Castingshow Warhols Rache
Das Fernsehformat "Deutschland sucht den Superstar" läuft in fünfter Staffel. Daran geht zwar nicht die Kultur des Abendlandes zugrunde, aber der musikalische Amateur.
Die Mutter aller Casting-Shows ist Dieter Bohlens Deutschland sucht den Superstar, kurz: DSDS. Die Sendung geht gerade in den fünften Jahrgang. Am 23. Januar wird eine Zusammenfassung der seit August in sechs deutschen Städten, auf Mallorca und Ibiza veranstalteten Vorcastings ausgestrahlt. An diesen haben 28.290 Menschen teilgenommen und vorgeträllert.
28.290! Kulturpessimisten sehen dieses Massentreiben der Nichtskönner natürlich mit Grausen – und vergessen, dass der Spaß am Nichtskönnen und Trotzdemmachen älter ist als das Privatfernsehen. Menschen, die sich mit Begeisterung, aber ohne sonderliches Talent und ohne Ambition dem Singen, Tanzen, Spielen hingeben, gab es schon immer. Nur haben heute 28.290 Nichts- und Wenigkönner echte Ambition. Das ist der mediengemachte Unterschied.
Nein, die Kultur des Abendlandes geht am
DSDS-
Spaß nicht zugrunde, aber eine ihrer liebenswürdigsten Erscheinungen: der Amateur. Er liebt die Sache, in der er es nie zur hohen Kunst bringen wird, um ihrer selbst willen, also mit wahrer Leidenschaft. Der Casting-Kandidat hingegen, der wirklich Star werden, öffentlich gesehen und gehört werden will, und sei es nur für drei Minuten, ist ein im besten Fall selbstironischer, im schlimmsten Fall ein verzweifelter Narziss.
DSDS
ist nichts anderes als ein Synonym für: Warhols Rache.
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- Datum 23.01.2008 - 03:07 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.01.2008 Nr. 05
- Kommentare 3
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dass der Artikel gerade da aufhört, wo er wirklich beginnt."Warhols Rache", aha.
Viel Vorrede und als es interessant wurde, schwupps, endet der Artikel. Ist es wirklich so, dass jeder der zu DSDS geht auch ernsthaft glaubt oder hofft berühmt zu werden? Muss ich eher mäßig begabten jungen Menschen in der Tat so viel Realitätsverlut unterstellen. Ich denke nicht. Viele werden wohl auch wirklich im olympischen Sinne ("dabei sein ist alles") mitmachen. Somit sind doch genügend Amateure dabei. Und wenn man sieht was z.B. bei Stefan Raab und seiner Castingshow auf der Bühne zu sehen war. Hut ab. Aber das ist ja auch ein etwas anderes Format als DSDS.
wenn er - so verstehe ich den Artikel zumindest - der Veranstaltung fernbleibt und durch sein Zerrbild, den verblendeten Narziß, ersetzt wird?Abgesehen davon, dass es sich - wenn überhaupt - höchstens um den musikalischen Amateur handeln könnte, un der sportliche, philosophische, wissenschaftliche Amateur, sowie der Amateur der darstellenden Kunst davon letztlich unberührt bleiben: Es werden noch genug Leute zu ihrem Privatvergnügen Musik machen, ohne dass RTL auch nur eine Ahnung davon hat. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass sich Kirchenchöre oder Streichquartette bei dieser Sendung bewerben?Laßt Warhol Rache an Narziß nehmen. Und jedem seine 15 Minuten Anonymität.
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