Wer immer in den vergangenen Tagen über die Zerrüttung in der Großen Koalition räsonierte, bekam jetzt von der Kanzlerin eine Antwort: "Von Zeit zu Zeit ist die Lage gespannter, und von Zeit zu Zeit ist sie entspannter." Also alles halb so wild? Die Kanzlerin will sich die Koalition oder sagen wir besser ihre Kanzlerschaft vom Wahlkampf nicht kaputt machen lassen. Nicht, weil sie wirklich davon überzeugt ist, dass Union und SPD, wie sie sagt, die "Kraft und den Willen" haben, die Zeit bis 2009 konstruktiv durchzustehen. Sie will weitermachen, weil im Weitermachen für sie ein geringeres Risiko steckt als in jeder denkbaren Form von Bruch.

Dafür mobilisiert sie eine ihrer herausragenden Fähigkeiten: unbeschadet durch Konflikte zu steuern. Sie begrenzt den harten Roland Koch, ohne ihn zu beschädigen. Sie unterstützt Christian Wulffs moderaten Kurs, ohne dies ausdrücklich zu sagen. Sie zeigt den Sozialdemokraten Grenzen, ohne sie zu rügen. Ihrer eigenen Partei macht sie klar, dass egal wie die Wahlen am 27. Januar ausgehen sie selbst gedenkt, Siegerin zu sein.

Diese Fähigkeit macht sie als Kanzlerin stark. Erst wenn sie selbst Wahlkämpferin sein wird, im Jahr 2009, kann diese Wendigkeit zur Beliebigkeit und damit zur Schwäche werden. Merkels Strategie liegt nun darin, den sozialpolitischen Themen der SPD als Kanzlerin entgegenzukommen, um dann im Wahlkampf mit eigenen sozialen Themen Platz zu haben. Sie versucht, mit Beck links zu fahren und ihn dann rechts zu überholen. Ein Manöver, das höchst unfallgefährdet scheint.