Zu den großen Leistungen des Schauspielers Brad Pitt zählt es, dass er der Schiebermütze zu neuer Popularität verholfen hat. Wo immer er unterwegs ist, um die Welt zu retten, zeigt er sich mit der leicht über die Stirn kragenden Tweedmütze. Dabei hat das Modell seine Ursprünge in einer Erfindung, die Pitt als Beginn des globalen Klima-Übels ansehen müsste: dem Auto. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Schiebermütze als drivers cap bekannt. Die hohen Hüte, mit denen man bis dahin das Haupt bedeckt hatte, waren im Fahrtwind hinweggeflogen. Die Schiebermütze hielt dank ihrer aerodynamischen Form hingegen am Kopf, sie wurde das Kleidungsstück des Fortschritts.

Mit so einer Kappe war man auf alle Widrigkeiten eingestellt. Der raue Tweed und der kleine Schirm schützten gleichermaßen vor Regen und Sonne. Außerdem verleiht die Mütze auch dem zartesten Bubigesicht etwas Kompaktes, Maskulines. Vielleicht war das Stück deshalb Pflichtkleidung für das revolutionäre Proletariat (zum Beispiel Ernst Thälmann) und alle, die gerne dazu zählen wollten (zum Beispiel Bertolt Brecht). Ob es nun dem Untergang des Kommunismus geschuldet ist oder der Tatsache, dass die meisten Autos später überdacht waren: Die Schiebermütze verschwand später fast völlig, war höchstens noch auf greisen Häuptern von Männern im Renten- oder im Jägerstand zu sehen.

Nun wird sie wieder getragen. Doch heute strahlt der Kopfschmuck keine Sehnsucht nach Zukunft mehr aus, sondern melancholische Nostalgie. Mit einer Schiebermütze sieht man aus, als habe man gerade ein Seifenkistenrennen gewonnen. Was nicht das Schlechteste ist. Und ist es nicht überhaupt so, dass das Lebensgefühl unserer Tage ein Wiedergänger ist? Mit Bahnern, die das Land mit Streiks überziehen wie in den zwanziger Jahren, und neuen sozialistischen Parteien? So gesehen ist die Schiebermütze eine sehr zeitgemäße Art, das Haupt zu bedecken. Nur eines muss der Träger bedenken: Man sollte vermeiden, das Kleidungsstück mit weiteren Accessoires zu kombinieren, die an vergangene Dekaden erinnern, sonst sieht man schnell aus wie Nick Knatterton, die Comicfigur. Oder wie Roger Cicero. Es gibt viel, das man an dem Sänger Roger Cicero gut finden kann. Dass er die Schiebermütze wie ein Museumsstück aufträgt, zählt zu seinen großen Leistungen nicht.