Am 10. Januar hat sich der Dritte Strafsenat des Bundesgerichtshofs in einer Hauptverhandlung mit dem Tod des 18-jährigen Robert Syrokowski beschäftigt. Wie die ZEIT (Nr. 2/08) berichtete, war der volltrunkene Schüler von zwei Ratzeburger Streifenbeamten in einer Dezembernacht des Jahres 2002 zunächst in Gewahrsam genommen, dann aber an einer einsamen Landstraße vor Lübeck ausgesetzt worden, wo er von einem Auto erfasst und getötet worden war.

Die Eltern Syrokowski hatten nach Jahren und nur mit Hilfe des Oberlandesgerichts Schleswig erreicht, dass die beiden Beamten schließlich angeklagt wurden. Das Landgericht Lübeck verurteilte sie wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten.

Dieses Urteil wollten weder die beiden Beamten noch die Staatsanwaltschaft Lübeck, die im Prozess Freispruch gefordert hatte, hinnehmen. Alle drei legten vor dem Bundesgerichtshof im Interesse der Verurteilten Revision ein. Auch Syrokowskis Eltern waren als Nebenkläger in Revision gegangen, ihnen war der Schuldspruch zu milde.

Ihr Revisionsanwalt Johann Schwenn argumentierte, das Landgericht Lübeck habe sich zu sehr auf die Angaben der beiden Beamten verlassen, die von der alkoholbedingten Hilflosigkeit des Schülers nichts bemerkt haben wollten. Damit setzte er sich durch.

Der Bundesgerichtshof hob den Schuldspruch auf und verwies die Sache auf den Antrag der Nebenklage zu neuer Verhandlung an das Landgericht Kiel. Die Revisionen der Angeklagten und der Staatsanwaltschaft Lübeck wurden verworfen. Jetzt droht den beiden Polizisten eine Verurteilung wegen "Aussetzung mit Todesfolge", was neben einer hohen Freiheitsstrafe auch den Verlust des Beamtenstatus zur Folge haben kann.