Zu meinem Ausscheiden aus der Bundesregierung habe ich viele, viele Briefe und E-Mails bekommen. Zahlreiche Menschen haben mich angesprochen.

Alle haben meiner Frau Gesundheit gewünscht – teilweise auch freundliche Ratschläge gegeben –, und die allermeisten fanden meinen Rückzug aus dem Ministeramt plausibel und absolut richtig. Das hat gutgetan, und dafür bedanke ich mich.

Unmöglich kann ich allen antworten, wie es angemessen wäre. Ich melde mich deshalb mit diesen Zeilen und hoffe, dass viele sie als mein Dankeschön akzeptieren und dass ich den Schreiberinnen und Schreibern – und anderen Interessierten auch – damit ein paar Antworten geben kann auf Gedanken, die in den Reaktionen mitschwangen und die mir auch ansonsten oft begegnen.

Für mich ist es eine Gelegenheit, mit mehr Muße als sonst ein paar Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben. Luft zu holen und solche Anmerkungen zu machen, die einen jenseits des Tagesaktuellen begleiten – das mag wohl Sinn machen, im Rückblick, aber auch mit dem Blick nach vorne.

Ich will etwas sagen über die Politik und die Politiker. Es ist bei uns akzeptiert, dass es Politik gibt, geben muss. Auch dass es den Staat gibt und seine Institutionen. Uneinheitlicher ist die Meinung darüber, was denn die Aufgabe von Politik ist, was sie kann und was nicht, wo sie gefordert ist und wo sie sich heraushalten sollte. Ob sie überhaupt ein ehrenwerter Beruf ist. Und wer diese Politiker eigentlich sind.

Hannah Arendt hat zur Politik das Schönste formuliert, was ich dazu kenne: Politik ist angewandte Liebe zum Leben. Gut, da schwingt viel Enthusiasmus mit. Liebe zum gelungenen Leben. (Es kann ja auch ziemlich elend sein.) Aber im Kern hat Hannah Arendt recht. Tatsächlich ist Politik die plausible Antwort auf die Verantwortung, die wir Menschen für uns selbst und für das Ganze haben. Ist Lust aufs Gestalten, damit Gutes daraus wird. Politik nicht zwingend als Beruf, aber als Engagement in der Gesellschaft – für sich selbst und für die Gesellschaft. Beides.

Der einzelne Mensch steht im Mittelpunkt (oft gesagt, manchmal missbraucht, trotzdem wahr). Unser Grundgesetz bezeugt es mit den Grundrechten nachdrücklich: Die Freiheit des Einzelnen ist Ausgangspunkt und Maßstab. Freiheit zuerst. Des Gewissens, der religiösen Überzeugung, des Denkens, des Sagens, des Handelns. Freiheit von Not. Freiheit von Furcht. Freiheit zum guten Leben in diesem guten Sinne. Und zwar nicht nur für heute, sondern auch für morgen und übermorgen.