ZEIT: Weil es das wahre, das gute Amerika ist, der Einzelne, der Outcast, der nach Westen geht, um Freiheit zu finden oder wenigstens den Tod?

Penn: Ich würde das nicht so einfach in Worte packen. Meine Erfahrung mit Amerika ist anders. Amerika ist wie ein Gedicht, und jedes Mal, wenn ich durch das Land reise, gibt es ein paar neue Verse. Der Sinn liegt in den Dingen. Man muss nur genau hinsehen, genau hinhören.

Nach den Filmfestspielen von Cannes wird Sean Penn mit Gus van Sant und Terrence Malick drehen, zwei seiner Idole. Er wird weiter nach der Wahrheit forschen, und das wird ein paar Falten mehr in sein Gesicht graben. Als Kind war er fast krankhaft scheu und lebte in seinem eigenen Kosmos wie jemand, der sich nicht an die anderen verschwenden will, weil er ahnt, dass sie sein Geschenk nicht zu schätzen wissen. In dieser Hinsicht ist »Into the Wild« nun der persönlichste Film von Penn.

ZEIT: Sie haben gesagt, dass Sie nun endlich wissen, was der tiefere Grund dafür ist, dass Sie Filme machen.

Penn: Das ist eine sehr private Sache. Ich kann nur sagen, dass ich vor zehn Jahren vielleicht die Hoffnung hatte, dass Filme die Welt verändern können. Filme sind aber keine Medizin. Wir haben sehr viele Filme gemacht, aber die Dinge laufen nicht viel besser. Vielleicht hatten wir aber einfach nicht den richtigen Film zur richtigen Zeit.

ZEIT: Warum ist es so schwierig, gut zu sein?

Penn: Das ist die falsche Frage. Die Frage ist nicht, warum so wenige Menschen gut sind, sondern warum so viele schlecht sind.

Das Gespräch führte Georg Diez