Auf Dächern postierte Scharfschützen werden das Bild der bulgarischen Hauptstadt Sofia prägen, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin zum Staatsbesuch eintrifft. Anlass der Visite ist der 130. Jahrestag des Endes des Russisch-Türkischen Krieges, der Bulgarien 1878 von fast 500-jähriger osmanischer Fremdherrschaft befreite. Auf Putins Agenda stehen Vertragsunterzeichnungen für heftig umstrittene Energie- und Infrastrukturprojekte. Die russische Atomstrojexport soll bei Belene an der Donau ein Atomkraftwerk bauen und die russische Transneft die Führung in dem trilateralen Betreiberkonsortium der geplanten Erdölpipeline vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas ins griechische Alexandroupolis übernehmen. Weitere Themen sind offenbar das Projekt der submarinen Erdgaspipeline South Stream zwischen Novorossijsk und Bulgariens Schwarzmeerkapitale Varna sowie eine neue Fährverbindung von Varna zum russischen Hafen Kavkas. Die russischen Pipelineprojekte stehen in Konkurrenz zu der von Amerikanern geplanten AMBO-Erdölpipeline von Burgas ins albanische Vlore und zu der Erdgaspipeline Nabucco, die in einigen Jahren kaspisches und iranisches Gas über die Türkei und Bulgarien nach Österreich führen soll. Bulgarien wird so immer bedeutender als Transitland für Energie nach Europa.