückging und der Export die Konjunktur stützte.

Wer daraus die Schlussfolgerung zieht, dass die Löhne stärker steigen müssen, der liegt nicht falsch. Es braucht nicht einmal den Verweis auf Moral oder Gerechtigkeit. Die Krise in den USA wird den Exportsektor belasten. Wenn die deutsche Wirtschaft weiterwachsen will, dann muss sie es aus sich heraus tun. Die Menschen können aber nur das Geld ausgeben, das sie verdienen.

Dennoch beunruhigt das, was aus dem Gewerkschaftslager zu hören ist.

Es gibt eine klare Richtlinie für angemessene Lohnsteigerungen: Produktivitätszuwachs plus der angestrebten Inflationsrate. Bleibt der Gehaltsaufschlag dauerhaft darunter, kollabiert der Konsum, und es droht Deflation. Liegt er darüber, steigt die Teuerungsrate. Der genaue Wert hängt von der Branche ab, im Schnitt ergibt sich für Deutschland eine Größenordnung von drei bis vier Prozent. Viele Arbeitnehmer aber fordern obendrein einen Ausgleich für die zuletzt so vehement gestiegenen Preise von Lebensmitteln und Energie. Doch es wäre fatal, wenn es zu diesem Ausgleich käme. Denn Lohnsteigerungen von acht oder gar zehn Prozent würden die Inflation zusätzlich anheizen. Es drohte wie in früheren Ölkrisen eine Spirale aus höheren Gehältern und steigender Inflation, gegen die sich die Europäische Zentralbank mit Zinsanhebungen stemmen würde.

Die Öl- und Agrarpreise steigen, weil diese Güter knapper werden. Das ist schön für Bauern und Scheichs und schlimm für die Mehrheit der Konsumenten. Es ist aber ein struktureller Wandel, der sich nicht durch höhere Löhne ausgleichen lässt. In sozialen Härtefällen sollte der Staat eingreifen, allgemein aber gilt: Die richtige Antwort auf gestiegene Energiepreise ist nicht mehr Geld, sondern die Abkehr vom Öl.