Penn: Wissen Sie, was ich glaube? Dass wir in eine Welt hineingeboren werden, in der sich niemand die Zeit nimmt, der zu werden, der er ist – und all diese Menschen, die nicht sie selbst sind, verletzen die wenigen Menschen, die sich diese Zeit nehmen.

ZEIT: Am Ende des Films, als Chris verhungernd im Bus kauert, versteht er, dass das Glück, das er in der Wildnis gesucht hat, nur dann Glück ist, wenn man es mit jemandem teilen kann. Ein Zitat von Tolstoj.

Penn: Man muss etwas besitzen, bevor man es teilen kann. Erst am Ende war ihm das gelungen.

Chris McCandless wirkt wie ein idealistischer Doppelgänger von Sean Penn, ein verwandter Geist. Dieser Chris brach im Sommer 1990 auf, spendete die 25000 Dollar, die er für die Harvard Law School gespart hatte, der Wohlfahrtsorganisation Oxfam und machte sich ohne Geld auf seine Reise, die ihn von Atlanta weit in den Westen der USA führte, immer in den Westen, diesen amerikanischen Sehnsuchtsort, durch die öden Weiten von Texas und durch den magischen Grand Canyon, dann nach Norden, die Küste von Kalifornien hinauf, zu den Weizenfeldern von North Dakota bis nach Alaska, wo er mit einer Packung Reis, Gummistiefeln und ein paar russischen Romanen in den Schnee stapfte und ein Glück fand, das ihm zum Verhängnis wurde. Chris McCandless ist eine uramerikanische Figur, die in der Tradition steht der Naturmystik, wie sie schon Henry David Thoreau in »Walden« im 19. Jahrhundert beschrieben hat, und der pop-romantischen Verherrlichung des Drop-out, wie sie Jack Kerouac in »On the Road« betrieben hat. Bei Chris kam zum Ekel vor der Normalität noch ein moralischer Rigorismus, der Sean Penn besonders imponiert zu haben scheint. Sein eindrucksvoller Film ist Hagiografie und Zivilisationskritik in einem.

ZEIT: Ist es schwierig, mit Ihnen befreundet zu sein?

Penn: Ich habe gute Freunde, wenn Sie das meinen.

ZEIT: Was braucht denn Freundschaft?