Eigentlich gibt es für einen Liebesfilm keinen adäquateren Handlungsort als ein Irrenhaus. Das hatte schon Ernst Lubitsch verstanden, der aus dieser Idee ein paar hinterhältige Screwball-Komödien zauberte. Einmal seinem Gefühlschaos ausgeliefert, ist der Mensch nicht mehr zurechnungsfähig. Er lügt, stiehlt, gibt vor, zu sein, was er nicht ist, schreit, heult und tut Dinge, auf die normale Menschen nicht im Traum kämen. Bei genauerer Betrachtung reduziert sich unsere Vorstellung von Liebe auf ein bloßes Bündel krankhafter Verhaltensweisen. Das Regie-Wunderkind Park Chan-Wook hat nun in einem ganz ähnlichen Sinne einen Film gedreht, aber da das koreanische Kino in letzter Zeit immer einen Tick konsequenter als das westliche ist, hat Park unsere Eingangsthese gleich wörtlich genommen.

Im a Cyborg but thats okay spielt wirklich in einer psychiatrischen Klinik.

Dort allerdings herrscht ein merkwürdiges Regime - es wird eine Art "offene" Therapie zwischen Gruppengesprächen und Elektroschockbehandlung vollzogen. Die Pastelltöne des Films lassen wahrlich paradiesische Zustände vermuten. Tagsüber schlagen die Patienten Purzelbäume im Flur oder wandeln durch die asiatischen Gärten der Klinik. Die Pathologien der Liebe äußern sich in den sympathischen Macken der Patienten. Jeder spinnt in Im a Cyborg but thats okay auf seine Weise.

Da ist die Hauptfigur Young-gun, die ein kleines Geheimnis hütet: In Wirklichkeit nämlich ist sie ein Roboter. Sul-mi leidet unter "Mythomanie" - die vielen Elektroschocks haben ihr Gedächtnis beeinträchtigt, und so muss sie ihre Erinnerungslücken nun mit fantastischen Geschichten füllen. Duk-chun wiederum ist an einem Schuldkomplex irre geworden - seine Tage verbringt er damit, sich permanent bei seinen Mitmenschen zu entschuldigen. Und Il-sun, gespielt vom Teenpopstar Rain, verfolgt die Wahnvorstellung, eines Tages wie ein Punkt am Horizont zu verschwinden. Die absonderlichen Anstaltsroutinen geraten ins Stocken, als Young-gun die Nahrungsaufnahme verweigert (weil Roboter sich nur von Elektrizität ernähren). Um seine neue Freundin, die nachts mit dem Getränkeautomaten plaudert, vor dem Hungertod zu bewahren, verschwört Il-sun sich mit dem Mädchen. Es gibt nur eine Möglichkeit, Young-gun zu retten: Er muss ihr Empathievermögen klauen.

Ein Liebesfilm ist wohl das Letzte, was man von Park Chan-Wook nach seiner blutigen "Rache"-Trilogie erwartet hätte. Andererseits ist Im a Cyborg but thats okay der Titel lässt es bereits erahnen auch keine typische romantische Komödie geworden. Spätestens wenn Young-gun sich in einen Kampfroboter verwandelt und Kugeln aus ihren Fingerspitzen feuert, kommt da wieder der alte Park durch, der noch für jede mentale Versehrung seiner Figuren ein nachhaltiges Bild gefunden hat. Wo Sympathy for Lady Vengeance, mit dem Park vor zwei Jahren der internationale Durchbruch gelang, aber in den grotesken Überzeichnungen eines Gewaltcomics schwelgte, ist Im a Cyborg visuell schwer von naiven Kinderbuchfantasien beeinflusst. Etwa wenn Young-gun mitsamt ihrem Krankenbett von einem überdimensionalen Marienkäfer in die Berge geflogen wird, während Il-sun ein Liedchen jodelt oder eine Röntgenaufnahme den kurzen Blick auf die Mechanik des Mädchens freigibt.

Doch sollte man sich von dieser Niedlichkeit nicht täuschen lassen.

Die Fantastik von Parks therapeutischem Programm ist wie schon die Gewalt der "Rache"-Trilogie bloß ein Weg hinaus aus der Einsamkeit seiner Figuren. Es handelt sich um eine Art Kontaktaufnahme. Im Grunde ist Im a Cyborg ein Film gegen das Verschwinden.