Unser Feld ist die Welt: Das Leitbild der Traditionsreederei Hapag-Lloyd ziert in goldenen Lettern das Marmorfoyer am Ballindamm und wird Michael Frenzel, 60, täglich mahnen, dass auf den Schifffahrtsmärkten ein rauer Wind weht. Der TUI-Chef will die Tochterfirma mit dem Mutterkonzern verschmelzen und sich mit seinen restlichen 120 Hannoveraner Holding-Mitarbeitern in der Hamburger Zentrale einrichten. Dabei eckt er mal wieder an. " Die Schifffahrt ist unser Kerngeschäft, das nicht als Einzelstück verkäuflich ist", schrieb Frenzel seinem Aufsichtsrat, der den Umzug am 23. Januar absegnen soll. Hapag-Lloyd, seit der Übernahme der kanadischen CP Ships die fünftgrößte Containerlinie weltweit, gilt in der Branche als Technologieführer und selbst als attraktives Übernahmeobjekt.

TUI-Analysten und Investoren wie der amerikanische Firmenaufkäufer Guy Wyser-Pratte oder Alexej Mordaschow aus Russland fordern daher die Trennung der Touristik von der Schifffahrt einzeln versprächen die Unternehmen mehr Rendite.

Aber auch intern stößt die Einmischung des Branchenfremden auf Skepsis. " Die Probleme bei TUI schwappen rüber", klagt ein Hapag-Lloyd-Mann. Schon seit der Gründung der eigenen Flug-Tochter 1972 war die Touristiksparte unbeliebt die Mitarbeiter blieben in tiefster Seele Seefahrer und wollen keine Turbulenzen. Die aber bietet Frenzel häufig. 1997 kauft er Hapag-Lloyd, um die Firma an der Börse zu versilbern und seine Touristiksparte zu stärken. Bald darauf sagt er den Börsengang wieder ab und vergrößert die Containerflotte. Nun verlegt er den Hauptsitz nach Hamburg, um die teure TUI-Verwaltung in Hannover zu schließen. In das Geschäft mit Containerschiffen will er 2,6 Milliarden Euro investieren. Das freut vermutlich besonders John Fredriksen, denn anders als Frenzel denkt die Reederzunft langfristig.

Der reichste Mann Norwegens mit der größten Öltankerflotte weltweit will offenbar seine Geschäftsbasis verbreitern und hält seit Sommer 2007 mehr als fünf Prozent an TUI. Er wolle auf 20 Prozent aufstocken, wird in der Branche spekuliert, um dann die profitable Schifffahrt herauszulösen.