Bei jeder Marketingaktion muss man sich irgendwann fragen, ob sie ihr Ziel erreicht. Der deutschen Wissenschafts-PR geht es da nicht anders. Wenn kommende Woche in Berlin feierlich das »Jahr der Mathematik« eröffnet wird, dann schwingt im Hintergrund auch diese Frage mit. Denn glaubt man einer (bislang unveröffentlichten) Studie des Wissenschaftssoziologen Peter Weingart, gibt es da in Deutschland noch einigen Verbesserungsbedarf.

Der Bielefelder Soziologe hatte im Auftrag des Bundesforschungsministeriums (BMBF) die verschiedenen Formate der Wissenschaftskommunikation international verglichen. Dabei kamen auch die sogenannten Wissenschaftsjahre auf den Prüfstand. Seit acht Jahren finden in Deutschland diese groß angelegten Werbeveranstaltungen für die Forschung statt. 2005 wurde Albert Einstein gefeiert, das vergangene Jahr stand im Zeichen der Geisteswissenschaft, und jetzt wird aktuell die Mathematik ins Rampenlicht gerückt.

Zwischen 5 Millionen Euro (Mathejahr) und 13 Millionen (Einsteinjahr) stellt das BMBF dafür zur Verfügung; die Werbeagentur Scholz & Friends liefert das Werbekonzept dazu. Doch erreicht der ganze Aufwand auch sein Ziel – und worin besteht dies überhaupt? Beides sei alles andere als klar, stellt Peter Weingart in seiner »Vergleichenden Analyse Wissenschaftskommunikation« fest.

Die Strategie scheint etwas zu simpel: »Gut, dass wir darüber geredet haben«

Zwar erreichten die diversen Aktionen, mit denen die Forscher das Publikum für ihre Arbeit begeistern wollen, durchaus »hohe Teilnehmerzahlen und Medienaufmerksamkeit«, heißt es in der Studie. Allerdings machen Weingart und seine Mitarbeiterinnen Simone Rödder und Miriam Voss auch »die für derartige Großformate typischen, konzeptionell begründeten Schwächen« aus. Was bisher fehle, sei nicht nur »eine genauere Definition der zu erreichenden Zielgruppen« und eine »bessere Koordination der vielfältigen Veranstaltungen«, sondern auch »das Einbinden von Events in längerfristige Kommunikationsstrategien«.

Damit bringt er noch einmal das auf den Punkt, was auch frühere Evaluationen schon feststellten. Denn im Auftrag des BMBF wurde bisher jedes Wissenschaftsjahr von einer unabhängigen Agentur evaluiert – mit stets ähnlich unbefriedigenden Ergebnissen.

Der Evaluationsbericht zum Jahr der Technik 2004 stellt etwa fest, dass dessen Ziele in »verschiedenen Quellen immer wieder anders« und »sogar an manchen Stellen widersprüchlich formuliert« seien. Diese Scheu, sich festzulegen, begründen die Protagonisten der Wissenschaftsjahre gern damit, dass man der Eigeninitiative der Forscher breiten Raum gebe. Jede Initiative, die aus dem Elfenbeinturm herausführe, sei willkommen, und überhaupt sei Kommunikation an und für sich schon ein positiver Wert.