Wikipedia Kontrolle ist besser

Wie Artikel im Online-Lexikon entstehen, wie man sie einschätzen kann und wie sich Manipulationen erkennen lassen

Die Wikipedia ist eines der Leitmedien des World Wide Web. Die Erfolgsgeschichte der »freien Enzyklopädie« beruht darauf, dass jeder dort schreiben und sein Wissen einbringen kann, auch anonym. Dieses Prinzip der Offenheit wird ergänzt durch Dokumentation und Kontrolle: Alle Artikeländerungen werden gespeichert. Frühere Versionen sind unter »Versionen/Autoren« abrufbar, unter »Diskussion« finden sich die Debatten und Fragen der Bearbeiter. So eindrucksvoll die Fülle und die Nachvollziehbarkeit der Wikipedia-Inhalte sind – beim Umgang mit ihnen ist besondere Sensibilität angesagt.

Wikipedia arbeitet nach dem Konsensprinzip: Es »hat Bestand, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird«, heißt es in der Selbstbeschreibung. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass alle Bearbeiter der Enzyklopädie deren kompletten Inhalt kennen und gutheißen. Vielmehr herrscht der Konsens unter den Bearbeitern des einzelnen Artikels. Die Kompetenz dieser Gruppen kann sehr unterschiedlich sein, dementsprechend variiert auch das Niveau der Artikel. Und eine Gewähr für die Richtigkeit ist der Konsens ohnehin nicht.

Viele Themen sind in der Wikipedia-Gemeinschaft ebenso umstritten wie in der Gesellschaft. Und immer wieder ist die Wikipedia das Ziel von PR-Aktionen, Texte werden interessengeleitet geändert. Oft entdecken aufmerksame Wikipedianer solche Versuche, mäßig kaschierte Werbung einzuschleusen, nach wenigen Minuten und löschen sie. Trotzdem ist es angeraten, vor der Verwendung der Texte einen Blick auf die Diskussionsseite zu werfen und zumindest die jüngeren Versionsänderungen zu beachten – umso kritischer, je kleiner die jeweilige Bearbeitergruppe ist.

Beim Erkennen von Manipulationsversuchen hilft der Wikiscanner von Virgil Griffith. Er wertet alle Änderungen nicht angemeldeter Nutzer aus und ordnet deren Netzadressen Firmen und Organisationen zu. So wurde jüngst das US-Militär bei Änderungen am Artikel »Guantánamo« ertappt, der hessische CDU-Landesverband änderte die Biografie des Grünen Landtagsabgeordneten Tarek Al-Wazir (angeblich war es ein Praktikant), und der Eintrag über die grüne Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke ist ein Beispiel für einen sogenannten Edit-War, bei dem sich die Bearbeiter gar nicht grün sind.

Eine Liste mit weiterführenden Links finden Sie hier »

 
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