Ein Bildband von geradezu biblischer Wucht ist das, zeigt er in 52 Bildern doch, wohin das göttliche Gebot "und füllet die Erde und machet sie euch untertan" geführt hat. Im Bildvordergrund ist immer Brachland zu sehen, schon vom Menschen benutztes und wieder ausgeschiedenes Gelände. Hinter den Zäunen, Mauern, Schranken im Mittelgrund türmen sich die Stein gewordenen Träume und Albträume der neuesten Weltreligion, die da Kapitalismus heißt. Ihr zentrales Gebot lautet Wachstum, und Peter Bialobrzeski dokumentiert an 28 Städten in 14 Ländern auf vier Kontinenten, wie der Mensch den Raum unerbittlich erobert, gestaltet, verhunzt. Lost in Transition nennt der preisgekrönte Fotograf den in fünf Jahren Arbeit entstandenen Band, die Anspielung an Sofia Coppolas Film Lost in Translation ist überdeutlich. Nur gehen hier keine Menschen mehr verloren in einer fremden Welt - in den menschenleeren Bildern, mit langen Belichtungszeiten in der Dämmerung aufgenommen, verliert trotz der formalen Präzision die ganze Welt die Orientierung. Bewusst verweigert Bialobrzeski exakte Bildtitel, ob wir auf Bispingen oder Singapur schauen, Moorfleet oder Dubai, Bitterfeld oder New York, spielt keine Rolle. Wo sich alles im Übergang befindet, ist nichts mehr gewiss. cis

Peter Bialobrzeski: Lost in Transition

Verlag Hatje Cantz, Stuttgart 2007 - 128 S., 39,80 Euro